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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Zelenka: Doppelfehler, Kurt Mühle
Kurt Mühle

Zelenka: Doppelfehler


Band 2 der Krimi-Trilogie

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Die angekündigte Beschwerde aus Berlin ließ nicht lange auf sich warten. Gerichtet an den Duisburger Polizeipräsidenten landete sie mit dem üblichen Eil-Vermerk schließlich zur Exekution bei Kriminalrat Dr. Sowetzko. Der schwankte beim Lesen zwischen Ärger und Belustigung, wusste aber, dass er seine Hauptkommissarin mit den Anschuldigungen irgendwann konfrontieren musste. Schließlich dürfte der Präsident eine Antwort erwarten, aber das musste ja nicht unbedingt schon heute sein.


 


Drei Tage schob er die Vorladung Marions hinaus. Es ging ihm nicht nur gegen den Strich, seine hochgeschätzte und von ihm geförderte und oft auch mit viel Nachsicht behandelte Kommissarin zur Rede zu stellen, er fürchtete auch ihre spitzfindigen Gegenargumente. Dass die Zelenka sich in Berlin ungefragt in Ermittlungen eingemischt hatte, - daran hegte er keinen Zweifel. Und auch nicht daran, dass sie dort eine lockere Zunge riskiert hatte. Aber er kannte sie gut genug, um zu wissen, dass es dafür irgendeinen Anlass gegeben haben musste, denn von allein gingen bei ihr die Kanonen nicht los. Und er hielt sie keineswegs für rechthaberisch, - es sei denn, sie hatte wirklich  Recht, was bei ihr leider oft der Fall war. Also beschloss er, möglichst leger an die Sache heran zu gehen.


 


„Na, wie war's denn so in Berlin?", fragte er, - halb jovial, halb in wohlbekannter Weise knurrend. „Sie waren dort offenbar im Kino, wie ich nun erfahren habe. Muss ja wahnsinnig interessant gewesen sein."


 


Marion schwante nichts Gutes und ging innerlich sogleich in Abwehrstellung. „Ja, so nebenbei auch das. Den Bundestag haben wir aber auch besichtigt", ergänzte sie eilig. „Es war gerade Sitzungspause und da ..."


 


„... da haben Sie vermutlich mal eben einen Anschlag auf den Bundeskanzler verhindert", unterbrach Dr. Sowetzko ironisch ihren Ablenkungsversuch. Und das klang nicht übermäßig freundlich. Er hielt einen roten Hefter hoch, als er brummig fortfuhr: „Danke für diesen famosen Erlebnisbericht. Der offizielle Charakter wäre aber wirklich nicht nötig gewesen."


 


Aha. Der Bödecker hatte seine Drohung also wahr gemacht! - Diese Gewissheit versetzte sie augenblicklich zurück in genau jene Trotzhaltung, die sie in Berlin diesem unfreundlichen Kollegen entgegen gebracht hatte. „Was sollte ich machen? Der Knilch jaulte da ständig herum, wollte mich sogar zur Hauptverdächtigen abstempeln."


 


Wieder fuhr ihr der Kriminalrat unwirsch ins Wort: „Das ist kein Knilch, sondern ein Kollege, der nur seiner Pflicht nachging. Sie hätten sich vernünftig mit ihm auseinandersetzen sollen."


 


„Mit dem?! Der hat mich in einer Tour nur angebellt."


 


„Hunde bellen. Und der Kollege Bödecker ist kein Hund - bitte schön!"


 


„Muss einem aber wirklich erst gesagt werden ..."


 


Dr. Sowetzko holte tief Luft und versuchte dann, zur Sachlichkeit zurück zu kehren. „Die Beschwerde lautet, dass er von Ihnen permanent ignoriert worden sei."


 


„Na und? Hätte ich etwa zurückbellen sollen?"


 


„Nun machen Sie mich nicht noch wahnsinnig! Sind Sie wenigstens bereit, sich persönlich bei dem Kollegen in aller Form ..."


