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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe SCHULDIG?, Christer Tholin
Christer Tholin

SCHULDIG?


Ein Schweden-Krimi

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E


s war der erste Tag nach den Osterferien. Morgens wusste sie es noch nicht, doch dieser Tag sollte ihr Leben für immer verändern. In der Mittagspause, noch vor dem Essen ging sie mit Klara nach draußen vor die Schule, um ein bisschen frische Luft zu schnappen.


Ihre Freundin entdeckte ihn zuerst: „Guck mal, der Typ da. Ist der nicht süß?“


Sein Auto stand auf dem Parkplatz vor der Schule, der Junge bückte sich unter die offene Motorhaube und schraubte dort herum.


Hanna schaute hin und war sofort fasziniert. Die Muskeln, die sich unter seinem Shirt spannten, die Art wie er sich bewegte. Sie blieben beide wie gebannt stehen. Nach einer Weile bemerkte Hanna, dass er ihnen Blicke zuwarf. Erst glaubte sie, er interessiere sich für Klara. Denn alle wollten immer nur Klara. Klara war schließlich viel hübscher als sie. Klara hatte eine schlanke, aber frauliche Figur mit richtig viel Holz vor der Hütte. Sie dagegen war ziemlich schmal und ihr Busen war fast nicht zu sehen unter dem T-Shirt. Zum Glück gab es ja Push-up-BHs – so konnte sie wenigstens den Anschein erwecken, dass es da etwas Brust gab. Und ihr Gesicht war nichtssagend, nicht so schön geschwungen wie das von Klara, außerdem waren da diese bescheuerten Sommersprossen und immer wieder Akne-Pickel. Ohne Make-up guckte sie niemand an. Naja, und bei den Klamotten konnte sie auch nicht mit Klara mithalten, sie hatte ja auch nicht ihre finanziellen Möglichkeiten. Doch Klara schenkte ihr oft mal ein Teil, sonst hätte sie gar nichts Vernünftiges zum Anziehen.


„Wie alt ist der, was meinst du?“


Klara spitzte ihren kleinen Mund: „Naja, achtzehn muss er ja mindestens schon sein, sonst dürfte er nicht Auto fahren. Vielleicht neunzehn oder zwanzig?“


Hanna nickte. Und nun schaute er wieder herüber, ja, er sah wirklich sie an. Hanna wurde rot und wandte sich zu Klara. Sie tuschelten miteinander und beobachteten den Hübschling weiter. Nach einer Weile wischte er sich die Hände ab und kam auf sie zu. Hanna wollte am liebsten im Boden versinken, und wenn Klara nicht dabei gewesen wäre, hätte sie wohl versucht, das Weite zu suchen.


Er stellte sich höflich vor: „Hallo, ihr beiden Hübschen. Ich heiße Ali. Könnt ihr mir vielleicht helfen? Meine Kiste hat ein Problem, ich brauche ein Ersatzteil, um sie wieder flottzubekommen. Dazu muss ich nach Solna. Ich fahre aber sonst nie mit dem Bus und kenne mich damit gar nicht aus. Wie komme ich dahin?“


Hanna starrte ihn an und brachte kein Wort heraus. Klara dagegen klimperte mit ihren Augenwimpern und erklärte ihm, wie er zur U-Bahn-Station Sundbyberg kam. Während er Klara zuhörte, sah Ali immer wieder zu Hanna herüber und blickte ihr intensiv in die Augen. Hanna wusste, dass sie knallrot im Gesicht war, was die Situation für sie noch peinlicher machte. Schließlich verabschiedete er sich, nicht einfach so mit einem „hejdå“, sondern er reichte ihnen beiden die Hand. Hanna kriegte es gerade noch hin, ihm ihre Hand zu geben, und er hielt sie einen Moment fest, einen Moment, der ihr wie mehrere Minuten vorkam. Sie fand es einerseits wunderschön, seine Hand zu halten, andererseits verspürte sie das Bedürfnis, sich loszureißen und wegzurennen. Natürlich blieb sie stehen, völlig erstarrt, und schaute ihm wie in Trance nach, als er Richtung U-Bahn-Station fortging.


