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Kultur Bücher
Buch Leseprobe Mysterium Heiliger Gral, Mike Vogler
Mike Vogler

Mysterium Heiliger Gral



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Einführung in die Thematik


Die Suche nach dem Heiligen Gral fasziniert und beschäftigt die Menschheit schon seit Hunderten von Jahren. Es scheint, als sei der Gral die ideale Projektionsfläche für geistige wie materielle Bedürfnisse. Seit Menschengedenken wird der Gral auch als Symbol für alles Geheimnisvolle verwendet, was sich nicht rational erklären lässt. Für meinen Geschmack wird der Begriff Gral allerdings heute viel zu inflationär gebraucht. Durch die unachtsame Verwendung des Wortes wird das Mysterium des Grals immer mehr verschleiert, anstatt es zu lüften. Es wurden Unmengen von Büchern über den Gral verfasst und im Zeitalter der bewegten Bilder eine große Anzahl an Dokumentationen gedreht. Sogar Hollywood hat sich schon des Öfteren mit dem Thema befasst. Die alles entscheidende Frage ist jedoch, um was es sich beim Heiligen Gral eigentlich handelt. Darauf hat es bis heute keine schlüssige Antwort gegeben.


Auch mir wurde diese Frage schon oft gestellt und ich musste zur Verwunderung der Leute immer wieder antworten, dass ich es auch nicht so genau weiß. Der entscheidende Punkt ist, dass es den Gral nicht gibt. Vielmehr kennen wir heute eine Vielzahl von Gegenständen, die mit dem Gral in Verbindung gebracht werden. Wenn man sich also die verschiedenen Versionen der Gralslegende vornimmt, sollte man immer von einem Gral sprechen, nicht von dem Gral.


Wir dürfen auch nicht vergessen, dass der Begriff Gral in Verbindung mit einem mystifizierten Gegenstand erst mit den ersten mittelalterlichen Romanen in Mode kam. Das Wort stammte aus dem Sprachgebrauch des Volkes und somit ist anzunehmen, dass der Begriff in vielfältiger Weise verwendet wurde und sein Ursprung nicht in einem einzelnen Gegenstand zu finden ist. Da es Gralsgeschichten in ganz Europa gibt, ist es völlig klar, dass der Begriff Gral unterschiedlichste Bedeutungen hatte.


In einer Nacherzählung der Artussage habe ich ein schönes Beispiel dafür entdeckt, dass man den Gral in verschiedenster Weise sehen und deuten kann. Es wird berichtet, dass sich die Ritter der Tafelrunde wie üblich zu Pfingsten an ihrem berühmten runden Tisch versammelt hatten. Plötzlich erstrahlte ein gleißendes Licht, welches die Anwesenden blendete. Inmitten dieses Lichtes erschien dann ein Gegenstand, der über dem Tisch zu schweben schien. Nachdem die Erscheinung vorbei war, blickten sich die Ritter glücklich an und redeten wild durcheinander. Seltsamerweise berichtete jeder der Männer von einem anderen Gegenstand, der ihm erschienen war. Einer hatte einen prunkvollen Pokal gesehen, ein anderer einen mit Edelsteinen verzierten Becher. Es wurde von kunstvoll gearbeiteten Schalen gesprochen bis hin zu Kesseln, die mit jeder erdenklichen Art von Speisen gefüllt waren. An dieser Geschichte erkennen wir, dass der Gral keine Konstante darstellt, sondern sich in seine Erscheinung Wünsche und Sehsüchte projizieren lassen.


Menschen neigen dazu, alles, was nicht rational erklärbar ist, mit einem Mysterium zu belegen. So ist es auch beim Thema Heiliger Gral. Wohlmöglich haben die Gralslegenden einen ganz profanen Hintergrund. Der Gral begegnet uns zuerst in der keltischen Mythologie, in der Form eines Nahrung und Leben spendenden Kessels. Das ist verständlich, wenn wir bedenken, was die Menschen der Frühzeit für Grundbedürfnisse hatten. Sie brauchten genügend zu essen und mussten gesund bleiben. In einem Kessel konnten sie Nahrung zubereiten und Heiltränke brauen.


Als das Leben für die Menschen mit der Zeit leichter wurde, verwandelte sich der Kessel in einen magischen Gegenstand, der zur körperlichen zusätzlich noch geistige Nahrung spendete. Dies ist ein möglicher Lösungsansatz, aber bei Leibe nicht der einzige.


