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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Rika, Lena Muhl
Lena Muhl

Rika



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Kapitel 1


 


Es war kalt, Nebel stieg von der gegenüberliegenden Uferseite her auf. Das Wasser war schwarz wie die Nacht und der Mond spiegelte sich. Das Schilf stand hoch am Ufer des Sees, Wellen zerbrachen die Oberfläche und breiteten sich träge aus. Was hinter dem Schilf lag, war nicht zu erkennen. Dicke Nebelschleier tauchten die Umgebung in eine milchige Brühe. Direkt über dem See begann auf einmal ein schwarzer Fleck Gestalt anzunehmen. Erst war es nur ein einfacher Fleck gewesen, doch langsam formte sich eine Gestalt daraus. Sie sah aus wie eine Person. Die Umrisse wurden schärfer, doch nicht scharf genug, um mehr als die Teile der Kleidung erkennbar zu machen. Fetzen, die sich scheinbar im Wind bewegten. So schnell wie sie gekommen war, war sie auch wieder verschwunden. Nichts erinnerte noch an sie. Wie eine Fata Morgana, die einem der Verstand aus Angst nur vorgespielt hatte. Alles war still, gespenstisch still. Kein Flügelschlag, kein Windzug. Die Zeit stand still. Ein nervtötendes, schrilles Geräusch ertönte und alles verschwand. Peter wachte auf und rieb sich seine verschlafenen Augen, während er mit der anderen Hand den Wecker suchte. Es war 7 Uhr morgens und Wochenende. Er hatte wohl mal wieder aus Versehen seinen Wecker abends gestellt. Tja, jetzt war es auch schon zu spät, der Traum war vorbei und schlafen konnte er auch nicht mehr. Durch die Gardinenschlitze drangen erste Sonnenstrahlen in sein nicht sehr großes Zimmer. Gegenüber von seinem Bett stand sein Kleiderschrank und recht mittig zwischen Bett und Kleiderschrank stand sein Schreibtisch, nicht weit vom Fenster entfernt. Der Schreibtisch war der größte Einrichtungsgegenstand in seinem Zimmer und für ihn auch der wichtigste. Er war wie seine anderen Möbel aus Kiefer und mit dunklem Lack überzogen. Die Wände waren in einem hellen Blau und zu den Wandecken hin dunkler gestrichen. Er stand auf und schob die Gardinen beiseite. Licht durchflutete sein Zimmer und ließ ihn in den ersten Augenblicken erblinden. Draußen strahlte ein blauer Himmel und obwohl es noch so früh war, sah man wie der Nebel von den Wiesen verschwand und der Tau einem kräftigen Grün wich. Peter liebte diesen Anblick eines neu anbrechenden Tages. Er öffnete sein Fenster, streckte seinen Kopf hinaus, schloss die Augen und sog die kühle Morgenluft ein. Der Geruch von frischem Gras gemischt mit der kalten Luft empfing ihn. Vogelgezwitscher erfüllte seine Ohren und sanft strich ihm der Wind durch die Haare und ließ ihn leicht frösteln. Zur gleichen Zeit kitzelten ihn die Sonnenstrahlen des neu beginnenden Tages auf der Haut. Er öffnete die Augen und drehte sich um. Schnell zog er eine dunkle Jeans und einen schlichten blauen Pullover über. Im Badezimmer blickten ihm unter verstrubelten, kurzen, braunen Haaren grüne, müde Augen aus einem zerknautschten Gesicht entgegen. Er verzog bei diesem Anblick ein wenig die Nase, auf welcher Sommersprossen bei der Bewegung tanzten. Er spritzte sich ein wenig Wasser ins Gesicht und ging hinunter in die Küche. Er wohnte mit seiner Mutter auf einem alten Bauernhof, nicht weit entfernt von einem kleinen Dorf, in dem man das Nötigste einkaufen konnte. Das Haus war ein typisches aus Backstein und Holz gebautes Bauernhaus. An einigen Stellen hatte der Zahn der Zeit seine Spuren hinterlassen. Doch gerade dies machte seinen Charme aus. An der rechten Seite des Hauses wuchs Efeu empor und das Dach war an einigen Stellen fast vollkommen von Moos bewachsen. Auf der linken Seite schlossen sich die Garage und der Schuppen an. Die große Auffahrt wurde von Rasenflächen gesäumt, auf denen Obstbäume und Buchen standen. Direkt vor dem Haus war eine große freie Schotterfläche. Das Auto seiner Mutter stand meistens direkt vor der Garage neben dem Haus. Ein kleiner, in die Jahre gekommener, blauer Golf. Sein Vater lebte hingegen in Berlin in einer Dachgeschosswohnung nicht weit entfernt vom Alexanderplatz. Er hatte ihm angeboten nach Berlin zu kommen, um dort mit ihm zusammen zu leben. Doch Peter wusste, dass er nur benutzt werden sollte, um seiner Mutter eins auszuwischen. Sein Vater war der typische Business Man: Immer wie aus dem Ei gepellt. Seit sich seine Eltern vor einem Jahr zerstritten hatten, versuchten sie sich gegenseitig nur noch zu schaden. Von da an lebte Peter alleine mit seiner