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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Selbstjustiz oder Gerechtigkeit , Susann N
Susann N

Selbstjustiz oder Gerechtigkeit


Gerechtigkeit für die Opfer

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Er liebte sie schon immer, diese kleinen Mädchen. Wenn er sie auszog und diese kleinen, weichen unberührten Körperchen sah. Nie hatte ihm eine erwachsene Frau diese unendliche Befriedigung geben können. Er konnte es kaum abwarten, bis es wieder so weit war. Lange hatte er sich beherrschen müssen. Jetzt war er wieder frei. Am liebsten hätten sie ihn im Gefängnis behalten, schließlich stufte der Psychologe ihn als ‚vermutlich unheilbar‘ ein. Konnten sie aber nicht, dank der deutschen Bürokratie. Das Landgericht verhängte damals keine Sicherheitsverwahrung. Wegen einer Gesetzeslücke war nun mal für Taten, die zwischen 1990 und 1995 in Ostdeutschland begangen wurden, eine nachträgliche Sicherheitsverwahrung nicht möglich. Der verspätete Antrag wurde vom Gericht abgelehnt und somit war Uwe Langer wieder frei, nach dreizehn Jahren. In der Zeit von 1990 bis 1993 hatte er sieben Mädchen im Alter zwischen vier und sechs Jahren gehabt. In den Medien wurde viel über seinen Fall berichtet und wie es möglich war, dass ein gefährlicher Kinderschänder wieder auf freien Fuß kommt und so weiter. Sie konnten schreiben was sie wollten, es wür- de nichts daran ändern. Er hatte seine Strafe abgesessen und war nun wieder frei. Selbst die Zicke von Staatsanwältin sagte in der Zeitung: „Rechtsfehler dürfen nicht nachträglich korrigiert werden. Es gibt bei diesem Mann ein hohes Rückfallrisiko, aber wir müssen praktisch warten, bis er neue Taten begeht.“ Uwe Langer hatte von seiner Tante ein altes Haus geerbt, es lag etwas außerhalb von Baut- zen. Allerdings stand das Gebäude schon seit vier Jahren leer, da seine Tante die letzte Zeit ihres Lebens in einem Seniorenheim verbrachte. Nun befand sich das Haus in einem er- bärmlichen Zustand. Sehr groß war es nicht. Im Obergeschoss gab es zwei Zimmer, ebenerdig eine sehr altmodische kleine Küche, ein Wohnzimmer, eine Treppe, die in den Keller führte, und ein Badezimmer, welches man kaum so bezeichnen konnte. Er würde einiges an dem Haus zu renovieren haben, aber das störte Uwe nicht, er hatte ja Zeit. Wenn man nach dreizehn Jahren Gefängnis wieder in die Freiheit entlassen wird, ist das Leben normalerweise nicht so einfach. Diese Erbschaft war ein Glücksfall. Gute Tante Erika, sie war genau im passenden Moment verstorben. Sogar ein nicht unerheblicher Geldbetrag – der unter anderem auch für einen Wagen reichte – war mit dabei gewesen. Zurück nach Cottbus wollte er sowieso nicht. Wenn er seinen ehemaligen Opfern oder de- ren Familien begegnete, wäre das sicher nicht sehr angenehm. Nicht, dass ihn das störte, das keineswegs, aber wer weiß, wie diese Menschen auf ihn reagierten? Uwe wollte um keinen Preis auffallen. Freunde und Verwandte hatte er sowieso nicht. Hier in Bautzen konnte er ganz von vorne anfangen. Keiner kannte ihn hier, keiner wusste, wer er war, und das war auch gut so. Natürlich hatten sie sein Foto häufig in der Zeitung gebracht, aber immer mit einem breiten schwarzen Balken über den Augen. Und er würde dieses Mal vorsichtiger sein. Noch einmal ließ er sich nicht erwischen. Alles musste ganz genau geplant werden. Klar, wenn ein Kind in dieser Gegend verschwand, würden sie bei ihren Ermittlungen schnell auf ihn stoßen. Der Trick war, seine Opfer ganz woanders zu suchen. Wozu besaß er ein neues Auto? Das Haus lag etwas abgelegen in einer Seitenstraße, ein großes verwildertes Grundstück davor, dadurch blieb er von den Nachbarn unbeobachtet. Er würde