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Die Bibel im 21. Jahrhundert


Eine Analyse der biblischen Texte ....

von Ingo Löwenstrom

kultur_buecher
ISBN13-Nummer:
9783738610383
Ausstattung:
656 Seiten, Paperback
Preis:
19.45 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
BoD
Kontakt zum Autor oder Verlag:
ingo@loewenstrom.net
Leseprobe

Kapitel 5 - Genesis – Die Sintflut Der Sittenverfall ist offensichtlich, doch trugen die Menschen daran Schuld? Waren es nicht gerade die Gottessöhne die sich hier am Geschehen körperlich hervor taten? Auch hier geben die apokryphischen Texte eine tiefere Erläuterung. (12. Kapitel Lasterhafte Kainiten und Sethiten) Und es herrschte Unzucht unter den Töchtern Kains, und ohne Scheu liefen die Weiber den Männern nach. Und sie vermischten sich miteinander wie eine Herde in der Wildheit, sie trieben voreinander Unzucht. 2 und 3 Männer fielen über ein Weib her, ebenso liefen die Weiber den Männern nach. Da vermischten sich Seths Kinder, die Männer, mit den Töchtern Kains. Da wurden diese schwanger und gebaren riesenhafte Männer, ein Geschlecht von Riesen. (Die Apokryphen – Erich Weidinger) Der Herr sprach: „Ich will den Menschen, den ich geschaffen, vom Erdboden vertilgen, vom Menschen bis zum Vieh und zum Kriechtier und zu den Himmelsvögeln. Denn es reut mich, sie gemacht zu haben.“ (Genesis 6, 7) Dies ist einigermaßen unverständlich, denn was können die Tiere dafür, wenn Menschen und Gottessöhne Verfehlungen begehen? Zunächst stellen wir fest: es gibt zu viele voneinander unabhängige Fluterzählungen in der gesamten Welt, als dass einer es vom anderen übernommen hat. Ein paar Beispiele: Die Pygmäen in Ostafrika haben eine Sintfluterzählung, die Maori in Neuseeland, die vorderasiatischen Völker Sumerer und Perser, Ägypter, die Lolos in China, die Inka, die Azteken, die Nez Perces im westlichen Nordamerika ebenso wie die Irokesen im östlichen Nordamerika und viele Völker mehr. De facto kann man zu Recht behaupten alle Völker die an einer Küste wohnen kennen Sintflutsagen. Ein Zufall muss hier ausgeschlossen werden. Ebenfalls eine örtliche Überschwemmung wie sie öfters vorkommt. Wir müssen von einer globalen Katastrophe ausgehen. Allerdings hat das Wort Sintflut nichts mit Sünde zu tun. Die Vorsilbe 'Sint' ist althochdeutsch bedeutet 'groß' oder weit'. Bei Naftali Herz Tur-Sinai heißt es deshalb auch nur Flut ohne eine weitere Silbe. Ein ganz interessanter Punkt ist die Tatsache, dass es von Adam bis Noah 10 Patriarchen gab. Plato sprach im Zusammenhang mit Atlantis von den 10 Söhnen des Poseidon, die als Konföderation der Könige regierten. Aus vielen Mosaiksteinchen wird bei genauer Sichtung des verfügbaren Materials ein Gesamtbild. Es gibt Anhaltspunkte wann die große Flut war und auch wodurch sie entstanden ist. Eine Aussage über die globale Katastrophe trifft Prof. Frank C. Hibben in seinem Buch „The Lost Americans": Die Säugetiere auf mehr als 3/5 der Erdoberfläche wurden dezimiert. 