Mutter auf dem Hof und besuchte eine Gesamtschule in der Nähe. Es hätte Peter nicht gestört zu seinem Vater zu ziehen, auch wenn dieser es nur angeboten hatte, um seine Mutter zu ärgern. Jedoch liebte er das Land, seine großen Weiten, die raue Natur im Winter und Herbst und nicht zu vergessen, die atemberaubenden Sonnenaufgänge in den Morgenstunden. Seine Freunde und Klassenkameraden verstanden nicht, warum er dieses eintönige Leben bevorzugte, anstatt in die Stadt zu ziehen, die mit ihrer Vielseitigkeit so viel mehr zu bieten hatte als Hüttingen, ein Dorf mitten in der Pampa. Ihm war es egal, was die anderen dachten. Hauptsache er hatte seine Ruhe und konnte in den Wald gehen und an seinen Projekten arbeiten. Daher überraschte es auch nicht, dass er nicht zu den Beliebtesten an der Schule zählte. Eigentlich, wenn man es genau nahm, befand er sich am anderen Ende der Schulhierarchie. Er fuhr mehr darauf ab, ein neuer Mark Zuckerberg zu werden und wenn er feierte, dann wenn er ›es‹ geschafft hatte. Diejenigen, die mit ihrem Erfolg in der Öffentlichkeit prahlten, waren als Erste dran, deshalb sprach niemand darüber. Manche, die er in Chats kennengelernt hatte, waren einige Zeit später bei der Polizei gelandet. Er hatte nur einen richtigen Freund und das war Michel aus seiner Klasse. Sie trafen sich oft, um zu zocken und im Internet zu surfen. Sie hatten nicht viele Gemeinsamkeiten, außer dem Interesse an Computern. Die meiste Zeit war Peter alleine und ging in den Wald oder versuchte sich in andere Netzwerke einzuklinken. Die Natur inspirierte ihn neue Ideen für seine ›Projekte‹, wie er sein Surfen nannte, zu entwickeln. Ihn persönlich störte es nicht allein zu sein, doch seine Mutter machte sich des Öfteren Sorgen um ihn. Sie meinte, er müsse mehr unter Leute kommen und mit Gleichaltrigen Spaß haben. Er lachte innerlich darüber, auf Bier trinken, Drogen schnupfen und mit Mädchen flirten hatte er keine Lust. Was hatte sie schon für eine Ahnung von den Jungs in seiner Klasse… Lieber blieb er bei seinen Algorithmen. Jede andere Mutter wäre froh gewesen, wenn ihr Sohn sich von Drogen und Dauerparties fernhalten würde, doch sie war da mal wieder anderer Meinung. Immer wieder betonte sie, dass es ja nicht normal wäre, sich in seinem Alter so zu verhalten. Er müsse mal erwachsen werden! Was für ein Schwachsinn, was hatte dieses Zeug mit erwachsen werden zu tun?! Hatte sie überhaupt eine Ahnung? Wenigstens nervte Michel ihn nicht mit so einem Gerede! Von Michel hatte Peters Mutter ja sowieso ein total schlechtes Bild! Er würde ihn davon abhalten zu anderen Jungs Kontakt zu knüpfen! Als ein guter Freund sollte er, aus Sicht seiner Mutter, ihn auf Partys mitnehmen und ihm helfen neue Freunde zu finden. Als wäre er sozial unterentwickelt. So etwas hörte man doch immer gerne, vor allem von seiner Mutter. Sie würde es zwar niemals so direkt sagen, aber zwischen den Zeilen war es spürbar. Wie bescheuert das alles war! Nur weil sie seinen Vater so kennengelernt hatte, musste er ja nicht genauso enden wie sie. Man sah ja was daraus geworden war! Sie hatte doch keine Ahnung von ihrem Sohn, wie sollte sie da auch nur irgendwas verstehen. Sie interessierte sich ja noch nicht mal für ihn! Was er machte, war ihr egal, da sie immer nur dabei war, herauszufinden was gerade ›In‹ war und der letzte Schrei in Hollywood! Zugegebenermaßen war es seiner Sache jedoch auch nicht förderlich, wenn sie herausfand, was er alles ohne ihr Wissen machte… Tja ihr Beruf…mmh… Es war schon komisch, dass jemand der ein so großes Interesse an Mode zeigte, wie seine Mutter, von Beruf Landschaftsdesigner sein konnte. Es lag wohl daran, dass sie zwei linke Hände hatte, wenn sie versuchte etwas zu schneidern, geschweige denn zu stricken oder zu sticken. Man musste ihr allerdings zugestehen, dass sie Ahnung von Pflanzen hatte und dass das was sie gestaltete, immer recht gut aussah. Im Kühlschrank war gerade noch genug Milch für eine Schüssel Müsli, die Peter in wenigen Minuten aufgegessen hatte. Er packte sich eine Scheibe Brot ein, ging nach draußen und holte sein Fahrrad aus dem Schuppen. Es war ein altes Oma-Fahrrad, manchmal sprang die Kette ab und bei Regen funktionierte das Licht nicht immer ganz einwandfrei, aber hier auf dem Dorf störte sich niemand daran. Er fuhr am Waldrand entlang in die Stadt und ging in einen kleinen Zeitungsladen. Von außen sah er eher wie eine Bruchbude aus, mit seinem schiefen und verdreckten Kioskschild und der schon seit Ewigkeiten vor sich