die kleinen Schätzchen ohne Aufsehen hier hinein schaffen können. Mit vierundvierzig Jahren war er wieder ein freier Mann, das war ein gutes Gefühl, ein sehr gutes Gefühl. Er liebte es zu leben, er liebte sein Leben. Nie hatte er irgendetwas bereut. Das, was er getan hatte, war wie ein innerer Zwang, eine Sucht. Die absolute Befriedigung. Die Jahre im Gefängnis waren schwer gewesen. Als Kinderschänder hat man keinen leichten Stand. Aber er hatte es geschafft zu überleben. Von Anfang an war es sein Ziel gewesen, immer schön unauffällig im Hintergrund zu bleiben, immer das zu sagen und zu tun, was die Psychologen von einem erwarteten. Eine dieser Tanten hatte ihn zwar durchschaut, aber seine Entlassung konnte auch die nicht verhindern. Er wusste immer, dass er wieder freikommen würde, darauf hatte er hingearbeitet. Nun endlich konnte er seine Leidenschaften wieder ausleben. Diesmal würde er vorsichtiger sein. Noch einmal durften sie ihn nicht erwischen, denn dann kam er wohl nie wieder aus dem Knast. Andererseits: Wer weiß? So hart waren die Strafen in Deutschland ja nicht. Beim nächsten Mal durfte es ganz einfach keine Zeugen geben. Er hatte sich vorgenommen, seine kleinen Opfer zu töten. Allein diese Vorstellung erregte ihn schon maß- los. Aber erst mal versuchte er, sich wieder zu beruhigen. Noch war es zu früh. Er war gerade vor einigen Monaten aus dem Gefängnis entlassen worden. Vor zwei Wochen nun endlich hatte er einen Job bekommen, auf dem Friedhof, wie passend! Dort konnte er dann die kleinen Leichen sehr praktisch entsorgen. Grinsend betrachtete Uwe sich im Spiegel. Er sah richtig nett aus, die dunklen, leicht angegrauten Haare frisch gewaschen und sehr kurz geschnitten. Er hatte im Gefängnis abgenommen und wirkte schlank für seine mittlere Größe. Zukünftig wollte er sich auch regelmäßig waschen und pflegen. Ungepflegte Erscheinungen fallen auf, und das wollte er um jeden Preis vermeiden. Uwe hatte sich vorgenommen, erst einmal einem Job nachzugehen und sich, genau wie im Knast, immer schön im Hintergrund zu halten. Im Keller hatte er eine Falltür entdeckt, eine staubige Treppe führte in die Tiefe. Dieser Raum war wohl zu DDR-Zeiten als Versteck für Schmuggelware geschaffen worden. Hier wollte er einiges umbauen, als Handwerker war er immer schon sehr geschickt gewesen. Die Wände würde er isolieren, sodass keine Geräusche nach draußen dringen könnten. Vielleicht wollte er die Kinder ja nicht sofort töten, er könnte sie sich ja auch einige Tage ‚halten‘, wie vor einigen Jahren dieser Typ aus Belgien. Der hatte es richtig gemacht! Sie würden dann immer zu seiner Verfügung stehen, das wäre perfekt. Die Vorstellung machte ihn ganz heiß, die Frage war, ob er es noch so lange aushalten konnte. Er merkte jetzt wieder dieses Kribbeln im Unterleib, sein Glied versteifte sich, wenn er nur an die kleinen Mädchen dachte. Uwe fühlte sich in keiner Weise schlecht oder abartig veranlagt. Er glaubte auch nicht, dass er krank war. Er wusste, dass es genug Männer gab, die genauso waren wie er. Dass alle diese Männer krank waren, konnte wohl kaum sein. Gerade weil doch zum Beispiel Richter, Priester oder andere hochgestellte Persönlichkeiten eine Vorliebe für kleine Kinder hatten. Auch im Internet konnte man entsprechende Kontakte knüpfen. Da gab es für Eingeweihte besonders interessante Seiten, an denen konnte er sich zusätzlich aufgeilen. Man musste allerdings sehr vorsichtig sein, die Polizei war hinter diesen sogenannten Pädophilen her. Nun, er war inzwischen schlauer, noch mal würden sie ihn nicht erwischen. Nachdem Uwe sich gründlich gewaschen und seine Zähne geputzt hatte, zog er Arbeitskleidung an. Er verließ die Wohnung um sieben Uhr morgens, setzte sich in sein Auto, ein unauffälliger schwarzer VW Golf, und fuhr zu seinem Arbeitsplatz. Auf dem Friedhof angekommen, meldete er sich bei seinem Chef, um die Arbeitsaufträge für diesen Tag entgegenzunehmen. Nach einer Besprechung ging er mit seinem Kollegen Fritz Beetz zur ersten Arbeitsstelle. Sie waren dabei, ein Grab auszuheben, als plötzlich eine Kinderstimme rief. „Hallo, Fritz, wie geht’s denn so?