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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Sünden eines Teufels, Joachim Hausen
Joachim Hausen

Sünden eines Teufels



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Ich sitze auf der überdachten Terrasse meines Hauses und trinke einen Schluck Bier aus der Flasche. Stahlblau spannt das Himmelsdach über der Stadt. Sonnenschein und 27 Grad herrschen an diesem frühen Mittwochnachmittag, dem 13. April 2011.


Vögel jubilieren. Falter gaukeln. Insekten brummen und surren. Ein Erdhörnchen huscht heran. Ich werfe ihm ein Keksstück zu. Das drollige Tier schnappt es, blickt mich kurz an, fiept und verschwindet in einem Busch. Ich freue mich.


Seufzend schreibe ich auf dem Laptop an der 331. Seite meiner Biografie. Halt – nicht der Biografie, ich kleide meine bisherige Lebensgeschichte in einen Roman. Nach meinem 24. Geburtstag in fünf Tagen werde ich ihn abschließen, das heißt, den ersten Band. Da ich seit meinem neunten Lebensjahr Tagebuch führe und bis heute jede Menge Schreckliches und Schönes, Unmenschliches und Menschliches, Hass und Liebe erlebte, schätze ich, dass bis an mein Lebensende noch mindestens drei Fortsetzungen folgen werden.


»Was machst du mit dem fertigen Manuskript?«, will mein jüngerer Bruder wissen. Er sitzt auf einem der Teakholzstühle und blickt in den Garten. Der Duft blühender Orangenbäume schmeichelt meinen Riechzellen.


»Nach der Überarbeitung speichere ich es auf einen USB-Stick, den ich meinem Testament beifüge. Dieses hinterlege ich bei meinem Anwalt. Ich trete darin die eventuellen Honorare an eine Organisation ab, die sich um missbrauchte Kinder kümmert.«


»Sehr löblich.«


Ich schiele auf mein Chronometer. »Später fahre ich noch einmal weg. Kaufe für meine Kleine einen großen roten Seidenschal. Sie liebt es, sich nackt in Seide zu hüllen – ich natürlich auch.«


»Lüstling.« Brüderchen schaut mich an. »Du hast ihr doch erst letzte Woche ein dunkelgrünes Seidentuch gekauft und ein dunkelblaues Spitzenhöschen. Du sollst sie nicht so verwöhnen. Ich glaube, das Mädchen ist ein ausgekochtes Früchtchen, das dir berechnend nach dem Mund redet und alles mitmacht, was du von ihm willst. Ich spüre, dass es irgendetwas ausbrütet. Ich befürchte, die Kleine legt dich eines Tages voll aufs Kreuz.«


Ich kichere. »Wäre nicht übel, Brüderlein, bisher legte ich sie immer aufs Kreuz.«


»Sexprotz!«


»Schwarzmaler. Miesmacher. Neidhammel.«


Brüderchen brummt vor sich hin.


»Ich liebe sie, wie ich noch nie ein Mädchen zuvor geliebt habe. Ich vergöttere dieses Traummädchen. Ich werde es nie verlassen. Es hat mir nicht nur die wahre, die echte Liebe gezeigt, sondern auch mein Leben gerettet – oder hast du das vergessen?«


»Nein. Bist du dir sicher, dass die Kleine dich ebenso liebt und vergöttert, dass du ihr vollkommen vertrauen kannst?«


»Ja. Absolut.«


»Glaubst du nicht, dass sie dich eines Tages auffliegen lässt?«


»Nein. Es ist mein Mädchen und es liebt mich abgöttisch. Ende der Durchsage. Ende des Themas.«


Stille. Eine Wildtaube gurrt. Ein Hörnchen fiept.


Ich höre süßes Kichern. Ich drehe mich um. Ich halte den Atem an. Schwindelanfall.


Mein Traummädchen, meine zukünftige Ehefrau steht unter der Terrassentür – eingehüllt in das dunkelgrüne Seidentuch. Schimmerndes Blondhaar. Blitzende Augen. Blutrot locken die Lippen. Rot leuchtende Fingernägel. Zeitlupenhaft öffnet sie das Tuch.


Ich starre. Ich schlucke – funktioniert nicht. Trockener Mund. Meine Kleine präsentiert mir ihren Körper, einen Körper der reinen Sünde, der vollkommenen Liebe, der mein Herz, Gehirn und meine Nerven in Aufruhr versetzt. Lendenkribbeln.


Sie lächelt mich an. Die Sonne geht erneut auf. Meine Geliebte dreht sich um. Das Seidentuch – sie hält es in der Rechten und lässt es über den Boden schleifen.


Ich stiere. Welch ein Hintern! Ein lebendiger Traum! Ein Paradiespo! Lendenklopfen.


Sie wendet den Kopf. Verführerischer Augenaufschlag. »Kommst du, mein wildes Teufelchen?«, flüstert das Paradies-mädchen.


Herzschlaggefahr.


Ich öffne den Mund. Nichts. Ich trinke einen Schluck Bier. »Sofort, Liebste«, krächze ich. Ich stemme mich aus dem Gestühl und blicke zu meinem Bruder.


Er winkt ab und verdreht die Augen.


Mein Goldengel schreitet ins Wohnzimmer, das Tuch hinter sich herziehend.


Wonneschauer fließen durch meine Adern. Vibrierende Nerven. Flatterndes Herz. Auf Glückswogen schwimmend und von Liebe und Lust geschüttelt, folge ich.


Der Song der Temptations Love Woke Me Up This Morning schwebt durchs Haus. Die Jungs singen den Schlussrefrain: ›… no more cloudy days, no more cloudy days.‹


»Genau«, flüstere ich und lächle. Süßer Herzschmerz.



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