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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Toxin-Killer, Kat v. Letters
Kat v. Letters

Toxin-Killer



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Prolog


Sunset Hills, Missouri


»O mein Gott!«, brüllte Ronald erschrocken, als er wieder zur Straße schaute.


Der Fahrer neben ihm wechselte unverhofft auf seine Spur.


»Festhalten!«


Mit voller Kraft rammte er seinen Fuß auf das Bremspedal und stemmte sich dabei krampfhaft gegen das Lenkrad. Seine Frau Maria und die Töchter, Kate und Lisa, riss es von ihren Sitzen. Der Schreck durchfuhr ihre Glieder und jagte ihre Kehlen hinauf. Ihre gellenden Schreie vermischten sich mit dem Quietschen der Reifen. Ein Ruck. Der Sicherheitsgurt zurrte fest und bewahrte sie davor, frontal gegen die Scheibe zu krachen.


Der Wagen schlingerte. Ronald verlor die Kontro lle. Unmittelbar darauf folgte der Knall. Mit Wucht sauste das Fahrzeug gegen die Leitplanke. Der Querlenker brach. Verzweifelt versuchte Ronald das Lenkrad herumzureißen. Vergeblich. Das Vorderrad hatte sich im Radkasten verklemmt. Der Wagen schleuderte zur anderen Fahrbahnseite auf einen Graben zu und krachte mit der ganzen Längsseite hinein. Er knallte auf den Boden, hob ab und überschlug sich mehrfach, ehe er zum Erliegen kam.


 


Kate, Ronalds achtjährige Tochter, schrie vor Angst und Entsetzen. Das Quietschen der Reifen, der Knall. Alles Geräusche, die sie nicht kannte, dazu das panische Kreischen ihrer Schwester, auch Mom schrie. Das hatte sie noch nie getan.


Es krachte erneut. Kate wurde hin- und hergerissen, knallte gegen die Seitenscheibe, wieder zurück und noch einmal gegen die Scheibe und noch mal. Der Wagen hob ab und flog durch die Luft. Kribbeln durchzog ihren Bauch und dumpfer Druck legte sich auf ihre Ohren.


Schlagartig herrschte Totenstille. Absolut nichts war zu hören und eine seltsame Ruhe erfasste sie. Von ihrer Angst spürte sie nichts mehr, sie war verschwunden.


Fasziniert schaute Kate nach draußen. Wunderschön, dachte sie, wie in einem Märchen. Ein Windhauch zog seine Wogen durchs Gras und ließ die zarten Halme tanzen. Alles um sie herum bewegte und drehte sich im Zeitlupentempo, kippte zur Seite – weiter und stetig weiter – bis die Erde auf dem Kopf stand. Kate blickte begeistert nach unten auf den Himmel. Das Blau war fantastisch und die Sonne strahlte.


Allmählich verblasste diese Schönheit. Erst nahm Kate die Veränderung kaum wahr. Nur ein ganz leises Knacken, weit weg. Doch es kam näher, sehr rasch und drängte sich unvermittelt in ihr Bewusstsein. Die Frontscheibe zerplatzte. Plötzlich war ihre Sicht von feinen Linien unterbrochen, wie von einem riesigen Spinnennetz. Die Welt hörte auf, sich zu drehen, und stand still.


Mit einem Mal drang ein penetrantes Geräusch an ihr Ohr, ein durchdringender Hupton. Zügig wurde er lauter und bohrte sich unerbittlich in ihren Kopf.


Aufhören, bitte, schrie sie innerlich. Schaltet das ab! Sie bekam heftige Kopfschmerzen und legte die Hand an ihre Stirn. Das tut so weh!


Da war noch etwas anderes. Sie sog Luft durch die Nase und schnüffelte. Ein beißender, stechender Geruch lag in der Luft und trieb ihr Tränen in die Augen. Was ist das? Im selben Augenblick erkannte sie es. Es brennt! Ich muss hier raus! Kate wollte aufspringen, schaffte es aber nicht. Mist, dachte sie hektisch. Sie war noch angeschnallt, der Gurt lag straff um ihren Körper. Scheiße. Verzweifelt schlug sie mit ihrer kleinen Hand auf die Schnalle – immer und immer wieder. Warum geht das blöde Ding nicht auf? Sie konnte sich kaum bewegen und bekam nicht genügend Luft. Ihr Puls raste und ihr kleines Herz pochte so laut, dass sie es hören konnte. Sie wurde panisch, ihre Atmung übermäßig hastig und ein unangenehmes Kribbeln schoss in ihren Bauch. O Gott, ich bin eingeklemmt.


»Mom? Dad?«, wimmerte sie.


Dann richtete sie ihren Blick ängstlich auf ihre Schwester. Lisa stand unter Schock und starrte sie nur mit offenem Mund an.


»Lisa«, kreischte Kate. »Du blutest!« Dabei schnellte ihre Stimme steil in die Höhe.


Sie spürte den Ton, denn es war ihr eigener Schrei, der in ihren Ohren nachhallte. Ihr war eiskalt und sie zitterte, obwohl die Sonne brannte. Ihr Kopf dröhnte inzwischen immer stärker, ihr wurde schwindlig und glitzernde Punkte tanzten vor ihren Augen.