“ Fritz schaute hoch. „Hallo, Isabel, du bist ja gar nicht im Kindergarten?“ Auch Uwe schaute sich um und sah ein etwa fünfjähriges Mädchen mit blonden Locken, die unter ihrer blauen Mütze hervorschauten. „Na, wo kommst du denn her?“ Uwe musterte sie mit einem sehr interessierten Blick. „Das ist die Tochter vom Chef, Isabel Schalke“, erklärte Fritz. Die Kleine plapperte, „Der Kindergarten hat heute geschlossen, deswegen bin ich mit Papa zur Arbeit gegangen.“ Und an Uwe gewandt: „Dich kenn ich nicht, wie heißt du?“ – „Ich heiße Uwe und arbeite erst seit zwei Wochen hier. Du bist also die kleine Isabel, bist ja eine süße kleine Maus. Ich mag Kinder sehr gerne.“ Uwe fühlte wieder dieses Ziehen in seinem Unterleib. Ja, dieses Mädchen reizte ihn, alleine die Vorstellung, die Kleine bei sich im Haus zu haben, machte ihn fast wahnsinnig. Er war eine tickende Zeitbombe, das wusste bloß keiner. „Kann ich bei euch spielen? Sonst ist hier ja keiner und mir ist langweilig…“ Bevor Fritz sich dazu äußern konnte, antwortete Uwe schon, „Natürlich kannst du bei uns spielen, wir passen ein bisschen auf dich auf.“ Er lächelte die Kleine an und sie lächelte zurück. „Vielleicht kann uns die hübsche kleine Dame ja auch öfter mal bei unserer Arbeit Gesellschaft leisten.“ Damit machte er sie ein bisschen verlegen, aber es gefiel ihr auch, das sah man ihr an. Fritz schaute Uwe mit einem merkwürdigen Blick an und er erklärte sofort: „Ich habe eine kleine Nichte in Berlin, die sieht der Isabel sehr ähnlich. Meine Nichte ist mein ein und alles. Leider habe ich noch keine eigenen Kinder, aber ich liebe Kinder und ich vermisse meine Nichte sehr. Bedauerlicherweise sehe ich sie sehr selten.“ Uwe beobachtete Fritz aus den Augenwinkeln. Hatte er sich etwa jetzt schon verraten? Aber Fritz schien ihm die Geschichte zu glauben. „Klar, ich kann dich verstehen, ich habe auch zwei Neffen, die wohnen allerdings in meiner Nähe. Wir machen viel zusammen. Kinder sind einfach das Schönste, was es gibt. Ich kann nicht verstehen, dass es solche Schweine gibt, die diesen hilflosen kleinen Geschöpfen Böses antun. Liest man ja ständig in der Zeitung!“ Voller Wut schaufelte Fritz weiter. „Ja“, bestätigte Uwe bereitwillig, „Das sind wirklich Schweine.“ In den folgenden vier Wochen war Isabel des Öfteren auf dem Friedhof, sie hielt sich auch immer gern in der Nähe von Uwe auf. Er beschäftigte sich viel mit ihr und gewann so immer mehr ihr Vertrauen. Allerdings achtete er auch genau darauf, dass sie möglichst wenig dabei beobachtet wurden. Es mussten ja keine Gerüchte entstehen. Die kleine Isabel reizte ihn, aber er war schlau genug, sich nicht an ihr zu vergreifen. Er war einschlägig vorbestraft, er war in der Nähe, sofort würde der Verdacht auf ihn fallen. Sie würden sein Haus auf den Kopf stellen. Obwohl er schon einige gute Ideen umgesetzt hatte, um die Falltür im Kellerraum so zu verstecken, dass niemand sie finden würde, wollte er doch nicht gleich zu viel riskieren. Sein erstes Opfer würde er sich aus einer weit entfernten Stadt holen. Aus diesem Grunde ließ er sich bei seiner Arbeit zukünftig für die Spätschicht einteilen, um am Vormittag Schulen und Kindergärten zu beobachten. Nun arbeitete Uwe schon über zwei Monate bei diesem Friedhof und er hatte in dieser Zeit an seinem Haus so einiges geschafft. Für