hinstaubenden Schaufensterdekoration. Doch Innen fand man alles, was man von einem Kiosk erwarten konnte. Dort erweckte eine Zeitschrift Peters Aufmerksamkeit: ›Tod eines Mädchens im Saldersee‹, es war die Überschrift einer ihm unbekannten Zeitschrift. Der Saldersee war ganz in der Nähe seines Hauses, dort ging er oft hin, um zu baden und zu angeln. Im Sommer traf man dort auch öfters mal Touristen an. Viele von ihnen kamen für einen Tagesausflug an den See und das Dorf verwandelte sich in der kurzen Ferienzeit in ein Touristenzentrum. Er nahm die Zeitschrift aus dem Regal, bezahlte sie und fuhr nach Hause. Von dort aus machte er sich auf den Weg in den Wald zu seinem Lieblingsplatz, einer alten Eiche auf einer Lichtung. Der Wald grenzte direkt an ihr Grundstück, wodurch es nur ein Katzensprung zur Lichtung war. Auf der Lichtung angekommen, setzte er sich an den Fuß des Baumes und schlug die Zeitung auf. Sie handelte von einer alten Legende, in der ein Mädchen eines Nachts spurlos verschwand. Sie war nirgends mehr aufzufinden gewesen. Das Letzte, was man von ihr gehört hatte, war, dass sie schwimmen gehen wollte. Am nächsten Tag hatten ihre Eltern die Polizei gerufen und ein Trupp von 50 Polizisten mit Spürhunden und einem Hubschrauber suchten zwei Tage lang den Saldersee und dessen Umgebung ab. Selbst der Einsatz von Tauchern brachte kein Ergebnis. Am vierten Tag fand ein Wanderer zufällig die Leiche des Mädchens im Schilf. Sie hatte sich verhangen und war im Wasser verborgen gewesen. Der Mann verständigte die Polizei und die Taucher bargen die Leiche aus dem Schilf. Man vermutete, dass das Mädchen ertrunken war und die Leiche sich dann im Schilf verfangen hatte. Kampfspuren wurden nicht festgestellt. Die Eltern trauerten um ihre Tochter und sagten sich immer wieder, dass es doch nicht möglich war, dass ihr Mädchen ertrunken sei. Sie sei doch eine so gute Schwimmerin und Taucherin gewesen. Bald wurden die Eltern des verstorbenen Mädchens als Wahnsinnige dargestellt und die Leute im Dorf gingen ihnen aus dem Weg. Wenn man die Bewohner des Dorfes fragte was mit den beiden passiert war, sagten sie, sie hätten den Tod ihrer Tochter nicht verkraftet. Einige Monate später kam ein zwölfjähriges Mädchen verstört nach Hause. Sie sagte, sie hätte einen Mann ganz in Schwarz gekleidet auf dem See gesehen, der eine Sense in der Hand gehabt hätte. Außerdem hätte es nach Verwesung gerochen. Die Eltern des Kindes gingen zum See, doch sie fanden nichts. Man versuchte dem Mädchen klar zu machen, dass es sich geirrt hätte und ihre Fantasie ihr einen Streich gespielt hätte. Doch sie weigerte sich das zu akzeptieren. Sie verbreitete das Gerücht, dass der Mann, sobald der Nebel über dem See aufsteigt, kommen würde, um seine Opfer zu finden. Wenige Tage später hörte man nichts mehr von dem Mädchen. Die Leute erfuhren, die Eltern hätten das Kind auf ein Internat geschickt, damit es Abstand bekam. Nach diesem Vorfall wurden keine weiteren Fälle mehr bekannt und schon bald geriet das Wissen darüber in Vergessenheit und der See wurde im Sommer wieder von Touristen und Einheimischen bevölkert. Peter dachte eine Weile nach, er kannte diese Geschichte nicht, obwohl er schon seit seiner Geburt hier lebte. Er beschloss seine Mutter danach zu fragen. Er fing an sich für die Geschichte zu interessieren, denn es war mal was anderes als der normale schnöde Alltag. Er fand seine Mutter in der Küche und so wie es roch, war sie gerade dabei eine Art Pasta zuzubereiten. »Sag mal Mama, kennst du die Geschichte vom ›Tod eines Mädchens im Saldersee‹? « »Natürlich, zu meiner Kindheit war das eine bekannte Geschichte, die Alten versuchten uns damit Angst einzujagen. Manche beharrten darauf, sie hätten den ›Sensenmann‹, wie sie ihn nannten, schon mal gesehen und auch wie er dabei war eines seiner Opfer zu töten. Aber das ist alles Schwachsinn, es ist eine dieser alten Gruselgeschichten. Doch sag mal wie kommst du darauf? « »Sie stand in einer Zeitschrift.« »Verstehe…, aber steigere dich nicht zu tief in diese alte Geschichte rein, es mag vielleicht sein, dass es nur eine Geschichte ist, doch es gibt genug Leute, die glauben sie sei wahr und deshalb nachts auch nicht mehr in die Nähe des Sees gehen.