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Kultur Bücher
Buch Leseprobe Ein römischer Legionär, der hatte.., Stephan Doeve
Stephan Doeve

Ein römischer Legionär, der hatte..



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SALVETE (Seid gegrüßt)


 


Drecksarbeit!


An nur dieses eine Wort dachten ich, Lucius Manus Acutus und meine sieben Kameraden, als wir morgens zum Reinigen der Latrinen eingeteilt wurden. Unsere Lagerkleidung, die langärmeligen Kittel und Helme aus Leder, sahen heute Morgen bei der Arbeitseinteilung durch den Zenturio wesentlich sauberer aus als jetzt. Während andere Kameraden aus unserer Zenturie Wachdienst schoben, oder zum Kalk brennen abkommandiert wurden, machten wir die schmutzige Dreckarbeit. Aber vielleicht sieht es morgen ganz anders aus. Dann werden wir Wachdienst tun, und die anderen werden vielleicht für den Straßenbau eingeteilt. Das heißt dann für sie im Steinbruch Steine brechen, das Straßenbett ausheben, Pflastersteine verlegen und so weiter.


Aber der Arbeitsdienst hier in der Legion VI Victrix am Niederrhein war nicht gerade die Lieblingsbeschäftigung von uns römischen Legionären. Da wäre uns eine Nacht mit einer germanischen blonden Löwin viel lieber.


„Aha, unser kleiner Lucius träumt mal wieder.“


Quintus Apollinaris, ein hochgewachsener Legionär, hatte diese Bemerkung über mich losgelassen und grinste mich dabei an.


„Ich träume keineswegs, mein lieber Quintus. Ich fragte mich nur, wo wir morgen unsere Pflicht erfüllen dürfen.“


Nach dieser Antwort grinste ich ebenfalls und wandte mich der nächsten Latrine zu.


Genau wie meine Kameraden freute ich mich auf einen erholsamen Dienstschluss im Bad. Die Badethermen sind hier in den nordischen Provinzen nicht von wahrlich gigantischer Größe wie im schönen Rom, doch mit der Ausstattung können sie es durchaus aufnehmen.


Es ist hier für manchen Germanen unvorstellbar, dass es in Rom über zweihundert öffentliche Badehäuser gibt. Einige von diesen Thermen gleichen Palästen. Die Wasserbecken sind mit feinstem Marmor ausgekleidet und die Wasserhähne sind aus purem Silber.


Wer sich aber fragt, wo denn das gebrauchte Badewasser hinkommt, der möge wissen, dass das Wasser aus den Thermen durch eine Rinne unter den Latrinen fließt und die Fäkalien wegspült. So vergeuden wir nicht das kostbare Trinkwasser für die Beseitigung unseres Unrates.


 


Doch während unserer Dienstzeit im Heer, die 25 Jahre dauerte, waren wir nicht nur im Lager. In einem Legionslager war nie die gesamte Legion anwesend. Entweder war ein Teil mit Arbeitsdienst beschäftigt, oder Abteilungen waren für Sondereinsätze abkommandiert, die weit ab vom Lager im Einsatz waren.


Jeden Monat absolvierten wir dreimal einen Übungsmarsch in voller Ausrüstung. Das heißt, wir hatten jeder mit der Rüstung und den Waffen am Körper, Proviant für drei Tage und Werkzeugen eine Last von über 40 Kilo zu tragen. Mit diesem Gewicht am Körper mussten wir 24 Meilen (30 km) in nur fünf Stunden zu Fuß zurücklegen.


Doch danach durften wir uns natürlich nicht ausruhen. Sobald der Marsch beendet war, mussten wir sofort mit Hacke und Schaufel ein befestigtes Lager für die Nacht anlegen. Erdwälle wurden aufgeschüttet und davor Gräben angelegt. Auf die Erdwälle wurden lange Holzpfähle eingesteckt.


Währen der ganzen Arbeit mussten wir unseren Kettenpanzer oder unseren Schienenpanzer angelegt lassen. Aber nicht nur die Rüstung durften wir nicht ablegen, auch Schwert und Dolch mussten wir anbehalten.


Genauso wird es auch auf Feldzügen gemacht. Auf Feldzügen im Feindesland werden die Lager genauso errichtet, nur war der Graben vor den Erdwällen tiefer.


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