die Küche reichte ihm ein neuer Kühlschrank, er war nicht besonders anspruchsvoll. Das Badezimmer hatte er allerdings etwas gründlicher renoviert. Am wichtigsten aber war der Keller. Voller Zufriedenheit schaute er sein umgebautes Werk an. Er hatte den Keller komplett ausgebaut. Die Wände mit Dämmmaterial versehen und mit Holz vertäfelt, auf dem Fußboden Laminat verlegt. Dabei hatte Uwe im Bereich der Falltür das Laminat so geschickt angebracht, dass man sie kaum erkennen konnte. Des Weiteren hatte er einen großen, massiven Schreibtisch gekauft, der niemals in einem Stück in den Keller gepasst hätte. In mühseliger Kleinarbeit baute Uwe ihn zusammen. Dieses Möbel stand über der Falltür, und da es aus echtem, solidem Holz bestand, war es kaum möglich, es vom Fleck zu bewegen. Er baute in die Schreibtischbeine Rollen ein, so konnte er das Riesending ohne Mühe zur Seite drehen, was keinerlei Spuren hinterließ. Befand sich der Schreibtisch wieder auf seinem Platz, versenkte Uwe mit einem versteckten Hebel die Rollen in den Beinen und der Tisch stand bombenfest. Er war begeistert von seiner Erfindung. Sollte die Polizei auf die Idee kommen, sein Haus zu durchsuchen, würden sie die Falltür niemals finden. Auf dem Schreibtisch hatte er verschiedene Einzelteile von Modellflugzeugen verteilt, an den Decken hingen bereits fertige Flugzeuge, die er auf ei- nem Flohmarkt gekauft hatte. Es wirkte so, als wäre hier unten eine kleine Hobbywerkstatt eingerichtet. Eine perfekte Tarnung. Nachdem er den Schreibtisch zur Seite gerollt hatte, ging er die Stufen hinunter, die in den ungefähr acht Quadratmeter kleinen Raum führten. Die Wände hatte er schalldicht isoliert und verputzt, damit niemand die Schreie der kleinen Mädchen hören konnte. Auf dem Fußboden lag ein einfacher, dunkelgrauer Teppich, außerdem befand sich noch ein relativ großes Bett in diesem Raum. In eine Ecke hatte er eine Campingtoilette gestellt. Ansonsten gab es nur noch einen kleinen Tisch und zwei Stühle. Um gute Perspektiven für sein Tun zu bekommen, hatte er an der Decke über dem Bett einen Spiegel angebracht, einen Spezialspiegel, der nicht so leicht zu zerschlagen war, falls ein Kind auf diese Idee kommen sollte. Die Wahrscheinlichkeit war allerdings sowieso sehr gering, dachte Uwe, dazu würden die Kinder viel zu klein sein. Er setzte sich auf das Bett und stellte sich vor, die kleine Isabel würde jetzt nackt vor ihm liegen. Als er merkte, wie sehr ihn das erregte, zog er sich hastig aus, legte sich nackt auf das Bett und onanierte, nicht zum ersten Mal in diesem Raum. Etwa sechs Wochen später war es so weit. In einer 150 Kilometer entfernten Stadt hatte er schon öfter eine Grundschule beobachtet. Ein kleines Mädchen, er schätzte sie auf sieben Jahre, gefiel ihm besonders. Süße blonde Locken und blaue Augen, ein ganz zierliches Mädel. Er hatte es sogar geschafft, einige Male kurz mit ihr zu sprechen, um ihr Vertrauen zu gewinnen, sodass er für sie kein Fremder mehr war. Heute wollte er sie schnappen. Er hielt es nicht mehr aus. Die ganzen letzten Tage hatte er sich vorgestellt, wie es wäre, wenn dieses Kind, es hieß Rebecca, bei ihm im Keller gefan- gen wäre und er jederzeit, so oft er wollte, über sie herfallen konnte. Er wusste, dass Rebecca jeden Tag außer freitags abgeholt wurde. Auf dem Heimweg ging sie immer gerne eine kleine Abkürzung über die stillgelegte Baustelle. Hier wollte Uwe warten. Er hatte eine kleine Flasche Chloroform dabei. Er wollte das Mädchen vorsichtshalber leicht betäu- ben, das machte die Sache einfacher. So bekam er die Kleine auch besser in sein Haus, in eine Decke eingerollt. Gespannt und voller Erregung wartete er. Und sie kam. „Hallo, Rebecca, wie geht es dir heute?