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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Westend Blues, Helmut Barz
Helmut Barz

Westend Blues


Ein Katharina-Klein-Krimi aus Frankfurt/Main

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Kapitel I - The Girl from Ipanema


 


Das Klingeln des Handys verkündete den Beginn eines furchtbaren Tages.


Katharina Klein kämpfte ungelenk mit ihrer Bettdecke, die sich beharrlich weigerte, sie freizugeben. Geschafft. Endlich. Gleich darauf bereute Katharina die Befreiungsaktion. War das kalt! Eindeutig die falsche Jahreszeit, um nackt zu schlafen. Aber … was war doch noch gleich? Ach ja, ihr Handy.


Die Uhr auf dem Nachttisch zeigte sechs Uhr. Welcher Barbar rief um diese Uhrzeit an?


Katharina tastete nach ihrer Jeans, die neben dem Bett lag, und zog das kleine Telefon aus der Tasche. Auf dem Display stand »Polizeipräsidium Frankfurt – Durchwahl: POLANSKI«.


Oh nein, nicht so früh am Morgen. Sie drückte so lange auf die Taste mit dem roten Hörersymbol, bis sich ihr Handy ganz abschaltete. Sollte ihr Chef doch auf die Mailbox sprechen.


Erst mal wach werden. Was gegen die dröhnenden Kopfschmerzen tun. Und gegen den Geschmack nach toter Ratte in ihrem Mund. Scheißalkohol. Was hatte sie gestern Abend nur angestellt?


Katharina ließ sich zurück aufs Bett sinken und schaute zur Decke.


Das Bett stand eindeutig falsch. Wann hatte sie denn …? Sie fuhr hoch. Das hier war gar nicht ihr Schlafzimmer. Nicht einmal ihre Wohnung. Wo war sie?


Vorsichtig schaute sie zur Seite. Der Mann neben ihr schlief. Er war nackt bis auf eine mit rosa Plüsch bezogene Handschelle um sein rechtes Handgelenk. Sein Penis steckte noch in einem Kondom. Das musste eine aufregende Nacht gewesen sein. Aber wenigstens safe.


Leise stand Katharina auf. Sie raffte ihre auf dem Boden verstreuten Kleider zusammen und machte sich auf die Suche nach dem Badezimmer.


 


***


 


Sie spülte sich den Mund mit dem Mundwasser aus, das auf der Ablage über dem Waschbecken stand. Das vertrieb wenigstens den schlechten Geschmack. Als sie ausgespuckt hatte und sich wieder aufrichtete, fiel ihr Blick in den Spiegel. Neonlicht war wirklich wenig schmeichelhaft.


Andererseits, so beschlich Katharina die Befürchtung, hätte auch das sanfteste Licht den Anblick, der sich ihr bot, nicht schönen können. Ihre sonst so klaren, mandelförmigen Augen waren blutunterlaufen. Außerdem hatte sie vergessen, sich abzuschminken, sodass der verschmierte Lidstrich die Ringe unter ihren Augen noch verstärkte. Wenigstens ihr Teint war klar; sie hatte die reine, helle Haut ihrer koreanischen Mutter geerbt. Und leider auch ihre sehr begrenzte Trinkfestigkeit. Was hatte sie nur geritten, so viel zu trinken? Egal! Erst mal unter die Dusche.


Der Strahl heißen Wassers reduzierte Katharinas Kopfschmerzen auf ein erträgliches Maß. Sie nahm ein wenig von dem sündhaft teuren Duschgel auf der Ablage und seifte sich ein. Die Seife brannte auf ihrem rechten Handrücken. Warum das denn? Zwei parallele Kratzer, auf der empfindlichen Haut zwischen Daumen und Zeigefinger. Der Schorf eines Kratzers hatte sich gelöst; ein Blutstropfen rann langsam die Hand hinab und fiel schließlich in die Wanne. Katharina betrachtete die Verletzung. Das war ein Gun Bite, ein Pistolenbiss. Das passierte, wenn man die Pistole so hielt, dass der Schlitten beim Schuss über die Haut schürfte. Sie schüttelte den Kopf. Das war ihr seit Jahren nicht mehr passiert. Und wann hatte sie überhaupt geschossen? Der gestrige Tag war ein einziges verschwommenes Etwas in ihrem Kopf. Thomas würde ihre Erinnerungslücken füllen müssen. Thomas. Ihr Partner. Ihr bester Freund. Was er jetzt wohl machte?


Vermutlich war er schon auf dem Weg ins Präsidium, Polanskis Lockruf umstandslos folgend. Vorher würde er noch rasch seine beiden Kinder in den Kindergarten bringen. Und wenn er das Haus verließ, gab er seiner Frau immer einen langen Abschiedskuss. Man weiß ja nie …


Parkhaus. Treppe. Schüsse.


Katharina musste sich an der Seifenablage festklammern, um nicht zu stürzen.


Thomas war tot. Er war gestern Abend getötet worden.


Und sie selbst hatte zwei Menschen erschossen.


Ihr Kollege, tot auf der Treppe. Die vier Jugendlichen, die in einer Ecke des Treppenabsatzes kauerten. Die beiden Mädchen weinten. Mehr Polizei war gekommen, Krankenwagen, ein Notarzt.


Auch Paul Polanski, ihr Chef. Er hatte sie nach Hause gefahren. Nicht ins Präsidium. Aber sie musste doch ihre Aussage …


»Morgen, Katharina.« Polanski hatte beruhigend den Arm um sie gelegt. Doch sie hatte ihn abgeschüttelt und war aus dem Auto gesprungen. Und dann? Sie hatte es zu Hause nicht ausgehalten. War in die Nacht hinausgerannt. Hatte getrunken. Hatte gespielt. Und dann war da dieser Mann, schön, nett – warum nicht?


Katharina drehte das kalte Wasser bis zum Anschlag auf. Langsam verschwanden die Bilder. Sie stieg aus der Dusche. Trocknete sich ab. Schlüpfte in ihre Kleider. Im Badezimmerschrank fand sie zwei Aspirin. Dann schlich sie leise aus der Wohnung.


 


***


 


Kriminaldirektor Paul Polanski blätterte fahrig in einer Akte. Schließlich warf er den Hefter auf den Tisch: »Berndt Hölsung sagt, er habe die Situation unter Kontrolle gehabt. Er wäre gerade dabei gewesen, die beiden Täter festzunehmen, als Sie … und ich zitiere wörtlich: ›wie eine wild um sich schießende Furie‹ dazwischengestürmt sind«. Katharina holte tief Luft. »Seit wann kniet man mit erhobenen Händen vor einer Wand, wenn man jemanden festnehmen will?«Kriminaldirektor Paul Polanski blätterte fahrig in einer Akte. Schließlich warf er den Hefter auf den Tisch: »Berndt Hölsung sagt, er habe die Situation unter Kontrolle gehabt. Er wäre gerade dabei gewesen, die beiden Täter festzunehmen, als Sie … und ich zitiere wörtlich: ›wie eine wild um sich schießende Furie‹ dazwischengestürmt sind«.


Katharina holte tief Luft. »Seit wann kniet man mit erhobenen Händen vor einer Wand, wenn man jemanden festnehmen will?«


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