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Lyrikbücher
Buch Leseprobe DECKUNG WIE EIN BOXER, Andie G. Schmitt
Andie G. Schmitt

DECKUNG WIE EIN BOXER


Gedichte

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BUNDESJUGENDSPIELE


 


 


in der letzten Grundschulklasse:


 


Jeder wollte diesen Zettel.


Diese U R K U N D E.


Es gab Ehren- und Siegerurkunden.


 


Ich wollte sie nicht.


Keine von beiden.


Aber ich tat, was man von


mir verlangte:


 


50-Meter-Lauf in etwas über 14 Sekunden:


Zu langsam.


 


Im Zonenweitsprung, keine zweieinhalb Meter:


Zu kurz.


 


Weitwurf mit dem Schlagball,


was mir besonders nutzlos erschien,


keine 20 Meter:


Wieder zu kurz.


 


Ich wollte es nicht.


Ich wollte es einfach nicht.


Das kam mir alles so sinnlos vor.


So sinnlos wie einem


ausgewachsenen Löwen einen


Erdbeerjoghurt zu servieren.


 


PLUP, wieder war ein anderer


abgesprungen. So weit wie


er flog, wollte er diese Urkunde.


Unbedingt. Und wenn schon,


dann eine Ehrenurkunde.


 


Er war so weit


weg von mir.


Soweit wie der Saturn


von uns allen.


 


Alles ein riesiger Erdbeerjoghurt.


Mehr nicht.


 


Während der andere Junge


im Sandbett landete,


umkreiste ich den Saturn.


Voller Bewunderung für seine


schönen riesigen Ringe,


die ihn umgaben. In wundervollem


schimmerndem Licht.


Ganz weit, weit weg.


 


Als ich erneut übertrat.


 


Ungültig, Andreas!, brüllte der


Sportlehrer und warf mir einen


genervten Blick zu. Schließlich


wollte er, dass seine Jungs


möglichst viele Urkunden holten.


 


Augenblicklich spürte ich seine tiefe


Abneigung. Als hätte sich sein genervter


Blick in einen warmen Atem


verwandelt, welchen ich in jenem Moment


im Nacken spürte.


Doch ich blieb auf meiner Reise um den Saturn.


Wir drehten aneinander und es


war so real. So, als wolle es


niemals enden.


 


Während sie rannten und warfen


und in einen Sandkasten hüpften,


drehte ich mich weg,


mit aufgestellten Handflächen


über meinen Augen,


in den Mittagshimmel blickend.


 


 


 


 


ALLES AUFGERÄUMT


 


 


Sie sagte es mir an einem Septembernachmittag.


Du, hör mal, ich muss mit dir reden. Und ich wusste,


es wird nichts Gutes zu hören sein.


 


Unsere Beziehung sei am Ende. Das wisse ich doch


sicherlich auch. Ich wusste es nicht. Das müsse


ich doch auch spüren, dass da nichts mehr sei.


 


Für mich war da noch allerhand. Klar, unsere


Beziehung hatte feine Haarrisse. Wie bei einer


Vase. Von weitem sieht′s top aus, aber wenn du näher


rangehst … na ja. Gut, ich nahm es an. Alles, was


kam, nahm ich an. Was hätte ich sonst auch tun


sollen? Heulen?


 


Es hätte nichts geändert. Ich hätte mich nur zum


Trottel gemacht. Also nahm ich es, wie man es von


einem Mann in meinem Alter erwartete.


 


Am nächsten Morgen fing ich an aufzuräumen. Ich


wollte nicht unnötig an sie erinnert werden. Doch das


war leichter gesagt, als getan.


 


Nahezu alles in meinem Apartment war von ihr. Also


Dinge, die ich nicht so einfach wegräumen konnte.


Ein Sekretär, eine Kommode, ein kleines Schränkchen


und ein kleiner Nachttisch. Die Dinge, die darauf oder


darin lagen, machten mir zu schaffen. Setzten mir


arg zu. Wesentlich mehr, als ich mir tags zuvor noch


anmerken ließ. Aber es musste sein, das wusste


ich. Aufräumen. Nimm die Dinge vom Herzen weg,


verabschiede dich mit Respekt und dann:


 


Lass es los. Lass es in Ruhe. Mit einem


Schlüsselanhänger von ihr fing ich an. Er lag in der


ersten Schublade des Sekretärs.


 


Mit einem kleinen Stoffbären dran. Wir beide


mochten Bären. Besonders Pandas hatten es


uns angetan. Erblickten wir einen im Fernsehen,


wurden wir butterweich. Verwandelten uns für


einen kurzen Augenblick in kleine Kinder zurück. Oh,


sind die niedlich. Wie schön. Dieses Fell und diese


Knopfaugen.


 


Dann fand ich einen Bierdeckel aus einem


gemeinsamen Urlaub. Der kleine weiße Rand war


vollgeschrieben mit ihren Liebesbekundungen. Es


war eine wirklich schöne Zeit damals.


 


Ein Kugelschreiber mit dem Logo ihres kleinen


Unternehmens fand ich als nächstes und vier


Passbilder von ihr. Weiß Gott, wie die hierherkamen.


Des Weiteren, ein Nasenhaarschneider. Sie


verabscheute es, wenn mir die Haare aus der Nase


wuchsen. Zwei kleine grüne Tupperdosen folgten.


Sie liebte Tupperdosen. Eine Sonnenbrille lag in der


untersten Schublade.


 


Das war′s. Es war nicht viel. Im Badezimmerschrank


lag noch ein schwarzer Haarring von ihr, umwickelt


von einigen ihrer langen braunen Haare und ich roch


an ihnen.


 


Aber da war nichts mehr. Nur eine dünne Schicht


Staub, die jetzt an meiner Nase hing. Jetzt habe ich


nur noch eins von ihr. Ein altes Weihnachtsgeschenk.


 


Diese silberne Sprungdeckeluhr. Ich drückte die


Krone, der Deckel ging auf und ich sah, die Zeiger


waren stehengeblieben.


 


Ich erinnere mich an einen ihrer letzten Sätze:


ALLES HAT SEINE ZEIT!


 


Nur wir hatten fortan keine mehr.



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