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> Krimi Thriller > Unter die Räder gekommen
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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Unter die Räder gekommen, Peter Märkert
Peter Märkert

Unter die Räder gekommen


Kriminalroman,

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Das Glück trägt häufig den Mantel des Unglücks. Während des Abendessens erinnert er sich an das Sprichwort seines Vaters. Warum schenkt ihm ausgerechnet Onkel Wolfgang das Handy zu seinem zwölften Geburtstag? Hätte Vater nicht damit vorbeikommen können? Ein ganzes Jahr hat er ihn nicht gesehen. Er mag den Onkel nicht, der immer so nah an ihn heranrückt, dass ihm allein von dessen Mundgeruch schlecht wird. Mutter sieht ihn an, als ließe sich Dankbarkeit mit einem Blick befehlen: Los, nimm deinen Onkel in den Arm, mach schon! Ob er will oder nicht, er kann sich nicht gegen sie wehren. Er stellt sich die neidischen Blicke der Mitschüler vor, wenn er ihnen das Handy zeigt, und überwindet sich. Eine schnelle Umarmung und zurück auf den Stuhl. Der Onkel schüttet zur Pizza Bier und Schnaps in sich hinein. Glasige Augen starren ihn an, die Stimme schwärmt von seiner Figur, fragt, ob er sich schon für Mädchen interessiert. Er schämt sich, überlegt, auf sein Zimmer zu gehen, doch fürchtet die Reaktion seiner Mutter. Sie betont bei jeder Gelegenheit, wie wichtig es ist, sich mit dem Onkel gut zu stellen, sogar an seinem Geburtstag, weil der Onkel so großzügig ist. Mit einem gekünstelten Lächeln lässt er sich auf das Gespräch ein, schwärmt von einer Mitschülerin, die mit den Jungen in seiner Klasse Fußball spielt, sich sogar für neue Ballerspiele interessiert. An den Stirnfalten seiner Mutter erkennt er, dass ihr die Geschichte nicht gefällt. Er kann es ihr nicht recht machen, ganz gleich, was er sagt. Schon schimpft sie, dass er auf seinen Vater herauskommt, der nur an seine Interessen gedacht hat, nicht an seine Kinder, nicht einmal an ihren Geburtstagen. Immer die gleiche Aufregung, wenn sie zu viel Wein getrunken hat. Sie könne die große Wohnung nicht halten, ihm kein Taschengeld geben. Vaters Unterhalt reiche vorne und hinten nicht, obwohl er in Afghanistan ein Vermögen verdiene. Soll er seinen Vater verteidigen oder sich auf seinem Zimmer einschließen? Er sagt kein Wort, aber bleibt und hofft, dass ihr Anfall schnell vorübergeht. Schon wegen des kleinen Bruders, der ihn mit ängstlichen Augen vom anderen Ende des Tisches ansieht. Die fleischigen Hände des Onkels kramen im Portemonnaie, fingern Geldstücke heraus. Wieder muss er sich bedanken, den Onkel umarmen, der ihn an sich drückt, als wolle er ihn nie wieder loslassen. Er ekelt sich vor dem Geruch nach Alkohol und Schweiß, will weg, nur weg. Mutter lacht über seinen gequälten Gesichtsausdruck. Er reißt sich los und verlässt das Zimmer. Sieht noch, wie sein Bruder aufsteht, um ihm zu folgen, doch von Mutter zurückgehalten wird. Für den Geburtstag hat er sein Zimmer aufgeräumt, seine Sachen im Schrank verstaut. Hätte ja sein können, dass Vater auftaucht. Ob er noch daran denkt, wie sie auf dem Spielplatz tobten? Er muss immer daran denken, würde so gerne die Zeit zurückdrehen. Mutter sagt, er müsse sich mit der Situation abfinden, dabei hat er den Eindruck, sie hat sich selbst nicht damit abgefunden. Er hört, wie sie den kleinen Bruder ins Bett bringt. Erst gehen sie ins Bad, dann ins Kinderzimmer. Sie wird ihm vorlesen, bis er eingeschlafen ist, um zu verhindern, dass er noch zu ihm kommt. Nach zwanzig Minuten kehrt sie ins Wohnzimmer zurück. Soll er nachsehen, ob sein Bruder schläft? Er öffnet seine Tür, lauscht in den Flur hinein. Aufgeregte Stimmen dringen aus dem Wohnzimmer. Onkel Wolfgang verteidigt ihn vor seiner Mutter. Er will das nicht, der Onkel soll sich nicht für ihn einsetzen. Er holt das Handy aus der Verpackung, dreht es in den Händen und überlegt, es wortlos zurückzugeben, doch kann sich nicht überwinden. Stattdessen zieht er die Folie vom Bildschirm, schließt es an das Ladegerät an. Dann legt er sich aufs Bett und schaltet den kleinen Fernseher ein, den Vater ihm schenkte, als die Welt noch in Ordnung war. In der Nacht träumt er von seinem Vater, sieht ihn aus seinem Leben verschwinden. Er steht an der Haustür, während Vater zu der fremden Frau in den Jeep steigt, der Wagen sich in Bewegung setzt, immer kleiner wird und