Benommen schaute sie nach oben und sah in fremde Gesichter. Sie redeten auf sie ein. Doch Kate sah sie nur verschwommen und konnte auch nicht verstehen, was sie sagten. Ihre Worte klangen verzerrt. Erschöpft schloss sie die Augen und spürte, wie sie kräftige Hände aus dem Wagen zogen. Dann ließ sie sich fallen und wurde ohnmächtig.


 


Kate sackte in die Bewusstlosigkeit, eingehüllt in tiefe Dunkelheit. Nicht einmal die eigene Hand vor ihren Augen konnte sie erkennen. Dennoch blickte sie sich um und versuchte irgendetwas auszumachen. Und tatsächlich, mit einem Mal erschien in der Ferne ein Licht. Es strahlte in reinem Weiß. Sie spielte mit dem Gedanken, es zu berühren, und wollte näher herangehen. Sie fand es seltsam, dass es kein bisschen blendete. Im Gegenteil, es war angenehm und hatte eine außerordentlich beruhigende Wirkung auf sie. Sie fragte sich, ob sie sich schon jemals so wohlgefühlt hatte? Sie konnte sich nicht erinnern. Das lag an dem Licht, sie wusste es.


Kate ging darauf zu und war jetzt fast in seinem Zentrum angelangt. Sie fühlte sich leicht und schwerelos, so wie sie es noch nie zuvor erlebt hatte. Dabei kam sie auf eine Idee und versuchte etwas. Mit den Füßen stieß sie sich vom Boden ab und schwebte prompt durch einen Tunnel auf das Licht zu.


Wow, sagte sie sich. Warum habe ich das nicht schon immer getan? Es ist so einfach.


Nur noch ein Stück und sie wäre am Ziel. Am Ende des Tunnels, mitten im Licht, tauchten wie aus dem Nichts Schatten auf. Kate nahm sie als menschliche Umrisse wahr. Und als sie näherkam, erkannte sie ihre Mom und ihren Dad. Sie spürte ganz deutlich die Liebe, die von ihren Eltern ausging. Jeden Moment würde sie bei ihnen sein. Sie war überglücklich darüber und lächelte.


Auf einmal ging es nicht weiter. Kate erschrak. Was ist denn jetzt los? Unvermittelt schwebte sie nur noch auf der Stelle. Ganz egal, wie sehr sie sich bemühte, sie kam nicht mehr vom Fleck. Hilflos streckte sie die Arme nach ihren Eltern aus, doch sie steckte fest und die Distanz zu ihnen vergrößerte sich. Ihre Mom und ihr Dad wurden wieder zu Schatten. Das Licht verlor sein Strahlen, wurde grau und düster.


Kate fühlte sich unwohl. Ein eisiger Lufthauch streifte ihren Körper. Sie zitterte. Rasend schnell nahm er zu und wurde stärker. Aus dem Hauch wurde ein Sturm. Er begann zu wirbeln und wuchs unversehens zu einem Tornado heran. Plötzlich stand sie mittendrin, wurde von dem Sog erfasst und in die Höhe gerissen. Halt dich fest, irgendwo! Aber da war nichts, sie griff ins Leere. Kate war verzweifelt, sie musste um jeden Preis zurück in das Licht. Wenn es ihr nicht gelingen sollte, würde sie ihre Eltern nie wiedersehen. Hoffnungslos ruderte sie mit den Armen und schrie, doch es kam kein einziger Laut über ihre Lippen.


Ihre Lungen füllten sich mit Sauerstoff und ihr Herz begann wieder zu schlagen. Kate war ins Leben zurückgekehrt.


 


Fieberhaft kämpften Feuerwehr und Sanitäter, um die vier Menschen aus dem Wrack zu bergen. Lisa heulte vor Schmerz und ließ sich nur unter Protest verarzten. Ihr Handgelenk war geschwollen und die Nase gebrochen, sie blutete aber inzwischen nicht mehr. Am Kopf klaffte eine große Platzwunde, die genäht werden musste. Ansonsten war sie noch einmal glimpflich davongekommen.


Ihre Eltern hatten dabei weniger Glück. Maria war auf der Stelle tot. Der Airbag hatte versagt und der Aufprall brach ihr das Genick.


Durch den Crash war das Fahrzeug war wie eine Pappschachtel zusammengepresst worden. Ronald saß eingeklemmt und schwer verletzt hinter dem Lenkrad. Ein abgesplittertes Stück vom Armaturenbrett steckte in seinem Oberschenkel und hatte die Hauptschlagader durchtrennt. Er verspürte jedoch keinen Schmerz. Er war nur schrecklich müde und konnte kaum noch denken. Seine Lider wurden schwer wie Blei. Später würde er sich um alles kümmern, aber zuerst musste er sich dringend ausruhen. Schlafen. Einfach nur schlafen.