« Ohne ein weiteres Wort verschwand Peter aus der Küche und ging in sein Zimmer. Was für ein Aberglaube, als wenn es wirklich einen ›Sensenmann‹ gäbe. Doch irgendetwas stimmte wohl an der Geschichte, sonst würden die Alten kaum so einen Aufstand machen und sich abends nicht mehr in die Nähe des Sees trauen. Die Frage war nur, warum die Geschichte jetzt wieder aktuell wurde, wo sie doch so lange in Vergessenheit geraten war. Er setzte sich vor seinen PC und grübelte weiter über die Geschichte nach. Im Internet suchte er unter allen möglichen Stichwörtern, doch er fand nichts, egal welchen Suchbegriff er eingab. Dann plötzlich, gerade als er seine Suche schon beenden wollte, stieß er auf einen interessanten Artikel, der zum Zeitpunkt des Verschwindens des Mädchens geschrieben worden war. Einige Seiten weiter fand er auch die Artikel, die in den darauffolgenden Tagen über das Thema berichteten. Er hatte alle Berichte, bis hin zum Auffinden des Mädchens, gefunden. Die Zeitung ›Die Aktuelle‹ hatte alle veröffentlichten Berichte ins Internet gestellt. Erst fiel ihm nichts Besonderes an den Berichten auf. Es waren typische Zeitungsartikel und darin stand nichts, was er nicht schon gewusst hätte. Bis auf den letzten Artikel, in dem ein Bild des toten Mädchens abgebildet war. Es zeigte ein junges Mädchen im ungefähren Alter von 12 Jahren, das fröhlich in die Kamera lächelte. Es musste kurz vor ihrem Tod aufgenommen worden sein. Peter wusste nicht was es war, aber irgendetwas an diesem Bild störte ihn. Er suchte vergeblich. Irgendwann später klingelte das Telefon und seine Mutter rief ihn, es war Michel. Damit beendete er die Suche, ging nach unten, ein letztes Mal noch sah er sich das Bild an und verließ kopfschüttelnd das Zimmer. Unten wartete seine Mutter schon ungeduldig auf ihn, sie schien in Eile zu sein und drückte ihm schnell das Telefon in die Hand und verschwand wieder in die Küche. Überraschend, denn normalerweise hielt sie sich nicht so lange in der Küche auf… Sie war kein Fan des Kochens. Peter dachte nicht weiter drüber nach und ging mit dem Telefon zurück nach oben in sein Zimmer, um in Ruhe mit Michel reden zu können. »Hi, was gibt’s? « »Hi, hast du schon das Neueste gehört?« »Was?« »Du wirst es nicht glauben! Ich hab heute Morgen eine SMS von Florian bekommen. Er hat UNS zu seiner Party eingeladen.« »Hä? Warum sind ausgerechnet wir bei dem eingeladen? Er ist doch derjenige, der uns immer als die totalen Loser hinstellt!« »Keine Ahnung… ich weiß auch nicht warum, aber irgendwie trau ich dem Kerl nicht. Der führt bestimmt was im Schilde! Ich bin mir auf jeden Fall nicht sicher, ob wir da wirklich hingehen sollten, nicht dass das für uns ne totale Lachnummer wird und die sich mit uns ihren Spaß machen! « »Was ist das denn überhaupt für eine Party? So wie die anderen auch?« »Erinnerst du dich noch an Mittwoch, als er doch so rumgeprahlt hat von wegen seine Eltern seien demnächst nicht da und deswegen will er so ne richtig fette Party machen?« »Jop, wie soll man das auch vergessen können, er hat es ja geradezu rumgeschrien… Der Kerl kann einem ganz schön auf die Nerven gehen!« »Das kannst du laut sagen. Na ja zumindest ist das wohl die Party auf die er uns eingeladen hat.« »Ich trau dem Kerl ehrlich gesagt nicht… Wo soll diese Party denn überhaupt stattfinden - bei ihm, oder was?« »Er hat mir geschrieben, dass wenn wir uns entscheiden sollten zu kommen, wir ihn anrufen sollen und dann genauere Infos bekommen… total komisch, anstatt es gleich mitzuschreiben.« »Mmh, keine Ahnung. Ich versteh’s nicht. Warum macht er das? Ich meine, er verabscheut uns doch so wie er sich immer aufspielt.« »Keine Ahnung, aber was wollen wir denn jetzt machen?« »... also, wenn das meine Mutter erfährt, wird sie alles dafür tun, damit ich hingehe! Du kennst sie ja…« »Eigentlich kann ja nicht so viel schiefgehen und ich meine, wenn es uns nicht gefällt, können wir ja immer noch abhauen. « »Stimmt auch wieder.« »Also soll ich ihm jetzt Bescheid sagen, dass wir kommen?« »Meinetwegen, frag aber noch mal wann und wo genau, nicht dass ich an dem Tag ausgerechnet dann keine Zeit habe.« »Okay, mach ich. Tschau .« »Tschau.« Immer noch verwirrt, setzte sich Peter auf sein Sofa. Irgendwas war doch da faul, aber er wurde einfach nicht schlau aus der Sache. Nach einiger Grübelei verdrängte er die Party und brachte das Telefon nach unten. Seine Mutter war immer noch in der Küche. Was nur machte sie denn da? War sie dort festgeklebt oder was? Normalerweise brauchte sie doch auch nicht so lange in der Küche. »Mom, was machst du da eigentlich so lange in der Küche?« »Oh Schatz, ach ist nicht so wichtig, ich probiere gerade ein neues Rezept aus.« Sie log mit ihrem falschen Lächeln. Doch bevor Peter weiterfragen konnte, wechselte sie schon das Thema. War ja mal wieder so was von typisch für sie. »Sag mal, was wollte denn Michel von dir?