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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Wilder Mann, Rainer König; Birgit König
Rainer König; Birgit König

Wilder Mann


Krals erster Fall

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Hofmann steuerte das Einsatzfahrzeug. Taggesell kommen-tierte: „Wartburg 353 W, 50 PS, 130 Spitze. Ihrer macht doch sicher mindestens 170?“
„185“, entgegnete Kral knapp, denn er hatte Mühe, nicht gegen Unterleutnant Krämer geschleudert zu werden, der mit ihm im Fond saß. Hofmann fuhr für sein Empfinden viel zu schnell. Und denselben Gedanken schien auch dessen Vorgesetzter zu haben:
„Genosse, fahren Se nicht wie ‘ne gesengte Sau, davon wird die Frau auch nicht mehr lebendig.“
Hofmann murmelte eine Entschuldigung und stellte auf eine etwas zivilere Fahrweise um. Gerade mal fünf Minuten unterwegs, erreichten sie den Thomas-Müntzer-Platz. Kurz vor dem Elbufer war ein Pulk verschiedenster Fahrzeuge zu sehen: Einsatzfahrzeuge der Schutzpolizei, zivile PKW, Barkas-Busse und ein Fahrzeug der Schnellen Medizinischen Hilfe.
Die Einsatzkräfte, sowohl Zivilisten als auch Uniformierte, standen in kleinen Grüppchen beieinander. Ein Volkspolizist hatte Mühe, seinen kläffenden Schäferhund zu bändigen.
Ein Weg, bestehend aus großen Betonplatten, führte von der Promenade zum Einsatzort und dann weiter zur Elbe, offenbar zu einer Anlegestelle, denn am Ufer war eine kleine Personenfähre vertäut. Beim Aussteigen richtete sich der Hauptmann an Kral und Krämer:
„Sie bleiben zunächst am Funk!“
Er ging mit Hofmann zum Tatort, der in einer gepflegten Schrebergartenkolonie lag, die sich rechts vom Weg über ein ziemlich großes Areal erstreckte. Kral beobachtete, wie ein Uniformierter den beiden Meldung erstattete und dann mit ihnen in der Kolonie verschwand.
Er versuchte mit dem Unterleutnant ins Gespräch zu kommen. Der aber gab sich wie am Vortag knapp und zurückhaltend.
Dann eben nicht! Ist wohl nicht instruiert worden, wie er mit dem Klassenfeind umzugehen hat, dachte Kral. Mit Erleichterung nahm er deshalb wahr, dass ein älterer Mann mit Schiffermütze auf sie zukam. Er führte einen Pinscher an seiner Seite.
„Ich möchte Ihnen da eine Beobachtung melden“, wandte er sich an Kral. Der blickte in ein runzeliges Gesicht, das von einer überdimensionierten Hornbrille mit dicken Gläsern dominiert wurde.
Wenn der mit seinen Lupen im Gesicht mehr als seinen Hund vor sich sieht, fresse ich einen Besen.
Krämer hatte einen Notizblock gezückt und drängte sich vor. „Was haben Sie zu melden, Genosse?“, fragte er streng.
Dem Alten war anzusehen, dass er doch lieber mit Kral gesprochen hätte, vielleicht bereute er es auch inzwischen, sich an die Polizei gewandt zu haben. Zögernd begann er: „Man sagt, da …“, er zeigte zu den Gärten, „… da ist eine Frau, eine Frau, na, Sie wissen schon.“
„Darüber können wir Ihnen keine Auskunft geben“, unterbrach ihn Krämer.
Arsch, lass ihn doch sprechen, dachte Kral.