40 Millionen starben allein in Nordamerika. Zitat aus dem vorher genannten Buch: „Dies ist nicht das gewöhnliche Aussterben aus einer bestimmten geologischen Periode. Hierbei handelt es sich vielmehr um ein Massensterben von katastrophalen Ausmaßen. In Alaska sieht es so aus, als ob die gesamte Tier- und Pflanzenwelt von einem Moment zum anderen plötzlich zu Eis erstarrte. Im Yukon-Tal z.B. sind die Beweise für eine gewaltsame Einwirkung offensichtlich. Solche Mengen von Tierleichen kann es durch normale Naturkatastrophen nicht geben." (Prof. Frank C. Hibben – The Lost Americans) Ein weiterer Beleg gewünscht? Bitte sehr, das Mammutsterben in Sibirien. An einem Tag ca. 10.000 vor Chr. vertilgt ein Mammut in Berezovka ein Butterblümchen. Was konnte passiert sein, um ihn so schnell einzufrieren, dass sein Fleisch die vielen Jahre über so konserviert war, dass Schlittenhunde es genießen konnten, und in seinem Mageninhalt man eindeutig Butterblumen und großflächige Pflanzen identifizieren konnte? (Die letzten Rätsel unserer Welt – Francis Hitching) Damit haben wir einen zeitlichen Anhaltspunkt ca. 10.000 vor Chr., oder noch exakter um 9.600 vor Chr.! Cesare Emiliano beschrieb die Ergebnisse von Tiefseeuntersuchungen im Golf von Mexiko, nach denen der Meeresspiegel im Jahre 9600 v. Chr. rapide gestiegen ist, um mindestens 10 m pro Jahr. Dies muss weiträumige Überflutungen verursacht haben. Das Jahr 9600 v. Chr. ist ein ganz besonderes. Es ist der Zeitpunkt des Untergangs von Atlantis vor den Säulen des Hercules. Platon sagt 9000 vor Solon (600 v. Chr.), also 9600 v. Chr. Laut Platon bildete die Mitte der Hauptinsel eine 3000 mal 2000 Stadien große Ebene. Umgerechnet wären das zwischen 350 und 400 mal 550 bis 600 Kilometer. Das sumerische Wort für Ebene ist Eden. Könnte man Atlantis lokalisieren, dann wüssten wir wo das Paradies und das Land Elda lagen. Viele Erklärungen für die große Flut sind nicht überzeugend. Weder kann Noah ein Kaufmann gewesen sein, der mit seinem Schiff auf das offene Meer getrieben wurde. Ein solches Einzelschicksal aus Vorderasien wird kaum in die Legenden der Maori (Neuseeland) oder amerikanischen Völkern Eingang finden. Noch ist die These der Sintflut liegt der sogenannte Schwarzmeer-Damm-Durchbruch zu Grunde überzeugend. Dieses Ereignis soll sich am Ende der letzten Eiszeit im 7. Jahrtausend v. Chr. ereignet haben, als eine natürliche Felsbarriere am Bosporus brach. Dafür gibt es am Boden des Schwarzen Meer zwar deutliche Anzeichen, erklärt aber nicht das Mammutsterben in Sibirien und die Tierleichen im Yukontal. Die Legenden der Maori, Chinesen und indianische Flutsagen können sich auf ein solches lokales Ereignis kaum beziehen. Ebenfalls erklärt es nicht die Ergebnisse von Cesare Emiliano. Zudem macht die Topographie des Schwarzen Meer als Binnengewässer den Bau einer Arche überflüssig. Rings um das Schwarze Meer sind genügend hohe Berge wohin Uferbewohner fliehen konnten. Der Bau einer Arche, beziehungsweise eines Schiffes, ist nur notwendig wenn man auf einer Insel, allenfalls einer Halbinsel, von einer Flut bedroht ist. Um Eingang in die Erzählungen aller Küstenvölker zu finden muss es sich um eine globale Flut gehandelt haben. Die wahrscheinlichste Theorie ist der Einschlag eines oder mehrerer Meteoren bzw. Kometen. Vermutlich schlug oder schlugen diese im Wasser ein. Um in den Überlieferungen der Maori, Neuseeland, der Pygmäen, Ostafrika, Irokesen, im Osten Nordamerika, Nez Perces im westlichen Nordamerika aufzutauchen, kann es nur diese Erklärungen geben: a) Ein größerer Komet/Meteor bricht beim Eintritt in die Erdatmosphäre auseinander und die 4 oder 5 größten Teile schlagen wie folgt ein: Nordatlantik - Europa, östliches Nordamerika, Mexiko und auch Venezuela-Brasilien sind betroffen. Das erklärt die Flut- oder Regenbogenlegenden der Irokesen, Azteken, Ugha Monguala und europäischen Völker. Ein weiterer Einschlag erfolgt im Indischen Ozean - somit haben die