« »Ach nichts Wichtiges… er hat nur etwas wegen den Hausaufgaben gefragt, die wir übers Wochenende aufbekommen haben.« »Ah ja, na dann…«, die Tonlage und die hochgezogene Augenbraue sagten mehr als tausend Worte. »Jaja, alles in Ordnung, bin oben.« Meine Güte konnte die nerven. Dass sie alles, was mit Michel zu tun hatte, immer gleich hinterfragen musste, als wäre er ein Schwerverbrecher … Peter entschied sich, ein wenig frische Luft zu schnappen. Er musste raus, drinnen fühlte er sich eingeengt und gefangen, wie in einem Käfig. Einer plötzlichen Eingebung folgend, ging er in den Wald in Richtung des Saldersees. Der ausgetretene Weg war an einigen Stellen wieder zugewachsen. Tiefhängende Tannenzweige versperrten ihm den Weg. Hier war wohl lange niemand mehr lang gegangen. Bald würden sich die Touristen wieder am See tummeln, um zu baden und sich zu sonnen und wenn diese Zeit kam, würde er sich wie jedes Jahr aufs Neue zurückziehen, um irgendwo im Schatten der Bäume zu schlafen oder zu lesen. Als er am Saldersee ankam, war es schon später Nachmittag und es war kühler geworden. Eine angenehme Frische, er fror nicht, ganz im Gegenteil… Er setzte sich unter eine Buche und sah auf das Wasser hinaus. Der See lag still da, kleine Wellen kräuselten die Oberfläche. Das Wasser war so dunkel, dass der Grund nicht zu erkennen war. Ein paar Blätter schwammen auf der Oberfläche des Wassers. Ein schmaler Strand umgab den See und der Wald umschloss ihn, sodass er aussah wie eine kleine Oase in einem Meer von Bäumen. Peter wurde müde und schlief ein. Als er wieder aufwachte, war es schon dunkel, man konnte kaum noch die Hand vor Augen erkennen und ihn beschlich ein leichtes Unbehagen. Es waren nur noch die Umrisse der Bäume und Sträucher zu sehen und der See lag schemenhaft vor ihm. Von einer plötzlichen Unruhe erfüllt, sprang er auf und machte sich auf den Weg nach Hause. Dies gestaltete sich jedoch schwieriger als erwartet und es dauerte eine ganze Weile bis er in der Dunkelheit den Weg fand. Die Vögel hatten aufgehört zu singen und über dem See lag eine unheimliche, fast schon gespenstische Stille. Es erinnerte ihn irgendwie an die Gruselfilme, in denen plötzlich jemand aus dem Gebüsch hervorgesprungen kommt. Gerade als er den Gedanken zu Ende gedacht hatte, drehte er sich instinktiv zu allen Seiten um und versuchte etwas auszumachen. Das war bei der momentanen Sichtweite allerdings mehr als nutzlos, denn er sah gar nichts. Urplötzlich platschte es. Peter fuhr herum und starrte mit weit aufgerissenen Augen zum See. Doch er konnte nichts erkennen, es war schon zu dunkel. Er horchte in die Nacht, doch er hörte nichts, noch nicht einmal die Wellen, die ans Ufer schlugen. Ihm wurde immer mulmiger zumute und er drehte sich schnell um und schlug den Weg nach Hause ein. Erst ging er langsam und lauschte in die Dunkelheit, ob ihm irgendwas oder irgendwer folgte. Doch dann wurde er immer schneller und schneller bis er anfing zu rennen, so schnell er konnte. Seine immer stärker werdende Angst trieb ihn vor sich her und ließ ihn alles um sich herum vergessen. Fast stolperte er über eine Baumwurzel. Er strauchelte, fing sich aber dann doch wieder bevor er den Waldboden erreichte und lief weiter. Alles verschwamm zu einer einzigen Masse und als er endlich das Haus erreichte, atmete er erleichtert aus. Er ging jedoch nicht sofort hinein. Er atmete tief ein und aus und stützte sich gegen die Hausmauer. Erst musste er sich beruhigen, sonst würde seine Mutter etwas bemerken und Fragen stellen. Was sie sowieso tun würde, da er viel zu spät war, doch das war ihm in diesem Moment egal. Er war nur froh aus dem Wald und weit weg vom See zu sein. Um den Fragen seiner Mutter auszuweichen, schlich er leise nach oben in sein Zimmer und schloss sich ein. Er sah auf die Uhr, es war kurz nach 23.00 Uhr. Erschöpft ließ er sich auf sein Bett fallen und dachte über den Tag nach. Nach einigen Überlegungen über das Ereignis am Saldersee, musste er lachen. Wie blöd war er nur gewesen, er hatte sich von der Dunkelheit erschrecken lassen, die er doch eigentlich so liebte, dort wo er alleine war und seine Ruhe hatte, wo ihn niemand fand und das war es, was die Anderen grundsätzlich verabscheuten. Das Platschen musste irgendein Fisch oder Frosch gewesen sein, nichts über das man sich aufregen musste… Mit dieser Erklärung war er zufrieden und legte sich ins Bett und schlief schon kurze Zeit später ein.