“ Er lächelte. „Wie war die Schule?“ – „Ach, hallo Max!“ Er hatte ihr einen falschen Namen genannt. „Mir geht es gut und die Schule bringt ganz doll Spaß! Was machst du hier, hast du wieder auf mich gewartet?“ – „Ja, ich wollte gerne einen Ausflug mit dir machen. Meine Freundin hat doch einen Hund, hatte ich dir ja schon erzählt, und nun hat er Junge bekommen, die sind ganz süß. Die wollte ich dir zeigen.“ „Wow, toll, die sind bestimmt niedlich!“ Rebecca war begeistert. „Da hinten steht mein Auto, es ist nicht weit.“ Es war viel einfacher, als er gedacht hatte. Bei den anderen Gesprächen hatte er bereits festgestellt, dass Rebecca für ihr Alter sehr intelligent war, aber auch sehr vertrauensvoll. Sie ging ohne Weiteres auf das Auto zu. Als sie fast am Fahrzeug angekommen waren, schaute Uwe schnell nach allen Seiten, um sicherzugehen, dass ihn keiner beobachtete. Nein, kein Mensch hielt sich hier auf. Nun drückte Uwe dem Kind das Tuch mit dem Chloroform ganz leicht auf Nase und Mund. Rebecca hatte keine Chance gegen diesen Mann und war in wenigen Sekunden bewusstlos. Er wickelte sie vorsichtig in die Decke und legte sie auf den Rücksitz. Das hatte ja sehr gut geklappt, wenn das immer so einfach war! Bei seinem Haus angekommen, schaute er sich wieder um, auch hier war niemand zu sehen. Uwe fühlte sich unbeobachtet und trug die Kleine mit der Decke ins Haus. Er brachte sie gleich in den Keller und legte sie auf das Bett in der unterirdischen Kammer. Sie war bestimmt noch einige Zeit ohne Bewusstsein, also ging er in seine Küche, holte einige Schokokekse und eine Flasche Orangensaft, legte die Sachen auf den kleinen Tisch, wickelte Rebecca aus der Decke und zog sie bis auf den Slip aus. An ihrem rechten Fußgelenk befestigte er eine dicke Kette, die am anderen Ende in die Wand eingelassen war. Diese Kette war gerade so lang, dass Rebecca den Tisch und die Toilette erreichen konnte, bis zur Treppe kam sie nicht. Er schaute sie an, wie sie so fast nackt dalag. Für seine Spielchen wollte er warten, bis sie wach war, dann brachte es ihm mehr Spaß. Er wollte die Angst in ihren Augen sehen. Langsam verließ er den Raum, rollte den Schreibtisch wieder auf seinen Platz und ging zu seinem Auto, denn er hatte noch einige Besorgungen zu machen. Danach wollte er in seine Stammkneipe, um sich auf den Abend einzustimmen. Endlich konnte er ungestört seinem Trieb nachgeben. Seine Gier war ungebrochen. Er würde seine perverse Lust ausleben. Endlich war es so weit, lange hatte er warten und sich zusammenreißen müssen.


Sally saß im Wohnzimmer ihrer Villa in Hamburg Blankenese. Es war schon spät, eigentlich wollte sie zeitig im Bett liegen, aber im Fernsehen lief noch ein interessanter Bericht über Kinderschänder und über die Kinderpornographie. Nicht zu glauben, wie viele Straftaten es im Zusammenhang mit Kindern gab, und völlig unfassbar waren die Strafen, die für diese Taten verhängt wurden. Was Sally einfach nicht begreifen konnte, wieso griff die Justiz in diesen Fällen nicht resoluter durch? Nicht nur in Deutschland gab es Gesetzeslücken, auch in den angrenzenden Ländern wie Holland, Frankreich oder Belgien. Überall waren diese schreckliche Kinderpornographie und der sexuelle Missbrauch verbreitet. Wenn man die Berichte genau verfolgte, stellte sich heraus, dass sich keineswegs nur sozial Schwache oder Alkoholiker an Kindern vergriffen. In allen Gesellschaftsschichten gab es Pädophile, selbst Diener der Kirchen machen keinen Halt vor dem Missbrauch an Kindern! Sally selbst hatte im Alter von zehn Jahren ein schreckliches Erlebnis gehabt, als ein Freund der Familie sich brutal an ihr verging. Bis heute hatte sie mit niemandem darüber gesprochen. Diese Täter verstanden es