Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern


Kategorien
> Kultur Bücher > Paul Dahlke – Die Biografie
Belletristik
Bücher Erotik
Esoterik Bücher
Fantasy Bücher
Kinderbücher
Krimis & Thriller
Kultur Bücher
Lyrikbücher
Magazine
Politik, Gesellschaftskritik
Ratgeberbücher
regionale Bücher
Reiseberichte
Bücher Satire
Science Fiction
Technikbücher
Tierbücher
Wirtschaftbücher
Bücher Zeitzeugen

Login
Login

Newsletter
Name
eMail

Kultur Bücher
Buch Leseprobe Paul Dahlke – Die Biografie, Rüdiger Petersen
Rüdiger Petersen

Paul Dahlke – Die Biografie


„Donnerwetter, was fehlt denn da“

Bewertung:
(493)Gefällt mir
Kommentare ansehen und verfassen

Aufrufe:
5225
Dieses Buch jetzt kaufen bei:
Drucken Empfehlen

Im Alter von fünf Jahren zieht Paul mit seinen Eltern nach Köslin. „So


erinnere ich mich, welch erregenden Eindruck es auf mich machte, als ich


im Strandcafé von Groß-Mölln die erste Maus entdeckte und es mir mit


Hilfe von Kuchenkrümeln gelang, sie zum Bleiben zu veranlassen. Als


mein älterer Bruder starb und ich oft mit der Mutter den weiten Weg zum


Friedhof pilgerte, ereignete es sich einmal, dass ich nicht zu bewegen war,


an einem bestimmten Telegraphenmast vorbeizugehen, weil die Drähte im


Winde so unheimlich heulten; so blieb der Mutter nichts weiter übrig, als


umzukehren."7 Sein Bruder Johannes ist 1902 geboren und stirbt im Alter


von vier Jahren an Diphterie.8 Ein weiterer Sohn (Fritz) stirbt im März


1905 einen Tag nach der Geburt.9


„Und in Köslin ist es auch gewesen, wo mich eine taubstumme Frau davor


bewahrte, überfahren zu werden. Ich hatte Schrittmacher einer Postkutsche


gespielt und war immer dicht vor dem Wagen, so nahe, dass das Pferd


mich sanft berührte. Die Taubstumme winkte mir aufgeregt zu, aber ich


kümmerte mich nicht um ihr Gebaren, und da der Kutscher mich kleinen


Knirps da vorn überhaupt nicht bemerkte, hätte ich sehr leicht unter die


Räder kommen können. In einem solchen bedrohlichen Augenblick riss


mich die Frau von der Fahrbahn fort."10


Nach einer weiteren Versetzung des Vaters wird Paul Dahlke in Stargard


eingeschult. „Der Zufall wollte es, dass ich in der untersten Dorfschulklasse


auch Unterricht bei meinem Vater erhielt, was ich keineswegs als Annehmlichkeit


empfand, denn er war streng und zog mir häufig den Hosenboden


stramm. Ich gehörte nämlich keineswegs zu den Muttersöhnchen


und Duckmäusern, sondern war ein wilder Junge, der gern allerlei Streiche


verübte. Da hatte ich beispielsweise eine Armbrust geschenkt bekommen,


mit der ich so manche Fensterscheibe in Trümmern legte. Mitunter bildeten


missliebige Personen das Ziel für meine Bolzen, oder ich zog gleich


von der Schule aus mit Klassenkameraden zum Exerzierplatz, wo wir kriegerische


Spiele vollführten, die sich bis in die späten Nachmittagsstunden


ausdehnten. Das waren alles gute Gründe, um den Unwillen des Vaters zu


erregen.11 Vater hatte ´ne harte Handschrift.12 In der Manöverzeit allerdings


rächte ich mich."13 Zur Kriegsvorbereitung und zur Ausbildung der Soldaten


wurden regelmäßige Manöver abgehalten: „Während der Manöverzeit


14


gab es auch Einquartierung in unserem Hause. Mit den Soldaten, die in


dem Schuppen eines Tischlermeisters untergebracht waren, befreundete


ich mich natürlich sofort an. Besonders begehrt waren die kleinen zwiebackartigen


Brötchen aus der eisernen Ration, die ich gegen einige Zigarren


aus des Vaters Kiste eintauschte."14


Weinschenks Veröffentlichung Unser Weg zum Theater von 1941 hebt


jedes Erlebnis hervor, welches das Militär positiv darstellen, streicht dabei


aber jüdische Weggefährten, wie z.B. seinen Schauspiellehrer Max


Reinhardt. Ob Paul Dahlke darauf einen Einfluss hatte, ist schwer nachzuvollziehen.


In späteren Interviews bezeichnet er sich stets als Reinhardt-


Schüler.


„Nur zwei Menschen gab es, die mein Ungestüm zügeln und mich veranlassen


konnten, für eine Weile still zu sein: Die Mutter, wenn sie zur Laute


griff und sang, und der pensionierte Lokomotivführer in der dritten Etage,


dessen Papagei so herrlich die Militärmärsche zu pfeifen verstand. Dieser


Lokomotivführer hat mir nach 26 Jahren, als ich schon längst Schauspieler


war, geschrieben und unter Hinweis auf ein Kinderbild, das er in einer


Zeitschrift fand, angefragt, ob es sich um seinen kleinen Freund aus Köslin


handle. Ich habe mich herzlich über diese Zeilen gefreut und ihm bestätigt,


dass ich mit jenem Paul Dahlke identisch wäre. Im Sommer ging es zu den


Großeltern nach Grünwald bei Neustettin, und ich erinnere mich noch lebhaft


daran, wie sehr ich den Großvater bewunderte, wenn er ohne Schutz


- nur in der Zeit des Schwarmes trug er eine Gesichtsmaske - an seinen


Bienenstöcken herumhantierte, während ich häufig genug mit schmerzhaften


Stichen heulend ins Haus lief. Imker wollte ich damals werden - aber


wie oft änderten sich die Berufswünsche in diesen Jahren!"15


Ein weiteres Ereignis wird er ebenfalls sein Leben lang nicht vergessen -


die Geburt seines Bruders Georg im Jahre 1912 in Stargard.


„Ich war gerade Sextaner geworden, da erhielt der Vater seine Versetzung


an die Dortmunder Oberrealschule, die ich nun auch besuchte. In Dortmund


schloss ich mich einer Jugendorganisation an, die viele Fußmärsche


mit Zeltlager und Kampfspielen veranstaltete. Diese Gefechte - es gab


auch Schlachten mit Jungen anderer Städte - waren so ganz nach meinem


Sinn und gaben ein wenig Trost dafür, dass man noch zu jung war, um


den Soldatenrock zu tragen. Denn es dauerte nicht lange, da brach der


Weltkrieg aus, und einige Tage später, genau zu dem Zeitpunkt, wo auch


England eingriff, erhielt der Vater seine Einberufung. Ich hatte das Gefühl,


als läge nun das Schicksal der Familie auf meinen jungen Schultern."16


Für den Inhalt dieser Seite ist der jeweilige Inserent verantwortlich! Missbrauch melden



© 2008 - 2020 suchbuch.de - Leseproben online kostenlos!


ExecutionTime: 4 secs