 


Kapitel 2


 


Plötzlich rauschte es, erschrocken öffnete er die Augen. Seine Augen brauchten einige Zeit bis sie sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Dann konnte er einige Umrisse ausmachen. Er musste wohl irgendwie im Wald gelandet sein. Doch es war nicht der gleiche Wald wie am Abend. Irgendetwas war anders, aber er wusste nicht was es war. Wie aus dem Nichts schoss etwas auf ihn zu und schlug in den Baum hinter ihm ein. Er zuckte zusammen und schrie auf. Geschockt und mit weit aufgerissenen Augen fuhr er herum. Doch es war so dunkel, dass er kaum etwas erkennen konnte. Wo war er? Was war das gewesen? Plötzlich wurde es hell. Er zitterte am ganzen Körper und konnte sich nicht mehr bewegen, der Schreck lähmte ihn. Das, was da in dem Baum steckte, war ein Messer, von dem etwas heruntertropfte. Er war sich nicht sicher was es war. Blut?!, schoss es ihm durch den Kopf. Ein schwaches Licht kam von hinten. Er drehte sich ruckartig um, auf alles gefasst. Es waren Glühwürmchen, ein ganzer Schwarm, der auf ihn zuflog und in einigem Abstand in der Luft stehen zu bleiben schien, als würde eine unsichtbare Hand sie steuern. Doch sie waren nicht alleine. Denn noch etwas war mit ihnen aus dem Dunkel der Nacht gekommen. Eine Windböe kam auf und urplötzlich stand etwas vor ihm, direkt vor ihm, nur wenige Zentimeter von ihm entfernt. Es hatte eine rote Kutte an und eine Kapuze hing ihm so tief ins Gesicht, dass man nichts erkennen konnte. Peter war vor Schreck noch immer wie gelähmt und hätte sich fast in die Hose gemacht. Er öffnete seinen Mund, um zu schreien, doch es kam kein Laut heraus. Als er einatmete, schlug ihm ein bestialischer Gestank von verwesendem Fleisch und faulen Eiern entgegen. Er wurde von diesem Gestank so überrascht, dass er zurücktaumelte. Das Ding blieb, ohne die kleinste Regung, stehen. Peter konnte nicht sprechen, nicht denken. So standen sie eine gefühlte Ewigkeit voreinander. Angst, die ihn zum Weglaufen hätte treiben sollen, durchflutete ihn, doch er konnte nicht, irgendetwas schien ihn festzuhalten. Die Gestalt stand weiterhin unverändert wie eine Statue vor ihm. Dann nach einer schier unendlichen Zeit, hob sich der Kopf der Gestalt und starrte ihn an. Doch Peter konnte nichts von dem Gesicht erkennen. Seine Angst verstärkte sich. Er fing an zu zittern und wollte nur noch rennen, weg, so weit wie ihn seine Füße bringen würden. Hauptsache weg von hier. Er wollte nach Hause in sein Bett. Er wusste ja noch nicht mal wie er hierhergekommen war. Doch das war ihm in diesem Moment egal, er wollte nur weg. Weg, das beherrschte seine Gedanken. Dieses eine Wort enthielt alle Ängste, Hoffnungen und Wünsche dieses einen Moments. Bevor seine Panik ihn vollkommen übermannte, fing die Gestalt an zu sprechen. Die Stimme war überraschend klar und deutlich, mit einem tiefen, metallischen Kratzen im Hintergrund. Peter wusste nicht, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelte, er wusste noch nicht einmal, ob es eine menschliche Stimme war. Sie sprach zu ihm: »Er wird kommen, was du auch tust. Es ist geplant, du kannst nicht entkommen. Egal wie weit du läufst, egal was du tust, er wird dich finden und holen. Du hast keine Chance.« Sein Kopf war leer, alles woran er gedacht hatte, die Angst, die Flucht all dies schien wie weggeblasen zu sein. Er war leer, wie eine gelöschte Festplatte. Eine leere Hülle, die alles verloren hatte. Sogar den Verstand? Plötzlich schrie ein Vogel auf und flog davon. Der Schrei klang wie ein Angstschrei, ein Aufschrei. Dies holte Peter aus seiner Starre. Er schluckte und setzte zum Sprechen an, bevor die Panik ihn erneut kopflos zu machen drohte. »Von wem… was redet ihr? Wer seid ihr? Was soll das bedeuten?« Plötzlich schoss die Gestalt auf ihn zu. Er schrie auf und wollte weglaufen, doch bevor er sich auch nur drehen konnte, war die Gestalt direkt vor ihm. »Wird kommen und dich holen, du NARR. Der Tod ist hinter dir her.« Mit diesen Worten verschwand die Gestalt. Sie war einfach spurlos verschwunden, als hätte sie sich in Luft aufgelöst. Nur die Glühwürmchen waren noch da, als wäre nichts geschehen. Wieder schoss etwas auf Peter zu, doch diesmal konnte er es erkennen. Ein Kopf, nein, nicht irgendein Kopf, es war der Kopf eines noch lebenden Mannes, doch ohne Körper. Fetzen von Haut, Blutgefäßen und Sehnen hingen vom Kopf herunter, da wo normalerweise der Hals beginnt. Selbst ein Stück der Speiseröhre war zu erkennen. Die Augen waren weit aufgerissen und hatten eine gelbliche Verfärbung. Schwarze, verdreckte Haare klebten an dem Kopf. Sein Gesicht war zerkratzt und einige Wunden eiterten. Der Kopf schoss mit weit aufgerissenem Mund auf ihn zu und Peter starrte direkt hinein. In einen Schlund, mit vermoderten, stinkenden, verfaulten Zähnen. Der Kopf stieß einen grauenvollen Schrei aus und raste mit ungeheurer