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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Super Acht, MJ Crown
MJ Crown

Super Acht


Die Frau aus der Retroperspektive

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Starke Windböen pressten unnachgiebig gegen die Fensterscheiben. Unerbittlich suchte der Wind einen Weg durch die gläserne Barriere in das Innere des Hauses. Vergeblich wirkte die Kraft. Doch das Nachgeben, das Dehnen des Glases füllte unüberhörbar den Raum.


 


Hinter den schützenden Mauern stand Dr. Jacob Cleever in einem spärlich beleuchteten Zimmer. Er wählte eine Nummer auf dem antiken Telefon und verharrte plötzlich. Äußerlich schien er ruhig, denn er traf zielsicher die runden Aussparungen in der schwarzen Plastikscheibe. Wie er das mit ruhiger Hand fertigbrachte, war ihm ein Rätsel, da er innerlich tausend Tode starb und unter der Haut wie Espenlaub zitterte.


 


Der Sturm hinterließ ein heulendes Pfeifen, als er um die Ecken des Gebäudes raste. Er mahnte zur Umsicht und drohte Unheil an. Es war wie ein Omen. Nichts von dem, was Cleever jetzt tun sollte, musste geschehen. Alles könnte bleiben, wie es war - unbeschwert.


Steif lehnte er sich gegen den Sekretär und schaute Lady Chamberlain verunsichert an. Unmut und Gewissensbisse zeichneten ihn. Er wünschte sich inständig, er könnte sie wie das kleine Mädchen von früher von ihrem Vorhaben abbringen. Gedanklich reiste er in die Vergangenheit. Er hatte sie immer auf dem Arm genommen, wenn sie in das Arbeitszimmer ihres Vaters hereingeplatzt war, selbst dann, wenn sie ungelegen kam. Für sie war er immer ihr Onkel Jacob gewesen. Sie kannten sich und sie hatte ihm immer vertraut. Aus dem Kind war eine selbstbewusste Frau geworden, die keinerlei Aufschub ihres Anliegens duldete. Cleever erkannte das unschwer in ihrem Gesicht. Die Sache lag ihr wie ein Stein auf der Seele und brannte ihr unablässig wie Feuer unter den Nägeln. Zweifel waren fehl am Platz. In dieser Angelegenheit zählte für sie keine andere Meinung - nur ihre eigene. Selbst ein kurzer Aufschub schien aussichtslos.


Das angedeutete Kopfschütteln des Rechtsberaters, seine unbewusste Geste, sie möge die Toten ruhen lassen, ignorierte die Adelige. Der Dackelblick des Anwaltes fiel auf fruchtlosen Boden.


Giftig funkelten Lady Chamberlains tiefgrüne Augen, blitzten ihren Mitwisser an. Sie fand es unter ihrer Würde, den aufflammenden Konflikt mit Cleever verbal auszutragen. Nachdrücklich, aber dezent, nickte sie ihm auffordernd zu. Sie kannte ihre kühle Seite und war sich durchaus ihrer Wirkung bewusst. Die Geste war keine Bitte. Es war ein Befehl. Ob sie die Vorbehalte ihres Gehilfen ausräumen konnte, interessierte sie nicht. Das erschien ihr unerheblich. Ohne Skrupel konterte sie scharf den Blick des Rechtsanwalts. Er verweilte beharrlich auf ihm, brannte ihm im Nacken, bis er die letzte Zahl gewählt hatte.


Wie so oft setzte sie sich mit ihren Mitteln durch. Was konnte er dagegen halten? Vertrauter hin oder her. Jetzt war er nur noch ein Überbleibsel ihres Vaters und in letzter Instanz bezahlte sie ihn für eine Dienstleistung. Und das nicht schlecht, wie sie meinte. Geld steht über allem und es öffnet Wege und Möglichkeiten in jeder Hinsicht. Bei diesem Gedanken wurde es ihr warm ums Herz, denn Geld hatte sie mehr als genug. Es ließ sie in Sicherheit wiegen unantastbar zu sein.