Ronald träumte davon, wie schön es eben noch gewesen war. Mit seiner Frau Maria und den Kindern Kate und Lisa war er zur Blockhütte gefahren. Sie lag in der Nähe eines Sees, mitten im Wald. Es war ein herrliches Wochenende. Bis das Telefon klingelte – sein Chef. Er drohte, ihn zu entlassen, und stellte ihm ein Ultimatum. Es war von vornherein aussichtslos, trotzdem wollte Ronald alles daran setzen, um es zu schaffen. Deshalb musste er jetzt sofort aufbrechen und zurück nach St. Louis fahren.


Er setze sich in seinen Wagen. Hier stimmt doch was nicht, dachte er beunruhigt. Sein Unterbewusstsein meldete sich und ermahnte ihn, dass er in einem Traum stecke und unbedingt aufwachen sollte.


Seine Lider zuckten und seine Augäpfel rollten hin und her. Er war sehr schwach, schaffte es aber dennoch, die Augen ein Stück zu öffnen. Er konnte nichts sehen. Die Scheibe ist völlig hin, dachte er. Was ist hier los? Dann sah er auf sein Bein. Alles war voll Blut und er erinnerte sich. Natürlich, der Trottel, der uns fast gerammt hätte. Und der Knall – ja, wir hatten einen Unfall. Dann drehte er seinen Kopf zur Seite. Unter halb geöffneten Lidern sah er undeutlich seine Frau Maria auf dem Beifahrersitz. Ihr Kopf lehnte leblos an der Seitenscheibe. Ihre Augen waren weit aufgerissen vor Entsetzen. Meine arme, geliebte Maria.


Von der Rückbank drang leises Wimmern an sein Ohr. Die Kinder, Gott sei Dank, sie sind am Leben. Das waren seine letzten Gedanken.


 


Kate lag im Krankenhaus. Sie spürte, wie ihr jemand sanft über die Wange streichelte. Wer ist da, dachte sie. Ihre Finger zuckten nervös auf der Bettdecke. Sie kämpfte mit sich, sie wollte raus aus der Dunkelheit. Ihre Lider flatterten. Sie waren schwer und es kostete unendlich viel Kraft, sie zu heben.


»Hallo Kleines.«


Wie durch dicken Nebel hörte sie dumpf die Stimme ihrer Schwester Lisa. Kate war erleichtert und schöpfte neue Kraft. Sie versuchte es noch einmal und schaffte es, zu blinzeln. Das Licht war grell. Es tat weh und brannte in ihren Augen. Sie musste sich erst daran gewöhnen.


Wo bin ich? Sie lag in einem Bett, aber nicht in ihrem. Langsam tastete sie mit ihrem Blick den Raum ab. Da standen Apparate und sie selbst hing an mehreren Schläuchen. Das war ohne Zweifel ein Krankenhaus und sie lag in einem Krankenhausbett. Aber warum? Sie suchte darauf eine Antwort im Gesicht ihrer Schwester, doch im selben Augenblick kehrte die Erinnerung zurück.


Sie waren auf dem Weg nach Hause im Auto und hatten einen Unfall, an den sie sich allerdings nur vage erinnerte.


»Lisa, wo sind Mom und Dad?«, flüsterte Kate mit schwacher Stimme.


Lisa hatte sich vor dieser Frage gefürchtet, zudem durfte Kate sich nicht aufregen. Sie war sehr schwer verletzt und hätte es um ein Haar nicht geschafft. Dennoch wollte Lisa sie nicht anlügen.


Sie musste jetzt stark sein für ihre kleine Schwester und schluckte die aufsteigenden Tränen hinunter. Was sollte sie sagen? Und vor allem wie? Leider gab es keine Worte, die das alles leichter machen würden. Auch wenn sie die Worte noch so sorgsam wählte, der Schmerz würde Kate sehr hart treffen.


»Es tut mir so leid, Kate. Wir hatten einen schrecklichen Unfall mit dem Auto.«


Lisa kämpfte mit sich und verkrampfte ihre Hände im Schoß. Sie spürte, dass sie gleich losheulen würde. Zitternd holte sie tief Luft und unterdrückte einen Schluchzer. Sie konnte Kate dabei kaum in die Augen schauen. Verzweifelt rang sie um Worte und sprach dann stockend weiter.


»Mom und Dad – sie werden nicht wiederkommen.« Ihre Stimme wurde schwächer, sie flüsterte jetzt nur noch. »Sie sind beide tot.« Dann nahm sie Kates Hand und drückte sie fest an ihre Brust. »Aber ich bin hier bei dir. Ich werde immer für dich da sein, auf dich aufpassen und dich beschützen. Das verspreche ich dir. Du bist nicht allein. Hab keine Angst, alles wird gut.« Dabei wiegte sie ihre Schwester in ihren Armen.


 


Als Kate wieder allein in ihrem Zimmer war, wurde ihr schmerzlich bewusst, dass nun nichts mehr war wie zuvor. Traurig weinte sie in ihr Kissen. Mom und Dad waren tot und das war allein ihre Schuld. Wäre ich bloß nicht so ein Feigling gewesen, dann wäre jetzt alles gut.


 


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