Pygmäen in Ostafrika und die Perser ihre Basis der Flutüberlieferung. Der dritte und vierte Einschlag trifft den Pazifik so das die Flutwelle gegen Neuseeland, westliches Nordamerika, Peru und gegen China heran rauschte. b) Falls es ein Kometen/Meteoritenschwarm war dann trafen die größten Brocken die o.g. Bereiche. Geologische Beweise kann ich nicht bieten, da der Meeresboden der Ozeane kaum erforscht ist. Diese Theorie wird untermauert durch zahlreiche Berichte anderer Kulturen. Im persischen Bundahi- schin heißt es: Während des Krieges zwischen Ahura Mazda (Schöpfergott und Endzeitrichter) und Angra Manju (der böse Geist oder auch Teufel) erschien der Stern Tistar in schrecklichem Glanz über der Erde; er verwandelte sich in einen Mann, einen Stier, ein Ross und schickte sich an, die Erde in Regenfluten zu ertränken. Die im Grenzgebiet zwischen Venezuela und Brasilien lebenden Ugha Monguala kennen die Überlieferung vom plötzlichen Erscheinen eines gewaltigen Sterns, dessen rote Spur den Himmel überzog (Felix R. Paturi - Die großen Rätsel unserer Welt). Das älteste Schriftstück eines biblischen Textes haben Israelische Archäologen in Chirbet Kayafa gefunden. Bei der Entdeckung handelt es sich um einen 2600 Jahre alten Bibeltext aus 4. MOSE 6:22-27. In Qumran fand man rund 15.000 Fragmente von etwa 850 Rollen. Darunter sind etwa 200 Texte des späteren Tanach, die bis Dato ältesten bekannten Bibelhandschriften. Der Text aus der Bibel scheint eine Mischung aus sumerischen und altbabylonischen Quellen zu sein. Im sumerischen Gilgamesch-Epos baute Ziusudra ein Boot und überlebte mit Angehörigen und ausgewählten Tieren. Das Atramchasis-Epos aus altbabylonischen Quellen erzählt von der Aussendung der Vögel. Dieses Dokument stammt aus dem 18. Jhr. v. Chr. Im sechs hundertsten Lebensjahr Noahs, im zweiten Monat, am siebzehnten Tag des Monats - an diesem Tag brachen alle Quellen der Tiefe auf, und die Luken des Himmels öffneten sich. (Naftali Herz Tur-Sinai - Die Heilige Schrift) Quellen der Tiefe und Luken des Himmels passt zu der Theorie der Kometen/Meteoriteneinschläge. Wenn man bedenkt welch gewaltige Wassermassen in den Himmel geschleudert wurden, ist auch klar, dass es lange Zeit geregnet haben muss. Zudem wird eine solche Menge Materie in die Atmosphäre geschleudert, dass die Sonnenstrahlen den Erdboden nicht erreichen. Ein Temperatursturz wäre die Folge, der erklärt, warum Mammuts und Tiere im Yukon-Tal derart schnell und in hoher Zahl getötet wurden. Kapitel 58 – 1 Könige – Die Königin von Saba Die Königin von Saba hörte gerüchtweise von Salomo und kam, ihn durch Rätsel auf die Probe zu stellen. Sie zog nach Jerusalem mit reichem Gefolge, mit Kamelen, die Spezereien und viel Gold und Edelsteine trugen. Sie trat zu Salomo hin und sprach mit ihm über alles, was sie sich ausgedacht hatte. (1 Könige 10, 1-2) Die Rede ist von einer Kamelreise und deshalb liegt die Vermutung nahe, dass sie aus Arabien kam. Das eine arabische Königin eine solch beschwerliche Reise auf sich nimmt um ein Quiz zu veranstalten ist nicht denkbar. Der König Salomo gab der Königin von Saba alles, wonach sie begehrte und verlangte, abgesehen von dem, was er ihr bereits, entsprechend der Möglichkeit eines Königs Salomo, geschenkt hatte. Darauf kehrte sie in ihr Land zurück samt ihrem Gefolge. (1 Könige 10, 13) Was hatte sie verlangt? Hier ging es um Politik, nicht um eine Romanze oder gar eine Quizveranstaltung. Wer war die geheimnisvolle