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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Totenrache, Klaus Frank
Klaus Frank

Totenrache



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Leseprobe aus Verlorene Seelen:

Vom ersten Tag an ihrer kurzen Reise war Nicole dem Charme New Yorks erlegen. Mal spielte die Stadt die Betörerin, im nächsten Moment war sie heuchlerisch, und stets präsentierte sie sich mit einer Selbstverliebtheit, die ein menschliches Ego kaum besser hinbekommen hätte. Die Leute, die dort lebten, waren fleischgewordene Bilder ihrer Seele, so empfand Nicole ihre erste Begegnung mit ihnen. Selten betrat sie eine hitzeverdörrte Straße, die nicht etwas Neues präsentierte, und sei es lediglich in einem Hauseingang eine eingetrocknete Blutlache, in welcher ein spielendes Kind einen Handabdruck hinterlassen hatte.
Nicole hatte genügend Zeit, den spröden Reiz der Riesenstadt zu erforschen. Wie so oft, wenn sie Paul auf seinen Geschäftsreisen begleitete, war sie sich selbst überlassen, während ihr Mann in klimatisierten Geschäftsräumen saß und in Verhandlungen verstrickt war. Es war eine Scheinwelt, die für Nicole keinerlei Bedeutung hatte. Sie hatte nichts gegen die Menschen, deren Bekanntschaft sie manchmal machte, weil Paul das wollte; sie kamen ihr lediglich so steril und kalt vor, dass Nicole in ihrer Nähe fröstelte.
Ihr war klar, dass Paul sie nicht nur aus reiner Gefälligkeit auf seine Reisen mitnahm. In mancherlei Hinsicht war er mitteilsamer als ein aufgeschlagenes Buch, und so wusste sie, dass dies seine Art war, Nicole zu zeigen, wie sehr sie ihn brauchte und wie wenig sie wert war ohne das Geld, das er verdiente. Was hatte er ihr einmal im Streit gesagt? Du wärst ein Stück Dreck ohne Deine Titten!
Trotzdem nahm Nicole den Mann an ihrer Seite klaglos hin, denn es bedeutete ihr mehr, als er ahnte, wenn sie frühmorgens im Schlund der Städte verschwand und abends an anderer Stelle wieder ausgespuckt wurde. Ein wenig kam es ihr so vor, als würde sie Paul betrügen, wenn sie fremde Straßen erkundete.
Und nun New York, das ihr von der ersten Sekunde die Sprache verschlug und in jeder Hinsicht anders war, als alle anderen Orte, die sie kannte. Sie dachte an ihre Heimatstadt Stuttgart, in die Paul und sie in vier Tagen wieder zurückreisen würden, und ein wenig deprimierte dieser Gedanke sie. Es war so aufregend, die von Abgasen und Hotdogs schwere Luft zu atmen, die Stimmen der unzähligen Menschen zu lauschen oder den Regen zu spüren, der warm war und in den Augen brannte.
Die Vielzahl unterschiedlicher Baustile bei den Gebäuden, die Nicole passierte, war schwindelerregend; moderne Bauten waren direkte Nachbarn von schmutziggrauen, mit rostigen Feuerleitern versehenen Gebäuden. Nicole hatte niemals die Geduld aufbringen können, so etwas wie Architektur zu studieren. Auf Baupläne zu starren, war sicher eine ermüdende Tätigkeit, an der nichts Reizvolles war; um so mehr konnte sie sich für die Häuser selbst begeistern, die von ruhelosen Händen und schweren Maschinen erbaut worden waren. Was einst nur dünne Linien auf Papier gewesen waren, wurde zu einer Höhle für Menschen; Heimstatt für Fleisch und Träume.
Nicole passierte nur selten ein Haus, ohne dessen Eigentümlichkeiten zu bewundern; jedem Schnörkel schenkte sie ungeteilte Aufmerksamkeit. Manchmal blieb sie stehen und malte sich aus, wie die Räumlichkeiten aussahen oder in welchem Zimmer die Familie ihr Essen einnahm.
Paul verstand ihr Interesse nicht - er sagte Sucht dazu, manchmal Idiotie -, und jede ihrer Erklärungen kam ins Gegenteil verkehrt zu ihr zurück. Er bestand darauf, dass ihr Anspruch sein musste, Geld mit ihrem Wissen zu verdienen, aber das lehnte sie ab.
Da seine Belehrungen Nicole langweilten, schloss sie ihn aus von ihren Erfahrungen, und so wusste Paul nicht, dass sie sich nun in der Line Street im Süden Manhattans befand und dort vor einem Haus verweilte, das eher ihr Mitleid als ihre Neugier weckte. Es trug die Nummer 47 und war sicher einmal ein sehr schönes Gebäude gewesen, aber inzwischen hatte Verwahrlosung es entstellt, es war ein erstarrter, kalter Kadaver; ein Haus, dessen Erker gebrochen, dessen Fenster zumeist blind oder zerstört waren. Das hatte es mit vielen anderen Gebäuden in dieser Straße gemeinsam. Es schienen kaum noch Menschen hier zu wohnen, bis auf wenige am Straßenrand geparkte Autos fanden sich keine Anzeichen menschlicher Anwesenheit. Nicole war in einen Schlachthof der Gefühle gelandet, so schien es. Es wimmelte von Erinnerungen, aber niemand war in der Nähe, der ihr von ihnen hätte vorschwärmen können.
Nicole schloss die Augen und genoss die Mittagssonne, die ihr heiß ins Gesicht schien, während sie sich vorzustellen versuchte, welche Menschen einst in 47 gelebt haben mochten. Sicherlich meist große Familien, die italienisch klingende Namen hatten und deren Männer in den riesigen Schlachthöfen, von denen Nicole gelesen hatte, oder in der Kanalisation arbeiteten.
Nicole genoss die Sekunden, in denen ihre Konzentration die Hochsommergeräusche auf ein gefälliges Säuseln dezimierte und den Schweiß trocknete, der sich während ihres Erkundungsmarsches auf Rücken und Armen angesammelt hatte. Wo immer die Menschen, die Bewohner des Hauses, nun waren, sie waren sicher schweren Herzens fortgegangen. Vielleicht hatten sie sogar der Stadt den Rücken gekehrt. Es war eine entmutigende Vorstellung; wie einfach es doch war, Menschen in die Flucht zu treiben.
Noch bevor sie ihre Augen wieder öffnete, wusste Nicole, dass sie einen Bewunderer hatte.