 


Krampfhaft hielt Cleever den Telefonhörer an sein Ohr und lauschte dem entgegenkommenden Tuten. Viel zu fest drückte er die Muschel gegen die Haut. Es schmerzte und das erste Freizeichen hörte er nur gedämpft. Nervös rückte er den Hörer zurecht. Seine Haltung wurde steifer und sah unnatürlich aus. Ein weiterer Ton folgte. Er schien ihm lauter als der Vorangegangene. Die Spannung erhöhte sich und man konnte ihr Vibrieren in der Luft spüren.


Nur das Heulen des Windes und das Geräusch in der Leitung durchbrach die Stille des Raumes. Es erweckte den Eindruck, als hätten die Anwesenden einfach aufgehört zu existieren.


Überlaut schrillte das dritte Freizeichen in Cleevers Ohr. Ein kurzes Knacken folgte.


»Blake.«


Smart und unaufdringlich drang Blakes Stimme bis zu Lady Chamberlain vor.


Den Bruchteil einer Sekunde zu lang zögerte der Jurist, um sich vorzustellen. Genau das passte der Lady nicht und sie grub erneut ihre Waffen aus. Dieses Mal deutlicher als zu irgendeinem Zeitpunkt zuvor nickte sie dem Anwalt zu und vergaß ihre majestätische Haltung darüber. Die Lippen zu einem Strich zusammengekniffen, warf sie ihm einen bösen Blick zu und streckte ihm ihren Arm heftig entgegen. Wies auf den Anrufer. Die überschnelle Bewegung löste ein Nachbeben des Armes aus und kündigte bereits Konsequenzen an.


»Cleever. … Cleever mein Name.«


Der Berater drehte seiner Dienstherrin eingeschüchtert den Rücken zu. Es entstand nur eine kurze Pause, nicht lang genug, um eine Antwort abzuwarten. Hastig fuhr er fort und spulte den verinnerlichten Text ab.


»Dr. Cleever, Rechtsanwalt. Spreche ich mit Mister Christian Blake? … Ich möchte einen Auftrag an Sie vergeben.«


»Ja also, wenn Sie mich meinen, dann ja«, tönte es aus der Muschel.


Verwirrt über die ihm merkwürdig erscheinende Aussage, fragte der Anwalt wiederholt nach und vergewisserte sich, dass er mit dem Detektiv Christian Blake sprach.


Nachdem das kleine Missverständnis aufgeklärt war, bat er den Privatdetektiv umständlich sich eines Falles anzunehmen. Die Einzelheiten wollte er nicht am Telefon besprechen. Alles sei zu komplex und äußerst brisant.


Intuitiv, ohne nachzudenken, lehnte Blake ab und beendete das Telefonat mit den besten Wünschen für den bereits angebrochenen Abend.


 


Nach dem Gespräch hinterließ Blake, ohne es zu ahnen einen Mann, der mit der Absage äußerst zufrieden schien. Lady Chamberlain hingegen zeigte sich trotz aller Zweifel an Blake mit dem Ausgang des Gespräches unzufrieden.


Deprimiert saß sie auf dem schweren Sofa und beugte ihren Kopf vergrämt und hoffnungslos in ihre Handflächen. Stützte sich darin schwer auf. Dicke salzige Tränen flossen ihr über das Gesicht und verschmierten das perfekte Make-up. Ihr anhaltendes Schluchzen wurde durch das sonore Klingeln des Telefons unterbrochen. Der unerwartete Anruf verwirrte die Anwesenden. Ein neuer Funken Hoffnung schimmerte aus den Augen der jungen Lady Sarah und sie blickte erwartungsvoll zu dem rappelnden Apparat, als ihr Anwalt zum Hörer griff.


»Blake noch einmal.«


»Ja?«


»Dr. Cleever, Sie haben mich neugierig gemacht. Also ich kann nichts versprechen, aber ich werde mir Ihre Situation anhören. Können wir uns darauf einigen?«


Im Sinne seiner Auftraggeberin war er einverstanden, auch wenn er das leidvolle Kapitel vor wenigen Minuten in die ewigen Jagdgründe geschickt hatte. Da es eilte, bestellte er den Detektiv am selben Abend zu der Hausadresse der Chamberlains. Alle Details müsste man persönlich besprechen und er möge sich pünktlich um neun Uhr einfinden. Obwohl Bake entgegenkommend einen Lösungsvorschlag unterbreitete, erklärte Cleever ruppig, eine Verspätung wäre unakzeptabel und der Auftrag ginge verloren. Zu guter Letzt forderte der Jurist absolute Diskretion ein. Blake versicherte beides.


