Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern


Kategorien
> Lyrik > Der Mond im Schlafrock
Belletristik
Bücher Erotik
Esoterik Bücher
Fantasy Bücher
Kinderbücher
Krimis & Thriller
Kultur Bücher
Lyrikbücher
Magazine
Politik, Gesellschaftskritik
Ratgeberbücher
regionale Bücher
Reiseberichte
Bücher Satire
Science Fiction
Technikbücher
Tierbücher
Wirtschaftbücher
Bücher Zeitzeugen

Login
Login

Newsletter
Name
eMail

Lyrikbücher
Buch Leseprobe Der Mond im Schlafrock, Christian Koch
Christian Koch

Der Mond im Schlafrock


Geschichten, Verse und Lieder für Erwachsene

Bewertung:
(465)Gefällt mir
Kommentare ansehen und verfassen

Aufrufe:
6337
Dieses Buch jetzt kaufen bei:
Drucken Empfehlen

Eines Nachts


 


Eines Nachts, ich lag in tiefem Schlaf,


als mich zärtlich berührt


deine Hand und hat mich verführt.


Du kamst durch die verschlossene Tür,


ich weiß nicht wie's dir gelang,


auf einmal warst du neben mir,


so nackt und blank.


 


Und über uns auf dem Dach


machten auch die Katzen Krach.


Sie mauzten und schnurrten dazu,


ein bisschen auch du.


 


Ach, war das ein sanftes Auf und Ab,


und wie schön roch deine Haut,


und dann verfielen wir in leichten Trab,


weil schon der Morgen graut'.


 


Und wir trabten bis zum ersten Sonnenstrahl,


bis uns're Kraft fast versiegt,


deine Augen sagten: Noch einmal,


und du warst so vergnügt.


 


Erschöpft hielten wir uns an der Hand,


der Tag war sonnig, mild und schön.


Wir lagen wandelnd an Traumes Rand,


ich sah dich nicht geh'n.


 


Was ich such' in meiner Seele


 


Abends hab ich manchmal lange Weile


und dann räume ich in meiner Seele auf.


Finde viele unerfüllte Träume,


plattgedrückt von der Zeiten Lauf.


Sitz‘ bei einer Flasche rotem Weine


und mein Blut zieht träger seine Bahn.


Denke manchmal nur noch an das Eine,


fürchte fast, ich werde ein Galan.


 


Manchmal klopf‘ ich viel zu große Sprüche


und tu nicht das Geringste was ich wollt‘.


Manchmal fluch ich viel zu laute Flüche,


hab‘ damit schon manchen Freund vergrault.


Allzu oft steck‘ ich in einer Haut drin,


die mir im Moment gar nicht passt,


und dann räum‘ ich auf in meiner Seele,


leichter trägt sich dann die Last.


 


Männer


 


Weiß der Geier, welche Männer


taub sind oder wahre Kenner,


welche wissen, wie die Frau’n,


morgens früh um vier ausschau’n,


welcher Po die Güte hat,


ob im Tanger oder nackt,


sie mit Grübchen anzuschau’n.


 


Viele denken, ach die Weiber,


haben doch nur and’re Leiber.


Haben nie ergründen können,


welche Feuer drinnen brennen.


Löschen oder nähr’n sie nicht,


trampeln dröge auf der Glut,


balzen wie verklemmte Affen,


zum Erforschen fehlt der Mut.


 


Manche haben echten Stil,


fühl’n und lieben mit Gefühl.


Von dem Scheitel bis zur Sohle,


kenn’n sie erogene Pole,


tauchen ab in tiefste Tiefen,


die die Einsamkeit nur kennt,


holen aus den letzten Winkeln,


was man Zweisamkeiten nennt.


 


Also ist es nicht egal,


nach dem Motto: Woll’n wir mal?


Sondern Wellenlängenflimmern,


lieben bis zum leichten Wimmern,


und erotischen Spagat,


ganz egal, ob Nacht, ob Tag.


 


Saufen, rauchen, Möbel rücken,


tut die Männerwelt entzücken,


rasend Katzen überfahren,


und die Eitelkeit bewahren.


Imponieren und laut hupen,


heimlich in der Kneipe pupen,


riesengroße Sprüche klopfen,


nachtens nehm’n sie Hustentropfen.


Jede Szene voll im Griff,


aber nie ‘ne Träne zeigen,


ewig geht er, dieser Reigen.


 


Und das Grübchen lacht so schrill,


natürlich nur,


wenn SIE es will.


