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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Schattenjagd, Volker C. Dützer
Volker C. Dützer

Schattenjagd


Verfluchte Amulette

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Judith ließ heißes Wasser in die Wanne laufen und starrte in den Spiegel, bis der Wasserdampf ihr Gegenüber verschwimmen ließ. Sie löschte das grelle Licht der Spiegellampe, glitt in die heiße Wanne und atmete tief den aromatischen Vanilleduft der Kerze ein, die sie entzündet hatte. Eine Weile ließ sie ihre Gedanken ziehen und begann sich langsam zu entspannen. Aber es dauerte nicht lange, bis eine störende Endlosschleife alles andere verdrängte: Du warst nicht in Sophias Zimmer; du wart nicht in Sophias Zimmer! Du warst nicht… Judith schreckte aus dem Tagtraum hoch, schrie leise auf und klammerte sich Halt suchend an die Wanne. Ihr Herz raste wild. Ihr war klar, sie würde keine Entspannung finden, bis sie diesen letzten Raum durchsucht hatte. Ärgerlich stieg sie aus dem warmen Wasser, warf sich den Morgenmantel über die Schultern und ging über den Flur zu Sophias Zimmer. Wenn sie einen kurzen Blick in den Raum geworfen hatte, konnte sie sich endlich entspannen. Es musste so sein. War es so? Als sie die Klinke herunterdrücken wollte, spürte sie eisige Luft unter dem Türspalt hindurchziehen. Ihre feuchten Zehen verwandelten sich in Sekundenschnelle in Eisblöcke. Erschrocken stieß sie die Tür auf. Im Raum dahinter war alles still und dunkel. Das Fenster stand weit offen. Der Nachtwind blähte die dünne Gardine zu einem schwarzen Trauersegel auf. „Du hast die Kreuze abgehängt! Das hast du gut gemacht!“ Auf dem Bett lag ein Schatten, noch eine Spur schwärzer als seine Umgebung. Judith schrie auf und taumelte auf den Flur zurück. Aus Sophias Zimmer klang ein trockenes, heiseres Lachen. Die Angst, die sie vorhin noch gelähmt hatte, verlieh ihr nun ungeahnte Kräfte. Judith lief den kurzen Flur entlang und hastete im Halbdunkel die steile Treppe hinab. Auf der drittletzten Stufe stolperte sie und fiel schmerzhaft auf ihr linkes Handgelenk. Judith kam mühsam auf die Beine und wunderte sich, wer die angsterfüllten Laute von sich gab. Hatte sich ihr Verfolger ebenfalls verletzt? Erst dann begriff sie, dass sie ihre eigene Stimme hörte. In diesem Augenblick schlugen mit einem Höllenlärm alle Türen im Erdgeschoss zu. Die schwere Eichengarderobe wurde von einer unsichtbaren Faust von der Wand gerissen und landete krachend auf der anderen Seite des Flures, um so ihren Fluchtweg zu blockieren. Judith schrie gellend auf, als die Deckenlampe in einem Regen messerscharfer Splitter zerplatzte. Ihre Augen weiteten sich vor Schreck, als sie sah, wie sich zwei dicke Messingdrähte mit einem lauten Knall aus dem Lampengestell lösten, für einen Moment regungslos in der Luft hingen und dann wie zwei blitzende Pfeile in die Haustür fuhren und sie am Rahmen festnagelten. Dieser Weg war endgültig versperrt. Judith wandte sich um und lief ins Wohnzimmer, konfus, panisch und ohne Plan. Sie wusste nicht, was hier geschah und sie hatte das schreckliche Gefühl, dass es auch niemanden mehr geben würde, dem sie davon erzählen konnte. Die Angst schnürte ihr die Kehle zu. Aus dem Augenwinkel nahm sie den Schatten war, und noch immer konnte sie ihn nicht deutlich erkennen. Eine dunkle Gestalt kam die Treppe herunter, sie bewegte sich unglaublich schnell und gespenstisch fließend, schneller als jeder Mensch! Die leise flackernden Flammen im Kamin waren die einzige Lichtquelle. Judith wich von der Tür zurück und stieß im Halbdunkel mit den Kniekehlen an den niedrigen Tisch. Sofort erinnerte sie sich daran, wie sie das lange Küchenmesser dort abgelegt hatte. Sie wirbelte herum und umklammerte den Holzgriff so fest, dass es wehtat. „Leg das Messer weg, Johanna!“, sagte der Schatten. „Du kannst ohnehin nichts damit anfangen. Ich werde dir zeigen, was man mit einem Messer alles anstellen kann! Du wirst am eigenen Leib spüren, was sie mir angetan haben! Jede einzelne Folter!“ Der Schatten machte einen fließenden Schritt auf Judith zu. Die Gestalt trug einen bodenlangen, pechschwarzen Umhang, ihr Gesicht lag hinter einer weiten Kapuze im Dunkeln verborgen. Die Stimme! Die Stimme kam ihr irgendwie bekannt vor! Hoch und schneidend. Sophia? Das konnte nicht Sophia sein. Sophia war tot und begraben. Der Schatten stieß zischend die Luft aus, die Augen in dem konturlosen Gesicht blitzten eine Sekunde lang grün schimmernd auf. Judith hob das scharfe Küchenmesser und hielt es mit beiden Händen abwehrend vor sich. Sie hätte niemals geglaubt, dass noch etwas Seltsameres passieren könnte, die Situation war absurd genug. Und doch geschah es. Das Messer in ihren Händen wand sich plötzlich wie ein wildes Tier. Es versuchte sich zu befreien, als besäße es einen eigenen Willen. Und es war ungeheuer stark. Judith schrie auf, als das Heft ihren Fingern entglitt. Das Messer drehte ihr die Spitze zu und hing dann regungslos in der Luft. Judith schüttelte den Kopf und wimmerte: „Nein, nein, das kann nicht sein, das ist nicht wahr, das gibt es nicht!“ Sie wich langsam zurück, die aufgerissenen Augen noch immer auf das schwebende Messer gerichtet, bis sie mit dem Rücken an die Wand stieß. Dann hörte sie das heisere Lachen wieder. Sie spürte, wie sie mit einem Ruck emporgehoben wurde. Im selben Moment explodierte die Messerklinge. Die scharfkantigen, langen Splitter formierten sich zu einer Phalanx, zuckten auf Judith zu und nagelten sie an die Wand. Sie vergaß zu atmen und wartete auf den schrecklichen Schmerz, der gleich einsetzen musste. Doch nichts geschah. „Es ist noch nicht so weit, Johanna. Du enttäuschst mich, kennst du doch das Prozedere ganz genau. Zunächst zeigt man dem Angeklagten nur die Werkzeuge und wie sie eingesetzt werden. Beginnen wir mit der Territion. Der Schmerz kommt später, Johanna!“


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