Geschwindigkeit weiter. Schreiend riss Peter seine Augen auf. Er lag schweißgebadet im Bett. Seine Hände hatten sich in seine Bettdecke gekrallt und das Kopfkissen war nass. Er schwitzte und brauchte einige Minuten bis er merkte, dass es nur ein Traum gewesen war und er in seinem Bett lag. Langsam löste er seine Finger aus der Decke, sie schmerzten. Er setzte sich auf und suchte nach dem Lichtschalter. Er schwitzte immer noch. Plötzlich klopfte es leise an seiner Zimmertür, er erschrak. Er hörte wie seine Mutter seinen Namen flüsterte. Er stand immer noch total unter Schock, doch langsam beruhigte er sich und sein Kopf wurde klarer. Da hörte er, wie seine Mutter wieder seinen Namen flüsterte und er sah wie sie langsam die Klinke hinunterdrückte und ihr Kopf sich durch den Spalt der geöffneten Tür hindurchstreckte. Ihre Blicke trafen sich. Er sah in ihr besorgtes Gesicht, doch dann entspannten sich ihre Gesichtszüge und sie trat ein. »Alles in Ordnung? Ich habe einen Schrei gehört.« In ihrer Stimme klang ihre Sorge immer noch nach, auch wenn sie sich Mühe gab, dies zu verbergen. Peter hatte sich soweit beruhigt, dass er mit ruhiger und gefasster Stimme seine Mutter beruhigen konnte. »Bei mir ist alles in Ordnung. Ich habe nur schlecht geträumt.« Auch wenn er sich noch nicht ganz wieder im Griff hatte und er keine Ahnung hatte, was er da geträumt hatte, wollte er dennoch nicht zugeben, dass er wie ein kleines Kind einen Albtraum gehabt hatte. Diese Blöße wollte er sich nicht geben, vor niemandem. »Hattest du einen Albtraum? Soll ich dir einen Tee oder Kakao machen?« Auch das noch, dachte sie jetzt etwa, dass er wie früher als er noch klein war einen Kakao brauchte und ihr gutes Zureden, dass es nur ein Albtraum war und nichts Schlimmes?! »Nein, nein… es ist alles in Ordnung.«, beteuerte er. »Ich brauche nichts, ich habe nur schlecht geschlafen. Du kannst ruhig wieder ins Bett gehen.« Ihrem Gesicht nach zu urteilen, war sie nicht seiner Meinung. Jedoch schien sie ihm soweit zu glauben, dass sie nicht mehr versuchte, ihn großartig umzustimmen. »Na gut, wenn du nicht willst, dann nicht. Aber du weißt ja, wenn etwas ist, kannst du jeder Zeit zu mir kommen.« Er nickte, sagte aber nichts mehr und daraufhin verließ sie ohne ein weiteres Wort das Zimmer. In der Tür drehte sie sich noch einmal um und lächelte ihn an. »Bis morgen, schlaf gut.« Nachdem sie verschwunden war, ließ er sich erleichtert in sein Bett zurücksinken. Augenblicklich hatte er die Bilder aus seinem Traum wieder vor Augen. Doch egal wie er es wendete oder drehte, er kam einfach zu keiner vernünftigen Erklärung, was dieser Traum zu bedeuten hatte. Jeder Gedanke an diesen Kopf ließ ihn erschaudern und eine Gänsehaut bildete sich auf seiner Haut. Die Härchen an den Armen stellten sich auf und er zog die Decke wieder hoch. Die plausibelste Erklärung für ihn war, dass ihm sein Verstand einen Streich gespielt hatte und sich in diesem Traum einfach wahllos irgendwelche Dinge vermischt hatten. Das kam wahrscheinlich von dem letzten Waldbesuch… Auch wenn ihm diese Erklärung tief im Inneren nicht reichte, beließ er es dabei und versuchte seine Gedanken in eine andere Richtung zu lenken. Er schaute auf die Uhr, es war 2 Uhr morgens. Er hatte gerade mal drei Stunden geschlafen und er war sich sicher, dass er jetzt nicht mehr einschlafen konnte. Zumindest nicht in der nächsten Zeit. Seine Gedanken flogen zu dem Bericht über das Mädchen zurück. Er dachte an das Bild im Artikel über das er so gegrübelt hatte, irgendetwas war da komisch gewesen, da war er sich immer noch sicher. Doch auch jetzt, als er darüber nachdachte, fiel ihm nichts Ungewöhnliches ein. Er entschied sich, es noch einmal im Internet anzusehen und den Artikel dazu durchzulesen. Er konnte ja sowieso nicht schlafen und viel anderes konnte man um 2 Uhr morgens auch nicht machen. Nachdem er die Seite aufgemacht hatte, überflog er den Artikel noch einmal. Doch auch diesmal fiel ihm nichts Besonderes im Text auf. Dann scrollte er weiter nach unten, um sich das Bild des Mädchens noch einmal anzusehen. Und auch hier schien alles ganz normal zu sein. Ein 12-jähriges Mädchen, das in einem Zimmer stand und lächelte. Nichts, das auch nur irgendwie verdächtig oder komisch wirkte. Hatte ihm auch hier sein Verstand einen Streich gespielt? Er wusste nicht weiter und als er so darüber nachdachte, kam ihm das alles auch ziemlich absurd vor. Eine uralte Gruselgeschichte, bei der er, ein stinknormaler Junge, ein Geheimnis löst. Der beste Stoff für einen Jungendroman. Ohne einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden, schloss er den Browser. Es knackte und der Bildschirm wurde schwarz. »Scheiße«, murmelte Peter. Sein PC hatte den Geist aufgegeben oder zumindest war irgendeine Sicherung rausgeflogen. Doch um diese Uhrzeit damit anzufangen, den PC