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Sacer Sanguis Evolution


Rote Elemente

von Albert Knorr

krimi_thriller
ISBN13-Nummer:
9783950268171
Ausstattung:
500 Seiten, Taschenbuch, E-Book
Preis:
14.90 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
Albert Knorr
Leseprobe

Marshöhlen: Neil hatte sich geschätzte zwanzig Meter vom Rest des Teams entfernt und erkundete einen schmalen Seitenarm, der unmittelbar hinter dem Durchgang von der dritten in die vierte Höhlenkammer lag. Das Sonnenlicht des Umlenkspiegels drang nur in die Hauptkammern und so war Neil völlig auf seine Taschenlampe angewiesen. „Es wird noch wärmer.“ „Geh nicht zu weit.“ Clara prüfte auf ihrem Kontrollmonitor die Daten der gerade installierten Messsonde. „Wir brauchen hier noch ein paar Minuten.“ „Keine Sorge“, kam Neils Stimme über die Helmlautsprecher. „Es ist nicht so einladend, dass ich hier weitergehen möchte.“ Der Lichtschein seiner Taschenlampe wanderte an der Höhlendecke entlang. „Sieht nach einem Felsrutsch aus. Vermutlich ging es über diesen Weg noch viel weiter nach unten, aber jetzt ist hier Schluss - alles eingestürzt.“ Clara tippte auf dem Touchscreen ihres Monitors herum. „Kontrollier bitte mal die Ränder der Einsturzstelle auf ihre Methankonzentration, wenn du schon dort bist. Vielleicht ist der Gang ja nicht ganz so dicht verschlossen und wir bekommen ein paar Daten aus dem Raum dahinter.“ „Verstanden.“ Neil setzte vorsichtig einen Fuß vor den anderen. Der Seitenarm, in dem er sich bewegte, war mit knapp drei Metern Höhe deutlich niedriger als die Haupthöhlen. Mehrere kleine Steine ragten wie Pyramidenspitzen aus dem Boden. Verglichen mit echten Pyramiden fehlte ihnen allerdings die geometrische Regelmäßigkeit. Die Felswände waren auf Brusthöhe von einem dunklen, fast schwarzen Strich durchzogen - zweifellos die Überreste einer urzeitlichen Gesteinsfaltung. Neil ging wenige Schritte, bis er die Stelle erreicht hatte, an der der Gang eingestürzt war. Die Farbe der heruntergefallenen Steine reichte von einem dunklen Braunton bis zu hellem Ocker. Einige wiesen auch die schwarz gebänderte Zeichnung der Wände auf, was es leicht machte, sie ihrem ursprünglichen Platz zuzuordnen. Während Neil Messungen der Methankonzentration vornahm, machten Clara und Nini die letzten entscheidenden Handgriffe, um die Messsonde zu kalibrieren. „Bao, kannst du uns hören?“, fragte Clara. „Klar und deutlich“, bestätigte der chinesische Klimaforscher. Er war ein Stück zurück in Richtung Oberfläche gegangen, um als mobile Relaisstation für das Funksignal zu dienen. Jetzt, da er wieder Sichtkontakt zur Antenne des Marsrovers hatte, klappte auch die Verständigung einwandfrei. „Ich markiere gerade die Stelle, an der wir morgen den Empfangsverstärker aufstellen müssen. Wir haben Glück, dass die Höhle so flach und gleichmäßig verläuft, sonst bräuchten wir viel mehr davon.“ „Verstanden“, bestätigte Clara. „Bitte bleib vorläufig noch dort. Ich will nämlich gleich testen, ob wir das Signal der Messsonden bis zur Cheese verlängern können.“ „Aber nur zum Testen.“ Bao lehnte sich an den Fels. „Ich bleib nicht die ganze Nacht hier stehen, damit du daheim Höhlenfernsehen hast.“ „Ich glaub, ich hab hier was“, meldete sich Neil. „Methan?“, fragte Clara neugierig. „Das auch, aber das andere dürfte dich noch mehr interessieren.“ Neils klobiger Handschuh tippte auf dem Bedienfeld des Messgeräts herum. „Die Methankonzentration ist hier tatsächlich noch um einiges höher. Aber ich bekomme auch Spuren von Wasserdampf angezeigt.“ Nini und Clara erstarrten in ihren Bewegungen. „Bitte wiederhol das!“, verlangten sie nahezu gleichzeitig. „Ja, ihr habt richtig gehört. Ich messe verstärkte Vorkommen von Sauerstoff und Wasserdampf. Es ist zwar leider noch zu wenig, um den Helm abzunehmen, aber verglichen mit der durchschnittlichen Konzentration in der Marsatmosphäre haben wir hier Rekordwerte. Ich schick euch die Daten gleich rüber.