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Spargelmorde


Ein Marchfeldkrimi

von Christine Neumeyer

krimi_thriller
ISBN13-Nummer:
9780997757972
Ausstattung:
Taschenbuch mit 272 Seiten und Ebook k3420 KB
Preis:
ab 0.99 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
Kriminalroman-Verlag (Stuber Publishing)
Kontakt zum Autor oder Verlag:
ch.neumeyer@gmail.com
Leseprobe

Vor der Garderobe lehnte eine lebensgroße Puppe des vorletzten Kaisers von Österreich. Der weiße Schnurrbart des alten Franz Joseph legte sich in atemberaubender Länge bis hinter die Ohren, watteähnliche Haarbüschel wölbten sich über breite Wangenknochen, auf dem Haupt jedoch regierte die Glatze. Scheinbar unverwundbar stand er da, die Arme eng am Körper, die Hände vor dem flachen Bauch, die mit Orden dekorierte Brust geschwellt, schmal geschnitten die schwarzen Hosen an den schlanken Beinen. Über dem Kopf des Monarchen zeigten zwei ovale goldgerahmte Ölgemälde den jungen Franz und seine schöne Frau Sisi. Mit ausladenden Bewegungen führte Maximilian Fürst Elfriede und ihren Vater durch den mit Porträts prominenter Gäste geschmückten Flur weiter bis zum Kaiserzimmer. Cremefarbene Spitzentischtücher, mit rotem Brokat bespannte Stühle, dunkle Holztäfelungen, auf Kopfhöhe befestigte Regale mit Buchrücken, deren Schriften ein wenig verblasst wirkten; all dies kreierte eine Atmosphäre kaiserlicher Nostalgie. Schwarz-weiß-Fotos aus der Zeit der großen österreich-ungarischen Monarchie bedeckten die dicken Tapeten fast zur Gänze. Unter der drückenden Opulenz setzte sich Elfriede mit langsamen Bewegungen an den zugewiesenen Tisch unter dem riesigen Lampenschirm. Siegfried sank ihr gegenüber krächzend nieder. Noch waren sie die einzigen Gäste. Auch von den roten Speisekarten blickte ihnen eine Abbildung des alten Kaisers entgegen. Die k.u.k.-Nostalgie kroch in diesem Gasthof schier aus jedem Winkel. Mit einem dumpfen Knall schlug Elfriede die Karte zu. „Spargel in Butter und Brösel.“ Sie hatte längst entschieden.

„Und der Herr Vater? Dasselbe?“ Fürst grinste.

Siegfried schüttelte den Kopf. „Zuerst eine Leberknödelsuppe“, begann er aufzuzählen, „dann den Zwiebelrostbraten“, brummte er. „Ich will heute mal was Gescheites essen. Packen Sie mir noch eine große Portion Petersilienerdäpfel auf den Teller und die Zwiebel schön braun werden lassen, gell.“

„Wie der Herr wünschen. Darf ich den Herrschaften ein Viertel von unserem besten …“

„Nix da“, unterbrach Siegfried. „Ich bin herzkrank und meine Tochter fährt Auto. Bringen Sie uns Mineralwasser mit wenig Kohlensäure.“

„Sehr wohl, der Herr. Kommt sofort!“ Maximilian Fürst winkte den jungen Mann an der Tür in k.u.k.-Adjustierung herbei. Mit hastigen Schritten steuerte er unverzüglich auf den Tisch der Gäste zu. Auf den goldenen Knöpfen seiner Uniformjacke schimmerte das Wappen der österreich-ungarischen Monarchie. Einen Moment lang dachte Elfriede, er würde gleich salutieren, doch seine beiden Arme blieben an den Hüften. Wahrscheinlich weiß der Jüngling gar nicht wie man salutiert, vermutete sie. Heutzutage flüchtet jeder Zweite in den Zivildienst, kaum einer geht noch zum Militär.