oft, ihren Opfern solche Angst einzujagen, dass diese sich selten, viel zu spät oder überhaupt nie einem Menschen anvertrauen. Auch Sally hatte versucht, das Ganze zu verdrängen. In jungen Jahren war ihr das auch einigermaßen gelungen. Seit sie jedoch wieder in Deutschland lebte, kam dieses Erlebnis ständig in ihr hoch. Den Mann zur Verantwortung ziehen konnte sie nicht mehr, er war vor achtzehn Jahren bei einem Verkehrsunfall gestorben. Trotzdem hatte sie immer wieder Schwierigkeiten, mit diesem Vorfall zurechtzukommen. Es schien unmöglich, ihn wirklich zu verarbeiten. Ihr war durchaus bewusst, dass sie aus diesem Grund nicht in der Lage war, eine vernünftige Beziehung zu führen. Sie wusste genau, was diese armen Kinder mitmachen mussten und wie kaputt ihre kleinen Seelen waren. Wenn die brutalen Täter dann nicht einmal hart bestraft wurden, war es für die Opfer noch schwieriger, ein normales Leben zu führen. Auch Sally hatte damals immer mit der Angst gelebt, dass dieser Mann ihren Eltern etwas antun würde, sobald sie etwas verraten hätte. Seit Langem machte sie sich Gedanken darüber, wie man diesen Opfern gerecht werden könnte. Nun schien die Zeit reif dafür. Durch die ganzen Berichte über den sexuellen Missbrauch an Kindern, die sich in letzter Zeit so beängstigend häuften, fühlte sich Sally einfach dazu berufen, endlich einzugreifen. Sie besaß die finanziellen Mittel. Und sie wusste inzwischen auch einen Weg, ihren ganz speziellen Weg, diese Täter zu bestrafen. Sally trank ihr Bier aus. Corona, mexikanisches Bier, sie liebte den Geschmack. Maria, ihre Haushälterin, stammte aus Mexiko. Durch sie kannte Sally dieses Bier. Sie wusste, dass sie zu viel Alkohol trank, redete sich aber stets sehr erfolgreich ein, dass sie noch nicht abhängig war. Schließlich gab es Tage, an denen sie keinen Tropfen trank. Wenige, aber es gab sie. Maria kam ins Wohnzimmer, ihr langes schwarzes Haar hing in einem dicken Zopf über den Rücken und reichte bis zum Po. Sie lächelte mütterlich, „Kann ich noch etwas für dich tun, Sally?“ – „Danke, Maria, setz dich doch bitte ein bisschen zu mir!“ Maria setzte sich und nahm Sally fest in die Arme. Sie war nicht nur Haushälterin, sondern auch Freundin und Ersatzmutter zugleich. Sally lebte jetzt seit vier Jahren wieder in Deutschland. Ihr Vater hatte zwei große Firmen in den Staaten, die eine hieß von Raken Electronics und die andere von Raken Klinikausstattung GmbH. Die Firmen der Familie von Raken in Deutschland hatte er verkauft. Sallys Mutter starb vor zwanzig Jahren an Lungenkrebs, mit Mitte vierzig viel zu früh. Janin von Raken war eine liebevolle Frau mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit gewesen. Sie hatte es einfach nicht verdient, so früh zu sterben. Nach dem Tod seiner Frau war Sallys Vater ganz in den Staaten geblieben. Vorher hatten ihre Eltern immer einige Zeit in Deutschland und einige Zeit in Amerika gelebt. Die Familie von Raken war eine alteingesessene, gesellschaftlich anerkannte und sehr wohlhabende Familie in Deutschland. Ernst von Raken wagte in jungen Jahren den Schritt in die USA, dort erzielte er große Erfolge mit seinen Unternehmen. Ihr Vater hatte sehr unter dem Tod seiner Frau gelitten. Die beiden waren seit dem fünfzehnten Lebensjahr der Mutter zusammen gewesen und hatten sich vom ersten bis zum letzten Tag sehr geliebt. In Sallys Augen die perfekte Liebe, die mit einer so grausamen Krankheit enden musste. Sally blieb nach dem Tod der Mutter noch zwei Jahre in Deutschland und folgte ihrem Vater dann nach Amerika. Vierzehn Jahre lebte und arbeitete sie in Amerika in den Firmen ihres Vaters, kam aber zwischenzeitlich immer wieder für längere Zeit nach Deutschland, bis sie sich