Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern



Kategorien
> Krimi Thriller > Zeisi & Duke
Belletristik
Bücher Erotik
Esoterik Bücher
Fantasy Bücher
Kinderbücher
Krimis & Thriller
Kultur Bücher
Lyrikbücher
Magazine
Politik, Gesellschaftskritik
Ratgeberbücher
regionale Bücher
Reiseberichte
Bücher Satire
Science Fiction
Technikbücher
Tierbücher
Wirtschaftbücher
Bücher Zeitzeugen

Login
Login

Newsletter
Name
eMail

Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Zeisi & Duke, Jörg Gschaider
Jörg Gschaider

Zeisi & Duke



Bewertung:
(20)Gefällt mir
Kommentare ansehen und verfassen

Aufrufe:
763
Dieses Buch jetzt kaufen bei:

oder bei:
epubli-Buch-Shop
Drucken Empfehlen

 


Über Bifröst nach Idafeld:


     Er war gewarnt worden. Die steile Bergstraße solle er, unter diesen Verhältnissen, bei dieser Dunkelheit, nicht nochmal unter die Räder nehmen, zumal er eben erst Opfer eines Unfalls geworden war. Duke dürfe das Glück kein weiteres Mal herausfordern. Unbeschadet würde man nur einmal davonkommen.


     Das Heulen des Windes hörte man bis in die warme Stube hinein. Draußen war es bitterkalt und es war unmöglich zu sagen, welchen Anteil aufgewirbelter Schnee am Schneegestöber hatte. Der Sturm mischte ein Weiß in Weiß aus alten und neuen Kristallen.


     Er hatte die Warnung, im wahrsten Sinne des Wortes, in den Wind geschlagen. Unbedingt musste er zu diesem Meeting. Unter gar keinen Umständen durfte er es versäumen! Also würde er eben langsam fahren. Sehr langsam. In sachter Fahrt würde sich die steile Bergstraße - und auch die besonders gefährliche einspurige Brücke - wohl bewältigen lassen.


     In der Schneehölle konnte man die Hand vor Augen kaum sehen. Unaufhaltsam bewegte er sich vorwärts. Endlich war er an die Brücke gelangt, welche dem Reisenden einen Weg über eine tiefe Schlucht bahnte. Die Fahrt fühlte sich jetzt schon endlos an - und noch mehr Zeit schien das schmale Bauwerk in Anspruch zu nehmen.


     Hatte er sich getäuscht, oder konnte er einen entgegenkommenden Lichtkegel erkennen? Er verringerte die ohnehin sehr geringe Geschwindigkeit noch weiter. Wenn tatsächlich ein Fahrzeug entgegenkäme, was wäre dann zu tun? Zwei Autos würden hier unmöglich aneinander vorbeikommen und ein Zurücksetzen wäre in diesem Weiß in Weiß, in der Finsternis der Nacht, außerordentlich schwierig und gefährlich. Egal, wenn sie sich erst Kühler an Kühler gegenüber stünden, würde sich eine Lösung finden lassen. Unter höchster Anspannung hatte er die Engstelle beinahe passiert. Ein paar Meter noch - 50, oder vielleicht 100 - dann würde er die letzte   Gefahrenstelle zu überwinden haben: eine durch Schneewechten völlig unübersichtlich gewordene Kurve. Von da an würde die Straße breiter werden, und vielleicht, wenn er Glück hatte, sogar geräumt sein.


     Der andere Wagen näherte sich in atemberaubender Geschwindigkeit. Scheiße, ein Wahnsinniger! Sein Adrenalinspiegel stieg enorm. Das Herz raste, die Augen weiteten sich. Wie konnte das entgegenkommende Fahrzeug unter diesen Umständen so schnell fahren? Hatte dessen Geschwindigkeit mit Zauberei zu tun? Er würde nicht stehen bleiben, sondern die Schrittgeschwindigkeit beibehalten. So würde er selbst unter diesen Verhältnissen mühelos anhalten können. Mehr konnte er zur Entschärfung der Situation nicht beitragen. Für einen Augenblick starrte er in das vom Schneefall gedämpfte Scheinwerferlicht. Der auf ihn zukommende Wagen würde ihn rammen. Scheiße! Das entgegenkommende Fahr-zeug schleuderte unmittelbar vor ihm, durchschlug die Leitplanken und stürzte in die Tiefe.


     Er überlegte kurz auszusteigen, um zu sehen, ob er Hilfe leisten könne. Doch was könnte er für jemand tun, der in der Finsternis in die Schlucht    gestürzt war?


     Er würde nicht einmal das Fahrzeug ausfindig machen können, also beschloss weiterzufahren.


     Als er im Tal angekommen war, war bereits ein helllichter, strahlender Tag angebrochen. Die Sonne schien über einem wolkenlosen Himmel und der Frühling hatte längst Einzug gehalten. Er war unsicher, ob er das nächtliche Erlebnis für sich behalten sollte. Für den in die Schlucht Gestürzten hatte er nichts zu tun vermocht.


