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> Krimi Thriller > Wenn die Wahrheit leise stirbt
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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Wenn die Wahrheit leise stirbt, Dania Dicken
Dania Dicken

Wenn die Wahrheit leise stirbt


Libby Whitman 13

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„Kommt ihr?“ Ungeduldig blickte Harper in die Runde und so entschlossen die anderen sich schließlich, ihm zu folgen. 


„Wir kommen bald wieder“, sagte Brittany zu Riley, um ihm Mut zu machen. 


„Schon okay“, behauptete Riley. Hayley folgte den anderen nur widerstrebend. Sie fand das alles ganz schön absurd und kindisch, sagte aber nichts. 


Sie waren noch nicht weit gelaufen, als sie auf Harpers Auto stießen, das er am Straßenrand geparkt hatte. 


„Wo gehen wir denn jetzt hin?“, fragte Ellen. 


„Auf den Schulhof?“, schlug Scott vor. „Der Joint ist ja jetzt weg.“ 


„Gute Idee“, sagte Adam. Harper schloss sich ihnen an. Unverändert starrte er weiter zu Brittany, die sich allmählich unbehaglich zu fühlen schien. 


Sie hatten die Foothill Road schon überquert und näherten sich dem Gelände der High School, als Harper plötzlich sagte: „Ich hab was in meinem Auto vergessen. Geht schon mal vor.“ 


„Okay“, erwiderte Adam schlicht. Die anderen sagten nichts. 


„Wir sehen aber doch gleich mal nach Riley, oder?“, fragte Brittany. 


„Was, stehst du etwa auf ihn?“, fragte Adam. 


„Und wenn?“, erwiderte sie schnippisch. 


„Ah, verstehe. Ihr seid scharf aufeinander. Er auf dich und du auf ihn.“ 


„Und Harper ist auch scharf auf sie“, sagte Hayley, doch daraufhin prustete Adam nur los. 


„Als ob. Er will doch nicht mit einer Zwölfjährigen ins Bett.“ 


Hayley stöhnte. „Bei euch geht’s auch immer nur um das Eine, oder?“ 


„Ist halt nicht jeder so verklemmt wie du, Whitman.“ 


„Ich bin nicht verklemmt, ich denke bloß nicht ununterbrochen mit meinen Geschlechtsteilen“, erwiderte sie. 


„Mein Gott, jetzt hört schon auf“, stöhnte Ellen. 


„Ich finde es nicht gut, dass er jetzt allein im Wald ist“, sagte Brittany. 


„Wer, Riley?“, fragte Ava überflüssigerweise. 


„Nein, Jesus“, erwiderte Brittany genervt. 


„Holen wir ihn doch, dann ist Schluss mit dem Blödsinn“, schlug Hayley vor. 


„Ach, der kommt klar“, sagte Scott. „Wir sehen gleich nach ihm.“ 


Hayley blieb stehen und während sie überlegte, taten die anderen es ihr gleich und blieben ebenfalls stehen. 


„Das ist Bullshit. Ich hole ihn jetzt“, sagte sie. 


„Nein, tust du nicht“, widersprach Adam. 


Entschlossen stemmte Hayley die Fäuste in die Hüften. „Tue ich nicht? Was willst du dagegen machen?“ 


„Ich sag doch, du bist verklemmt. Kannst nicht mal einen harmlosen Spaß mitmachen.“ 


„Dann bin ich halt verklemmt.“ Kopfschüttelnd drehte Hayley sich um und stapfte in Richtung Wald zurück. 


„Warte“, rief Brittany noch, doch Hayley hörte nur, wie Ellen ihre Schwester zurückpfiff. Hayley drehte sich jedoch nicht um, sondern folgte dem Oak Creek Drive zurück in Richtung Wald. 


Und was, wenn sie unterwegs Harper begegnete? Darauf konnte sie eigentlich verzichten, aber sie beschloss, einfach vorsichtig zu sein. 


Sie konnte Riley nicht allein im Wald lassen. Nicht wegen so einer dämlichen Schnapsidee. Ihr Vater ging ihr zwar gerade oft genug auf die Nerven, aber sie wollte ihm beweisen, dass sie sein Vertrauen verdiente. Sie wusste, ihre Eltern hätten von ihr erwartet, dass sie jetzt eingriff und dafür sorgte, dass Riley nichts passierte. Dass die anderen Jungs nichts machten, überraschte sie nicht, aber sie war von Ellen enttäuscht. Sie war das älteste Mädchen, von ihr hätte Hayley etwas mehr Vernunft erwartet, aber sie dachte ja bloß daran, Scott ihre Zunge in den Hals zu stecken. 


Während sie auf den Wald zuhielt, wuchs das mulmige Gefühl in Hayleys Magengegend – in der Hauptsache wegen Harper, dem sie lieber nicht allein begegnen wollte. 


Sie hatte den Typen nie kennengelernt, der Libby damals an der Uni vergewaltigt hatte, aber Libby hatte ihn ihr beschrieben und sie gewarnt, sich vor solchen Typen in acht zu nehmen. 


Harper war so einer. 


Sie war schon darauf gefasst, hinter irgendeinen Busch zu springen, doch Harper tauchte zu ihrer Überraschung nicht auf. Etwas motivierter schlug Hayley sich ins Unterholz des Waldes und versuchte, sich daran zu erinnern, welchen Weg sie vorhin genommen hatten. Sie würde Riley jetzt holen und dann würde sie ihren Vater anrufen und bitten, sie abzuholen. Manchmal waren ihre Freunde einfach ätzend. 


