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> Krimi Thriller > Satanas - 11. September 2001
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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Satanas - 11. September 2001, Martin Zedlacher
Martin Zedlacher

Satanas - 11. September 2001



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Prolog


 Die Boeing 767 der American Airlines von Boston nach Los Angeles war startklar. Der Captain und sein Co-Pilot hatten gerade die Instrumente gecheckt. Alle Systeme waren im grünen Bereich. Der Tower gab den Flug frei. An Bord des Fluges AA 11 befanden sich 92 Passagiere, die entspannt in ihren Sitzen lehnten, ein Buch lasen oder sich unterhielten. Ein Mann arabischer Herkunft bückte sich, um seine Schnürsenkel fester zu binden. Ihr werdet alle sterben, dachte er. In seinem Jackett verbarg er ein Messer.    Mary Ann lief über die Gangway und winkte der Stewardess zu, die gerade dabei war, die Kabinentür zu schließen. Die FBI-Agentin war sich bewusst, in welch großer Gefahr sie schwebte. Doch sie konnte nicht tatenlos zusehen, wie unschuldige Menschen bei einem Terroranschlag getötet werden. Ihr Herz schlug heftig, als sie sich dem Flugzeug näherte. Mary Ann dachte an die verheerenden Folgen: die tausenden Opfer, die Hinterbliebenen und ihren seelischen Schmerz, an das damit verbundene unsagbare Leid. Dachte an die Vergeltungsmaßnahmen.   Krieg und Zerstörung.   Nein, lieber nicht daran denken.   „Halt! Warten Sie", rief Mary Ann.    Die Stewardess hatte den späten Passagier bemerkt und winkte zurück. „Beeilen Sie sich!"Atemlos stieg Mary Ann in das Flugzeug. Als die Kabinentür hinter ihr mit einem dumpfen Klicken zufiel, wurde ihr bewusst, dass sie diesen Tag wahrscheinlich nicht überleben würde.Der Rumpf des Flugzeuges glänzte in der strahlenden Sonne, als die AA 11 langsam auf die Startbahn rollte. Der Captain begrüßte über Lautsprecher die Passagiere an Bord, ließ die Triebwerke aufheulen und klappte den Steuerhebel behutsam nach vorne. Die Maschine setzte sich in Bewegung und gewann mit wachsender Geschwindigkeit zunehmend an Höhe. Das Fahrwerk wurde eingezogen und die Warnlichter blinkten. Während das Flugzeug in den strahlend blauen Himmel eintauchte, spürte Mary Ann einen leichten Adrenalinstoß. Nach etwa zehn Minuten erreichte die Maschine eine Flughöhe von 29.000 Fuß, die Reisegeschwindigkeit betrug 460 mph.   Mary Ann befreite sich vom Sicherheitsgurt und blickte zu ihrem Sitznachbarn. Im Mittelgang breitete ein Gentleman im Nadelstreifenanzug einige Zeitschriften aus. Er musterte die hübsche Blondine, die seiner Tochter in Seattle ähnlich sah, setzte ein PR-Lächeln auf und grüßte entgegenkommend. Danach wandte er sich wieder den Börsenberichten des Wall Street Journal zu, um einen potenziellen Tenbagger [1] aufzuspüren. Die FBI-Agentin brachte ihren platinfarbenen Seidenschal in Ordnung, strich sich das blonde Haar aus der Stirn und sah sich um. Ihr Puls war durch den anstrengenden Lauf leicht erhöht, ihre Nerven zum Zerreißen gespannt. Würden sich ihre schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten? Auf den ersten Blick war nichts Verdächtiges zu erkennen. Waren die Behauptungen in Porters Tagebuch falsch? Mit angespannter Miene überlegte Mary Ann, wie sie die Crew von dem geplanten Anschlag unauffällig in Kenntnis setzen könnte. Doch es mangelte ihr an Konzentration. In ihrem Kopf herrschte ein heilloses Durcheinander.    Zehn Minuten vergingen.   Fünfzehn.   Nichts Ungewöhnliches geschah.   Der Flug nach Los Angeles schien reibungslos abzulaufen. Die Passagiere waren gut gelaunt, erzählten Witze, ließen sich Erfrischungen servieren, aßen Sandwiches oder flirteten zuweilen auch miteinander.    