Königin, die die Araber Bilquis nennen? Schauplatzwechsel in den Jemen. In der Hauptstadt Sanaa befindet sich das Deutsche Archäologische Institut. Das DAI ist zuständig für die Ausgrabungen in Marib. Obwohl diese noch längst nicht abgeschlossen sind, stehen folgende Fakten fest: Die ersten Königreiche im Jemen entstanden um 1000 v. Chr.. Die Sabäer schufen um 700 vor Christus eine theokratisch organisierte Großmacht. Das Volk verfügte über eine eigene Schrift und eigene Münzprägestätten. Es errichtete eine geradezu beklemmend wirkende Monumentalarchitektur. Es gibt Hinweise auf ein Matriarchat. In antiken Dokumenten ist von „Königinnen der Araber" die Rede. (Der Spiegel Nr. 16 vom14.4.01) Grundlage für den Reichtum der Sabäer war das Handelsmonopol über den Weihrauchhandel. Ausgrabungen haben bestätigt, das sabäische Kaufleute den Weihrauch auf Kamelen von Marib vorbei an den heutigen Städten Mekka und Medina an die Mittelmeerhäfen brachten. Salomo hatte eine Flotte zur Verfügung, diese bedrohten das Handelsmonopol. Der biblische Text wäre dann ein Bericht über eine erfolgreiche Wirtschaftsverhandlung. Ähnlich wie in der heutigen Zeit wurde über die Gespräche Stillschweigen vereinbart und darum konnte der Autor des Buchs 1 Könige vermutlich nur von Rätsel schreiben. Hamburger Archäologen um Professor Helmut Ziegert vermuten den Palast der Königin von Saba in Äthiopien. Sie sind der Meinung ihre Ausgrabungen im äthiopischen Axum haben den Tempel der sagenumwobenen Königin freigelegt. (Spiegel 8. Mai 2008) Belastbare Beweise fehlen bis heute. Im Jemen wurden schon 10.000 sabäische Schriften gefunden anhand deren man immerhin Handelsbeziehungen bis ans Mittelmeer nachweisen konnte. Das besondere in den Inschriften im Jemen ist jedoch: „In allen Königsinschriften ist neben der väterlichen auch die mütterliche Genealogie enthalten“ (Ausgrabungsleiter Norbert Nebes) Dies ist zumindest in der arabischen Welt ungewöhnlich und könnte auf Frauen in hohen Positionen hinweisen. Kapitel 148 – Die Bergpredigt Der Name Bergpredigt ist irreführend. Als er die Scharen sah, stieg er auf den Berg, und nachdem er sich gesetzt hatte, traten seine Jünger zu ihm, und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach. (Matthäus 5,1-2) Bei einem Rabbi, und so titulieren ihn die Evangelisten, weist das unzweideutig auf eine Belehrung hin, die nach den Regeln der großen Tora-Schulen immer im Sitzen erfolgt. (Pinchas Lapide - Ist die Bibel richtig übersetzt Band 2) Stehend wurden Bibellesungen vorgetragen, wie man bei Lukas nachlesen kann. Er kam auch nach Nazareth, wo er aufgewachsen war, ging nach seiner Gewohnheit am Sabbat in die Synagoge und stand auf, um vorzulesen. (Lukas 4, 16) Wir haben es also eher mit einer Berglehre zu tun, nicht mit einer Bergpredigt. (Pinchas Lapide - Ist die Bibel richtig übersetzt Band 2) Jesus war bei seinem ersten Auftreten ungefähr dreißig Jahre alt und war, wie angenommen wurde, der Sohn Josephs, des Heli. (Lukas 3, 23) Eine andere Aussage über das Alter als Jesus mit den öffentlichen Auftritten begann haben wir nicht. Ein wesentlicher Bestandteil in dieser Berglehre sind die Seligpreisungen. Mit ihnen beginnt die Berglehre. Selig die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich. (Matthäus 5, 3 – Vollständige Ausgabe des Karl Müller Verlag) Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes, (Lukas 6, 20 – Einheitsübersetzung) Jesus sprach: „Gesegnet (seid ihr) Arme, denn das Reich