Klara stupste sie an. „Hej, bist du im Koma? Was ist denn mit dir los?“


Langsam kam Hanna wieder in der Wirklichkeit an. „Ach nichts, lass uns zurückgehen.“


Klara schnallte natürlich sofort, was bei ihr ablief, und zog sie den ganzen Tag damit auf. Dabei konnte Hanna sich nach dem Mittagessen sowieso kaum auf den Unterricht konzentrieren, dauernd musste sie an Ali denken, wie er sie angeschaut hatte und wie er ihre Hand festgehalten hatte – fest und zärtlich zugleich. Nach Schulschluss stürmte sie sofort hinaus, um nach Alis Auto zu sehen, aber es war nicht mehr da. Enttäuscht fuhr sie nach Hause.


 


 


 


 


***


 


 


 


 


Das Klopfen weckte sie. „Aufstehen, du hast noch eine halbe Stunde, ich muss jetzt los.“ Die schrille Stimme ihrer Mutter.


„Ist ja gut.“ Verdammt, hatte sie den Weckalarm nicht gehört? Sie griff nach ihrem Smartphone. Scheiße, sie hatte vergessen, den Wecker zu stellen. Schon sieben Uhr, spätestens um halb acht musste sie zur U-Bahn. Mühsam richtete sie sich auf. Die Woche fing ja gut an. Sie hatte schon jetzt die Schnauze voll. Sie schwang ein Bein aus dem Bett, dann legte sie sich doch wieder hin. Sie würde die ersten zwei Stunden schwänzen. Das war Sport – hatte sie eben ihre Regel. Die Unterschrift ihrer Mutter würde sie fälschen.


Sie kuschelte sich in die Decke und schloss für eine Weile noch einmal die Augen. Sie wollte dieses Leben nicht mehr. Es war alles so langweilig. Sie wollte nur noch mit Ali zusammen sein. Auch wenn sie ihn erst seit einer Woche kannte. Sie dachte an seine tief dunkelbraunen Augen und seine zärtlichen Hände. Und das charmante Lächeln, er hatte so schöne Zähne. Sie konnte es immer noch nicht glauben, dass er sich überhaupt für sie interessierte.


Nach dem ersten Treffen mit ihm hatte sie befürchtet, ihn nie wieder zu sehen. Aber dann war er am nächsten Tag wieder dort gewesen, als sie nach Schulschluss aus dem Eingang kamen. Er hatte sie und Klara auf einen Milchshake eingeladen, als Dankeschön für die Hilfe mit der Bahn. Und wieder war es wie am Vortag, Klara und Ali unterhielten sich, während Hanna danebensaß und meist nur Ali anstarrte. Ab und zu gelang es ihr, mal eine Antwort zu geben, und Ali munterte sie sofort auf und sagte ihr, was für eine schöne Stimme sie habe. Sie lief natürlich wieder rot an, aber danach traute sie sich etwas mehr, an der Unterhaltung teilzunehmen. Doch jedes Mal, wenn Ali sie anschaute, kam sie ins Stottern, es war so peinlich. Sie hatten ihm ihre Facebook-Adressen gegeben, und seitdem war Hanna mit Ali in Verbindung. Seine erste Nachricht im Messenger würde sie nie vergessen: „Du bist so schön!“ Es hatte sie völlig umgehauen. Seitdem holte er sie jeden Nachmittag von der Schule ab und fuhr sie nach Hause. Und sie trafen sich allein, ohne Klara oder jemanden anders. Er war jedes Mal sehr höflich, überhaupt nicht zudringlich. Und immer wieder sagte er ihr, wie hübsch er sie fand. Alles gefiel ihm an ihr: wie sie lachte, wie sie verlegen wegguckte und sogar wie sie rot anlief. Es war wie ein Wunder, sonst interessierten sich die Jungs immer nur für Klara, und sie stand in ihrem Schatten, Ali dagegen schien sie lieber zu mögen. Am vergangenen Samstag hatte er sie schließlich mit in die Diskothek genommen. Er kannte den Türsteher, deshalb kamen sie beide hinein, obwohl Hanna noch längst nicht zwanzig war. Es war ein toller Abend, fast die ganze Zeit tanzten sie eng umschlungen. Und schließlich küssten sie sich. Hanna hatte schon andere Jungs geküsst, aber meistens war der Junge, wenn nicht sie beide, betrunken gewesen, und es hatte ihr nicht wirklich etwas bedeutet. Aber dieser Kuss mit Ali hatte sie elektrisiert, wie eine Welle war das Gefühl durch ihren ganzen Körper gelaufen.