 


Marion schüttelte verständnislos den Kopf. „Ich? Bei dem Wauwau?! - Nein."


 


„Frau Zelenka, ich will mit den Berliner Kollegen keinen Streit. Wenn nicht Sie, dann muss ich eben eine angemessene Entschuldigung formulieren. Darf ich's bitte auch in Ihrem Namen tun?"


 


„Meinetwegen, wenn der Kläffer dann Ruhe gibt."


 


„Kläffer ... Frau Zelenka, ich bitte Sie!"


 


„Na - Hund darf ich ja nicht mehr sagen."


 


Da wurde es dem Kriminalrat doch zu bunt. Er schlug mit der Faust auf die Tischplatte und brüllte: „Nun reicht's aber, Frau Zelenka!  Schluss damit! Verdammt noch mal!!"


 


Marion blieb gelassen. Wenn sie einmal ihre patzige Tour drauf hatte, war sie kaum zu bremsen. „Sehe ich auch so. Darf ich dann jetzt den Zwinger verlassen? Ich habe noch zu arbeiten."


 


Dr. Sowetzko sah sie ob dieser Frechheit entgeistert an - und gab auf. Er winkte mit dem Handrücken nur kurz zur Tür,  nahm sich aber vor, von nun an strengere Saiten aufzuziehen, - nicht zum ersten Mal allerdings. Als er vor ein paar Jahren diese Frau zur Hauptkommissarin ernannte und ihr die Leitung des Kommissariats 21 übertrug, das für Kapitalverbrechen zuständig ist, da hatte er sich einen frischen Wind gegen den bürokratischen Schlendrian und gegen die verkrusteten Strukturen erhofft. Er bewunderte ihre Geradlinigkeit, ihre Offenheit, ihren Scharfsinn  und ihr konsequentes Handeln und auch die souveräne Art, mit der sie als Frau ihr Kommissariat führte, in dem unter ihr nur Männer arbeiteten.


 


Dass sie es nie gelernt hatte, vor der Obrigkeit zu buckeln, hatte wohl mit dazu beigetragen, dass man sie einst von Düsseldorf nach Duisburg komplimentierte. Doch hier bekam ihre berufliche Karriere dank Dr. Sowetzko einen unerwarteten Schub, den sie bald im ihrem Privatleben bitter bezahlen musste: Henning, ihr Lebenspartner und Vater ihrer Tochter, konnte unter der Last ihrer Dominanz nicht leben. Er verschwand eines Abends klammheimlich und ohne Abschied. Vor einem Jahr erfuhr Marion dann, dass er gestorben war.


 


„Wer den Wind sät, wird Sturm ernten", knurrte der Kriminalrat in einer literarischen Anwandlung vor sich hin und musste unwillkürlich lächeln. Verdammt! Warum nur konnte er dieser Frau nicht böse sein!? Lag es daran, dass er, der kinderlose Witwer, ihr gegenüber längst so etwas wie väterliche Gefühle empfand? Lag es daran, dass er trotz der oft heftigen Diskussionen mit ihr zu spüren glaubte, auch von ihr gemocht zu werden, - wenn sie das auch kaum einmal zeigte?


 


Ob die privat auch so ist?, fragte er sich und machte sich daran, eine offizielle Entschuldigung an die Berliner Kollegen zu formulieren, - mit Kopie für den Herrn Polizeipräsidenten. Ordnung musste ja sein!


 


Dass zur gleichen Zeit Kollege Roloff aus Berlin Marion anrief, konnte er freilich nicht ahnen. Wahrscheinlich hätte er weitaus weniger Gehirnschmalz auf eine angemessene Formulierung verschwendet, wäre er Zeuge dieses Gespräches geworden.


