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> Krimi Thriller > Strohblond!! Strohdumm???
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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Strohblond!! Strohdumm???, Joachim Hausen
Joachim Hausen

Strohblond!! Strohdumm???



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Montag, 11. April 2011. Krönungstag. Weiße Wölkchen am Frühlingshimmel. In mir – der Himmel der Harmonie, der Glückseligkeit, tiefster Liebe.


Ein Taxi brachte das Brautpaar Carlo und Carla Maria zum Saarbrücker Rathaus. Der Bräutigam trug einen nachtblauen Anzug mit dezenten Kreidestreifen, ein blütenweißes Hemd mit dunkelroter Fliege und glänzende schwarze Lackschuhe.


Gekleidet in ein dunkelblaues Kostüm aus edlem Stoff, einer schneeweißen Seidenbluse und lackschwarzen High Heels schritt ich mit meinem Liebsten auf die Treppe des Rathauses zu. Ich deutete hoch und erklärte die Besonderheit der Frontseite.


Der Bald-Ehemann lächelte mich an. »Note Eins, Engelchen.«


Der Maquech saß in Höhe meines Herzens auf der Kostümjacke. Über ihm prangte eine weiße Schleife, deren Enden meinen Kleinen bedeckten.


Die Trauzeremonie fand im sehenswerten Festsaal statt. Ute und Armin spielten die Trauzeugen. Mit dem festen Ja-Wort, dem Überstreifen der schlichten Eheringe aus 750er Weißgold und einem süßen Kuss durchriss ich das Zielband meines herbeigesehnten Traumes, der goldenen Zukunft. Endlich – endlich angekommen.


Die Frau im Kopf jubelte und beglückwünschte mich.


Kaffeetafel mit Hochzeitstorte im Feines Essen. Um die Tische in U-Form saßen unsere Gäste: die Trauzeugen, eine top geschminkte Svetlana mit Mann, Roberto und Gattin, Sophia, Mathilde und ein 50-jähriger mit Carlo befreundeter Autor mit sehenswerter 42-jähriger Ehefrau. Champagner der Marke Ruinart, und zwar das Spitzenprodukt Dom Ruinart, floss. Der Liebste hatte mir beim Kauf erklärt: »Ein fantastisch ausbalancierter Champagner, mit einem Hauch von Honig und Vanille. Ein Experte erwähnte einmal, dass er eine gewisse Erotik aufweist.« Ich hatte den Weinexperten angelächelt, ihm eine Wange gestreichelt und gesagt: »Genau das Richtige für uns.«


Ich hatte die Eingeladenen gebeten, keine Geschenke zu überreichen, stattdessen sollten sie einer Einrichtung für behinderte Kinder Geld spenden.


Nur Ute erlaubte ich ein Geschenk. Es stand auf einem Tisch in einer Ecke: eine Orchidee aus dem Tropenwald von Chiapas. Ich zeigte sie dem Maquech. »Eine Pflanze aus deiner Heimat, mein Kleiner«, flüsterte ich. »Ich stelle sie neben deine Wohnung, damit du dich an ihr erfreuen kannst.« Ich strich ihm über den Kopf. Die Fühler richteten sich auf.


Auf Wunsch der überglücklichen Frau Betmann legte Ute eine CD auf, die ich mitgebracht hatte. Durchs Lokal schwangen die wunderbaren Klänge des Walzers An der schönen, blauen Donau. In den Armen meines Ehemannes schwebte ich über den Boden, drohte abzuheben. Die Musik füllte den Raum, mein Gehirn, das Herz, die Seele – mich. Ruhe. Glück. Liebe.


Abends rief Carlo zum warmen Büfett. Mein Maquech bekam gedünstetes, zerfasertes Hähnchenfleisch, natürlich ungewürzt. Er freute sich.


Aufbruch gegen 22:45 Uhr. Ute begleitete das selige Ehepaar Betmann zum Ausgang. Draußen dieselte das Taxi. Sie gab mir die Orchidee. Sie beugte sich vor und flüsterte: »Ich wünsche euch eine unvergessliche Hochzeitsnacht.«


Zu Hause stellte ich die Pflanze neben den Glasbehälter und setzte den Maquech in seine Wohnung.