“ Neil presste seinen Zeigefinger gegen das Bedienfeld. Gleich darauf hatte Clara die Daten ebenfalls auf dem Display. „Das sieht gut aus“, sagte sie in gebührend beeindrucktem Ton. „Sehr gut sogar.“ Sie drehte das Display so, dass Nini die Daten auch ablesen konnte. „Schade, dass die Zeit heute nicht mehr reicht, um mir das aus der Nähe anzusehen. Neil, bitte mach noch ein paar Aufnahmen mit der Kamera für mich.“ „Wird erledigt.“ „Ich hab euch ja gesagt, dass wir hier drin fündig werden“, sagte Clara. Nini nickte erfreut. „Ben werden vor seinem Holoscreen die Augen rausfallen, wenn wir ihm die ersten Bilder vom Lake Clara schicken.“ „Lake Clara?“ Neil räusperte sich gut hörbar. „Also, ob ich meinen ersten Höhlensee so nennen werde, kann ich noch nicht sagen.“ Er drehte das Messgerät ab und schaltete stattdessen die Helmkamera ein, deren Bildausschnitt er auf die Innenseite des Visiers projiziert bekam. So war es ihm möglich mitzuverfolgen, was die Kamera gerade aufzeichnete. „Ich mache jetzt die Fotos.“ Längst war das Fotografieren zur Routine geworden. Täglich reisten hunderte Aufnahmen zur Erde, wo sie von Expertenteams ausgewertet wurden. Zur selben Zeit bot die NASA auf ihrer Holoseite aber auch die meisten empfangenen Daten zum kostenlosen Download für jedermann an. Russland, China und fast alle anderen beteiligten Nationen folgten diesem Beispiel. Nur Europa, vertreten durch die NESA (Next European Space Agency), hatte trotz heftiger medialer Proteste auch diesmal wieder die finanziellen Interessen vor das Gemeinwohl gestellt und die Übertragungsrechte nur an ausgewählte Bildagenturen verkauft. Obwohl diese rückständige Art der Öffentlichkeitsarbeit schon vor Jahren der Vorgängerorganisation zum Verhängnis geworden war, hielten die Verantwortlichen der NESA unbeirrt daran fest. Und da noch eines. Neil hatte bereits ein gutes Dutzend Bilder gemacht, davon die Hälfte mit Blitz. Verglichen mit der Taschenlampe war die Ausleuchtung des Blitzlichts um einiges besser und machte mehr Details sichtbar. „Ich denke, ich bin hier fertig“, meldete er nach oben zu den anderen. „Wir ebenfalls“, antwortete Nini. „Vorausgesetzt, Bao kann bestätigen, dass die Messdaten bei ihm angekommen sind und zur Cheese weitergeleitet wurden.“ „Kann ich.“ „Verstanden.“ Neil schaltete die Helmkamera wieder aus. „Dann mache ich mich jetzt auf den Rückweg.“ Er richtete die Taschenlampe auf den Boden, um zwischen all den spitzen Steinen genug Platz für seine Stiefelsohlen zu finden. Jeder Schritt wollte wohlüberlegt sein, denn selbst der kleinste Riss oder Schnitt im Anzug konnte verheerende Folgen haben. Zum Glück ist hier außer mir noch keiner rumgelaufen. Seine Schuhabdrücke waren deutlich zu sehen und zeigten ihm den Weg, auf dem er gekommen war. Nur eine Gruppe fußballgroßer Steine, die sicher noch von einem Einsturz stammte, ließ ihn kurz stutzen. Waren die vorher auch schon da? Sind mir gar nicht aufgefallen. Da der Boden abschüssig war, wirkten die Rückseiten der Steine tatsächlich höher als noch zuvor. Neil musste sich überwinden, das Bein darüber hinwegzuheben, zumal sein Schwerpunkt durch das Lebenserhaltungssystem auf dem Rücken ohnehin schon sehr hoch lag. Schön langsam und konzentriert! Sein vorderer Fuß hatte gerade wieder festen Halt gefunden, da bemerkte Neil unter sich einen Stein, dessen eigenwillige Form deutlich hervorstach. Von oben betrachtet sah es fast so aus, als steckte eine Scheibe zwischen den anderen Steinen. Das sehe ich mir genauer an. Nachdem er das Hindernis mit beiden Beinen überwunden hatte, drehte er sich um und hielt Ausschau nach dem Fundstück. Der direkte Blick nach unten war durch den ausladenden Helm so gut wie unmöglich und es verlangte viel Geschick, sich zurechtzutasten. Vor allem aber musste Neil sich erst einmal hinknien und das war in dem Raumanzug schon eine Herausforderung für sich. Was auf der Erde eine Angelegenheit von wenigen Sekunden gewesen wäre, wurde durch das fehlende Fingerspitzengefühl in den Handschuhen zum Geschicklichkeitsspiel. Hier muss es gewesen sein. Sein Zeigefinger verschwand zwischen den Steinen in einem Spalt, doch für die ganze Hand war nicht genug Platz. Als würde man mit Boxhandschuhen ein Buch aus einem Regal kitzeln. Neil änderte seine Strategie und drückte mit der Hand gegen einen der Steine. Vielleicht kann ich ihn ein Stück zur Seite rollen, dann komme ich besser ran. Da er nicht genau wusste, wo er die Steinscheibe gesehen hatte, blieb ihm nichts anderes übrig, als einen Stein nach dem anderen beiseitezurollen. „Neil?