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Kultur Bücher
Buch Leseprobe Atlantis, Rainer Krämer
Rainer Krämer

Atlantis


Das Rätsel des Aristokles

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Seit der Antike haben sich unzählige Gelehrte mit dem “Timaios-” und “Kritias-Dialog” des Philosophen Platon (428/427 – 347 v. Chr.) auseinandergesetzt. Platon war bereits im hohen Alter und ein geachteter Mann, als er diese Werke niederschrieb. Doch er hätte es sich wohl nicht träumen lassen, dass ausgerechnet diese Dialoge bis heute mehr Kommentare und Diskussionen hervorgerufen haben als jedes andere Werk antiker Dichter und Denker. Bereits sein Schüler Aristoteles hielt Atlantis für eine Erfindung, wie uns durch Strabon überliefert wird. Es gab allerdings auch Verteidiger Platons, z. B. der römische Dichter Plutarch, der Solons Reise und seinen Besuch bei den Priestern in Sais für real hielt. Der spätantike Philosoph Proklos, ein Neuplatoniker (410-485 n. Chr.) war ebenfalls von der Wahrheit der Atlantisgeschichte vollkommen überzeugt. In seinem Kommentar zum Timaios-Dialog äußert er folgendes: „Was die ganze Erzählung über die Atlanter betrifft, sagen einige, dass sie lautere Geschichte ist, was die Meinung von Krantor, des ersten Interpreten des Platon war, ... Krantor fügte hinzu, dass dies bestätigt wird von den Propheten der Ägypter, welche versichern, dass die Einzelheiten (welche von Platon erzählt werden) auf Säulen geschrieben sind, welche noch erhalten sind ...\\\". Es wird zwar nicht ausdrücklich geschrieben, dass Krantor die Steinsäulen selbst gesehen hat - jedoch verleiht immerhin die Berufung auf Krantor dem Bericht des Proklos eine gewisse Glaubwürdigkeit, da mit Krantor offensichtlich ein Angehöriger der älteren Akademie (4./3. Jh. v. Chr.) gemeint war, einem Platoniker, der nicht lange nach Platon lebte.

Wie steht es also mit dem Wahrheitsgehalt in Platons Atlantiserzählung ? Sehen wir uns zunächst an, wie er seine Geschichte erzählt. Um seine philosophischen Ansichten zu vermitteln, wählte Platon gerne die Dialogform. Nahezu alle Dialoge finden in der Vergangenheit statt, als sein Lehrer Sokrates noch lebte. Seine eigene Person hielt er gerne im Hintergrund. Es ist zuweilen nicht gerade einfach, zu unterscheiden, welche Dialoge die Lehren des Sokrates und welche seine eigenen Ansichten veranschaulichen sollten. Zumindest benutzte er in seinen Werken die Figur des Sokrates immer noch als Autorität, sogar als er selbst bereits weit über die Grenzen Griechenlands hinaus bekannt war. Viele Autoren sehen darin ein literarisches Stilmittel und die Symposien als eine reine Erfindung des Autors – doch ist dies wirklich so ? Gegen eine Erfindung spricht die Tatsache, dass es zur Zeit Platons in der Literatur noch nicht üblich war, zu beteuern, dass es sich um die reine Wahrheit handele, während die Geschichte in Wirklichkeit frei erfunden war3. Dies wurde erst in den Jahrhunderten nach Platon Mode. Wenn Platon tatsächlich dieses literarische Stilmittel angewandt hätte, wäre er der Begründer dieser Tradition gewesen. Seine Leserschaft, die gebildete Oberschicht der Griechen, hätte möglicherweise dieses bisher beispiellose Vorgehen als arglistige Täuschung empfunden. Es scheint schwer vorstellbar, dass Platon das Risiko eingegangen wäre, in ihren Augen bloßgestellt zu werden, indem er ihnen ein reines Märchen servierte. Während in unserer Zeit dieses Stilmittel bei Romanautoren häufig anzutreffen ist, wäre es in der damaligen Zeit vermutlich auf völliges Unverständnis gestoßen.

