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Leseproben online - Schmökern in Büchern

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Jerusalem um 1850


von Stephan Doeve

kultur_buecher
ISBN13-Nummer:
B014PHVDV8
Ausstattung:
E-Book
Preis:
0.99 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
Books on Demand
Kontakt zum Autor oder Verlag:
stephan.doeve@web.de
Leseprobe

 

In unbeschreiblicher Gefühlsaufregung traten wir durch das

Thor, die sich nur bei dem Morgenländer und bei dem Abendländer

aus verschiedene Weise äußerte. Während ich ganz still und in mich

versunken sürbaß schritt, jubelte ein Theil der Gesellschaft in den

seltsamsten Tönen und Worten, ein anderer Theil schrie wie besessen,

Andere vergossen Ströme von Thränen, Viele zogen vor dem Thore

die Schuhe aus und betraten die Stadt barfuß, in tiefster Demuth;

und so that jeder nach seiner besonderen Stimmung.

 

Jerusalem, von den Arabern »Beit-el Khoddes« (die heilige

Stadt) genannt, ist auf den einzelnen Hügeln eines sanftansteigenden

 Bergabhanges erbaut. Das Gebirge, zu welchem er gehört,

erstreckt sich bis zum mittelländischen Meere, da man bis nach dem

zwei Tagereisen entfernten Jasfa an der Meereskiiste immer berg-

auf steigen muß. Der größere Theil der Häuser liegt auf einem

mäßigen Hügel, der nach Ost, Süd nnd West mit zusammenhängen-

den tiefen Thälern und dann weiter hinaus mit höheren Bergen

umgeben ist, während nach Norden zu eine schiefe Fläche mit einer

freien Aussicht in das Land hinstreicht. Die Stadt hat einen Um-

fang von etwa zwei Stunden und macht, aus der Ferne gesehen,

durch die majestätischen Kuppeln der Moscheen und Thürme, welcheüber die andern Häuser hervorragen, einen ergreifenden Eindruck.

Allein in der Nähe verschwindet jeder Anschein von Größe. Einst

war sie groß und mächtig, jetzt gleicht sie einem Grabe in der

Wüste. Man glaubt das Reich des Todes zu betreten; das Auge

ruht auf einer einförmigen, unfruchtbaren Gegend, in der alle

Elemente des Lebens erstorben scheinen. Und eine unerklärliche

Traurigkeit beschleicht die Seele des Wanderers beim Anblick der

Fülle menschlichen Jammers und Elends, die sich hier angehäuft

 hat. Und man meint die Verwirklichung des Fluches zu sehen, der

an der unglücklichen Stadt Davids ruht und sie verdammt, in

ewigen Todeszuckungen zu leben. Die Straßen sind größtentheils

enge und unregelmäßige Durchgänge, die Häuser viereckig, niedrig,

und meist aus Lehmbacksteinen und ohne Kunst und Schmuck er-

baut, ohne Ordnung an einander gereiht, ohne Fenster nach außen,

von einem flachen, terrassenförmigen Dache überdeckt, über welches

sich nur hier und da eine kleine Rotunde erhebt. Aber fast jeder

Schritt in ihr gibt Veranlassung zu heiligen Betrachtungen, und jedes Haus, jede Straße, jeder Platz in der Stadt, jeder Stein, jeder Hügel, jede Quelle vor derselben ist geweiht durch den Fuß

des Erlösers oder sonstige großartige Erinnerungen aus dem alten

und neuen Testamente, die das Herz zu frommen Gefühlen stimmen.

Klappentext

 

Jerusalem- Diese Stadt im nahen Osten war schon immer das Ziel von Pilgern.

Auch politische Unruhen und kriegerische Auseinandersetzungen , hielten die Menschen nicht davon ab, diese Stadt zu besuchen. Bis heute hat sich daran nichts geändert.

Diese Beschreibung einer Reise nach Jerusalem aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, stammt von Ernst Christoph Döbel.

Der originale Wortlaut wurde beibehalten.

 

Rezension