In den vergangenen Jahrhunderten und den unterschiedlichen Kulturkreisen, haben sich die verschiedensten Vorstellungsweisen vom Heiligen Gral herauskristallisiert, die ich dem geneigten Leser in meinem Buch näher bringen möchte.


4. Die Verbreitung der Gralssymbolik


Oberflächlich betrachtet, scheint sich das Thema Heiliger Gral nur auf die Gebiete der Britischen Inseln, Frankreich und Teile des heutigen Spaniens zu beschränken. Dass dem so ist, liegt in der Hauptsache an den Veröffentlichungen einiger Autoren, deren Werke ab dem 12. Jahrhundert ihren Siegeszug in Europa antraten.


Chretien de Troyes, Robert de Boron und Wolfram von Eschenbach, um hier nur die wichtigsten Vertreter jener Zunft zu nennen, waren die Ersten, die das Thema Gral der breiten Masse zugänglich machten. Über die genannten Autoren und ihre Werke ist schon viel geschrieben worden. Die Mehrzahl der Gralsbücher beschäftigt sich zum größten Teil damit. Ich halte es also nicht für nötig, selbst darauf einzugehen. Wenn die Geschichten auch künstlerisch äußerst wertvoll sind, finde ich sie aber eindeutig zu sehr religiös geprägt. Außerdem sind sie ungemein vom damaligen Zeitgeist überlagert, so dass sie für die Suche nach dem wahren Ursprung des Gralsmythos nur bedingt taugen. Ich möchte in diesem Kapitel viel mehr auf andere Legenden und Geschichten eingehen, die einen eindeutigen Bezug zum Heiligen Gral aufweisen.


Der Gral war von jeher das Symbol für die Erfüllung von Wünschen und Sehnsüchten. Als Gralsmotive kennen wir Nahrung spendende Schüsseln, Kessel mit verschiedenen magischen Eigenschaften und sakrale Objekte, die geistige Nahrung spenden. Solcherart Gegenstände finden wir in Legenden von nahezu jedem Kulturkreis.


Schon bei dem Volk der Arier, die etwa ab 2000 v. Chr. im heutigen Indien lebten, begegnen uns Motive des Heiligen Grals. In den Veden, den religiösen Schriften der Arier, wurden die zentralen Himmelskörper Sonne und Mond als nahrungsspendende Gefäße dargestellt. Aus diesen Gefäßen wurden im Jenseits die Götter und Verstorbenen gespeist. Bei den Opferfesten der Arier, die zu Ehren der Götter abgehalten wurden, stellte ein Topf mit Milch die Sonne dar. Ein Topf voller Soma, einem berauschenden Getränk, symbolisierte den Mond. Während der kultischen Zeremonie tranken die Anwesenden abwechselnd aus den beiden Gefäßen und versuchten so, die Götter gnädig zu stimmen. Aus der arisch-indischen Mythologie ist uns auch ein kupferner Kochtopf bekannt, den ein Prinz vom Sonnengott Vivasvant geschenkt bekam. Dieser Kochtopf füllte sich auf Wunsch immer wieder mit Nahrung. Dieser magische Kochtopf bietet eine schöne Überleitung zur deutschen Märchenwelt. Auch dort lassen sich Hinweise auf den Gral finden. Bestes Beispiel ist die Geschichte vom süßen Brei:


Ein armes, aber frommes Mädchen lebte allein mit seiner Mutter und begegnete eines Tages im Wald einer alten Frau. Das Mädchen erzählte der Frau, dass die Familie arm sei und oft hungern müsse. Die alte Frau, wahrscheinlich eine Göttin oder gute Hexe, schenkte dem Mädchen einen kleinen Topf. Wenn man zu diesem die Worte "Töpfchen koche" sagte, kochte er köstlichen Hirsebrei, soviel man wollte. Waren alle gesättigt, brauchte man nur zu sagen "Töpfchen steh" und er hörte auf zu kochen. Freudig brachte das Mädchen den Topf nach Hause und die Familie musste nicht mehr Hunger leiden. Eines Tages, das Mädchen war nicht zu Hause, befahl die Mutter dem Topf, zu kochen. Sie labte sich an dem süßen Brei, doch als sie dem Topf wieder Einhalt gebieten wollte, erinnerte sie sich nicht mehr an die richtigen Worte. Der Topf kochte also weiter und der süße Brei füllte bald die ganze Küche, dann das Haus und drang schließlich bis auf die Straße. Bald war die ganze Stadt voll damit, doch zum Glück erschien das Mädchen und rief "Töpfchen steh". Der Topf stand augenblicklich still, doch jeder der jetzt in die Stadt wollte, musste sich durch den Brei essen.