Der Zeuge war eingeschüchtert und überlegte, wie er fortfahren sollte. „Da soll ja eine Frau umgebracht worden sein und da hab‘ ich mir gedacht, dass ich Ihnen das sagen muss.“
Krämer: „Was müssen Sie sagen?“
„Na ja, ich hab‘ da beobachtet, hab‘ da mehrmals beobachtet, wissen Sie, ich mach‘ da immer gegen neun, halb zehn die Runde mit meinem Benno, das ist mein Hund, und da hab‘ ich gesehen, öfter gesehen, wie ein Mann mit einer Frau von oben zu den Datschen gegangen ist.“
Er deutet vom Käthe-Kollwitz-Ufer zu der Gartenanlage, von der gerade Leutnant Hofmann auf sie zukam:
„Gen …, äh, Kollege, Sie sollen mit zum Tatort kommen!“
Kral ließ den Unterleutnant mit dem Zeugen zurück und ging mit Hofmann den Weg hinunter. In der Anlage lief der ganz eng an den Gartenzäunen entlang und forderte Kral auf, es ihm gleichzutun, „wegen der Spuren, wissen Sie.“
Bei der sechsten Parzelle zur linken Hand bog er in den Garten ein. Vor ihnen stand ein kleines Holzhäuschen mit einer Miniveranda unter dem überstehenden Dach. Taggesell stand vor der Eingangstür und unterhielt sich mit einer Frau im weißen Kittel und einem Uniformierten mit Umhängetasche, die sich offensichtlich im Gehen befanden und Kral knapp grüßten.
„Gerichtsärztin und ABV“, erläuterte Hofmann, „wenn Sie’s noch nicht wissen, der ABV ist der Abschnittsbevollmächtigte, der in seinem Revier persönlichen Kontakt zu den Bürgern halten soll.“
„Na, trauen Sie sich das zu?“, wandte sich der Hauptmann Kral zu. Der hatte einen trockenen Mund, ihn fröstelte. Ihm fiel nur das banale „Was sein muss, muss sein.“ als Antwort ein. Er fühlte, dass er dem Betrachter ein Bild des Jammers liefern musste.
In der Hütte roch es muffig. Ein auf einem Stativ montierter Scheinwerfer verbreitete gleißendes Licht und war auf eine Frau gerichtet, die halb in der Hocke an einem Strick hing, der am Fensterknauf befestigt war.
Der Taggesell deutete auf die Frau:
„Anfang, Mitte vierzig, von der Kleidung her eventuell Bedienung, keine Handtasche, keine Papiere, bisher noch nicht identifiziert, auch der ABV hat keine Ahnung. Hat GV gehabt, Tod gegen Mitternacht, plus minus eine Stunde, meint die Gerichtsärztin. Und noch wichtig: Sie ist wohl erst mit dem Seil erdrosselt und dann erst dort“, er deutete zum Fenster, „aufgeknüpft worden.“
Kral erblickte schulterlanges schwarzes Haar, das auf eine weiße Bluse fiel. Die Frau trug einen schwarzen Minirock und schwarze Strümpfe, keine Schuhe und ihr Schlüpfer kringelte sich um ihre Knöchel. Er vermied es, ihr direkt in das Gesicht zu sehen.
Mit im Raum waren neben den Leuten der MUK noch zwei Männer und eine Frau von der KTU. Die Männer waren mit der Spurensuche beschäftigt, die Frau machte gerade Aufnahmen von der Leiche.
„Schießen Sie mir doch mal ein paar Detailaufnahmen von dem Strick und besonders von den Knoten“, wies der Hauptmann die Kollegin an. Kral richtete seine Aufmerksamkeit auf das etwa einen Zentimeter dicke Hanfseil.
„Das muss ein Webleinstek sein“, entfuhr es ihm und er deutete auf das am Fensterknauf befestigte Ende. Erstaunte Augen richteten sich auf Kral.
„Was für’n Ding?“, fragte Hofmann.
„Ein Seemannsknoten, auch Mastwurf oder Achterschlinge genannt. Hat den Vorteil, dass er sich bei starkem Zug nicht verklemmt“, entgegnete er und ihn durchflutete, von Stolz erfüllt, eine wohlige Wärme.
„Wo lernt man denn das bei euch?“, wollte Taggesell wissen.