Leseprobe aus Totenrache:

Der Blick, den Rob Freeman durch die Windschutzscheibe warf, fiel auf dunkles, feuchtes, blattloses Geäst und, einige Meter weiter entfernt, den alten, mit Gras bewachsenen Bahndamm, der zum Tunnel hinführte. Leise klopfte der Regen einen hypnotischen Code auf das Dach. Es war kalt im Wageninnern, aber dennoch schwitzte Freeman. Er empfand tiefe Furcht vor dem, was er nun tun musste; sie zeigte sich in seinen Augen, die weit aufgerissen waren und in denen unablässig ein gehetzter Ausdruck stand, und in den fahrigen Bewegungen seiner Hände.
"Dann lass uns jetzt beginnen", sagte er mit rauer Stimme. Die Worte galten seiner Begleiterin, die neben ihm saß. Sie trug ein dünnes, weißes Kleid, das nicht vor der Kälte zu schützen vermochte. Unterhalb ihrer Brust und im Schoß war es von großen Blutflecken besudelt, die während der Fahrt hierher aus den Wunden in ihrem Gesicht getropft waren. Sie hielt den Kopf gesenkt, sah er im Licht der Innenbeleuchtung, ihr langes Haar verdeckte das Gesicht; Goldhaar hatte Freeman es genannt. Sie hatte ihre Beine weit und ungelenk auseinandergespreizt, Freemans Blick ging oft zurück zu ihren Schenkeln unter dem hochgerutschten Kleid. Die obszöne Haltung gefiel ihm, aber sie war keine Einladung, sosehr er dies auch gewünscht hätte.
Mein Gott, dachte er benommen, und blickte auf seine schmerzenden Hände hinunter, die unruhig im Schoß lagen: Blut auch hier, und auch auf dem hellen Stoff seiner Hose sah er dunkle Spritzer. Einen Moment zögerte Freeman, als wollte er noch etwas sagen, ein leises Wort der Reue vielleicht, aber dann schüttelte er mit einer wütenden Heftigkeit den Kopf, dass ihm eine Strähne seines dunklen Haars in die Stirn fiel. Hastig stieg er aus und wäre beinah auf dem morastigen Boden ausgeglitten.
Während er um den Wagen herumging, platzten Bilder vor seinem inneren Auge auf: Seine Hand, die unter den Stoff ihres Kleides wanderte, ihre lustvolle Umklammerung, ihre Küsse. Dann ihre plötzliche Ablehnung, als hätte ein kleiner Kontrolleur in ihrem Kopf einen Schalter umgelegt. Ihr Gesicht verfinsterte sich und zeigte Abscheu. Sie riss seine forschende Hand fort von ihrem Schoß.
Freeman konnte sich an ein Wortgefecht erinnern, nicht aber an die Worte selber. Vermutlich waren es beleidigende, verletzende Worte gewesen. Worte, die aufstachelten.
Er riss die Beifahrertür auf. Der Regen prasselte eiskalt auf ihn nieder, tausend klamme Finger, die ihn berührten. Er sah seinen Atem davonwehen.

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