 


„Sie hatten Recht mit Ihrem Verdacht gegen den Filmvorführer. Der Mann arbeitete in dem Kino erst seit ein paar Tagen zur Aushilfe", erklärte Roloff. Aber es klang nicht sonderlich erleichtert. „Doch bevor ich es vergesse: Von meinem Kollegen Boedecker soll ich Ihnen ausrichten, er hätte das alles nicht so gemeint. Es täte ihm Leid. Er hat wohl momentan familiäre Probleme und ..."


 


Marion unterbrach ihn forsch: „Hätte mir der Wadenbeißer das persönlich gesagt, könnte ich's fast glauben."


 


„Na, Frau Zelenka, seien Sie nicht so streng. Dem Kollegen Bödecker geht's zur Zeit wirklich nicht sehr gut. Aber deshalb rufe ich eigentlich gar nicht an."


 


„Sondern?"


 


Roloff war es hörbar peinlich, als er bekannte: „Wir fahnden nach diesem Vorführer, aber leider fehlt uns bis jetzt eine heiße Spur."


 


Marion konnte ein spöttisches Lachen kaum unterdrücken. „Wie bitte?! Habt ihr diesen hoch begabten Kunstschützen etwa wieder laufen gelassen?"


 


„Mussten wir. Wir konnten ihm nichts eindeutig beweisen. Zwei Tage später war der Mann spurlos verschwunden, und wir erkundeten sein Umfeld genauer. Dabei kam heraus: Der Kerl hatte kürzlich erst eine Art Schrebergarten angemietet. In dem darauf errichteten Gebäude fanden wir eine gut ausgestattete Bastlerwerkstatt und darin Steinschleuder, Pfeilschussgeräte, Messerklingen aller Art und auch eine Dose mit schwarzer Farbe, - eindeutig die gleiche Farbe, mit der das Tatmesser geschwärzt worden war. Und damit steht fest: Das ist unser Mann."


 


„Und nun ist er flüchtig.  So'n Pech aber auch."


 


Roloff schwieg. Er schwieg so lange, bis Marion vorsichtig nachfragte, ob er noch am Apparat sei. Hatte sie ihn gar beleidigt? Nein, er war nicht beleidigt. Es war ihm nur peinlich, nun endlich sein Hauptanliegen vortragen zu müssen: „Der Mann, den wir suchen, heißt Karel Rutkowsky. Er stammt aus Rheinhausen. Das liegt wohl irgendwo in Ihrer Nähe ..."


 


„Muss das sein!", unterbrach Marion ihn mit leisem Stöhnen. „Rheinhausen ist heute ein linksrheinischer Stadtteil von Duisburg. Damit hängt ihr auch uns euern Wilhelm Tell an den Hals, - wenn ich das richtig interpretiere."


 


„Kleine Amtshilfe, liebe Kollegin", beschwichtige Roloff. „Ich stelle Ihnen alle bisher bekannten Daten ins Netz. Da Sie uns in der Sache schon einmal so brillant weitergeholfen haben, könnten Sie die örtliche Ermittlung doch auch übernehmen, oder?"


 


„Ich sag's ja immer: Tue nichts Gutes, so widerfährt dir nichts Böses. Also gut, für euch Hauptstädter machen wir fast alles. Mailen Sie mir den ganzen Krempel zu. Unterlagen als Anhang. Ihre konkreten Fragen bitte an den Anfang gestellt und alle Daten dazu jeweils sortiert und gekennzeichnet. Seiten nummerieren, damit ich mir das gleich geordnet ausdrucken kann, Alle Fakten bitte in Grün und alle Vermutungen in Rot. Fotos von der Tatwaffe und von der Bastlerwerkstatt beifügen sowie eine Liste der dort sichergestellten Werkzeuge und deren Hersteller."


 


„Oh, da muss ich noch einiges zusammenstellen."


 


„Tun Sie das! Ich bin es gewohnt, komplette und geordnete Unterlagen vorgelegt zu bekommen", erklärte Marion dienstlich streng.


 


„Jawohl."


 


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