der Himmel gehört euch" (Thomas-Evangelium) Es zeigt sich wie einzelne Überlieferungen voneinander abweichen. Zusätzlich sind auch die Übersetzungen keineswegs einheitlich. „Glücklich seid ihr Armen,“ denn euer ist das Königreich Gottes (Lukas 6, 20 – Neue-Welt-Übersetzung) Lukas lässt Jesus sagen: „Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet satt werden." (Lukas 6, 21 - Einheitsübersetzung) und bei Matthäus heißt es: „Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, denn sie werden gesättigt werden." (Matthäus. 5, 6 – Vollständige Ausgabe des Karl Müller Verlag) In Anbetracht der politischen Situation, die Römerbesatzung, ist der Satz bei Matthäus wesentlich brisanter, als die Formulierung bei Lukas. Man kann sicher nicht unterstellen, dass Jesus direkt zum Widerstand aufrief, aber zumindest halte ich ihn nicht für den unpolitischen Menschen, den uns die Kirche anbieten will. Der Spruch ... sein Licht unter den Scheffel stellen... ist allen geläufig. Auch dieser Satz kommt aus der „Bergpredigt' oder besser gesagt Berglehre. Auch zündet man nicht eine Lampe an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter, und sie leuchtet allen, die im Hause sind (Matthäus 5, 15) Was ist eigentlich ein Scheffel? Unter 15 Münchener Studenten mit dem Namen Scheffler konnten nur zwei die richtige Bedeutung angeben. Scheffler ist ein altertümlicher Begriff aus der Zeit Luthers, für Fassbinder. Jesus sagte also man stellt keine Lampe unter einen Eimer. Seine Gleichnisse waren sehr deutlich. Oft ist zu lesen, dass Jesus in der Berglehre 'Antithesen' zum Judentum aufstellte, und somit den Grundstein für das Christentum legte. Das ist an den Haaren herbeigezogen. Denket nicht, ich sei gekommen, das Gesetz oder die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen aufzuheben, sondern zu erfüllen. Denn wahrlich ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, wird nicht ein einziges Jota oder ein einziges Häkchen vom Gesetze vergehen, bis alles geschehen ist. (Matthäus 5, 17) Das ist ein klares eindeutiges Bekenntnis zur Tora. Jesus hat weder eine neue Lehre 'erfunden', noch wollte er das Judentum revolutionieren. Sein Glaube orientierte sich ganz stark an den Gesetzen, wie sie in den Büchern Moses stehen, und an den Aussagen der Propheten. Kapitel 186 – Brief an die Korinther Frauenfeindlich? Paulus wurde immer wieder Frauenfeindlichkeit vorgeworfen. Letztlich stammt die über Jahrhunderte frauenfeindliche Haltung der katholischen Kirche aus den Briefen Paulus. Die Briefe an die Korinther wurden sehr wahrscheinlich zwischen 54 und 58 n. Chr. verfasst. In der Gemeinde von Korinth muss es einige Machtkämpfe und Intrigen gegeben haben. Paulus begann seinen ersten Brief an die Korinther, nach dem üblichen Eingangsgruß, mit eindringlichen Ermahnungen die Streitigkeiten zu beenden. Es ist mir nämlich über euch, meine Brüder, durch die Leute von Chloe berichtet worden, es gebe Streitigkeiten unter euch. Ich meine dies, dass der eine von euch sagt: >>Ich gehöre zu Paulus<<, der andere: >>Ich zu Apollos<< - >>Ich zu Kephas<< - >>Ich zu Christus<<. Ist denn Christus geteilt? Wurde denn Paulus gekreuzigt für euch? Oder wurdet ihr auf den Namen des Paulus getauft? (1. Korinther 1, 11-13) Paulus versuchte besonders die verschiedenen Parteien innerhalb der Gemeinden zu einen. Ausdrücklich mahnte er Einigkeit zwischen Hellenen und Juden an. Während Paulus zwischen den Völkern und verschiedenen Bewohnern der Gemeinde