Der süßen Brei kochende Topf ist eine Form des nahrungsspendenden Grals. Das kleine Mädchen fungiert als Gralswächter, den wir auch aus anderen Geschichten kennen. Nur der Wächter weiß, wie der Gral richtig zu handhaben ist. Dass am Anfang des Märchens ausdrücklich erwähnt wird, dass es ein frommes Mädchen war, die den Topf geschenkt bekam, ist ebenfalls beachtenswert. Die meisten europäischen Volksmärchen entstanden im Mittelalter. In dieser Zeit waren die Vorstellungen der Menschen vom Gral eindeutig christlich geprägt. Nur ein frommes Mädchen war es wert, ein Gefäß zu erhalten, das Ähnlichkeiten mit dem Gral aufwies. Gleichzeitig vereint die Geschichte aber auch vorchristliche Züge von einem Gegenstand, der unbegrenzt Nahrung spendet. Das Märchen vom süßen Brei ist also ein Paradebeispiel dafür, wie sich uralte Legenden mit christlichen Vorstellungen zur Gralssymbolik vermischt haben.


Wir finden aber auch noch in einem anderen Märchen Hinweise auf eine Form des Grals. In "Tischlein deck Dich" begegnet uns ein bemerkenswerter Tisch. Äußerlich macht er nicht viel her, doch wenn man die magischen Worte spricht, geschieht ein Wunder. Der Tisch ist plötzlich mit einem sauberen Tuch gedeckt, Besteck und Gläser stehen bereit. Es erscheinen Schüsseln mit Gesottenem und Gebratenem, dazu der köstlichste Wein. Ist eine Schüssel oder ein Glas leer, füllen sich diese sofort wieder. In Zusammenhang mit dem Gral wird auch immer wieder erwähnt, dass er die erlesensten Speisen auf den Tisch zaubern konnte. Speziell in den Legenden um König Artus wurde immer wieder erzählt, wie der Gral den Rittern der Tafelrunde jede nur erwünschte Speise brachte. Der Ursprung des "Tischlein deck Dich" kann also durchaus auch in einer frühmittelalterlichen Geschichte liegen.


Eine ähnliche Legende eines Tisches kennen wir auch aus Äthiopien. In einer feierlichen Zeremonie stellte der Dorfälteste jeden Abend den sogenannten Sonnentisch auf. Beim nächsten Sonnenaufgang war der Tisch dann mit allerlei Speisen gedeckt. Die Legende besagt, dass es die Mutter Erde war, die für ihre Kinder sorgte.


Wenn wir gerade dabei sind, in der Ferne nach der Verbreitung des Gralsmythos zu suchen, machen wir einen Sprung nach Japan. Im Dezember 1637 kam es in der japanischen Provinz Hizen sowie der nahegelegenen Inselgruppe Amakusa zu einem Bauernaufstand. Der Aufstand richtete sich gegen den Feudalherren Matsukura Katsuie, der das Leben der ansässigen Bauern durch immer neue Steuererhebungen unerträglich machte. Der größte Teil der Bauern gehörte dem christlichen Glauben an. Grund dafür war der vormalige Herrscher Konishi Yukinaga, der sich zum Christentum bekannt hatte. Unter seiner Herrschaft war es zu einer massiven Missionierung der Bevölkerung durch die Jesuiten gekommen. Der Aufstand der Bauern wurde blutig niedergeschlagen und die christliche Religion in ganz Japan verboten. Für uns ist an der ganzen Geschichte vor allem die Fahne der aufständischen Bauern interessant. Sie zeigt einen Kelch mit einer Hostie, der von zwei Engeln flankiert wird. Die missionierenden Jesuiten hatten also auch die Legende vom Kelche Jesus bis in das ferne Japan gebracht. Die einfachen Bauern müssen von der Gralslegende derart fasziniert gewesen sein, dass sie den Abendmahlskelch als Symbol für ihren Aufstand wählten.


Auch in der nordischen Sagenwelt stoßen wir auf gralsähnliche Gegenstände. Im finnischen Nationalepos Kalevala ist von der Samposage zu lesen. In dieser Sage beauftragt der mystische Held Väinämöinen den Schmied Ilmarinen mit dem Bau der Wundermaschine Sampo. Von dieser Maschine hieß es, dass sie ununterbrochen Mehl, Salz und Goldmünzen produzierte. Der Besitzer dieser Maschine war also dauerhaft von jeglicher materieller Not befreit. Ähnlich ist es auch in den Gralsgeschichten. Wer den Gral errang, brauchte sich um sein zukünftiges Leben keine Sorgen mehr machen. Er war auf Dauer versorgt.


