Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern


Kategorien
> Kultur Bücher > Düstere Legenden
Belletristik
Bücher Erotik
Esoterik Bücher
Fantasy Bücher
Kinderbücher
Krimis & Thriller
Kultur Bücher
Lyrikbücher
Magazine
Politik, Gesellschaftskritik
Ratgeberbücher
regionale Bücher
Reiseberichte
Bücher Satire
Science Fiction
Technikbücher
Tierbücher
Wirtschaftbücher
Bücher Zeitzeugen

Login
Login

Newsletter
Name
eMail

Kultur Bücher
Buch Leseprobe Düstere Legenden, Mike Vogler
Mike Vogler

Düstere Legenden


Buch des Grauen

Bewertung:
(246)Gefällt mir
Kommentare ansehen und verfassen

Aufrufe:
2779
Dieses Buch jetzt kaufen bei:

oder bei:
direkt beim Verlag unter: http://www.edition-lempertz.de/
Drucken Empfehlen

 


Die Bestie von Gévaudan


 


Zwischen 1764 bis 1767 ereignete sich im südfranzösischen Gévaudan eine Mordserie, welcher einer unheimlichen, wolfsähnlichen Bestie zugeschrieben wurde. Weder ortsansässige Jäger noch die Soldaten König Louis XV. konnten der Lage Herr werden. Über einhundert Menschen, meist Frauen, fielen der Bestie zum Opfer. Erst dem Schankwirt Jean Castel gelang es durch eine glückliche Fügung, dass Tier zur Strecke zu bringen. Bis heute gibt es jedoch Gerüchte, dass Jean Castel selbst in die Morde verwickelt war.


 


Ein wunderschöner Sommertag im Süden Frankreichs neigte sich seinem Ende zu. Das junge Mädchen aus dem Dorf Langogne hatte den ganzen Tag auf einer einsam gelegenen Wiese weit ab des Dorfes die Kühe der Familie gehütet. Um vor Einbruch der Dunkelheit wieder zu Hause zu sein, begann das Mädchen die Kühe zusammen zu treiben, welche sich gemütlich grasend auf der Wiese verteilt hatten. „Ach wenn ich doch einen Hund hätte“, dachte das Mädchen. Der alte Familienhund war letzten Winter an Altersschwäche gestorben und Vater hatte noch keinen neuen angeschafft. Ein wachsamer Hund hätte die folgenden Ereignisse wohl verhindern können. Das Mädchen berichtete später unter Tränen, dass sie plötzlich Rascheln in einem nahegelegenen Wäldchen hörte. Sie hatte nicht weiter darauf geachtet, vermutete ein Kaninchen oder anders kleines Tier im Unterholz. Plötzlich stand ein unheimliches Wesen vor ihr, welches das Mädchen nur unter Stocken beschreiben konnte. Das Untier hatte in etwa die Größe eine Esels und war mit kurzem, dunkelroten Fell bedeckt. Besonders auffallend waren die rüsselartige Schnauze sowie die kleinen Ohren, welche so gar nicht zur Größe des Tieres passten. Außerdem war dem zu Tode erschrockenen Mädchen noch der unverhältnismäßig lange Schwanz aufgefallen. Am erstaunlichsten jedoch war die Tatsache, dass sich das Wesen wie ein Mensch auf zwei Beinen fortbewegte. Das Mädchen war wie erstarrt im Angesicht der Bestie. Mit seltsam fauchenden Geräuschen kam das Untier auf sie zu und das Mädchen glaubte, sein letztes Stündlein habe geschlagen. Zu seinem Glück witterten die Bullen die Gefahr und stellten sich schützend vor das Mädchen. Die gewaltigen Hörner der Rinder schienen das Untier zu verunsichern, worauf dieses wieder im Wald verschwand. Das völlig verstörte Mädchen rannte weinend ins Dorf zurück und fiel seinem Vater schluchzend in die Arme. Nur schwer konnte jener das Kind beruhigen. Erst nach einem kräftigen Schluck Wein war das Mädchen in der Lage, das Vorgefallene zu berichten. Den Anwesenden erschien die Geschichte völlig absurd, meinten, die Kleine hätte sich vor einem Wolf erschreckt, welcher zufällig ihren Weg gekreuzt hatte. Das Mädchen schwor jedoch bei allen Heiligen, dass es kein Wolf gewesen war, welcher ihr aufgelauert hatte, sondern jenes beschriebene Untier.


 


Der Überfall sorgte für einige Aufregung im Gévaudan, einem Landstrich im südlichen Frankreich, welcher heute zum Dèpartement Lozère gehört. Tagelang diskutierten die Dorfbewohner den mysteriösen Vorfall. In die bedauernden Stimmen mischten sich aber auch schnell Zweifel an der Geschichte des Mädchens. Wenn es schon kein Wolf war, vielleicht hatte dann ein zerlumpter, in Tierfelle gehüllter Landstreicher das Kind erschreckt. Vielleicht hatte sich das Kind die Geschichte auch nur ausgedacht, um sich wichtig zu machen. Kinder neigten bekanntlich gerne zum Fabulieren und glaubten die erfundenen Geschichten am Ende selbst. Eine Klärung der Ereignisse schien letztendlich nicht möglich, worauf die Bauern den Überfall schnell vergaßen. Die tägliche Arbeit war hart und dem Mädchen war bis auf einen tüchtigen Schrecken nichts passiert.