einen Ausgleich suchte, war sein Verhältnis zum weiblichen Geschlecht mit Sicherheit nicht so eindeutig, wie bei Jesus. Zu dem, wovon ihr geschrieben habt: Es ist für den Mann gut, eine Frau nicht anzurühren. Doch zur Vermeidung von Sünden der Unzucht habe ein jeder seine Frau und eine jede ihren Mann. Der Frau leiste der Mann die schuldige Pflicht und ebenso die Frau dem Manne. Die Frau verfügt nicht über den eigenen Leib, sondern der Mann; ebenso aber verfügt auch der Mann nicht über den eigenen Leib, sondern die Frau. (1. Korinther 7, 1-4) In der Ehe stellt Paulus Frau und Mann gleich. Ihm war durchaus klar, dass Menschen ein sexuelles Bedürfnis haben - und er verurteilt es nicht! Bist du gebunden an eine Frau, so suche nicht Lösung! Bist du gelöst von einer Frau, so suche nicht nach einer Frau! (1 Korinther 7, 27) Vertreter der katholischen Kirche leiten daraus die Aufforderung zur Enthaltsamkeit ab. Die kirchliche Auffassung der Frauenfeindlichkeit des Paulus basiert auf dieser Aussage. Doch so einfach lässt sich Paulus nicht in die frauenfeindliche Fraktion einreihen! Denn diese zwei Zeilen wurden geschrieben, als man das Weltende für greifbar nahe hielt, so dass es, wenn schon nicht verständlich, doch wenigstens begreiflich ist, dass Paulus rät, sich den kommenden Weltuntergangsereignissen ungebunden zu stellen. (Manfred Barthel – Was wirklich in der Bibel steht) Diese Erklärung ist keineswegs an den Haaren herbeigezogen. Paulus selbst schreibt es. Das sage ich, Brüder: Die Zeit ist kurz. Fortan sollen auch jene, die eine Frau haben, sich so verhalten, als hätten sie keine [.................]; denn die Gestalt dieser Welt vergeht. (1. Korinther 7, 29-31) Eine Frau ist gebunden, solange ihr Mann lebt; ist aber ihr Mann entschlafen, so ist sie frei, zu heiraten, wen sie will; doch geschehe es im Herrn. (1. Korinther 7, 39) Paulus unterscheidet sich hierin von den Essener, bleibt aber auf der Linie von Jesus. Ich möchte aber, dass ihr wisst, dass das Haupt eines jeden Mannes Christus ist; Haupt der Frau ist der Mann, und Haupt Christi ist Gott (1. Korinther 11, 3) Das entspricht zwar nicht dem heutigen Gedanken der Emanzipation zwischen Mann und Frau. Es ist auch nicht mit den Menschenrechten der UN-Charta und dem deutschen Grundgesetz vereinbar. Man kann dies von Paulus aber auch nicht erwarten. Seine Formulierung basiert auf der Thora und seinem Apostelverständnis. Das Haupt der Frau ist der Mann, entnimmt Paulus der Thora. Zum Weib sprach er: „Viel weite ich dein Schmerzen und dein Schwangern; In Schmerz gebärst du Kinder. Zu deinem Gatten kehrt dein Hunger, und er wird dich beherrschen." (Genesis 3, 16 (Ausgabe Die Heilige Schrift - übersetzt von Naftali Herz Tur-Sinai)) Jesus Christus sieht Paulus aus seinem religiösen Verständnis als obersten Herrn an. Das Gott über Christus steht, ergibt sich für Paulus, und für jeden wirklich gläubigen Menschen, aus den Geboten. Ich bin der Ewige, dein Gott, der ich dich geführt habe aus dem Land Mizraim, aus dem Sklavenhaus. Du sollst keine anderen Götter haben vor mir! (Exodus 20, 2-3) Ein frauenfeindliches Bild kann man auch hieraus nicht ableiten, wenn man bedenkt, dass Paulus diese Briefe vor rund 2000 Jahren schrieb. Aus dem Juden Paulus lässt sich nun mal nicht auf die Schnelle ein Christ machen. In ganz typischer Manier interpretieren und zitieren die Vertreter der Kirche Paulus so, wie es ihnen in den Kram passt. Jeder Mann, der bedeckten Hauptes betet