Die Tragödie nahm ihren Anfang, als donnernde Wortfetzen aus dem Cockpit herausschlugen. In der Bordküche schrie eine Stewardess um Hilfe. Ein arabisch wirkender Mann mit Vollbart umklammerte ihren Hals und drückte ihr ein scharfes Messer an die Kehle. In gebrochenem Englisch stellte ein anderer Mann über die Lautsprecher klar: „Bombe an Bord! Alle tun, was wir sagen!" Zwei weitere Terroristen hielten die Passagiere im hinteren Teil der Maschine mit kleinen Messern in Schach.    Die fröhliche Stimmung begann abrupt zu kippen. Panik breitete sich aus. Einige der Fluggäste schrien hysterisch. Manch einer überlegte, die Terroristen zu überwältigen. Sie waren ja nur mit Teppichmessern bewaffnet. Die Bombe könnte zudem nur ein Bluff sein. Ein Offizier der Air Force in Uniform wollte der Stewardess zu Hilfe eilen. Er entschied sich aber im letzten Moment dagegen, weil der Terrorist eine tranchierende Geste an ihrem Hals vollführte.    „Bleib stehen! Sonst Frau tot!", drohte sein Komplize übers Mikrofon.    Geschrei. Schluchzen. Wimmern.    (Ihr werdet alle sterben.)   Mary Ann spürte, wie ihr der kalte Schweiß auf die Stirn trat. Ein beklemmendes Gefühl fuhr ihr durch sämtliche Glieder. Verlier jetzt nicht die Nerven. Du bist im Vorteil. Nütze den Überraschungseffekt, dachte sie und tastete nach ihrer Waffe, die sie unter ihrem Rock in einem Oberschenkelhalfter trug. Fieberhaft überlegte Mary Ann, mit welcher Taktik sie die Terroristen überwältigen könnte. Ihr musste schnell etwas einfallen. Schon oft hatte sie bemerkt, welch starke sexuelle Anziehungskraft sie auf das andere Geschlecht ausübte. Schließlich waren diese Terroristen trotz aller Härte auch nur Männer. Betöre! Verführe! Lass deinen Charme spielen.    Mary Ann zog den Schal vom Hals und legte ihn auf die Sessellehne. Ihr Dekolletée war in der Tat ansehnlich: Der pralle Busen lag nun zur Hälfte frei. In gespielter Schüchternheit hob sie beide Hände in die Höhe, damit der vollbärtige Terrorist auf sie aufmerksam werde. „Hallo!", rief sie mit sanfter Stimme. „Ich müsste dringend auf die Toilette. Nur kurz." Dazu lächelte sie ebenso bittend wie anzüglich. Der Vollbärtige bedachte sie mit einem scharfen verächtlichen Blick, zischte etwas auf Arabisch ins Cockpit, erhielt Antwort und sagte: „Okay, du können gehen, aber er", damit war sein Komplize gemeint, der eben aus dem Cockpit getreten war, „kommen mit!" Er hätte das vorlaute Weib nicht auf die Toilette gehen lassen, doch offenbar war noch ein Terrorist im Cockpit, der die Erlaubnis dazu gab. In seinem Land waren Frauen Leibeigene, minderwertige Geschöpfe, wurden behandelt wie ein Stück Vieh.    Langsam erhob sich Mary Ann von ihrem Sitz. Mit erhobenen Händen und schwingenden Hüften stolzierte sie auf die beiden Terroristen zu. Zwei kampftrainierte Männer auf einen Schlag auszuschalten war ein höchst riskantes Vorhaben. Der erste Schuss musste unbedingt tödlich sein. Nach kurzer Überlegung entschied sie sich für den Vollbärtigen, auch wenn die Stewardess höchstwahrscheinlich dabei sterben würde. Mary Ann deutete mit ihrer linken Hand an, noch einen Knopf an ihrer Bluse zu öffnen, während sie leicht vorgebeugt mit der rechten Hand unter den Rock fasste, um nach der Waffe zu greifen. Doch der Terrorist aus dem Cockpit kam blitzschnell auf sie zu.    „Keine Tricks!", drohte er und bog ihr den Arm auf den Rücken. Er stieß sie an den völlig verängstigten Passagieren vorbei in die Toilette. Dort verlangte er, dass sie den Slip nach unten schieben sollte.    Mary Ann blickte ihn verstohlen von der Seite an. „Ich kann nicht."   Der Terrorist starrte sie wütend an. „Was sagst du?"   „Ich kann nicht, wenn Sie mir dabei zusehen", erwiderte sie mit ärgerlicher Stimme.   „Du haben nichts zu befehlen! Mach oder lass es bleiben!" Ein hämisches Grinsen breitete sich über sein Gesicht aus. In seinem Land musste eine Frau den Anordnungen ihres Mannes ohne Widerrede Folge leisten. Ausgehverbot, Prügelstrafe, Misshandlungen oder Auspeitschungen waren an der Tagesordnung. Wenn eine Frau nachweislich Ehebruch begangen hatte, konnte sie nach dem alten biblischen Gesetz gesteinigt werden.Jetzt oder nie, dachte Mary Ann und griff rasch nach ihrer Waffe. Der Terrorist machte ein erschrockenes Gesicht. Sie hat mich reingelegt! Allah verfluche diese Frau und schenke ihr einen qualvollen Tod!    Wie ein gnadenloser Vollstrecker feuerte Mary Ann in seinen vor Panik aufgerissenen Mund. Blut, Knochensplitter und Teile seines Gehirns spritzten an die Wand. In Windeseile sprang sie auf, schob den Rock zurecht und riss die Tür auf. Der Vollbärtige hatte nach dem Schuss die Stewardess zur Seite gestoßen und war zur Toilette gerannt. Er wollte seinen Komplizen zu Hilfe eilen. Zu spät. Entsetzt starrte er in den Lauf der Waffe. Er hechtete reflexartig zur Seite, schnappte sich ein dunkelhäutiges Mädchen von acht oder zehn Jahren als Geisel und drückte ihr ein Messer an die Kehle.    „FBI! Messer weg! Sofort!"    Mit einem hasserfüllten Aufschrei stolperte er mit der Geisel drei Schritte zurück. „Nein!"„Sofort!"   „Habe keine Angst vor dem Tod. Mein Leben gehört Allah", sagte er auf Englisch mit stark ausgeprägtem arabischem Akzent.    Mary Ann visierte mit dem Lauf ihrer Waffe das Ziel. Beim FBI hatte sie den Ruf einer exzellenten Schützin. Durch regelmäßiges Training am Schießstand hatte sie mehrere staatliche Wettbewerbe gewonnen. Ohne mit der Wimper zu zucken drückte sie ab. Sie traf den Terroristen in die Kehle, worauf dieser mit einem würgenden Laut wie ein gefällter Baum zu Boden ging. Das befreite Mädchen lief schluchzend zu ihrem Sitzplatz zurück und wurde von einer älteren Dame tröstend in die Arme genommen. Die Passagiere im vorderen Abteil waren sichtlich erleichtert, atmeten tief durch und schöpften Hoffnung. Einige wollten sich an der Rückeroberung der Maschine beteiligen. Doch die FBI-Agentin befahl allen, keine eigenmächtigen Schritte zu unternehmen. Falls tatsächlich eine Bombe an Bord geschmuggelt worden war, musste zuerst der Zündauslöser sichergestellt werden, den vermutlich einer der drei verbliebenen Terroristen bei sich hatte.    (Ihr werdet alle sterben.)   Mit gezogener Waffe lief Mary Ann Richtung Cockpit. Vorsichtig öffnete sie die halb angelehnte Tür und glitt hinein. Heilige Mutter Gottes! Die abgebrühte Agentin traute ihren Augen nicht. Der kleine Raum war erfüllt von einem seltsamen Gleißen, das von einer Gestalt ausging, die förmlich im Pilotensitz schwebte. Der Captain und sein Co-Pilot saßen mit durchtrennten Kehlen vornübergebeugt in einer Blutlache. Als sich die Gestalt umdrehte, wich Mary Ann erschrocken einen Schritt zurück. Furcht überkam sie. Das konnte einfach nicht sein! Wie war diese Kreatur in die Maschine gelangt? Mary Ann spürte die hypnotische Präsenz der Bestie, spürte ihren eigenen rasenden Herzschlag. Sie wusste, dass sie gegen ihn nichts ausrichten konnte. Resignierend senkte sie die Waffe. Er hatte sie ausgetrickst. Der Gedanke, dass bald tausende Menschen den Tod erleiden würden, ließ Tränen über  ihre heißen Wangen strömen. Jetzt konnte nur noch eine göttliche Intervention den teuflischen Anschlag verhindern.    Die Boeing befand sich bereits im Sinkflug. Ein rotes Warnlicht blinkte auf der Konsole. Der Höhenmesser stand bei knapp achthundert Meter. Durchs Pilotenfenster sah Mary Ann die Silhouetten von vielen Wolkenkratzern auftauchen. Die AA 11 wurde von dem Dämon mit rasendem Tempo auf Manhattan gelenkt. Die zwei noch verbliebenen Terroristen, die den hinteren Teil der Maschine kontrollierten, waren inzwischen ins Cockpit gestürmt. Beim Anblick der zerzausten Schönheit rissen sie die Messer hoch und stachen wutentbrannt nach der FBI-Agentin.  




[1] Im Börsenjargon ist ein Tenbagger eine Aktie, mit der man sein Geld verzehnfacht.



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