„Anton wird sich um Ihr Wohl kümmern.“ Maximilian Fürst strich dem jungen Mann über die Schulter. Ein Lächeln grub sich in das hübsche Gesicht des Kellners, sein Hals schien sich um mindestens fünf Zentimeter aus dem steifen Kragen zu schrauben. „Zu Ihren Diensten, Herrschaften.“

„Frau Inspektor schauen heute hinreißend aus“, fuhr der Wirt unbeirrt mit seinen Schmeicheleien fort. „Diese flotte Frisur steht Ihnen ausgezeichnet, wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf.“

„Oh, vielen Dank.“ Elfriede errötete. „Wissen Sie, mein Vater sagt immer, ich soll es wachsen lassen.“

„Aber nein, ein so apartes Gesicht versteckt man nicht hinter einem Vorhang. Haha.“ Die Hände des Wirts legten sich übereinander, während er mit seinen Absätzen auf- und ab wippte. „Nur hässliche Frauen verschleiern sich mit langen Haaren. Nicht wahr?“ Lachend zog er sich mit einer angedeuteten Verbeugung zurück. „Anton wird sie nach Strich und Faden verwöhnen, meine Herrschaften.“

Der junge Mann wollte vor der Suppe einen Aperitif servieren, doch auch diesen lehnte Siegfried ab. Unverrichteter Dinge, das Lächeln im Gesicht wie eingemauert, verließ der Kellner das Gastzimmer in Richtung Küche.

„Mit dem Fürst brauchst net zu flirten, Elfi“, meinte Vater trocken. „Der mag keine Weiber. Des bringt nix.“

Elfriede warf ihrem Vater einen strengen Blick zu. „Hör auf, Vater. Er will doch nur nett sein.“

„Ach was“. Siegfrieds Hand klopfte auf den Tisch. „Man sagt, der kostümiert sich heimlich, tanzt als Kaiser durch sein Lokal. Schau dich um.“ Vater setzte eine Miene auf wie früher, wenn er Elfriede bei etwas Verbotenem erwischt hatte. „Was da für kitschiges Zeug herumliegt.“ Seine Ellbogen fuhren zur Seite und kippten einen silbernen Kerzenständer um. „Siehst du. Alles unnötiges Klimbim.“

Wortlos richtete Elfriede den umgeworfenen Ständer wieder auf.

Siegfried legte den Kopf in den Nacken. „Sogar von der Decke baumelt des Klumpert.“

Elfriede fand die goldenen Engel entzückend.

„So etwas fällt doch keinem Kerl ein, keinem richtigen zumindest. Da gehört ordentlich aufgeräumt.“

Wenn Elfriede nicht so schrecklich müde gewesen wäre, hätte sie sich wohl auf ein Streitgespräch eingelassen, so widmete sie sich lieber dem hübschen Kellner in seiner bunten Montur, taxierte ihn beim Servieren und wich dem strengen Blick des alten Despoten vor ihr tunlichst aus. Überaus peinlich fand sie sein Gerede. Erleichtert war sie hingegen über die Miene des Kellners, denn er schien dem Geschimpfe des Alten nicht im Mindesten zu lauschen. Wenngleich das Spargelgericht vorzüglich schmeckte, blieb die Stimmung verdorben, da half selbst der galante Handkuss nichts, den der Wirt ihr beim Verabschieden offenherzig zuwarf. Schon war sie mit einem Fuß draußen auf der Straße, die Sonne blendete, da spürte sie, wie der Spargel ihren Harnfluss anregte und kehrte kurzerhand mit einer Entschuldigung auf den Lippen um. Die Toilette lag am Ende des langen Flurs. Im winzigen Vorraum sah man sich durch zahlreiche Spiegel von allen Seiten, Haarspray-Dosen, Parfum-Flakons, Körbe mit Bürsten und Kämmen standen den Gästen zur freien Verfügung. Elfriede blies einen Hauch Spray über ihre Stirnfransen, erledigte ihr Geschäft und ging. In den dunklen Gängen begegnete ihr eine Gestalt von kräftiger männlicher Statur. Er schleppte Kisten voll Spargel an ihr vorbei. Erst als sie im Wagen saß, erinnerte sie sich, wo sie den jungen Mann schon einmal gesehen hatte. Im Pfarrhaus. Der unansehnliche Kerl, der im Ort angeblich so beliebt war, schien also auch im Spargelhof auszuhelfen. Elfriede öffnete die Tür des Wagens für ihren Vater. Krächzend stieg er ein. Elfriedes Finger umklammerten das Lenkrad. Das Gejammer ihres Vaters über die politischen Missstände in Österreich ließ sie stumm über sich ergehen. Angekommen, führte sie ihn ohne ein Wort an der Hand ins Wohnzimmer bis zu seinem geliebten Armstuhl. Sogar eine Decke legte sie auf seine erkalteten Knie und zu seiner Unterhaltung schaltete sie den Fernseher ein. Als sie sich verabschiedete, zog er sie mit erstaunlicher Kraft an sich heran. „Danke Elfi. Du bist  lieb.“