Befreit legte der Anwalt den Telefonhörer auf die Gabel zurück. Eine getroffene Entscheidung mehr, die er von sich schob.


Obwohl Lady Chamberlain erleichtert über das Kommen des Detektivs war, äußerte sie erneut Besorgnis an seiner Wahl. Die beiden hatten bereits unzählige Male über Blake diskutiert. Die Debatte entflammte von Neuem. Die Adelige äußerte enorme Bedenken, ob er der Richtige für diesen Auftrag sei und er ihren Wünschen gerecht würde. An erster Stelle stand Umsichtigkeit. Verschwiegenheit zählte ebenfalls zu ihren Prioritäten. Erfolgreich hätte er sein sollen, doch Erfolg sprach sie ihm gänzlich ab. Aus einer erstellten Liste blieb lediglich sein Name übrig, der den gesetzten Kriterien entsprach. Austauschbare Namen der infrage kommenden Detektive strich man nach eingehender Diskussion durch. Hätte Cleever Lady Chamberlains Beanstandungen nicht mehrfach zurückgestellt, wäre die Wahl möglicherweise anders ausgefallen.


 


Derweil saß Christian Blake bequem zurückgelehnt in einem Bürosessel vor seinem Schreibtisch. Nachdenklich legte er einen Fuß auf die Arbeitsplatte und schlug die Beine übereinander. Er wippte und zündete sich mit zusammengekniffenen Augen eine Zigarette an.


Gedankenverloren wiederholte er alle Eindrücke und Überlegungen seit dem ersten Gespräch mit Cleever und vermischte sie chronologisch ungeordnet mit Erinnerungen aus seinem Leben.


Mhhh, ... Der alte Chamberlain ist doch tot. ... Dann ... Die Tochter von DEM Chamberlain? Was will diese eingebildete Schnepfe von mir?


Nachdenklich runzelte der Ermittler die Stirn und sinnierte in langgezogen Großbuchstaben. Was zum Teufel? Die haben doch Geld wie Heu!


Ob er mit seiner Zusage die richtige Entscheidung getroffen hatte, war ihm unklar. Vielleicht hatte er zu schnell und unüberlegt zurückgerufen. Er haderte mit sich. Zweifelnd nahm er den letzten Schluck des billigen Bourbons aus der geöffneten Flasche. Schmatzte, wischte mit seinem Handrücken den Mund ab und nahm einen tiefen Zug von der glimmenden Zigarette.


Während er größer werdende Rauchkringel gegen die Decke blies, rätselte er über die Einzelheiten und was er überhaupt von der Frau wusste. Er kannte die Dame adeliger Abstammung nur aus der Presse und aus dem Fernsehen. Jung, gerade dreißig und bildhübsch. Obwohl sie viele Benefizveranstaltungen organisierte und finanzierte, sagte man ihr Geiz und Hochmut nach. Er erinnerte sich, dass ihre Mutter früh starb und der Vater, der Earl sie allein aufzog. Doch den segnete vor ein paar Wochen das Zeitliche - Altersschwäche hieß es offiziell.


Genau sah der Detektiv die Schlagzeilen in der Boulevardpresse vor seinen Augen und von welch großem Verlust man für die Londoner Gesellschaft sprach. Jetzt bewohnte die einzige Tochter einen der Familiensitze unweit des Belgravia Square Garden. Vage rief er sich ins Gedächtnis, dass es eines der wenigen freistehenden Häuser in einem der vornehmsten Stadtteile Londons war. Reich und reich gesellt sich gern, geisterte es ihm durch den Sinn und er dachte an all die Millionäre und erfolgreichen Menschen, die in dieser Gegend wohnten.


Stichpunktartig legte er die gesammelten Informationen in einer eigens neu angelegten Schublade in seinem Kopf ab.