entschloss, ihr Leben wieder ganz hier zu verbringen. Dieser Entschluss hatte mit einem schlimmen Vorfall in den USA zu tun. Dem zweiten schrecklichen Erlebnis in ihrem Leben. Eines Abends, an dem sie länger in der Firma ihres Vaters gearbeitet hatte, ging sie zu ihrem Auto in die Tiefgarage. Hier hatten nur Beschäftigte der Firma Zugang. Der Mann, der sie überfallen hatte, gehörte auch zu den Mitarbeitern ihres Vaters. Er drängte sie auf den Boden, riss ihr die Kleider vom Leib und wollte sie vergewaltigen. Glücklicherweise kam ein weiterer Mitarbeiter dazu und konnte Sally helfen, bevor es zum Äußersten kam. Der Mann, der sie überfallen hatte, bekam eine Bewährungsstrafe, da es sich eben nur um eine ‚versuchte Vergewaltigung‘ handelte und er bis zu diesem Zeitpunkt nie auffällig gewesen war. So erhielt er auch keine polizeilichen Einträge. Sally war zu dieser Zeit völlig am Boden zerstört und nur mit viel Liebe schafft es ihr Vater, sie wieder zum Leben zu motivieren. Der Mann, der ihr das angetan hatte, wurde einen Monat nach der Verhandlung von einigen Unbekannten zusammengeschlagen und so schwer verletzt, dass er starb. Die Täter wurden nie gefasst. Weil Sally damals zufällig ein Telefongespräch belauscht hatte, wusste sie, dass ihr Vater die Männer dafür bezahlt hatte, diesen Kerl totzuschlagen. Seitdem lebte sie in einem Gewissenskonflikt. Zwar konnte sie ihren Vater verstehen und war ihm auch sehr dankbar (sie hätte sonst vielleicht fortgesetzt Angst vor diesem Mann gehabt), andererseits war ihr Vater oder eigentlich sogar sie selbst für den Tod eines Menschen verantwortlich. Sie konnte mit diesem Vorfall sehr schlecht umgehen, hatte sich aber niemandem anvertraut. Zu groß war die Angst, man könnte ihrem Vater etwas nachweisen, wofür er noch bestraft werden könnte. Die Villa, in der sie hier in Deutschland lebte, war schon lange im Besitz der Raken-Familie und auch, als Sally in Amerika lebte, hüteten die Haushälterin Maria und ihr Mann Pablo das Haus. Es war also überhaupt kein Problem für Sally, wieder hier in Deutschland zu leben. Sie hatte den Dezember in Amerika verbracht, weil ihr Vater in diesem Monat seinen siebzigsten Geburtstag gefeiert und wieder geheiratet hatte. Ernst von Raken war für sein Alter noch ein attraktiver, sportlicher Mann, Sally war völlig mit der Hochzeit einverstanden. Sie kannte die Frau, sie war schon lange die Sekretärin ihres Vaters gewesen und auch schon sechzig Jahre alt. Schön, dass ihr Vater die letzte Zeit seines Lebens doch noch glücklich war. Er hatte es wirklich verdient. Sally war finanziell unabhängig, ihr Vater war vielfacher Millionär und Sally hatte Zugriff auf alle Konten. Ernst von Raken besaß volles Vertrauen zu seiner Tochter, außerdem würde sie sowieso alles erben. Sie hatte keine Geschwister und ihr Vater sprach vor der Hochzeit noch mit Sally über das Erbe. Er würde dafür sorgen, dass seine jetzige Frau finanziell abgesichert war, aber das gesamte Vermögen einschließlich der Firmen, ca. 80 Millionen, würde Sally erben. Sie hätte also in den Tag hinein leben und das Geld mit vollen Händen ausgeben können. Nur, so ein Typ war Sally nicht. Sicher, sie gab Geld aus, aber sie warf es nicht aus dem Fenster. Seit zwei Wochen war sie nun wieder in Deutschland. Der Januar hier zeigte sich nasskalt, in Florida war es bedeutend wärmer, aber dieses Wetter gehörte eben zu Deutschland. Außerdem hatte sie Maria und Pablo, diese beiden liebevollen Menschen, auch vermisst. Vor vierzig Jahren waren Maria und Pablo, damals fünfzehn und zwanzig Jahre alt, illegal nach Deutschland gekommen. Sie hatten in Mexiko große Schwierigkeiten gehabt. In Deutschland lebten sie auf der Straße. Als Janin von Raken die beiden durch