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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Sea to Sky , Ruth E. Donald
Ruth E. Donald

Sea to Sky


ein Hunter Rayne Highway-Krimi

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Die DC-10 setzte zum Landeanflug an. Wie es der Kapitän angekündigt hatte, wurde das Flugzeug zwischen mehreren Wolkenebenen von wilden Turbulenzen geschüttelt und schwankte viertausendfünfhundert Meter über der Erde wie eine geistesgestörte Wippe hin und her.


 


Mike Irwin biss die Zähne zusammen, um dem Drang zu widerstehen, die Finger seiner Frau abzuschütteln, die sich an seinem Unterarm festklammerten. „Beruhige dich, Kelly“, redete er ihr gut zu, und das nicht zum ersten Mal. Er bemühte sich, die Gereiztheit aus seiner Stimme zu halten. „Himmel noch mal, wir sind doch angeschnallt. Sieh dir die Flugbegleiterin an. Sieht sie besorgt aus?“ Er nickte in Richtung der Stewardess, die sich ihrer Sitzreihe mit einer schwarzen Plastiktüte in der Hand näherte, um die verbliebenen Plastikbecher und Servietten einzusammeln. Schnell genehmigte er sich den Rest seines Scotchs mit Soda und wünschte sich, er hätte Zeit für einen zweiten.


 


Mike saß weit rechts vom Gang mit der zweijährigen Corenna zwischen ihm und ihrer Mutter. Das kleine Mädchen bohrte in der Nase. „Lass los“, forderte er seine Frau auf und entzog sich ihrem Griff. Er wandte sich dem kleinen Mädchen zu und zog ihr sanft die Hand aus dem Gesicht, auf die er dann mit den Lippen schmatzende Kussgeräusche drückte. Ihre Finger waren kühl und klebrig von den Plätzchen, die sie gerade gegessen hatte. Corenna kicherte belustigt. „Du hast keine Angst, was, mein Äffchen?“ Lächelnd schüttelte sie den Kopf, stolz auf seine anerkennenden Worte.


 


Unvermittelt sank das Flugzeug erneut ab. Mikes Magen revoltierte. Corenna kreischte auf und brach dann in Gelächter aus. „Das ist mein Mädchen“, lobte er sie. „Genau wie das ‚Wirf mich‘-Spiel, nicht wahr, Äffchen?“ Er lächelte ihr zu und streichelte ihr über das weiche, geschmeidige Haar, das er so liebte. Genau wie die Art, in der sie ihn mit ihren großen, ausdrucksvollen Augen ansah. Ihre winzigen Zähnchen waren weiß und regelmäßig. „Ein gutes Mädchen“, wiederholte er.


 


Mike sah hoch und sein Lächeln erstarb. Links neben Kelly sah der fünfjährige Jordan seiner Mutter mit weit offenem Mund angstvoll ins Gesicht. Wie ein Volltrottel. Mike wollte nach ihm greifen, ihn schütteln, und den Jungen anfahren, sich zusammenzureißen, nicht solch ein Schwächling zu sein. Sein erstgeborener Sohn war ein verweichlichtes Muttersöhnchen. Als ob sie seine Gedanken lesen konnte, warf Kelly ihm einen vorwurfsvollen Blick zu. Ungelenk umarmte sie Jordans schmächtige Schultern.


 


„Lass gut sein.“ Mike drehte sich zum Fenster hin und sah auf eine Nebelwand hinaus, die von Grau auf Weiß und dann zurück auf Grau wechselte. Mit seinem Anflug auf den Seattle-Tacoma- Flughafen durchbrach das Flugzeug die Wolkendecke. Mike hätte Kelly nicht die Reiseplanung überlassen sollen. Leider hatte er so schwer in Vorbereitung auf diese Konferenz gearbeitet, dass es ihm selbst dafür einfach an Zeit gefehlt hatte. „Warum sind wir nicht direkt nach Vancouver geflogen und haben dort einen Wagen gemietet? Was zum Teufel hast du dir nur dabei gedacht?“ Mike schüttelte den Kopf. „Wenn ich gewusst hätte, dass du solch ein Theater veranstaltest, wäre ich alleine geflogen.“


 


Mit ausdrucksloser Miene senkte Kelly den Kopf. Ihr ‚leidender‘ Ausdruck! In letzter Zeit trug sie den oft zur Schau, was ihm langsam zuwider wurde. Er hatte sie geheiratet, weil sie jung und sexy und er gerne mit ihr zusammen war. Aber dieses verletzte Getue kam ihrem Aussehen nicht zu Gute. Er hätte es wissen müssen. Wenn sie von einem älteren Mann als ihrem Beschützer angezogen war, bedeutete das, dass sie schwach war. Zunächst hatte er es gut gefunden, eine fügsame Frau zu haben. Mittlerweile missfiel es ihm zunehmend.   