Einen Reim, warum ausgerechnet er von dem aalglatten Hausanwalt der Familie, für was auch immer beauftragt wurde, konnte er sich beim besten Willen nicht darauf machen. Man munkelte, ohne dem Rechtsverdreher etwas anlasten zu können, er habe für die unsauberen Geschäfte des alten Chamberlains hohe Schmiergelder gezahlt und das eine oder andere gelungen vertuscht. Trotzdem hielten sich einige Gerüchte hartnäckig.


 


Rein aus finanziellen Aspekten konnte er den Auftrag nicht ausschlagen, intuitiv hatte er sofort abgelehnt. Nur sein Überlebenswille veranlasste ihn zu einer solch absurden Zusage. Obendrein gesellte sich Neugierde dazu. Die Frage nach dem Was und welchen Dreck diese Leute zu verbergen hatten, war ein Treiber, den er einfach nicht ausblenden konnte.


Privat und beruflich lief es für den gewerbsmäßigen Schnüffler katastrophal. Nach dem verhängnisvollen Unfalltod seiner Frau und Tochter glitt ihm das Leben aus den Händen. Der einst stetige Erfolg und das Geld mieden ihn beharrlich. Selbst kleinere Mandate blieben immer öfter aus. Falls sich dann doch jemand zu ihm verirrte, reichte das Honorar gerade so, um über die Runden zu kommen. Nennenswerte Klienten oder besser dotierte Aufträge konnte Blake, weiß Gott, schon ewig nicht mehr vorweisen. Sah den Anruf als Wink des Schicksals, als persönliche zweite Chance wieder an die Spitze der Gesellschaft aufzusteigen.


Leider saß er heute da, wo er war. Fand seine Lage mehr als armselig. Er sah sich um und resümierte seine Eindrücke. Das Büro war klein und schäbig. Wie lange die Wände keine Farbe mehr gesehen hatten, wusste er nicht mehr genau. Sie waren durch den Rauch der unzähligen Zigaretten, die er konsumierte stark vergilbt. Der Boden roch latent nach dem verschütteten Fusel des einsamen Saufgelages der letzten Nacht. Der Alkohol war seit Jahren sein bester Freund und zog ihn ohne Unterlass in den schwer zu ertragenden und tiefer werdenden Abgrund.


 


Was hatte er zu verlieren? Wieso eigentlich nicht?


 


Mühsam richte sich Blake mit dröhnendem Kopf auf und wankte zum angrenzenden Bad, um sich halbwegs frisch zu machen. Hastig zog er sich saubere Sachen über und sah seit längerem wieder annähernd wie ein Mensch aus. Zum Rasieren fehlte dem Detektiv allerdings die Zeit. Das ins Gesicht gespritzte und lax verschmierte Rasierwasser musste ausreichen.


Gekonnt warf er das Jackett über und schlenderte wankend zur Bürotür hinaus. Das schlechte Wetter störte ihn in keinster Weise. Obwohl der Wind unbarmherzig unter seine Jacke fuhr, fröstelte er nicht. Der Restalkohol wärmte ihn von innen heraus.


 


Mit seinem runtergekommenen 68er-Chevy fuhr er aus dem Osten der Stadt ins Zentrum und orientierte sich in Richtung Hyde Park Corner, um zu der angegebenen Adresse zu gelangen.


Rastlosigkeit beherrschte ihn und baute einen Spannungszustand in seinem Körper auf. Während der Fahrt tippten seine Finger unablässig und geräuschvoll auf das Lenkrad. Dabei zündete er sich eine Zigarette nach der anderen an. Halb abgeraucht schnippte er sie aus dem Fenster, fand keine Sekunde Entspannung und fieberte dem Termin entgegen. Ohne Unterbrechung kreisten seine Gedanken. Auch wenn Blake erfolglos sein Leben fristete, hieß das nicht, dass er auf den Kopf gefallen war. Er hatte ziemlich genau eine Vorstellung von dem, was ihn erwarten würde. Er wettete auf etwas Krummes oder gar Illegales. Für die echten Jobs gab es echte Detektive und echte Anwälte, … einen wie Cleever, bemerkte er innerlich abfällig. Sich selbst zählte er nicht mehr zu diesem Kreis. Das gehörte bereits der Vergangenheit an. Während er über die vielen möglichen und dreckigen Jobs nachdachte, passierte er eine Botschaft und fuhr an den vornehmsten Stadthäusern vorbei. Er lugte wiederholt aus dem Beifahrerfenster, um das Haus der Chamberlains nicht zu verpassen.