Zufall unter einer Brücke fand, hatte Maria gerade eine Fehlgeburt und drohte zu verbluten. Sie war in Mexiko von Soldaten vergewaltigt worden. Sallys Mutter nahm die beiden mit und kümmerte sich um die ärztliche Versorgung. Durch den erheblichen Einfluss, den die Familie ihres Mannes in Deutschland hatte, setzte sie es durch, dass die beiden eine Aufenthaltsgenehmigung und eine Arbeitsgenehmigung bekamen. Von nun an kümmerte sie sich um die beiden und förderte sie in allen Angelegenheiten. Maria und Pablo Zaches heirateten später und blieben ein für alle Mal bei der Familie Raken, durch tiefe Dankbarkeit verbunden. Da Maria nach der Fehlgeburt keine eigenen Kinder mehr bekommen konnte, war Sally für sie wie ein eigenes Kind. Pablo und Maria liebten das Mädchen über alles. Sie fühlten sich nie wie Bedienstete, sie wurden immer wie Familienmitglieder behandelt. Einige Male im Jahr konnten sie auch nach Mexiko fliegen. Sie hatten dort immer noch Freunde. Die Familie Raken hatte diese Reisen finanziert, denn sie waren Menschen gegenüber, die sie als wertvoll erkannt hatten, sehr großzügig. In der Villa gab es eine kleine Einliegerwohnung mit einer Verbindungstür zum Herrenhaus, hier hatten sich Maria und Pablo ein gemütliches kleines Reich geschaffen. Die beiden waren ein goldiges Paar, sie klein, etwas pummelig und sehr sensibel, Pablo nur einen Kopf größer, allerdings sehr drahtig und für sein Alter auch ungewöhnlich fit. Er machte regelmäßig Sport und hielt seinen Körper damit in Form. Nur seine Haare hatte er schnell verloren, aber er war ein Mann, dem die Glatze wirklich stand. Nun saß Maria mit Sally im Arm auf dem Sofa. „Geht es dir nicht gut?“ Besorgt nahm sie das Gesicht der jungen Frau zwischen ihre Hände. „Doch, Maria“, lächelte Sally. „Mach dir keine Sorgen, es geht mir gut. Wenn ich hier in Deutschland bin, dann vermisse ich meinen Vater, wenn ich in Amerika bin, vermisse ich euch … Ich habe eben einen Bericht im Fernsehen verfolgt, über die brutalen Kinderschänder. Es ist schlimm, was die Opfer durchmachen müssen, meistens leiden sie ihr ganzes restliches Leben. Die Täter dagegen kommen in vielen Fällen schnell wieder frei, sie können ein unbeschwertes Leben führen, das ist einfach nicht fair.“ Schon einige Male war sie kurz davor, Maria von den schlimmen Erlebnissen aus ihrem Leben zu erzählen, denn zu ihr hatte sie grenzenloses Vertrauen. Aber sie konnte einfach nicht darüber reden, wie ein Kloß im Hals, wie ein Stein auf ihrem Herzen lagen die Ereignisse fest. Wenn sie es doch schaffen könnte, sich alles von der Seele zu reden! Dann könnte sie ihr Alkoholproblem wohl auch besiegen, obwohl sie meinte, es im Moment ganz gut im Griff zu haben. „Ach, Sally, es gibt sehr viel Ungerechtigkeit im Leben! Du weißt ja, was Pablo und ich alles mitgemacht haben. Wenn es damals deine Mutter nicht gegeben hätte, wäre ich wahrscheinlich nicht mehr am Leben. Sie ist viel zu früh gestorben.“ „Ich bin so froh, dass es euch gibt!“ Sally drückte Maria und gab ihr einen Kuss auf die Wange. „Ich werde dieses Bier noch trinken und dann ins Bett gehen. Morgen Abend will ich mit Lola in die Diskothek ‚Nobel‘. Ich muss einfach mal wieder raus, um mich abzulenken.“ Lola war eine Nachbarin, mit der sie ab und zu etwas unternahm, eine sehr lockere Freundschaft. „Ich wünsche es dir, meine Kleine! Schlaf schön!“ Maria gab Sally noch einen Kuss und verließ das Zimmer. Nach einigen Minuten ging Sally die Treppe hoch in den ersten Stock, in dem ihr Schlafzimmer lag, nicht ohne sich vorher noch ein Bier aus dem Kühlschrank zu holen. Das würde ihr auch die nötige Bettschwere geben, um ohne Alpträume zu schlafen …


 


 


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