 


Der Mond im Schlafrock


 


Der Mond hat Pause. Genau 8 Stunden, 47 Minuten und 6 Sekunden. Er sitzt auf seinem Stuhl aus Korbgeflecht, den er so sehr liebt und den er bei einer Trödlerin in der Milchstraße gekauft hat. Er trägt seinen lilafarbenen Satin-Schlafrock mit den vielen kleinen goldenen Sternchen darauf - heute ist ihm mal so - und er hat die Beine übergeschlagen. In der Hand hält er einen Caipirinha, den er ehrfurchtsvoll anblickt. Nicht wegen der vielen Limettenstückchen, die er in doppelter Menge wegen des Vitamin-C-Gehaltes hinein getan hat, sondern wegen dem dreifachen Schuss Pitu, den er sich heute genehmigt. Aber er will nach seiner Mondpause nicht unbedingt eiern. Obwohl ihm das manchmal schon passiert ist. Doch unten hat das kaum jemand bemerkt. Also saugt er einen kräftigen Schluck durch den Strohhalm - einen echten Strohhalm übrigens - das kann er sich leisten, und verfolgt das angenehme Gefühl in seinem Gaumen; das sanfte Streicheln am Zäpfchen, ein leichtes Kratzen in der Speiseröhre und dann wie sich der Caipirinha um das erste Magengeschwür legt und es sanft einlullt. Im Stillen wünscht er sich, Dieter hätte den Caipirinha gemixt, dann wirkte er irgendwie noch besser. Aber Dieter ist nicht da. Er muss heute Sterne putzen und deshalb war der Mond zu Hause geblieben und nicht in die Sternestaub-Bar gegangen. Das Magengeschwür scheint sich wohl zu fühlen, denn seine Nervosität lässt langsam nach. Das zweite Magengeschwür macht da schon länger auf sich aufmerksam, aber es lebt ja auch kurz vor dem Pförtner und wurde von diesem öfter mal mit zurückschießendem Gallensaft versorgt; morgens, wenn der Mond nach durchzechten Mondpausen mit einer kleinen Sterneputzerin leicht verkatert war. Dann sehen ihn die Menschen unten nur mit undeutlichen Umrissen und einem verschwommenen Schein umgeben. Der kommt vom Eiern. Also nimmt der Mond noch einen kräftigen Zieher durch den Strohhalm, streckt die Beine weit von sich und biegt den Rücken durch. Im Nu hat der Caipirinha das Magengeschwür betäubt und der Pförtner wird auch langsam trunken. Sanft gurgelt es in seinen Gedärmen. „Oh Gott“, sagt er zu sich selbst, „wie gut das tut. Nimm noch einen Schluck, Eiermond, die Pause ist viel zu kurz!“ Schon saugt er wieder am Halm. Der Halm zieht mit einem schmatzenden Geräusch Luft - der Caipirinha ist alle. „Oh Scheiße“, denkt er, „gerade jetzt, wo ich die Störenfriede in meinen Kaldaunen im Zaume habe.“ Er steht auf und schlurft zu seiner Mondbar. Diese ist sein einziges Möbelstück. Was braucht er mehr? Kein Bett, denn seine Pausen sind viel zu kurz. Außerdem muss ein Mond nie schlafen. Auch nicht essen. Besuch bekommt er auch nie, also benötigt er auch keine weiteren Sitzmöbel. Und wenn er etwas erleben will, dann geht er in diese verruchte Sternestaub-Bar ganz hinten in der Milchstraße. Und das geht eigentlich nur, wenn er für die Menschen auf der Erde Neumond ist, da kann er schummeln. Da ist er dann nämlich nicht wirklich da, er schwänzt sozusagen, und treibt sich mit seiner Sterneputzerin in ihrem Himmelbett herum. Tja, und dann kommt er wieder so allmählich und sehr undeutlich zum Vorschein. Hei, beim Gedanken an die kleine Sterneputzerin wird ihm leicht kribbelig. „Wirst du wohl mal?“ brabbelt er vor sich hin, aber er genießt das Gefühl und schubbert sich leicht an seiner Mondbar, während er Eis für einen neuen Caipirinha zerstößt. Seine Mondbar ist schwarz wie die Nacht und ebenso wie sein Schlafrock mit unzähligen kleinen goldenen Sternchen besetzt. Dadurch schimmert sie silhouettenhaft in seinem Mondraum. Akribisch schneidet er eine Limette in genau vier gleiche Teile. Es klappt immer,da er es ja schon tausende von Jahren lang macht. Nur der Schuss Pitu variiert je nach Laune und Verlangen. Und heute ist beides groß, also fällt der Schuss Pitu wieder dementsprechend aus. Er leckt einige Körnchen Rohrzucker von seinem Zeigefinger und trinkt, immer noch gegen die Bar gelehnt, damit sich das Gefühl nicht verliert, erst einmal einen kräftigen Schluck. Huuiii, wird das warm in seinem Verdauungstrakt. Die Magengeschwüre schlafen nun seelig, nur der Pförtner trinkt noch feste mit. „Soll er“, sagt sich der Mond. Er kennt ja schließlich nichts anderes als Caipirinha. Er schaut auf sein Glas. Es ist nur noch einviertel voll. „Hau wech“, ruft er und kippt den Rest hinter. Dabei verschluckt er sich an einigen Krümeln unaufgelöstem Rohrzucker und hustet. „Verdammt, das hast du davon! Anstatt den Drink mit dem Strohhalm zu genießen, mußt du ja wieder schütten!“ Das leere Glas schimmert im Sternengeglitzer seiner Bar und er sieht es liebevoll an. „Komm mit, mein Kleines“, sagt er laut zum Glas, „wir schauen jetzt aus dem Fenster.“ Der Mond schiebt mit dem linken Fuß den Schaukelstuhl etwas beiseite, lehnt sich gegen das Fensterbrett und schaut hinunter auf die Erde. Sein scharfes Auge fixiert ein kleines Provinzkaff. Sein Blick schweift durch die nächtlichen Straßen der Stadt. „Nicht viel los“, denkt er. Da sieht er einen Radfahrer um die Ecke biegen. Ein etwas fülliger Mann mit strammen Beinen tritt kraftvoll in die Pedalen eines alten Damenfahrrads. Der Mond kennt ihn, es ist Raul, der bei der legendären Band 'Leergut' die Congas schlägt. Raul sieht abgekämpft aus, es war eine harte Probe. Stundenlang musste er trommeln mit seinen bloßen flachen Händen, die jetzt wohltuend den Fahrradlenker umkrallen und sich nach so etwas griffigem wie einem Bier- oder Colakasten sehnen. Seitdem der Supermarkt auf diese nervigen Leergutautomaten umgestellt hat ist Raul arbeitslos und hat sich auf’sTrommeln verlegt. Beim Gedanken an seine geliebten Leergutkästen tritt Raul gleich etwas mehr in die Pedale und legt sich wie ein Motorradfahrer elegant in die Kurve. Und so verschwindet er aus dem Blickfeld des Mondes wie ein schnaufendes Ungetüm, welches nie seiner Seeligkeit entflieht und somit vor den Härten des Lebens verschont bleibt. Beneidenswert! Der Mond läßt sich wieder in seinen Schaukelstuhl fallen, bevor er sich einen neuen Caipi mixt. „Wie ist das Leben doch schön“, denkt er, „dort unten und hier oben bei mir.“ Dann nickt er ein.