Allerdings wird heute kaum jemand wird bestreiten, das die Erzählung von einer untergegangenen Zivilisation aus heutiger Sicht doch ein wenig fantastisch klingt. Ein hoch entwickeltes Staatswesen soll auf einer großen Insel im Atlantik vor 12000 Jahren existiert haben ? Dies widerspräche allen bisherigen archäologischen und historischen Erkenntnissen. Eine solche Kultur zu diesem Zeitpunkt ließe sich definitiv nicht in der bisher bekannten Kulturgeschichte einfügen; sie wäre, so wie sie von Platon beschrieben wird, in der kulturellen Entwicklung um mindestens 5000 Jahre vergleichbaren Zivilisationen im Mittelmeerraum voraus gewesen. Zu dem Zeitpunkt, an dem nach Platon die sagenhafte Insel angeblich unterging, gab es im vorderen Orient gerade mal die ersten stadtähnlichen Siedlungen. Die ersten Hochkulturen entwickelten sich erst Jahrtausende später im Mesopotamischen Raum. Auch die geologische Wissenschaft ist hier eindeutig. Im Atlantik kann es zu diesem Zeitpunkt keine Insel dieser Größenordnung gegeben haben. Die unzähligen Proben von Meeresboden, die es aus dem Atlantik bereits gibt, verweisen stets auf das Gegenteil. Bereits 1947 bezeichnete der schwedische Ozeanologe Hans Petterson Atlantis als \\\"geologische Leiche\\\". Inseln wie die Azoren oder Kanaren seien nicht Reste eines Urkontinents, sondern durch unterseeischen Vulkanismus vom Meeresboden emporgewachsen.

Wie lässt sich aber dies damit vereinbaren, dass nicht nur der bereits erwähnte Krantor, sondern auch der römische Autor Plutarch die Angaben Platons bestätigen ? Gibt es dennoch einen historischen Kern in der Atlantislegende ? Kritiker führen hier nicht zu Unrecht ins Feld, dass man nur durch eine völlig andere zeitliche und geographische Einordnung die These von einem historischen Hintergrund aufrecht erhalten könnte. Dann wäre aber Atlantis praktisch überall und nirgends zu finden – von dem eigentlichen Text Platons bliebe nach dieser Ansicht nichts mehr übrig. Wir wollen uns aber dennoch auf die Suche machen. Immerhin - einige Spuren gibt es, denen man nachgehen kann.

Sehen wir uns zunächst die enormen Jahreszahlen an. Sie werden im Dialog von dem alten Priester mit der im Vergleich zu Griechenland sehr viel älteren Tradition Ägyptens begründet. Unzählige Theorien wurden bereits aufgestellt, wie es zu diesen fantastischen Zeitangaben kommen konnte. Ein Schreibfehler solle dafür verantwortlich sein, die Zahlen 100 und 1000 wurden verwechselt, Mond und Sonnenzyklen wurden durcheinander gebracht, etc. Dabei muss man eigentlich nur seinen Herodot kennen. Dieser bekannte griechische Historiker schreibt bereits vor Platon: „Soweit der Bericht der ägyptischen Priester über die alte ägyptische Zeit. Sie haben mir nachgewiesen, dass zwischen dem ersten König von Ägypten und jenem letztgenannten Priester des Hephaistos dreihundert einundvierzig (sic) Menschenalter liegen. Denn so viele Oberpriester und Könige hat es im Laufe dieser Zeit gegeben. Nun machen aber dreihundert Generationen einen Zeitraum von zehntausend Jahren aus. Denn drei Menschenalter sind gleich hundert Jahren. Zu den dreihundert kommen noch einundvierzig Menschenalter, das macht eintausenddreihundertvierzig Jahre. Das heißt also: in einem Zeitraum von elftausenddreihundertvierzig Jahren haben nur menschlichen Könige, nicht Götter in Menschengestalt in Ägypten geherrscht.“