     Trotz der beinahe unmenschlichen Gefahren, die er auf sich genommen hatte, war er zu spät gekommen. Das Meeting hatte bereits ohne ihn begonnen. Womöglich war es sogar schon zu Ende. Er erkundigte sich beim Portier. Der ältere, rundliche Herr, mit Glatze, Anzug, Krawatte und Nickelbrille richtete ihm aus, dass ihn der Chef jenseits des großen Tores zu sprechen wünschte.


     Er hatte seit ewigen Zeiten in der Firma gearbeitet, doch wusste er nichts von einem großen Tor. Der ältere Herr wunderte sich merkwürdigerweise nicht, dass er ihn nach dem Weg fragen musste, sondern schickte ihn in eine Werkshalle. Diese sollte er queren und sich dann weiter erkundigen.


     Er betrat die Halle. Das Wort Halle musste von hallen abgeleitet sein, so laut war es im weitläufigen Raum. Der Lärm vom wuchtigen Schlagen schwerer Hämmer schmerzte in den Ohren. Finster und heiß war es in diesem Teil des Werkes, der nur durch das Feuer in den Essen beleuchtet wurde. Unzählige muskulöse, riesige, verschwitzte Gestalten in Lederschürzen sahen ihn aus ihren rußgeschwärzten, sich ähnelnden Gesichtern, feindselig an. Er musste nicht allzu sensibel sein, um festzustellen, dass er ein Störfaktor war. Und zwar ein gewaltiger!


     Die Schmiede ließen einer nach dem anderen ihre Hämmer ruhen und kamen langsam hinter den Essen hervor. Jeder einzelne, der monströsen Männer baute sich mit verschränkten Armen bedrohlich vor ihm auf. Sie bildeten einen Halbkreis. Einen der riesigen Typen, mit besonders mächtigen Oberarmen, gerade den, der am grimmigsten dreinblickte, fragte er nach dem großen Tor. Der monsterhafte Arbeiter kam ihm irgendwie bekannt vor. Seine Tattoos und Kraftbänder, sein langer pechschwarzer Vollbart und ein eigenartiger Helm erinnerten ihn an irgenjemand.


      Die Schmiede durften nicht merken, dass er die Hosen gestrichen voll hatte, darum bemühte er sich einen extracoolen Eindruck zu machen. Mit feurigem Blick sah ihm der Riese geradewegs in die Augen - er wurde das Gefühl nicht los von diesen Augen berührt zu werden - und wies wortlos, mit ausgestrecktem Arm und Zeigefinger den Weg.


     Er konnte kein Tor erkennen, dennoch ging er weiter. Trotz der zur Schau gestellten Lässigkeit hatte er nicht gewagt, den verschwitzten Giganten noch weitere Fragen zu stellen.


     Plötzlich befand er sich in einem wunderschönen Park mit gepflegtem Rasen, duftenden Blumen, einem Springbrunnen, lieblichem Vogelgezwitscher und freundlichen, hell gekleideten, auffallend blassen, weißhaarigen Menschen.


     Mmmhhh … schön war’s da … dieser Frieden! Hier würde er bleiben wollen, aber leider hatte er es eilig. Er war ohnehin spät dran und musste unbedingt zur Sitzung.


     Einen der hellen Menschen fragte er nach dem Chef. Vom Vorgesetzten war er schließlich hierher bestellt worden.


     Der Helle musterte ihn verwunderten Blickes. Duke hätte doch wissen müssen, dass sich der Chef, am anderen Ende der Halle befände.


     Schade, hier hätte es ihm gefallen. So schön war dieser Ort, dass er sich nicht einmal darüber ärgerte, in die Irre geführt worden zu sein. Doch was hilft’s, er musste weg. Er musste unbedingt zu diesem Termin.


     Also machte er am Absatz kehrt und wäre sogar zurück durch die fürchterliche Halle gegangen, an den Monstern vorbei, hätte ihn nicht einer der Weißen zurückgehalten: „Tut mir leid, aus diesem Tor kommt man nur heraus, aber nicht wieder hinein. Du hast zwar zur Lösung des Problems auf der Brücke, im Schneesturm nichts beigetragen, darfst aber trotzdem bleiben.“


 


     Was für ein Traum! Hatte er Bifröst, die Himmelsbrücke, befahren? Musste man erst durch Hel gehen, um nach Walhalla zu gelangen? Ist Asgard der Garten Eden? Waren die hellen Menschen die Rainbow Warriors? Weiß ist die Summe aller Farben! 


     Und der furchterregende Schmied? Könnte er Wern gewesen sein? Wenn er es war, ist er jedenfalls gehörig gewachsen!


     Die Erkenntnis aber war, dass er durchs Tor schreiten müsse und nicht wieder umkehren dürfe, wie damals, als er schon einmal vor die Wahl gestellt worden war. Diesmal würde er es schaffen!



Für den Inhalt dieser Seite ist der jeweilige Inserent verantwortlich! Missbrauch melden



© 2008 - 2021 suchbuch.de - Leseproben online kostenlos!


ExecutionTime: 4 secs