oder prophetisch redet, entehrt sein Haupt. Jede Frau aber, die bei unverhülltem Haupt betet oder prophetisch redet, entehrt ihr Haupt; denn sie ist ein und dasselbe wie eine Geschorene. Denn wenn eine Frau sich nicht verhüllt, möge sie auch die Haare abschneiden lassen. Ist es aber schimpflich für eine Frau, sich die Haare abschneiden oder sich zu scheren lassen, so verhülle sie sich. (1. Korinther 11, 4-6) So wichtig wie die Zeit, in der diese Zeilen geschrieben wurden, so wichtig ist es auch, zu wissen, an wen sie gerichtet waren - in diesem Falle an die Gemeinde in Korinth. Korinth war eine Stadt der Ausschweifung. Von den 600 000 Einwohnern waren ein Drittel Sklaven. Die Stadt hatte den denkbar schlechtesten Ruf. So ungehemmt war das Sexleben in ihren Mauern, dass aus ihrem Namen das griechische Verb >>korinthiazesthai<< abgeleitet wurde, und das bedeutete >>ein ausschweifendes Leben führen<<. (Manfred Barthel - Was wirklich in der Bibel steht) Jeder in Korinth wusste genau was Paulus meinte. Eine Geschorene, eine Frau, der die Haare abgeschnitten wurden, war eine Frau, die wegen Prostitution verurteilt war. Den Brief von Paulus an die Korinther muss man vor diesem historischen Hintergrund lesen. Es ist denkbar, dass einige der übelbeleumundeten Damen von Korinth bei ihm [Paulus] Anstoß erregten. Korinth war zu jener Zeit nicht nur eine bekannte Hafenstadt, sondern auch ein berüchtigtes Zentrum der Prostitution und Laster aller Art. (Pinchas Lapide - Paulus zwischen Damaskus und Qumran) Man kann sich nicht nur die Dinge 'raus picken, die einem ideologisch gefallen. Ebenso steht dieser Satz in 1. Korinther: Trägt aber die Frau langes Haar, gereicht es ihr zur Ehre. Denn das Haar ist ihr als Schleier gegeben. (1. Korinther 11, 15) Ich wage keine abschließende Beurteilung, ob Paulus frauenfeindlich war. Wie bei allen Bibeltexten sollte man auch bei den Briefen, Zeit und Ort nicht außer Acht lassen. Eine 1:1 Übertragung biblischer Texte in die heutige Zeit ist nur selten möglich oder sinnvoll. Diesen Brief muss Paulus persönlich, nach dem Diktat, unterschrieben haben, denn der erste Brief an die Korinther endet: Mein eigenhändiger Gruß: Paulus. (1. Korinther 16, 21)

Klappentext

Innerhalb der letzten Jahrzehnte hat sich in der Erforschung der biblischen Texte vieles getan. Nicht nur neue archäologische Funde sind in die Beurteilung der Bibel eingeflossen, sondern auch die Untersuchungsmethoden und Textanalysen haben sich verfeinert und werden berücksichtigt.Eines hat sich nicht geändert: Der Einfluss der Bücher der Heiligen Schrift auf die Kultur des Juden- tums und des christlichen Abendlandes. Die erstmals formulierten Rituale und Handlungen, von der Taufe, über die Hochzeit und Patenschaft, bis zur Beerdigung, sind Bestandteil unseres Lebens geworden und aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Die Texte der biblischen Autoren haben Eingang gefunden in unsere Sprichwörter und Redewendungen. Die Bibel hat im Laufe der Jahrhunderte Kunst und Kultur beeinflusst, Verdi ließ sich von der Bibel genauso inspirieren, wie Nostradamus, Goethe oder Rilke. Die Bibel im 21. Jahrhundert informiert über die unterschiedlichsten Ausgaben der Heiligen Schrift und stellt die einzelnen Bücher der Bibel vor. Dieses Buch zeigt die verschiedensten Einflüsse auf unsere Gesellschaft und bietet dem Leser Hintergrundinformationen und Forschungsergebnisse zu vielen bekannten und interessanten Textpassagen an.

Rezension