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Stirb! Rotköpfchen


von Sabine Ludwigs

krimi_thriller
ISBN13-Nummer:
9789963531868
Ausstattung:
Broschiert
Preis:
12.99 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
bookshouse Verlag
Kontakt zum Autor oder Verlag:
autorin@sabine-ludwigs.de
Leseprobe

Prolog

 

An einem herrlichen Sommertag, gegen elf Uhr vormittags, haben sie unsere Jule im achteckigen Tempel der Ruhe im Bodelschwingher Wald gefunden.

Sechzehn Jahre jung. Nackt. Ohne Haare. Tot. Sie lag in der Mitte des offenen Oktogons, dessen Kuppeldach von acht mit Efeu berankten Säulen getragen wird. Hier hatte jemand ihren Leichnam vor dem Urnensockel, der schon lange keine Urne mehr trägt, aufgebahrt. Stehen die schmiedeeisernen Torflügel zu diesem kleinen Adelsfriedhof auf, wirkt er wie die Kulisse für einen Mystery-Thriller, mit zum Teil immergrünen Baumriesen, mannshohen Büschen und gepflegten, jahrhundertealten, um den Tempel angeordneten Gräbern, die aus der Grasdecke zu wachsen scheinen. 
Und nicht zuletzt wegen der massiven Grabplatt e mit den sechs eisernen Trageringen, die vor den Stufen zum Tempel in die Erde eingelassen ist. Diese Platt e verschließt den einzigen Zugang zu der darunterliegenden Krypta; gleichzeitig symbolisiert sie eine Brücke zu der Welt der Toten. Eine Diesseits-Jenseits-Brückenplatte. 
An sonnigen Tagen herrschen hier schattendurchwirktes Licht, Frieden und Melancholie, und nachts völlige Dunkelheit, Stille und Unergründliches. Ein Dunst scheint in der Luft zu liegen, der den Konturen ihre Schärfe nimmt. Stets ist es um einige Grad kälter als an anderen Stellen im Wald. Und stiller. Zumindest fühlt es sich so an. 
Wegen all dem zieht der versteckte Friedhof unweigerlich die Aufmerksamkeit derer auf sich, die ihn passieren; wie die des Lepidopterologen vor vier Jahren, an jenem sechsundzwanzigsten August, als er unsere Jule fand. 
Sie lag auf dem Rücken, die Arme neben sich, und ruhte auf einer Aufschüttung aus Laub und weichblättrigen Zweigen. Auf ihrem Körper spreizte sich ein Schwarm leuchtend blauer Großer Schillerfalter. Es waren Hunderte. Im prachtvollen Farbenspiel der Männchen ging die unscheinbare braune Färbung der Weibchen unter. 
Unzählige Male habe ich versucht, mir das blaue Schillerwogen vorzustellen. Die glänzende Masse hauchdünner Schuppenflügel, ihre Farbreflexe und Zartheit. Das trockene Rascheln, wenn sie die Flügel bewegten. Es muss ein prächtiges Schmetterlingsgespinst gewesen sein, das Jule bedeckte. Geradezu märchenhaft. 
Ich weiß das deshalb so genau, weil der Schmetterlingskundler es der Tratschtante Pätsch in allen Einzelheiten schilderte. Denn natürlich stand Martha Pätsch an diesem Mittwoch als eine der ersten Gaffer vor Ort. Sie, mit dem Aussehen eines begierigen, robusten Mopses, der Schlupfjeans und Sportschuhe trägt, lauerte an der Polizeiabsperrung. Und die Tratschtante kannte keinerlei Hemmungen, den Schmetterlingsmann auszufragen. Natürlich versäumte sie es nicht, das Erfahrene im Ort zu verbreiten. 
Zumal der Mann ein schauerliches Detail fallen ließ. Nämlich, dass diese Falter einen besonders stark ausgeprägten Geruchssinn haben und zu den wenigen Arten zählen, die sich nicht von Blütennektar ernähren. Sie schweben an späten Vormittagen aus den Wipfeln der Bäume herab. Hinunter zu feuchtkühlen Waldrändern oder Lichtungen, wo sie sich an Wasser laben, an Exkrementen. Und an Aas. An totem Fleisch. Als die Pätsch das unter die Leute brachte, tat sie es mit einem bedeutsamen Flüstern bei den letzten beiden Worten, dem Tüpfelchen auf dem i. »Totem Fleisch.« 
Das Flüstern wurde aufgenommen und von unsichtbaren Mündern weitergetragen. In Geschäfte, Wartezimmer, auf Plätze und Straßen. An Bushaltestellen. Auf den Markt, in Schulen. 
Überallhin. 
Man konnte es hören, ob man wollte oder nicht: »Blaue Schillerfalter … fressen … totes Fleisch.« 
Flüsterflüsterflüster. 
Wie das leise Rascheln lichter Schillerfalterknisterflügel. 
Es passte absolut in die morbide Szenerie und zu der Art, wie Jule den Tod fand ...