Nachdem Blake aus dem Wagen gestiegen war und mehr als laut die Tür zuschlug, lehnte er sich gegen sein Auto. Mit verschränkten Armen und einer Zigarette im Mund begutachtete er das Anwesen. Nach zermürbenden Gedanken, weshalb er hier sein sollte, zog er noch zwei Mal tief an seinem Glimmstängel und warf ihn achtlos auf den Boden. Festen Schrittes überquerte er den Fußsteig, um an der Klingel zu läuten. Schon bevor sich das edle Metalltor öffnete, fühlte er sich durch die Überwachungsanlage beobachtet und begutachtet. Es war ein unangenehmes Gefühl und es schauderte ihn.


Auf dem Weg zu der vor ihm liegenden weißen Villa überlegte er sich umzudrehen und die Sache einfach auf sich beruhen zu lassen. Sein Zögern wurde dann doch von der Neugier überwältigt. Jeder einzelne Schritt während dieser kurzen Strecke knirschte laut. Es war, als würde das Kieselsteinknirschen dem eigentümlich begonnenen Abend, eine unbekannte Wendung bringen. Wohin oder zu was auch immer.


 


Ohne eine Begrüßung wurde der Detektiv vom Butler mit einer leichten Verbeugung ins Haus gebeten. Mit einer dezenten Handbewegung zeigte der Hausdiener dem Gast den Weg in den roten Salon, in dem das Adelsblut und Dr. Cleever bereits ungeduldig auf ihn warteten.


 


Ohne, dass sich Lady Chamberlain erhob und bevor Blake sie sah, sprach sie ihn aus dem Verborgenen an.


»Schön, dass Sie den Weg doch noch gefunden haben. Ich habe bereits nicht mehr mit Ihnen gerechnet!«


Die Stimme ertönte von dem großen Ledersofa, von dem er lediglich den Rücken mit monströs vertieften Knöpfen in dunklem Leder betrachten konnte.


 Typisch britisch, huschte es dem Detektiv durch den Kopf. Gleichzeitig stolperten auch die unwirschen Gedanken, unhöflich und Schnepfe darüber. Zumindest hätte sie der Höflichkeit halber aufstehen können. Aber nichts dergleichen geschah.


Trotz des eisigen Empfangs ließ er sich seine Gedanken nicht anmerken und trottete zielstrebig um das Sofa herum. Streckte der attraktiven Frau die Hand entgegen, um sich persönlich vorzustellen und sie zu begrüßen. Mit aufeinandergelegten Händen auf den Oberschenkeln saß sie vor ihm. Hochnäsig und regungslos. Seine Geste blieb unerwidert.


Der nebenstehende Cleever bat Blake säuselnd auf dem Sessel gegenüber Platz zunehmen und bot ihm ein Getränk an. Nachdem der Detektiv einen doppelten Bourbon gereicht bekam, sprach ihn der Rechtsbeistand unmittelbar und übertrieben aufmerksam höflich an.


»Mister Blake, die Angelegenheit ist heikel, um genau zu werden hochbrisant. Um gleich zur Sache zu kommen: Über die Details darf die Öffentlichkeit um keinen Preis ein Sterbenswörtchen erfahren. Noch nicht einmal, dass wir Sie beauftragt haben. Kein Wort zu irgendjemand!«


Große Fragezeichen bildeten sich auf Blakes Stirn und waren von tiefen querliegenden Falten begleitet. Sein Gesichtsausdruck verriet seinem Gegenüber, dass er wahrscheinlich nicht begeistert von dem sein würde, was jetzt zu hören bekam.


 


Cleever räusperte sich unbeholfen, hüstelte künstlich mit vorgehaltener Hand und fuhr dann leise fort.


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