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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe WALDESNACHT, Silvia Bacher
Silvia Bacher

WALDESNACHT



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Nachts im Wald


 


Scheinwerfer kamen langsam näher, huschten vorbei. Dazu ein leises Motorengeräusch. Mitten in der Nacht? Wer kommt um diese Zeit in mein Revier? Er erhob sich geschmeidig. Griff in völliger Dunkelheit nach seinem T-Shirt. Streifte es über. Seine Augen hatten sich blitzschnell an die undurchdringliche Dunkelheit gewöhnt. Nie war Schwarz gleich Schwarz, schon gar nicht im Wald.


Er konnte die Konturen außerhalb seiner primitiven Behausung genau erkennen, jeden Busch, jedes am Boden modernde Holzstück, jeden Stamm. Auch die Augen der nachtaktiven Waldtiere blieben ihm nicht verborgen. Vollkommen geräuschlos tastete er sich vor, Richtung Scheinwerfer. Das Auto folgte dem unbefestigten Waldweg zum Fluss hinunter, er folgte dem Auto. Und genau an dieser Stelle, wo doch so einige Spaziergänger, Fischer, oder Jäger ihr Fahrzeug abstellten, stand jetzt ein kleines Auto.


Erst rührte sich nichts, wer auch immer im Auto saß, hatte wohl Bedenken, auszusteigen. Dann öffnete sich die Tür auf der Fahrerseite. Die Gestalt war klein und schlank, sicher eine Frau. Er konnte erkennen, dass sie sich in alle Richtungen umblickte und erst danach die Scheinwerfer im Auto löschte. Aha, sie wollte nicht entdeckt werden, interessant. Die Konturen der Frau bewegten sich zum Kofferraum, seltsam gestelzt kam sie ihm vor, unsicher. Sie öffnete den Deckel und blickte wohl in den Kofferraum, ein paar Minuten war sie vollkommen ruhig, bewegungslos. Hörte er da ein Schluchzen, etwa Weinen?


Nun kam Bewegung in die kleine Figur, die er mehr als Schatten wahrnehmen konnte denn als dreidimensionales Wesen. Mit ganz viel Anstrengung versuchte sie, etwas aus dem Auto zu zerren. Es musste sehr schwer sein, denn sie ächzte und schnaufte, und schließlich brachte sie einen komischen Gegenstand, der weich und gleichzeitig hart wirkte, zum Vorschein. Sie wuchtete das Paket, ja, so konnte man es nennen, aus dem Auto und setzte sich daneben.


Sie sagte etwas, aber er konnte es nicht verstehen. Dann stand sie auf, alles schaute ziemlich wackelig aus, nahm ein Ende der Verpackung und begann damit, diese in Richtung Wasser zu zerren. Besser schleifen, tragen konnte sie das große Ding nicht – und das machte ihn immer neugieriger. Vorsichtig ging er näher an die Stelle heran, wo das Auto stand. Es handelte sich um eine Art Parkplatz, was allerdings übertrieben war.


Denn eigentlich war es nichts weiter als eine Wiesenfläche, flaches, verfaulendes Gras, das ob der vor- und zurückfahrenden Autos einfach keine Chance mehr hatte, weiter zu wachsen. Mühsam kam die kleine Frau vor ihm voran, zerrte ihre Last, die in etwa der Form eines Menschen glich, in Decken gewickelt und verpackt. Welch abstruser Gedanke, aber war er das? Er sah sie nun schon unten am Fluss, es ging ein Stück abwärts, auch hier hatte sich das Gras der vielen Tritte nicht erwehren können und bot somit eine relativ freie Gehfläche. Abwärts ging es wohl leichter, sie war doch flott gewesen.


Irgendetwas störte sie jedoch sehr, und plötzlich kam sie den Steig herauf. Schnell duckte er sich hinter einen Busch, welcher Art, konnte er in der Dunkelheit nicht erkennen. Spielte auch keine Rolle, Hauptsache, er verbarg ihn. Die Gestalt ging zum Auto, schaltete die Innenbeleuchtung ein und suchte im Handschuhfach nach etwas. Fand es auch. Und machte sich mit einem kleinen, flachen Gegenstand wieder zum Flussufer auf. Vorsichtig folgte er ihr so weit wie möglich, wahrscheinlich hatte sie vorhin schon bemerkt, dass sie hier nicht allein war.


Was nun genau geschah, sah er leider nicht, der Mond versteckte sich vollends hinter den Wolken. Aber sie packte das Paket aus und holte hervor, was darin verborgen war. Dafür nahm sie den Gegenstand heraus, der wohl so etwas wie ein Messer sein musste.


Oh ja, darin war definitiv ein Mensch eingewickelt gewesen, ein Mann vermutlich. Ein Arm ragte in die Luft, und dieser sah nun nicht nach einem zarten Frauenarm aus, außer es handelte sich um eine austrainierte Bodybuilderin. Lächerlich, eindeutig ein Mann, und da sie ihn in den Fluss warf, wohl ein Bekannter, ein - von ihr ermordeter? - Mann. Wow, wahrscheinlich ihr eigener!


Immer hatte er vor dem Ausstieg aus seinem langweiligen Leben, wie jeder Normalsterbliche es kennt, in Zeitungen gelesen, dass auch Frauen mordeten. Hier durfte er nun Zeuge eines Paradebeispiels werden, und schon drehten sich sämtliche Räder seines Gehirns um die Frage – was nun? Sollte er sie einfach nur erschrecken, sollte er weitergehen? Sollte er das tun, weswegen er gesucht wurde und was ihn so unheimlich erregte? Sollte er sich in ihrem Auto verstecken und sie überraschen?


Oh ja, das war die beste Variante und er musste schnell sein, denn so, wie es sich anhörte, watete sie gerade aus dem Wasser, wo sie die Leiche wahrscheinlich so weit wie möglich in die Mitte geschubst hatte, damit sie mit der Strömung verschwand. Jetzt! Was für ein Spaß ...


 


Prolog


Eine sanfte Brise lässt die saftig grünen Blätter an den Birken und wild wachsenden Büschen und Gräsern am Ufer des breiten Flusses rascheln. Ruhig treffen die Wellen den Sand und die runden, über viele Jahre vom Wasser geschliffenen Steine. Ein paar Vögel zwitschern ihr Lied, eine Eidechse sonnt sich in den warmen Strahlen der Mittagssonne.


Lotti und Iris absolvieren gerade ihre Jogging-Runde. Immer dienstags laufen sie schwitzend am Flussweg entlang. An der Flussbiegung machen sie, auch wie immer, eine kleine Pause, dehnen die Muskeln und unterhalten sich über verschiedene Oberflächlichkeiten ihres Daseins, denn für Tiefgründigeres bleibt beim Training einfach nicht die Zeit. Ihre Gespräche drehen sich ohnehin eher selten um wirklich Wichtiges, Tratsch ist ihnen meist auch im Alltag lieber. Ist das Leben an sich doch schon anstrengend genug. Plötzlich verstummt Iris mitten im Satz und zeigt mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf eine Stelle unter einem üppigen Gebüsch, nah am Wasser.


„Sieh mal, was ist das?“, fragt sie und setzt sich auch schon in Bewegung, um dem unbekannten Etwas auf den Grund zu gehen. Nach ein paar Schritten bleibt sie stehen, gerade als Lotti sie einholt, und beginnt laut zu schreien...


 


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