Von seiner väterlichen Zärtlichkeit überrascht, stiegen Elfriede Tränen in die Augen. Schöne Erinnerungen an Mutter regten sich in ihr. Überglücklich war sie gewesen, wenn sie in ihren Armen hatte liegen dürfen. „Gibt es Neuigkeiten im Fall Tischler, Elfi?“, fragte er.

Das steckt also dahinter, dachte Elfriede, er will mich bloß aushorchen. Unvermittelt entzog sie sich seinen geheuchelten Liebesgesten. „Wir recherchieren im Umfeld der Monarchisten“, antwortete sie, viel zu müde, um ihre Enttäuschung zu verbergen. „Als ehemaliger Gendarm mit einem Funkgerät im Keller bist du sicher darüber informiert, dass Fürst Mitglied bei der braun-gelben Allianz ist. Das Mordopfer von Schloss Hof schien dessen politische Ansichten geteilt zu haben.“

„Welches Opfer?“, fragte er, als wisse er von nichts.

„Vater. Sag bloß, du hast heute noch nicht den Polizeifunk abgehört?“

„Nein, Elfriede. Ich funke nicht mehr“, erwiderte er sichtlich beleidigt. „Hab ich dir gesagt. Hörst du mir nie zu?“

„Ist ja gut. In Schlosshof hat die Polizei eine männliche Leiche gefunden. Wir vermuten einen Zusammenhang.“

Die Augen des Alten weiteten sich. „Ein Serientäter im Marchfeld?“

„Der Oberst schließt einen weiteren Mord nicht aus.“

Klappentext

Die Ermittlerin Elfriede Volkmann wird zu einem Leichenfund in Spargelstein gerufen. Mit nur einem Blick identifiziert sie das Opfer als ihren ehemaligen Deutschlehrer. Wenig später entdeckt ein Gärtner eine weitere männliche Leiche unweit des ersten Tatorts in einem Spargelfeld. Elfriede Volkmann und ihr Team vom Landeskriminalamt kämpfen bei den Befragungen im Marchfeld gegen eine Wand von Lügen und Scheinheiligkeit. Neben den schwierigen Ermittlungen hat Elfriede auch noch mit ihrem Vater, einen Ex-Polizisten, zu kämpfen, während es im Pfarrhaus von Spargelstein zu einem dritten brutalen Mord kommt. In dem getöteten Körper steckt wie im ersten Opfer eine Spargelspitze. In der Marchfelder Bevölkerung breiten sich die Angst vor einem Serienmörder und die Wut auf die erfolglosen Ermittlungen der Kriminalpolizei aus. Am Ende ihrer Kräfte unterliegt Elfriede Volkmann einem folgenschweren Irrtum und bringt sich und ihr Team in große Gefahr ..

Rezension

Spannender Kriminalroman! Nachdem ich mit dem Lesen angefangen hatte, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Daume hoch für den tollen Sapnnungsaufbau! 5.0 von 5 Sternen bei Amazon: \\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\"Sehr spannender Krimi\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\" Von Malek am 15. Oktober 2016