 

 

Klappentext

Die Medien nennen ihn Wolf – nach der uralten Sage des Krüzloh-Waldes, in dessen Schatten das Böse in Wolfsgestalt umgehen soll.

Wolf, weil er sich in der Einsamkeit märchenhafter Wälder auskennt und sicher fühlt.

Wolf, weil er unerkannt rothaarige Mädchen verführt, ehe er sie sich einverleibt.

Wolf, weil die Menschen fürchten, dass er bald ein weiteres Rotköpfchen in seinen Fängen haben wird.

Wie bald wird die nächste Tote gefunden? Nackt. Kahlgeschoren. Aufgebahrt im finsteren Herzen des Krüzloh …

 

Die heimliche Liebe eines Mädchens.

Die verlorene Liebe eines jungen Mannes.

Die obsessive Liebe eines Mörders.

 

Drei Menschen, deren Schicksale kaum verhängnisvoller miteinander verknüpft sein könnten.

Rezension

Leserstimme auf amazon Lady Moonlight: Ein tolles Buch, das voller Überraschungen steckt!

 

″Stirb! Rotköpfchen″ ist ein Psychothriller, der Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen begeistern wird. Von Sabine Ludwigs angenehmen detaillierten Schreibstil bin ich sehr überrascht. Die Geschichte ist gut strukturiert, spannend und mit einem winzigen Hauch Mystery versehen. Mir hat die Anlehnung an das Märchen Rotkäppchen richtig gut gefallen. Leider hat die Geschichte zwischendurch ein paar Längen und das Ende kommt dann irgendwie zu schnell. Trotzdem kann ich euch diesen Roman wirklich empfehlen. Alleine die Idee und der tolle Schreibstil sind es wert, dieses Buch zu lesen. Die Geschichte lässt einen irgendwie gar nicht mehr los. Ich habe das Buch schon vor ein paar Tagen beendet, muss aber immer noch daran denken.

Zum Inhalt möchte ich ehrlich gesagt gar nicht viel verraten. Ich finde es besser, wenn man die genauen Hintergründe vor dem Lesen nicht kennt. Ich kann nur sagen, dass die Geschichte sehr realistisch aufgebaut ist. Es geht Unteranderem auch darum, dass manche Jugendliche ziemlich viel im Internet preisgeben, wie schnell sie fremden Personen vertrauen. Dieser Teil ist meiner Ansicht nach wirklich sehr realitätsnah, beinahe etwas erschreckend. Das ganze Buch steckt voller Überraschungen. Einige Stellen werden aus der Sicht des Mörders erzählt, andere wirken sehr mysteriös. Man wird als Leser auch ein klein wenig hinters Licht geführt, was mir persönlich sehr gut gefällt. Ich wusste zwar, in welche Richtung das Buch ungefähr geht, war am Ende dennoch etwas überrascht.

Die Geschichte ist glaubwürdig und stimmig, fesselt den Leser gekonnt an das Buch. Wer spannende Romane mit etwas Mystery mag, sollte sich ″Stirb! Rotköpfchen″ auf keinen Fall entgehen lassen. An dieser Stelle möchte ich noch dazu sagen, dass der Mystery-Teil wirklich sehr gering ist. Im Prinzip ist das sogar Ansichtssache, würde ich sagen. Ich werde von Sabine Ludwigs auf jeden Fall noch weitere Bücher lesen. Die Autorin hat mich wirklich positiv überrascht.