Sie überlegte noch, den Weg mit ihrer Handyleuchte zu erhellen, als sie plötzlich Stimmen hörte. War Riley denn nicht allein? 


„Was willst du hier? Ich dachte, das soll eine Mutprobe sein.“ Das war Rileys Stimme, seine Stimmhöhe schwankte mehrmals, während er sprach. 


„Was war das vorhin über meinen Vater?“


Hayley blieb wie angewurzelt stehen und huschte hinter den nächsten Baum. Das war Harper. 


„Verpiss dich, Mann. Ich mache diese alberne Mutprobe doch schon so, wie du sie haben willst.“ 


„Du stehst auf die kleine Brittany, oder?“ 


„Das geht dich einen Scheiß an, Harper.“


„Sie ist süß, das muss ich schon sagen. Aber sie ist ja erst zwölf. Bisschen jung für mich. Wobei – so eine kleine Jungfrau, das hätte schon was.“ 


„Halt dein Maul.“ 


„Was, ärgert dich das etwa?“ 


„Du sollst nicht so über sie reden!“


„Sonst was?“ 


„Du bist ein perverser Schwanzlutscher, Harper.“ 


„Wie war das?“ Harpers Stimme nahm eine gefährliche Tonlage an. Hayley hielt die Luft an und spähte am Baumstamm vorbei. 


„Du bist ein Schwanzlutscher. Du hältst dich für was Besseres, was du nicht bist.“ 


„Halt die Fresse, du kleiner Wichser.“ 


„Ja, das ist leicht, oder? Mich hier runterputzen, obwohl ich gar nichts machen kann. Wie erbärmlich. Dass du dich von einem Dreizehnjährigen provozieren lässt.“ 


Hayley wagte immer noch kaum, zu atmen, während sie beobachtete, wie Harper sich bedrohlich vor Riley aufbaute. 


„Nimm zurück, was du gesagt hast“, forderte er. 


„Was, das mit dem perversen Schwanzlutscher?“ 


Harper brüllte wütend und schlug Riley mit der Faust ins Gesicht. Riley stöhnte vor Schmerz und Hayley überlegte schon, dazwischenzugehen, doch da spuckte Riley Harper vor die Füße und sagte: „Das nehme ich nicht zurück, das war schon so gemeint.“ 


„Kleiner Wichser!“ 


Hayley löste sich hinter dem Baum aus den Schatten, während Harper sich plötzlich bückte und etwas aufhob. Auf die Entfernung konnte Hayley nicht erkennen, was es war und sie rechnete auch nicht damit, als Harper damit einfach gegen Rileys Schädel schlug. Als sie ein hässliches Knacken vernahm, blieb Hayley wie angewurzelt stehen.


„Sag das noch mal“, schnaubte Harper wütend und schlug ein zweites Mal zu. Das Geräusch berstenden Knochens brannte sich in Hayleys Erinnerung. Ihr wurde eiskalt, als sie sah, wie Rileys Kopf nach vorn sackte und er bloß noch von den Fesseln gehalten wurde. 


Instinktiv schlug sie die Hände vor den Mund und unterdrückte im letzten Augenblick den Entsetzensschrei, der langsam in ihr aufstieg. Sie biss heftig die Zähne zusammen, während sie beobachtete, wie Harper vor Riley stand und ihn keuchend anstarrte. 


„Das hast du jetzt davon, du Würstchen.“ 


Ein leises Wimmern entrang sich Hayleys Kehle, als sie im rötlichen Dämmerlicht sah, wie Blutstropfen aus Rileys Haar rannen. Tränen schossen ihr in die Augen, dann spürte sie plötzlich Harpers Blick auf sich. 


„Was zum ...“ entfuhr es ihm. Hayley überlegte nicht eine Sekunde, sondern drehte sich um und rannte. 


„Fuck!“, brüllte Harper. „Verdammt, bleib stehen!“ 


Doch Hayley dachte nicht daran. Sie rannte, so schnell sie konnte, und beeilte sich, in Richtung der Häuser zurückzukehren. Sie ließ den Wald hinter sich, floh über die verdorrte Wiese und an Harpers Auto vorbei, bevor sie sich zum ersten Mal umdrehte. 


Harper war auch schon aus dem Wald gekommen, weshalb Hayley nicht lange zögerte, sondern laut um Hilfe rief. Sofort blieb Harper wie angewurzelt stehen. Hayley rief erneut um Hilfe, während sie weiter rannte. Sie blickte noch einmal zurück, aber Harper folgte ihr nicht mehr. Dennoch blieb sie nicht stehen, sondern rannte, bis sie die Baseballfelder hinter der High School erreicht hatte. Sie zitterte am ganzen Leib, keuchte angestrengt und konnte vor lauter Tränen fast nichts sehen. 


Was war da gerade passiert? Hatte er ihn umgebracht? 


Am Rande des Oakhill Parks, der an die Baseballfelder angrenzte, blieb sie stehen und spürte, wie ihre Knie weich wurden, während sie laut weinte. Zwischendurch besann sie sich darauf, dass sie die Straße nicht aus den Augen lassen durfte, doch keine Spur von Harper. 


Sie war ganz allein am Sportplatz – und genau so fühlte sie sich auch. Sie konnte und wollte jetzt nicht zu den anderen gehen. Gerade fiel ihr nur ein Mensch ein, dessen Hilfe sie sich jetzt wünschte. 


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