Herodot führt seine Ansichten zum Alter Ägyptens noch weiter aus, um diese Behauptungen einem sicherlich ungläubigen griechischen Publikum begreiflich zu machen: „Sie (thebanische Priester) führten mich in den gewaltigen Tempel und zeigten mir eine Reihe hölzerner Kolossalstatuen. Das waren wirklich so viele, wie ich oben angegeben habe. Jeder Oberpriester lässt dort im Tempel noch zu Lebzeiten sein Standbild aufstellen. Die Priester zählten und zeigten mir alle nacheinander - immer folgte der Sohn auf den Vater; so gingen sie von dem zuletzt Verstorbenen alle der Reihe nach durch. . . .und im ganzen seien es dreihundert fünfundvierzig (sic) solcher Standbilder . . .“
Nicht nur Herodot stellte solche Berechnungen für die Bestimmung vergangener Zeiträume an. Auch andere Historiker, wie z. B. Hellanikos rechneten mit drei Generationen pro 100 Jahren, um in ihren Genealogien die Anzahl der vergangenen Jahre festzustellen. Von letzterem stammt übrigens ein Werk mit dem Titel „Atlantis“, das sich aber nicht mit versunkenen Kontinenten, sondern mit den Nachfahren des Titanen Atlas beschäftigt.

Platon übernahm ebenfalls diese Jahreszahlen Herodots, wie folgende Bemerkung zeigt6: \\\"bei näherer Betrachtung wird man finden, dass dort (in Ägypten) die vor zehntausend Jahren - ich meine dies nicht in dem gewöhnlich unbestimmten Sinn des Wortes, sondern tatsächlich vor zehntausend Jahren - gefertigte Gemälde und Bildsäulen weder irgendwie schöner noch hässlicher sind als die der jetzigen Zeit, sondern ganz dieselbe künstlerische Fertigung zeigen\\\".

Vor dem Hintergrund der erwähnten Textstellen von Platon und Herodot ist die Angabe von 9000 Jahren also k e i n Schreibfehler von Platon. Letzterer war offensichtlich tatsächlich der Meinung, die Ägyptische Kultur wäre 10000 Jahre alt. Ob nun Griechen oder Ägypter für dieses Missverständnis verantwortlich sind, ist aus heutiger Sicht schwierig zu ermitteln. Am plausibelsten erscheint, dass Platon sich bei Herodot und anderen Historikern bedient und deren Fehler einfach übernommen hat. Es ist durchaus in Betracht zu ziehen, dass die Kenntnis von dem scheinbar unglaublichen Alter der ägyptischen Kultur zu einer etwas eigenwilligen Vorstellung der griechischen Vorgeschichte bei Platon und anderen Autoren geführt hat. Denn schließlich konnte es ja nicht sein, dass das Land der Pharaonen eine weit ältere Kultur hatte als Athen. So könnte man versucht haben, alte griechische Sagen zeitlich einzuordnen und sie einfach ein paar tausend Jahre zurück verlegt haben, um dem Land am Nil ebenbürtig zu sein. Nicht sonderlich bekannt ist die Tatsache, das Platon mehrere weltweite Katastrophen erwähnt, die sich seit diesen 9000 Jahren ereignet haben sollen. Dies erzählt der ägyptische Priester zu Beginn dem erstaunten Solon. Der Untergang von Atlantis wäre nur eine davon gewesen. Interessanterweise findet sich eine Stelle bei Herodot, in der Ägypten ebenfalls im Zusammenhang mit Umwälzungen erwähnt wird: „Während dieser Zeit (die genannten 11340 Jahre) sei die Sonne viermal an ihrem gewohnten Orte aufgegangen. Wo sie jetzt untergeht, dort sei sie zweimal aufgegangen, und wo sie jetzt aufgeht, sei sie zweimal untergegangen. In Ägypten hätte sich dadurch nichts verändert . . .“

Dies könnte ein Indiz sein, dass die Kunde von solchen Katastrophenerzählungen tatsächlich aus Ägypten gekommen ist. Natürlich könnte Platon aber aufgrund der ihm bereits bekannten Berichte von Herodot und anderen Schriftstellern mit Absicht Ägypten als Ort der Überlieferung gewählt haben, um zu erklären, weshalb eine so alte Erzählung erhalten geblieben ist.

Wenn man das bisherige Revue passieren lässt, ist eine gewisse Wahrscheinlichkeit, das sich Platon einer ägyptischen Quelle bedient und diese teilweise missverstanden hat, nicht zu leugnen. Allerdings haben wir bisher Platons geographische Beschreibungen völlig außer acht gelassen. Wie passen diese ins Bild ?


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