Obwohl ich zu Anfang des Kapitels erwähnte, mich nicht näher mit den mittelalterlichen Gralsautoren befassen zu wollen, möchte ich an dieser Stelle kurz auf den "Parzival" des Wolfram von Eschenbach eingehen. Bei Eschenbach ist der Gral ein Stein, der "lapsit exillis" der einst vom Himmel kam. Nach unseren heutigen Vorstellungen kann es sich dabei nur um einen Meteoriten gehandelt haben, der auf der Erde einschlug. In der Kaaba in Mekka, dem Zentralheiligtum des Islam, wird noch heute solch ein schwarzer Meteorit aufbewahrt und verehrt. Der Legende nach soll Abraham, der auch im Islam als Stammvater gilt, diesen schwarzen Stein einst vom Erzengel Gabriel erhalten haben. Natürlich sehen die Muslime den Stein nicht als eine Form des Grals. Ich vermute allerdings, dass er Wolfram von Eschenbach als Vorlage für seinen „lapsit exillis„ diente. Eschenbach lebte in der Zeit der Kreuzzüge und wird wohl von Teilnehmern der Kreuzzüge vom schwarzen Stein in Mekka erfahren haben.


An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf die Traditionen des Heiligen Grals in Deutschland kommen.


Die Burg Wildenberg im Odenwald, nahe der Stadt Amorbach, wird gerne als deutsche Gralsburg bezeichnet. Grund dafür ist, dass die Erbauer der Burg Gönner Wolfram von Eschenbachs waren. Dieser soll auf der Burg der Herren von Dürn Teile seines Parzivals geschrieben haben. Die wohlklingende Bezeichnung Gralsburg trägt Burg Wildenberg allerdings nur durch ihre Verbindung zu Eschenbach. Allerdings lässt ihre reizvolle Lage den mit Fantasie begnadeten Besucher durchaus zu dem Schluss kommen, dass es sich hier um die Burg handelt, in der einst Parzival dem Heiligen Gral begegnete.


Mit geheimnisvollen Geschichten über den Heiligen Gral ist auch die Wewelsburg bei Paderborn verwoben. Heinrich Himmler wollte hier für seine SS ein Ordenszentrum errichten. Hartnäckig hält sich bis heute das Gerücht, dass ein innerer okkulter Zirkel der SS immense Versuche unternahm, den Heiligen Gral zu finden und ihn auf die Wewelsburg zu bringen. Gemeinsam mit dem Gral und der Heiligen Lanze sollte dann eine uralte Prophezeiung erfüllt werden, die Deutschland Macht über die ganze Welt verleihen würde. Im zweiten Teil meines Buches werde ich noch einmal genauer auf das Thema Wewelsburg eingehen.


Kommen wir jetzt zum, meines Erachtens wichtigsten, Hinweis auf die deutsche Gralstradition.


Zu finden ist er im Harz, in der schönen Stadt Goslar. Versteckt zwischen Wohnhäusern steht am Rande der Stadt der beeindruckende Klusfelsen. Wenn auch nicht so imposant wie die Externsteine, weisen die beiden Felsformationen doch durchaus Parallelen auf. Wie bei den Externsteinen streiten Experten bis heute, ob es sich beim Klusfelsen um eine frühzeitliche Kultstätte handelt. Fakt ist, dass sich im Klusfelsen ein kleine, in den Stein gehauene Kapelle befindet. Die Kapelle geht auf Agnes, die Frau von Heinrich dem III. zurück. Agnes hatte die St. Peters-Basilika gestiftet, die auf dem nahegelegenen Petersberg errichtet wurde. Da sie schon während der Bauzeit dort beten wollte, wurde die Kapelle im Klusfelsen errichtet. Da es früher üblich war, Kirchenhäuser auf alten heidnischen Kultstätten zu errichten, ist es durchaus denkbar, dass unsere Vorfahren am Klusfelsen ihren jeweiligen Göttern huldigten.