Ein unscharfer Schimmer umgibt die schmale Mondsichel als Raul von seinem Fahrrad steigt und einen Blick in den Himmel wirft. „Irgendwie eiert’s dort oben“, denkt er .....


 


Erwin (3)


 


Unter Erwin's Hollerbusch wohnt 'ne zarte Elfe.


Manchmal kommt sie in der Nacht, meistens gegen zwölfe,


schaut in seinen Traum herein, ziert sich nicht die Bohne.


Manchmal zuckt auch Erwin's Bein, dann ist der Traum nicht ohne.


Nicht ohne einen Tropfen Wein, nicht ohne Wurst und Käse,


nicht ohne seinen Kumpel Hein, nicht ohne Polonäse.


Die führt stets die Maria an, die wohnt gleich hinterm Bahngleis,


hat blaue Kornblumen im Haar und steht total auf Zahnweiß.


Dann weiß die Elfe, ihm geht’s gut, verschwindet still und leise.


Ansonsten schürt sie noch die Glut, ist draussen Schnee und Eise.


Maria führt jetzt in den Wald, die Hochnebel schon sinken,


und nur von Ferne sieht man zart Maria's Zähne blinken.


 


 


Für den Inhalt dieser Seite ist der jeweilige Inserent verantwortlich! Missbrauch melden



© 2008 - 2022 suchbuch.de - Leseproben online kostenlos!


ExecutionTime: 4 secs