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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Tage wie dieser ..., Roland Zingerle
Roland Zingerle

Tage wie dieser ...


Klagenfurter Kneipen Krimi

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Verlag Johannes Heyn GesmbH & Co KG, Friedensgasse 23, 9020 Klagenfurt,%
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Der Bierwagen wartete an einer roten Ampel. Pogatschnig sah schläfrig auf den Horizont, wo sich die Sonne gegen den Abend hin neigte. Normalerweise wäre das nun die Stimmung für schwermütige Gedanken gewesen, doch Pogatschnigs körperliche Schwere verhinderte dies. Er war einfach nur noch müde und freute sich, dass dieser verrückte Tag nun bald zu Ende sein würde.


Als die Ampel wieder auf grün schaltete, ließ Hubert Pogatschnig die Kupplung kommen und dann passierte es: Er konnte nichts mehr sehen!


Wo er auch hinblickte, verdeckte ein großer blauer Fleck seine Sicht, offenbar hatte er zu lange in die Sonne gestarrt. Schlimm an der Sache war, dass er außerhalb der Blickmitte alles erkennen konnte, doch sobald er dort hinsah, legte sich wieder der blaue Fleck über das Bild. Seine Augen zuckten also hin und her, ohne ein Bild zu erhaschen.


Die Orientierungslosigkeit wich der Panik und diese der nackten Angst. Nachdem er einige Schlangenlinien gefahren war, steuerte Pogatschnig den Bierwagen an den Straßenrand und stellte ihn ab.


„Was ist denn jetzt schon wieder?", stöhnte Ludwig Melischnig und Pogatschnig plapperte hysterisch:


„Ich seh nichts mehr! Ich seh nichts mehr! Ich seh nichts mehr!"


Er rieb sich die Augen, kontrollierte sein Blickfeld, doch seine Lage hatte sich nicht gebessert. Panisch kletterte er aus dem Lkw und lief auf dem Gehsteig herum wie ein Hendl ohne Kopf. Und wie der Bauer, dem das Hendl gehörte, stieg auch Melischnig aus, um Pogatschnig einzufangen.


Ein älteres Ehepaar, das die Straße entlang spaziert kam, wurde auf die Szene aufmerksam.


Der Anblick war um so grotesker, als Hubert Pogatschnig ja auf beiden Beinen hinkte und leicht gebückt umher lief, um sein Rückgrat zu schonen, wobei ihm der rechte, erlahmte Arm schlaff herabhing. Seine geröteten Augen blickten wirr umher und als er auch noch über seine eigenen Füße stolperte und zu Boden ging, da war das Bild eines am helllichten Tag völlig besoffenen Bierführers komplett.


Pogatschnigs lahmer Arm blockierte sein Aufstehen, also wälzte er sich hilflos herum, um in eine bessere Körperlage zu kommen. Und weil er sich beim Sturz auf die Zunge gebissen hatte, konnte er nun auch nicht mehr normal reden.


 


So fand ihn das alte Ehepaar vor, als es des Weges kam. Ludwig Melischnig hockte sich zu seinem Freund, um ihm aufzuhelfen, doch das war nicht einfach, weil Pogatschnig überall Schmerzen hatte, wo Melischnig ihn angriff.


„Das ist ja nicht zu glauben!", donnerte der Bass des alten Mannes. „Sturzbetrunken mitten am Tag! Sagen Sie: Schämen Sie sich gar nicht?"


„Sie sind Lkw-Fahrer", schaltete sich die Frau ein. „Da haben Sie eine gewisse Verantwortung! Wie kann man sich nur so gehen lassen?"


„Das sind Bierkutscher", erklärte er nun ihr. „Die glauben, dass sich das so gehört." Dann stach er Pogatschnig mehrmals mit seinem Stock und rief dabei: „Aber wir leben im 21. Jahrhundert! Da findet das Pferdefuhrwerk nicht mehr allein in die Brauerei zurück, hast du mich gehört?!"


 


Ludwig Melischnig sah zu den beiden Alten hoch, die ihn umzingelten. Aufgrund seiner bodenständigen Erziehung hatte er großen Respekt vor alten Leuten, weshalb er ihnen auch nicht widersprach. Schweigend hob er Hubert Pogatschnig auf die Beine und stütze ihn.


Diesem war das Ganze furchtbar peinlich. Doch er konnte die Augen verdrehen, wie er wollte, er sah die beiden Leute nicht und er konnte Erklärungen formulieren, wie er wollte, es kam nur Lallen und Gestammel aus seinem Mund. Zumindest erinnerte er sich diesmal daran, keine Grimasse zu ziehen, als sich sein Gesicht wieder seltsam anfühlte.


Den Dauerregen an Beschimpfungen, der nun folgte, musste Hubert Pogatschnig hilflos über sich ergehen lassen. Zum Beispiel war das Ehepaar der Ansicht, dass er zum Bodensatz der Gesellschaft gehöre und Mitschuld daran trage, dass alles den Bach hinunter gehe, dass man ihn eigentlich anzeigen sollte und vieles mehr. Endlich ließen die gewaltbereiten Senioren von ihm ab und trollten sich.


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