Wenig später begann das Ehepaar Betmann mit der Ausfüllung der unvergesslichen Hochzeitsnacht.


Von ganz tief drinnen, aus einer Region, die ich nicht kannte, von der ich nie etwas wusste, die ich für unbelebt gehalten hatte, wallte Woge um Woge glücksgefüllter Gefühlskaskaden hoch. Und dann ... schien mein Kopf zu platzen. Veränderte sich mein Körper. Brannten meine Nerven. Verzehrten mich himmlische Gefühlsorgien, Ekstasen nicht von dieser Welt. Verbrannten mich. Schwemmten mich ins Universum meiner unvergänglichen Liebe. Der Tsunami der Lust und Liebe ließ das Gehirn glühen, die Körperatome irrwitzig kreisen, meine Seele schwingen. Ich hoffte, ich betete, ich flehte, dieser Moment würde nie vergehen, nie aufhören, wollte ihn immer und immer, ewig genießen, ihn mit jedem Atom meines Ichs aufsaugen, alle Tage, alle Stunden, alle Minuten, jede Nanosekunde des Lebens. Erstarrt im Zeitstrom der Ewigkeit grenzenloser Zufriedenheit, absoluter Glückseligkeit, unzerbrechlicher Liebe. Der Taumel durch den Garten Eden unendlicher Liebe, die sinnbetäubenden Gefühlswogen, das lustbeseelte Schweben im Universum meiner Liebe brannte sich unzerstörbar im Gehirn ein.


Jahrtausende später sank ich erschöpft, aber vollkommen befriedigt und von Liebe und Glücksgefühlen durchdrungen aufs verschwitzte Laken. Ich existierte immer noch. Ich spürte den Liebsten. Er lebte noch. Ich roch den Moschusduft seines und meines Schweißes, eine betäubende Parfummischung.


›Ein voll gelungener Auftakt der Ehe‹, wisperte es im Kopf. ›Ich hoffe, das Dauerglück hält noch mindestens 50 Jahre an.‹ Ich hoffte es ebenfalls.


»Geliebtes Engelchen«, flüsterte Carlo. »Ich ... ich bin unaussprechbar glücklich. Ich genoss Unbeschreibliches. Noch nie erlebte ich Ähnliches. Du bist der Engel der Anmut, des Glücks, der Liebe, der vom Himmel herabstieg, um in meine Arme zu fliegen. Ich liebe dich mit jedem Atom, liebe dein Lächeln und das Lachen. Ich liebe die Blicke deiner Smaragdaugen, das Sprechen des roten Mundes, den aufregenden Gang, deine Gesten, die Samthaut. Dein Körper lässt mich vor Begehren zittern und beben. Ich werde dich immer lieben und achten, auf Händen tragen und dir jeden Wunsch erfüllen bis in alle Ewigkeit.«


›Amen‹, sagte die unsentimentale Stimme im Kopf.


Ich lächelte und küsste den Liebsten auf die Augen. »Jetzt finde ich keine Worte mehr, um meine Liebe, meine Empfindungen, mein Begehren zu dir auszudrücken. Ich sehe mich am Ende einer dramatischen Reise, die mich in deine Arme führte, in denen mein ersehntes Lebensziel wartete. Ich will und werde dich lieben, bis zum Ende der Zeit.«


Carlo sagte nichts. Er küsste mich – sehr, sehr innig, unendlich liebevoll, unbeschreibbar zärtlich. Diese Antwort erfüllte mich mit vollkommener Zufriedenheit, tiefstem Glück, reinstem Seelenfrieden. Ich hätte Gebirge umarmen, Wolken besteigen und jeden Maquech Mexikos küssen können. In meinem Innern klangen zahllose Glocken. Sangen Scharen goldlockiger Engel. Posaunen schmetterten Siegeshymnen.


Im Anschluss an einen Brunch tags darauf überreichten wir uns die Hochzeitsgeschenke. Ich freute mich über ein Arm- und ein Fußkettchen aus 18-karätigem Gelbgold, wohlduftende Bodylotion und mein Lieblingsparfum.


Ich beschenkte den Göttermann mit einem umfangreichen Bildband über das Persien des Altertums und dem teuersten Laptop, den ich auftreiben konnte. Jubelnder Ehemann.


 


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