 


Kein Wunder, dass er noch so oft an seine Exfrau dachte. Alora war ihm ebenbürtiger gewesen; eine Frau mit starkem Willen, die zornig wurde, anstatt sich angegriffen zu fühlen. Lustig war, dass genau diese Vorstellung, dass seine Exfrau sich ihm unterwerfen würde, ihn erregte. Obwohl sie ihm immer nur ihren Zorn statt ihrer Angst gezeigt hatte, wusste er, dass sich Alora vor ihm fürchtete – warum sonst würde sie ständig umziehen und ihre Telefonnummer ändern? Dennoch, er träumte davon, diese Angst in ihr vor sich zu sehen, sie zu berühren und zu riechen, Aloras Zittern unter seinen Händen und unter seinem Gewicht zu spüren.


 


„Wir haben deine Eltern seit Weihnachten nicht mehr gesehen“, sagte Kelly und strich sich das Haar aus dem Gesicht. Es war blonder nach dem letzten Frisörbesuch. Sehr Südkalifornien. Mike gefiel das. Er konnte sich nicht daran erinnern, ob er sie darauf angesprochen hatte. „Deine Mutter freut sich sehr darauf, die Kinder zu sehen.“


 


Die einsetzenden Turbulenzen ließen seine Frau verstummen. Sie hielt sich so stark an den Armlehnen fest, dass ihre Fingerknöchel weiß wurden. Jordans zarte Händchen klammerten sich verzweifelt an den rechten Arm seiner Mutter. Mike wandte den Kopf ab und nickte der Flugbegleiterin zu, die an ihren Sitzen vorbeikam. Er war sich sicher, dass sie seine Bitte um einen weiteren Drink ablehnen würde.  


 


„Wenn ich meine Eltern öfter sehen wollte, würde ich nicht zwei Staaten von ihnen entfernt leben“, erwiderte er, während er weiter den Gang hochsah. 


 


Die Turbulenzen ließen nach und Kelly entspannte sich ein wenig. „Du wirst mit deiner Konferenz beschäftigt sein, Mike. Die Kinder können Zeit mit deiner Mom und deinem Dad verbringen. Es war deine Idee, das Angebot eines kostenfreien Hotelaufenthalts auszunutzen.“ Sie tätschelte Jordans Arm, der sich in seinen Sitz zurückfallen ließ.


 


Mike knurrte. „Warum in Gottes Namen fahren wir von Seattle aus zusammen mit ihnen hoch? Sie hätten uns ebenso gut dort oben treffen können.“


 


„Sie haben einen Minivan. Wir können uns auf der Fahrt mit ihnen unterhalten. Es wird nett sein.“


 


„Das glaubst auch nur du.“


 


„Du hast gesagt, dass wir, sobald wir in Whistler sind, keinen Wagen benötigen. Das Hotel befindet sich mitten im Ort und du kannst die Skipiste zu Fuß erreichen. War es nicht so?“


 


„Hör auf zu jammern. Das hat Jordan von dir.“ Mit dem Finger zeigte Mike auf seinen Sohn. „Sprich nicht wie deine Mutter. Niemals. Verstanden?“ Der Junge hatte ein Bilderbuch auf dem Schoss. Anstatt Mike anzusehen, starrte er vor sich hin und gab vor, in sein Buch vertieft zu sein. Mike schnaubte verächtlich. War es den Versuch, das Kind zu ändern, wirklich wert? Zu viele Mängel. Zu viele Gene von Kellys Seite her. Genauer, von Kellys Mutters Seite her. Kellys Vater war Marinesoldat gewesen, hatte mit Mikes Vater gedient und sich in Vietnam im Nahkampf bewiesen. Und er hatte überlebt, um davon zu berichten. Nach einer Überdosis Schlaftabletten hatte Kellys Mutter hingegen ihre zwölfjährige Tochter zurückgelassen, um von ihrem Vater aufgezogen zu werden. Mike hatte dem Flüstern seiner Eltern über diese Frau gelauscht und wusste, dass sie psychologisch zu unstabil gewesen war, um sich dem Leben einer Soldatenehefrau zu stellen. 


 


 


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