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Die letzten Dinge


von Inés Hoelter

lyrik
ISBN13-Nummer:
9783942199407
Ausstattung:
Tb / S. 75 / Softcover 20 Fotografien
Preis:
10.90 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
Design Pavoni° Verlag
Leseprobe

Apokalypse

 

lähmende Leere im wirbelnden Kopf

dunkle Gedanken plustern sich auf

und drohen die Schädeldecke zu sprengen

verdecken das freundliche Blau der kindlichen Seele

Entsetzen klopft stumpf an die Innenseite seines Schädels

und zwingt ihn sich zu stellen

dem auswegslosen Kampf im Kopf

 

schwarz

wie ein Rabe

wie die Nacht

wie Teer

ist meine Trauer um dich

 

Zeit

 

Ein dürrer Baum in der Wüste

verknöchert, geformt vom Wind des Lebens

stoisch, starr, standfest

stehe ich hier und spüre die Zeit verrinnen,

unnachgiebig, flüssig,

zäh wie Honig

die Ungeduld,

dich bei mir zu haben,

dein Lachen zu hören,

deine Lippen zu studieren,

deine zarte Haut zu ertasten

und dich unter mir zucken zu spüren,

erlaubt mir kaum zu atmen

tick tack tick tack

das Ticken der Uhr hämmert bedrohlich in meinem Kopf

 

und wie ein urbaner Baum,

der seine Wurzeln widerwillig in den Asphalt gegraben hat,

bin ich verbannt zu warten

inmitten der lauten Hektik meines Lebens

voll stiller, inniglicher Hoffnung

ihn zu bekommen

deinen Kuss

nicht den des Abschieds

den der Liebe

 

Der Wald

 

Es geht hinein

und setzt seinen Schritt

das kleine Kind

das keines ist

Die Dunkelheit öffnet ihren Mund

und saugt es ein

Allein in der Orientierungslosigkeit

orientierungslos in der Irrigkeit

irrig in der Einsamkeit

Es ist das Kind

das keines ist

schutzlos klein

im großen Wald und ruft hinein

seinen Ruf ohne Widerhall

 

Ich sehe was, was du nicht siehst

 

Ich sehe deinen Blick, der

sich verschließt

und deinen Mund, der

sich verpresst

deine Augen, die

wütend blitzen

und deine Finger, die

wild nesteln

Ich fühle deine Wertung,

abschätzend, kühl und berechnend

und deine Liebe,

fordernd, strafend und katholisch

Ich bemerke deine Verletzungen,

heimlich, leise und still

und deine Zweifel,

verborgen, kindlich und bohrend

Ich sehe das.

Du nicht.

 

Untergang

 

Soll ich dich ins Wasser ziehn?

Mit dir untergehn?

Mit Knoten im Hals

vor lauter Gefühl

Ja, ich gehör zu dir

Doch ich tue es nicht

sehe deine Liebe nicht

stehe im falschen Licht

ziehe dich nicht zu mir

sondern löse mich von dir

und schließe leise die Tür

 

Trockene Tücher

Die Erinnerungen an dich

hängen wie nasse Lappen

über meinen Gedanken

wie kühlende Umschläge

wickeln sie meine Seele ein

versuchen das Fieber der Ungeduld zu senken

zur Gelassenheit zu mahnen

mögen sie doch bald trocknen, die Tücher

(…und heimlich beginne ich zu pusten…)

 

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Inés Hoelter


Die letzten Dinge

Klappentext
Rezension