Gestern hatte er sie wieder abgeholt, in seinem schwarzen Sportwagen, und er war mit ihr in die Mall of Scandinavia nach Solna gefahren, wo er mit ihr shoppen ging. Er kaufte ihr jede Menge Kleidung, sie wollte es erst gar nicht annehmen. Aber er sagte, dass seine Freundin das schönste Mädchen im Einkaufszentrum sein solle und dass alle es sehen sollten. So zog sie die Sachen alle gleich an, schwarze Schuhe mit hohen Hacken, ein hellblaues Kleid, eine kurze Jacke – sie sah sofort ganz anders aus. Stolz war sie an seinem Arm durch die Galerien geschlendert. Es war der schönste Nachmittag in ihrem Leben gewesen.


Und jetzt kam wieder eine Woche mit Schule. Wozu? Sie wollte nur noch mit Ali zusammen sein. Er schien genug Geld zu haben, und er hatte gesagt, dass er ihr noch viele Dinge kaufen wolle – für ihr gemeinsames Leben. Wenigstens ein Gutes hatte die Schule: Ali würde sie abholen, und sie würde ihn sehen können. Darauf freute sie sich. Dieser Gedanke gab ihr genug Energie, nun doch aufzustehen. Sie schlüpfte aus ihrem Pyjama und ging unter die Dusche. Als sie sich einseifte, konnte sie nur an eines denken: Wie würde es sich anfühlen, wenn seine Hände über ihre nackte Haut strichen?


 


 


 


***


 


 


 


 


Sie saß mit Klara in der Schulkantine, sie stocherten in dem Eintopf herum. Die Schulküche schaffte es, einfach jedes Essen zu versalzen.


Klara blickte auf, ihre hellen Augen blitzten unter den langen Wimpern. „Holt er dich heute wieder ab?“


Hanna nickte.


„Was will der bloß von dir?“


Hanna starrte sie an. „Wie meinst du das?“


„Naja, du weißt. So ein Typ, in dem Alter und mit Schotter … warum steht der ausgerechnet auf dich?“


Hanna wurde rot. „Weil ich nicht so hübsch bin wie du? Meinst du das?“, stieß sie hervor. Gönnte ihr Klara den Freund nicht?


Klara legte ihre Hand auf Hannas Arm. „Nee, sorry.“


„Na, wie dann? Einmal steht ein Typ auf mich, und schon gönnst du mir das nicht? Ich dachte du bist meine Freundin.“ Hanna war sauer.


„Klar gönne ich dir das. Reg dich mal wieder ab. Ich mein ja nur, ich hoffe, der meint es ehrlich.“


„Fragst du dich das bei deinen Verehrern auch? Oder nur, wenn es um mich geht?“ Hanna zog ihren Arm weg.


„Meine Typen sind ja nicht wie Ali.“


„Ach so, jetzt ist er das Problem. Dabei fandest du ihn doch auch toll.“ Hanna stand auf und griff nach ihrem Smartphone. Sie drehte sich um und ging zum Ausgang. Das Essen ließ sie einfach stehen, das hatte sowieso nicht geschmeckt, sollte Klara den Teller doch wegräumen.


„Hanna, so hab ich das nicht gemeint. Nun sei doch nicht gleich beleidigt“, rief Klara ihr hinterher.


Aber Hanna drehte sich nicht um, sie wollte nur noch raus hier. Sie passierte einen Tisch, an dem mehrere ihrer Klassenkameraden saßen und zu ihr herübersahen. Die würden jetzt was zu tuscheln haben, aber auch das war ihr egal.


Sie lief aus der Kantine, ein Stück den Flur entlang und ging in die Bibliothek. Dort setzte sie sich an einen Tisch, einsam in einer Ecke. Verdammt, jetzt fing auch noch Klara damit an. Ihre Mutter, die dumme Kuh, hatte in das gleiche Horn geblasen. „Der ist doch viel zu alt für dich, wer weiß, was der von dir will. Wahrscheinlich bloß einmal ins Bett und dann ist er weg.“ Hanna bereute, dass sie ihr überhaupt von Ali erzählt hatte. Aber ihre Mutter hatte gefragt, woher sie die neuen Klamotten habe, und da hatte sie es erzählt. Einmal interessierte sich endlich ein Junge für sie und schon versuchten alle, sie kirre zu machen. Was spielten denn die paar Jahre für eine Rolle? Sie fand es toll, dass Ali älter war, er war so selbstsicher, und das machte auch sie stark. Endlich.


Wenigstens hatte ihre Mutter versprochen, dem Vater nichts zu sagen, sonst wäre bestimmt richtig was los gewesen. Wenn der ausrastete, konnte es schon mal Dresche setzen.



 


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