“ Ninis Stimme klang etwas besorgt. „Wolltest du nicht wieder zurückkommen?“ „Ja, tut mir leid, dass ich mich nicht mehr gemeldet habe. Mir geht es gut. Ich hab hier im Geröll einen eigenartig geformten Stein gefunden, den ich gerne mitnehmen würde. Gebt mir noch zwei Minuten, bis ich ihn herausgekitzelt habe.“ „Was für ein Stein?“ Neil streckte seine Hand so weit aus, wie er konnte. „Sieht aus wie eine Scheibe... schwer zu beschreiben. Auf jeden Fall habe ich seit unserer Ankunft noch nichts Vergleichbares gesehen. Blöderweise liegt er aber genau in einem Spalt, der für meine Hand zu schmal ist.“ „Brauchst du Hilfe?“ „Ich könnte dir mit einem Befestigungshaken aushelfen“, meldete sich Clara zu Wort. „Wartet noch einen Moment“, sagte Neil. „Ich versuch, die Steine daneben wegzurollen und das klappt eigentlich ganz gut. Wenn ich jetzt noch den richtigen erwischen würde...“ „Siehst du diese Steinscheibe?“ „Im Moment leider nicht. Sie ist mir nur aufgefallen, als ich über das Geröll geklettert bin.“ „Du bist was?“ Nini verstand es erstklassig, die sorgenvolle Mutter durchklingen zu lassen. „Hab ich geklettert gesagt?“ Neil schmunzelte. „Ich meinte natürlich vorbeigegangen.“ „Ja, du hast geklettert gesagt“, brummte Nini. „Hier wird aber nicht rumgeklettert. Viel zu gefährlich!“ „Ich hab’s auch gehört“, bestätigte Bao amüsiert. „Mein gelber Freund sollte lieber an seinem Englisch arbeiten“, witzelte Neil. „Als ob ich hier rumklettern würde. Ist doch viel zu gefährlich.“ Er rollte einen weiteren Stein zur Seite und tastete den freigelegten Platz ab. „Was ist jetzt?“, wollte Nini wissen. „Brauchst du unsere Hilfe? Dmitrij wartet sicher schon mit dem Abendessen auf uns.“ „Wer’s glaubt“, stöhnte Neil, der sich mächtig anstrengen musste, um das Gleichgewicht zu halten. „Viel wahrscheinlicher ist es, dass Urs sich mit dem Sprühkleber im Gewächshaus festgeklebt hat und Dmitrij jetzt nach einer Lösung sucht, wie er ihn dort wieder losbekommt, damit wir nichts davon merken.“ Clara lachte los. „Ich seh Urs förmlich vor mir und daneben Dmitrij, der ihm erklärt, dass alles gar kein Problem ist.“ „Über so was macht man keine Witze“, sagte Nini. „Habt ihr neulich Urs’ Gesicht gesehen, als Dmitrij die Klospülung provisorisch abgedichtet hat? Ich dachte, unser Schweizer kriegt einen Herzinfarkt, als er seine Socken dafür opfern musste. Ich kann auf solche medizinischen Notfälle jedenfalls gerne verzichten.“ „Ich hab den Stein!“, meldete Neil, um gleich darauf seine Stimme zu verlieren. „Oder was immer das ist...“

Klappentext

1977 schickte die NASA zwei Voyager-Raumsonden los, um ferne Zivilisationen auf uns aufmerksam zu machen. Diese Einladung zur Erde blieb allerdings unbeantwortet, und so geriet das Projekt immer mehr in Vergessenheit. Jahre später startet ein Team rund um den russischen Weltraumbastler Dmitrij zu einer völlig anderen Mission. Sein Improvisationstalent stellt Technik und Kollegen auf eine harte Probe. Gerade als einer der Astrophysiker das NASA-Maskottchen füttert, geht ein Signal von außerhalb des Sonnensystems ein: Voyager 2 wurde reaktiviert...

Rezension

Wer Knorrs Bücher kennt, wird wieder begeistert sein, wer sie noch nicht gelesen hat, sollte dies schnellstens nachholen! KRONEN ZEITUNG Markus Gassler

 

Ich habe fast schon den Geruch und das Summen der Lebenserhaltungssysteme der Mars Desert Research Station gespürt - toll, wie das geschrieben wurde! ÖSTERREICHISCHES WELTRAUM FORUM Gernot Grömer