 


Nur wenige Monate später sollte die Bestie jedoch auf grausame Art in das kollektive Gedächtnis der Bewohner des Gévaudan zurück kehren. Anfang August 1764 entdeckten spielende Kinder auf einer Wiese südlich der Ortschaft Langogne den grausam verstümmelten Körper eines toten Mädchens. Nachforschungen ergaben, dass es sich dabei um die 14-jährige Jeanne Boulet aus dem Dorf St. Ètienne de Lugdarès handelte, welche von ihren Eltern schon seit Tagen vermisst wurde. Das Opfer wies grässliche Verletzungen auf. Hals und Brustkorb des Mädchen waren augenscheinlich von einem gewaltigen Gebiss zerfetzt. Der Leichenbeschauer stellte außerdem fest, dass mehrere innere Organe fehlten. Die Bewohner der umliegenden Dörfer waren wie gelähmt vor Schreck. Welches ungeheuerliche Wesen konnte solche schrecklichen Wunden verursachen? War es ein Wolf? Doch Wölfe hatten eine natürliche Scheu vor Menschen, gingen ihnen aus dem Weg. In langen, strengen Wintern kamen Wölfe aus Hunger gelegentlich näher an die menschlichen Behausungen heran, doch im Sommer gab es genügend Beute in den Wäldern. Nun erinnerten sich die Bauern an das mysteriöse Wesen, welches das Mädchen aus Langogne beim Kühehüten erschreckt hatte.


 


Während die verängstigten Menschen noch über die unheimliche Bestie rätselten, wurde am 8. August das nächste Opfer entdeckt. Holzfäller stießen nahe dem Dorf Puylaurent unvermutet auf den ebenfalls zerfetzten Leichnam einer jungen Frau. Dann ging es Schlag auf Schlag. Fast täglich wurden neue Opfer der Bestie gefunden. Dem unheimlichen Wesen schien es nichts auszumachen, weite Strecken zurück zu legen, die bestätigten Morde fanden immerhin in einem Umkreis von 65 Kilometern statt. Die ersten Opfer waren junge Mädchen, später kamen auch erwachsene Frauen und junge Männer hinzu. Unter den verängstigten Menschen des Gévaudan machte bald das Gerücht über einen Werwolf die Runde, welcher für die Morde verantwortlich sei. Doch Werwölfe töteten laut dem weitverbreiteten Volksaberglauben bekanntlich in der Nacht, wenn sich schon lange kein Bewohner des Gévaudan mehr aus dem Haus traute. Das vermeintliche Ungeheuer mordete jedoch am helllichten Tag, wobei immer seltsamere Details zu Tage traten. Waren die ersten Opfer wie von einem gewaltigen Raubtiergebiss zerfetzt, wiesen die Leichen später eine Vielzahl von Schnittwunden wie von einem Messer auf. Welches Tier konnte seinem Opfer solche Wunden beibringen? Zudem fand man manche der weiblichen Opfer entkleidet, was für weiteres Entsetzen bei den Dorfbewohnern sorgte.


 


Mit fortschreitender Opferzahl begann sich Panik unter den Menschen des Gévaudan breit zu machen. Viele verließen kaum noch das Haus, das Vieh blieb im Stall. Die Menschen beteten und hofften auf ein Wunder, doch das unheimliche Wesen mordete weiter. Die Bauern waren der Bestie praktisch schutzlos ausgeliefert. Nur wenige von ihnen besaßen Schusswaffen, mit Sensen und Äxten war solch einem mörderischen Wesen aber wohl kaum beizukommen. Die Hoffnung der Menschen des Gévaudan ruhte auf einigen Jägern, welche unermüdlich die Landschaft durchstreiften. Dann am 8. Oktober 1764 ein Lichtblick. Auf einer Waldlichtung erblickten zwei Jäger ein Wesen, auf welches die Beschreibung von Überlebenden der Überfälle zutraf. Raubtierhaft, doch nicht wirklich einem Wolf oder anderem gefährlichen Tier ähnlich. Die Jäger feuerten aus kurzer Distanz mehrere Salven auf das Tier, welches getroffen zusammenbrach. Es konnte sich jedoch wieder aufraffen und die Flucht ergreifen. Die nachsetzenden Jäger konnten das Tier noch mehrmals mit Kugeln treffen, verloren aber bei der Verfolgung im dichten Unterholz den Anschluss. Das sie das unheimliche Wesen jedoch mehrfach angeschossen hatten, gingen die Männer davon aus, dass die Beute im Wald verenden würde. Siegestrunken feierten die Jäger in der nächstbesten Schänke ihren Erfolg und ließen sich von den erleichterten Bauern Runde um Runde spendieren. Doch die Freude der Menschen im Gévaudan währte nur kurz. Nur wenige Tage nach dem vermeintlichen Tod der Bestie wurde der nächste verstümmelte Leichnam entdeckt. Opfer war der 13-jährige Jean Rieutort aus dem Dorf Souleyrols.


 


 


Für den Inhalt dieser Seite ist der jeweilige Inserent verantwortlich! Missbrauch melden



© 2008 - 2020 suchbuch.de - Leseproben online kostenlos!


ExecutionTime: 3 secs