Späte Bekanntheit erhielt die Felsformation durch den Heimatforscher Siegfried Hermerding. Seine Broschüre "Die Magier vom Klus" kann ich nur jedem empfehlen, der einmal die Kultstätte in Goslar besuchen möchte. Hermerding ist vor allem durch seine Forschung im Bereich der Großsteinskulpturen und Felsreliefs bekannt. Er wurde auch am Klusfelsen fündig und vermeinte unzählige Darstellungen zu sehen. Der Heimatforscher versucht die Felsen sogar mit Atlantis in Verbindung zu bringen und ist der Meinung, dass die Reliefs von menschlicher Hand stammen. Soweit möchte ich nicht gehen. Allerdings habe ich


mich persönlich davon überzeugt, dass es am Klusfelsen einige beeindruckende Steinreliefs gibt. Der größte Teil davon ist natürlich gewachsen, bei einigen sieht man aber deutlich, dass von Menschen nachgeholfen wurde. Besonders das Motiv der Gralsträgerin hat es mir angetan. Deutlich zeichnet sich im Gestein die Gestalt einer großgewachsenen Frau ab. Bei genauerem Hinschauen erkennt man, dass die Frau einen kelchartigen Gegenstand in den Händen hält. Und jetzt wird es erst richtig spannend. In Verbindung mit dem Klusfelsen wird von einer Legende berichtet, die eindeutige Bezüge zum Heiligen Gral enthält.


Die Legende "Die Blume vom Petersberg" erzählt von einem kleinen Mädchen, das oft am Petersberg, nahe des Klusfelsens spielte. Eines Tages pflückte das Mädchen ein blaues Blümchen, um sich damit zu schmücken. Kaum hielt es aber die Blume in den Händen, öffnete sich der Berg und ein Gang tat sich auf, den das Mädchen unbekümmert beschritt. Der Weg führte tief in die Erde hinein und unterwegs traf das Mädchen ein kleines Männlein, das es lächelnd bei der Hand nahm. Das Männlein führte die Kleine direkt in einen großen, hell erleuchteten Saal. An einer langen Tafel saßen in Schweigen gehüllte, ernst dreinblickende Männer mit langen grauen Bärten. Das Mädchen war zunächst etwas verschüchtert, ob der anwesenden alten Männer und dem prunkvollen goldenen und silbernen Geschirrs, mit dem die ganze Tafel bedeckt war. Doch dann fasste das Mädchen neuen Mut und überreichte einem der Alten das blaue Blümchen. Da huschte ein Lächeln über das Gesicht des Beschenkten und auch die anderen Anwesenden schienen sich zu entspannen. Der alte Herr dankte dem Mädchen, indem er ihm einen prunkvollen goldenen Becher reichte. Überwältigt von dem kostbaren Geschenk, presste das Mädchen den Becher an sich und rannte zurück. Als sie wieder auf der Wiese stand, auf der sie die Blume gepflückt hatte, war vom Höhleneingang nichts mehr zu sehen. Der Berg hatte sich wieder geschlossen und so sollte es fortan auch bleiben. Das Mädchen ging mit dem Becher nach Hause, sollte sich aber Zeit seines Lebens an die außergewöhnliche Begebenheit erinnern. Noch als altes Mütterchen erzählte das Mädchen von seinen Erlebnissen am Petersberg und zeigte den Becher. Seit sie in Besitz des Bechers gelangte, war dem Mädchen nur Gutes widerfahren und sie glaubte fest an die magische Macht des Geschenkes der Männer im Petersberg.


Diese schöne Legende weist nun alle wichtigen Merkmale der Gralsgeschichten auf. Wie in den mittelalterlichen Geschichten der reine Ritter Galahad, ist es hier ein unverdorbenes Menschenkind, das es wert ist, den Gral zu erringen. Das unverdorbene Wesen und die Freundlichkeit des Kindes veranlassen die Gralshüter, ihr den Kelch zu überreichen. Einmal in Besitz des magischen Gegenstandes, beschert er dem Mädchen alles Glück im Leben. Die am Klusfelsen dargestellte Gralsträgerin versinnbildlicht das kleine Mädchen aus der Legende, so dass wir davon ausgehen können, dass diese Darstellung von menschlicher Hand geschaffen wurde.


Wir sehen also, dass sich die Geschichten vom Heiligen Gral auf einen großen Teil der Welt ausgebreitet haben und nicht nur ein lokales Phänomen darstellen. Wir sind Gralsmotiven in ganz Europa begegnet, es finden sich welche in Afrika und sogar bis ins ferne Japan reichte die Kunde von der mächtigsten Reliquie der Menschheit. Ich hätte noch viele Beispiele für die Verbreitung der Gralstradition nennen können, möchte es aber aus Platzgründen bei den erwähnten Beispielen belassen. Meine geschätzten Leser sollten ihre Augen wachsam aufhalten, dann werden ihnen ganz von selbst immer wieder Formen des Heiligen Grals begegnen.


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