„Bei der Seefahrt, wie bei Ihnen auch. Ich bin vor meinem Studium ein paar Jahre zur See gefahren. Vor Ihnen steht ein ‚Matrose in der Seeschifffahrt‘.“
„Donnerlittchen, ein Seemann“, kommentierte der Hauptmann knapp, „dann untersuchen Se doch mal den anderen Knoten!“
Kral fiel auf, dass die Schlinge, die sich um den Hals des Opfers spannte, aus einem „Auge“ resultierte, durch das das Seilende geführt worden war.
„Nicht klar zu sehen, könnte aber ein Palstek sein. Wir müssten den Körper ganz leicht anheben, so dass der Knoten locker liegt“, meinte er.
Zwei Kollegen der KTU lüfteten die Frau leicht an und Kral konnte den Knoten untersuchen.
„Eindeutig Palstek“, vermeldete der Seemann, „kein Zweifel! Das ist der Standardknoten in der Seefahrt, der hält auch bei größtem Zug und, das macht ihn unschlagbar, außerdem lässt er sich kinderleicht öffnen“.
Taggesell fasste zusammen: „Täter, da sind wir uns nun wohl einig, ist, war vielleicht Seemann.“
„Könnte auch Freizeitsegler, vielleicht sogar Bergsteiger sein. Aber auch bei der Feuerwehr wird der Knoten verwendet“, ergänzte Kral, selbst aktives Mitglied der Selber Freiwilligen Feuerwehr.
Der Hauptmann gab das Zeichen zum Aufbruch:
„Die Ärztin hat die Leiche zum Abtransport freigegeben. Wir sollten noch einmal mit dem ABV sprechen.“ Der erwartete sie im Eingangsbereich der Anlage.
„Also, Genosse, zunächst mal: Wer hat die Leiche gefunden?“
Der Beamte deutete auf eine Frau, die an ihrem Trabbi lehnte:
„Sie und ihr Mann haben das Grundstück gemietet.“
Taggesell gab Hofmann einen Wink. Der zog einen Notiz-block aus der Brusttasche und ging zu der Zeugin, um sie zu befragen.
„Und spurenmäßig, ich meine Fußspuren auf dem Weg, ha-ben Sie nichts wahrgenommen?“, fragte er weiter.
„Ja, doch, aber bei dem Regen heute Nacht ist doch auf dem Weg alles breiig und verwaschen. Auch die KTU meint, dass da kaum etwas Verwertbares dabei ist. Übrigens: Weder am Haupteingang vorne noch am Garten oder an der Tür der Datsche Spuren einer gewaltsamen Öffnung.“
„Na, dann gut, aber sehen Sie mal zu, ob Sie was über die Frau erfahren können, die muss doch irgendwo vermisst werden!“, forderte der Hauptmann den Beamten auf.
Der Fahrzeugpark vor der Anlage hatte sich nun etwas gelichtet, neu hinzugekommen war ein Leichenwagen, aus dem gerade ein Metallsarg geladen wurde. Noch tuckerte das Aggregat, das den Strom für den Scheinwerfer in der Hütte lieferte. Inzwischen war auch Leutnant Hofmann wieder herangetreten:
„Sie wollte ein paar leere Einmachgläser holen und hat dabei die Tote entdeckt. Es gibt allerdings einen zweiten Schlüssel, den der Bruder ihres Mannes hat, Adresse habe ich aufgeschrieben“, lautete sein Kurzbericht.
„Da müssen wir nachhaken“, meinte Taggesell und forderte seine Begleiter auf: „Na, dann auf ins Amt!“
Kurz vor ihrem Fahrzeug kam ihnen Krämer entgegen. Er wedelte mit seinem Notizblock.
„Hab‘ hier eine wichtige Zeugenaussage“, wandte er sich an seinen Vorgesetzten.
„Später!“, brummte der.
Auf der Rückfahrt biss sich der Hauptmann auf die Lippen und blickte grimmig auf die Straße. Kurz vor dem Einbiegen in die Schießgasse unterbrach er sein Schweigen:
„Genosse Hofmann, wir haben da ein echt verdammtes Problem. Sehen Sie das auch so?“
„Sehe ich auch so“, stimmte der ihm zu.
Ende des Dialogs. Krämer und Kral tauschten verständnislose Blicke.

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