im Nichts verschwindet. Er wartet auf die Rückkehr, spürt gleichzeitig, dass es sinnlos ist. Er wacht schweißgebadet auf. Onkel Wolfgang kommt ins Zimmer, legt sich wie selbstverständlich zu ihm aufs Bett. Er dreht sich zur Wand, der Onkel rückt näher an ihn heran, er spürt den Bauch an seinem Rücken. Das hat der Onkel noch nie gemacht. Warum ist er nicht auf der Couch im Wohnzimmer geblieben, die Mutter extra für ihn bezogen hat? Er stellt sich schlafend und hofft, dass der Onkel den Irrtum bemerkt und verschwindet. Oder soll er ihn schlafen lassen und selbst ins Wohnzimmer ausweichen? Hände berühren seinen Rücken, streichen über seine Haut, tasten sich nach vorne, berühren seine Brustwarzen. Hätte er sich bloß ein T-Shirt angezogen. Die Hände gleiten abwärts. Über den Bauch unter seine Shorts. Umfassen sein Glied. Er kann nicht glauben, was da passiert, fühlt sich lebendig begraben, zwei Meter unter der Erde. Mit Onkel Wolfgang. Kein Mensch kann ihn hören, kein Laut dringt nach außen. Sein Herz rast, er wünscht zu sterben. Er hört den Onkel stöhnen, spürt dessen hartes Glied an seinem Po, zwischen seinen Beinen, die Feuchtigkeit. Er traut sich nicht, sich umzudrehen. Liegt mit dem Gesicht zur Wand, die Augen geschlossen, wie tot. Der Onkel versucht ihm einzureden, dass er ihn dazu verleitet hat durch sein ständiges In-den- Arm-nehmen. Ist das wahr? Ist es wirklich wahr? Nein! Mutter wollte es, er nicht! Warum hat er das Handy nicht zurückgegeben? Warum ist er nicht aufgesprungen, als der Onkel in sein Bett kam? Warum hat er es sich gefallen lassen? Die Fragen kreisen in seinem Kopf, auch noch, nachdem Onkel Wolfgang das Zimmer längst verlassen hat. Bis zum Morgen liegt er wach, unfähig, sichauf der Couch im Wohnzimmer geblieben, die Mutter extra für ihn bezogen hat? Er stellt sich schlafend und hofft, dass der Onkel den Irrtum bemerkt und verschwindet. Oder soll er ihn schlafen lassen und selbst ins Wohnzimmer ausweichen? Hände berühren seinen Rücken, streichen über seine Haut, tasten sich nach vorne, berühren seine Brustwarzen. Hätte er sich bloß ein T-Shirt angezogen. Die Hände gleiten abwärts. Über den Bauch unter seine Shorts. Umfassen sein Glied. Er kann nicht glauben, was da passiert, fühlt sich lebendig begraben, zwei Meter unter der Erde. Mit Onkel Wolfgang. Kein Mensch kann ihn hören, kein Laut dringt nach außen. Sein Herz rast, er wünscht zu sterben. Er hört den Onkel stöhnen, spürt dessen hartes Glied an seinem Po, zwischen seinen Beinen, die Feuchtigkeit. Er traut sich nicht, sich umzudrehen. Liegt mit dem Gesicht zur Wand, die Augen geschlossen, wie tot. Der Onkel versucht ihm einzureden, dass er ihn dazu verleitet hat durch sein ständiges In-den- Arm-nehmen. Ist das wahr? Ist es wirklich wahr? Nein! Mutter wollte es, er nicht! Warum hat er das Handy nicht zurückgegeben? Warum ist er nicht aufgesprungen, als der Onkel in sein Bett kam? Warum hat er es sich gefallen lassen? Die Fragen kreisen in seinem Kopf, auch noch, nachdem Onkel Wolfgang das Zimmer längst verlassen hat. Bis zum Morgen liegt er wach, unfähig, sich zu bewegen. Der Onkel hat ihm verboten, darüber zu reden. Es ginge nur sie beiden etwas an, sei ihr Geheimnis. Andere würden es nicht verstehen. Er entdeckt fünfzig Euro auf dem Schreibtisch. Meint der Onkel, ihn bezahlen zu können? Er möchte den Geldschein vernichten, das Handy, den Geburtstag, alles, was ihn an die Nacht erinnert. Er springt aus dem Bett, wundert sich, dass es so einfach ist, als wäre nichts passiert. Dabei würde er sich am liebsten auf den Boden werfen und schreien. Er zieht sich an, um es seiner Mutter zu sagen, läuft in die Küche. Der Blick verrät ihm ihre schlechte Laune. Sie wird ihm die Schuld geben oder die ganze Sache ins Lächerliche ziehen. Nein, soweit darf er es nicht kommen lassen. Er schämt sich zu Tode, schenkt ihr den Fünfziger, um ihre Stimmung zu heben, erklärt kurz: »Von Onkel Wolfgang«, und verschwindet im Bad, um Nachfragen zu entgehen. Er kann sich nicht von der Dusche lösen, bis Mutter ärgerlich an die Tür klopft und ihn an die Schule erinnert. Beim Frühstück bedankt sie sich bei ihrem Bruder für die Großzügigkeit und lädt ihn ein, bald wieder bei ihnen zu übernachten. Der Onkel verspricht, auf ihr Angebot zurückzukommen. Beim Abschied drückt er ihm die Hand, bis sie schmerzt, sieht ihm dabei fest in die Augen.


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