auseinanderzunehmen, reizte ihn gar nicht. Er schaute auf die Uhr. Es war 3 Uhr morgens. Schlecht gelaunt, ließ er den PC so wie er war und legte sich wieder ins Bett. Die Wahrscheinlichkeit, dass er einschlafen würde, war zwar sehr gering, aber was sollte er sonst tun. Sein PC war Schrott oder zumindest beinahe. Um diese Uhrzeit konnte man auch sonst nichts Gescheites machen und da seine Mutter schon einmal wach gewesen war und sich wie immer wegen jeder Kleinigkeit Sorgen machte, hatte sie gerade jetzt einen leichten Schlaf, sodass es auch nicht möglich war, sich unbemerkt aus dem Haus zu schleichen. Alles in allem ein riesiger Schlamassel. Wenn der Tag so weiter ging wie er angefangen hatte, dann wollte er lieber gar nicht mehr das Bett verlassen und einfach zum nächsten Tag vorspulen. Peter wachte auf, als er laute Stimmen im Hof hörte. Den Stimmen nach zu urteilen, war eine davon die seiner Mutter, die andere konnte er nicht ganz identifizieren, jedoch kam sie ihm bekannt vor. Er stand auf und sah auf die Uhr, es war 11 Uhr. Trotz all der Probleme, die in der letzten Nacht aufgetaucht waren, hatte er wirklich gut und lange geschlafen, eine Leistung die ihn recht froh und munter stimmte. Mit einem Blick auf den schwarzen Bildschirm, schwand seine gute Stimmung jedoch merklich. Er zog sich schnell an und verlegte das Computerproblem auf später, er hatte noch genügend Zeit sich damit rumzuquälen. Je näher er der Haustür kam, die in den Hof hinausführte, desto lauter und klarer wurden auch die Stimmen und jetzt konnte er auch die zweite Stimme zuordnen. Sie gehörte seinem Vater, was ziemlich überraschend war, da dieser nur sehr selten zu Besuch kam und noch seltener unangekündigt. Das musste bedeuten, dass er wieder irgendetwas wollte… Der lautstarken Diskussion nach zu urteilen, lagen sich die beiden auch schon wieder in den Haaren. Die Tür stand offen und gab Peter freien Blick auf das Geschehen. Seine Mutter, die mit hochrotem Kopf vor seinem Vater stand und sichtlich wütend zu sein schien und sein Vater, der ebenfalls wütend und lautstark protestierend dastand. Sie sahen beide aus wie zwei Stiere, die kurz davor waren aufeinander loszugehen. Peter räusperte sich und klopfte gegen den Türrahmen. Sofort wurde es still und beide drehten sich zu ihm um. Beide Gesichter wurden urplötzlich, schon beängstigend schnell, freundlich und seine Mutter sagte: »Peter, Schatz haben wir dich geweckt? Das tut mir leid. Dein Vater war nur der Meinung, er hätte ein Anrecht auf dieses Grundstück, welches ja bekanntlich meinen Eltern, also deinen Großeltern gehört hat.« »Margit, lass mich den Jungen doch erst einmal begrüßen bevor du wieder anfängst ihn gegen mich aufzuhetzen. Peter, wie geht’s dir Großer? Läuft alles gut bei dir? Hast du schon eine Freundin?« »Hi Dad, morgen Mom, ja, mir geht es gut und nein, ich habe keine Freundin. Mir ist es auch egal, worüber ihr diesmal streitet, solange ihr mich da raushaltet und das unter euch klärt.« »Aber Schatz, natürlich regeln wir das unter uns. Ich wollte nur nicht, dass du dich übergangen fühlst und nicht weißt was los ist.« »Hey Peter, wenn du Lust hast, können wir ja später noch was unternehmen, so eine Vater-Sohn-Sache. Was hältst du davon? Oder du kommst mich mal wieder besuchen?« »Mal sehen, ich geh’ erst mal frühstücken und treffe mich vielleicht noch mit Michel.« Ohne ein weiteres Wort der beiden abzuwarten, drehte er sich um und verschwand im Haus in Richtung Küche. Nachdem er gegessen hatte, ging er wieder nach oben und fing an sich mit dem PC-Problem zu beschäftigen. Es schien schon eine halbe Ewigkeit vergangen zu sein, als er plötzlich das Telefon klingeln hörte. An seinem PC war er kein Stück weitergekommen. Er hatte nicht einen winzigen Anhaltspunkt gefunden, der den Absturz erklären konnte. Da seine Mutter anscheinend nicht da war, was komisch war, weil sie ihm normalerweise immer Bescheid sagte, wenn sie ging, lief er nach unten und fand nach einigem Suchen das Telefon. Gerade noch rechtzeitig ging er ran. Es war Michel, der ihm die weiteren Informationen zu der Party mitteilen wollte. »Hi Peter, ist deine Mutter nicht da oder warum gehst du ans Telefon?« »Ja, sie ist nicht da, ich weiß auch nicht wo sie ist, deshalb hat es auch solange gedauert. Was gibt es denn?« »Ich wollte nur wegen der Party Bescheid sagen. Florian meinte, sie fängt Freitagabend bei ihm zu Hause um 19 Uhr an und hat Open End. Man kann kommen, wann man will.« »Mmh… also theoretisch hätte ich Zeit. Für Freitagabend habe ich mir noch nichts vorgenommen. Was meinst du?« »Also ich hätte auch Zeit und er hat mir auch noch mal seine Adresse gegeben und so ungefähr weiß ich auch wo das ist. Wir könnten ja zusammen hinfahren und dann mal schauen.« »Okay, warum nicht. Wir können ja auch ein bisschen später kommen, dann fallen wir unter den Leuten auch nicht so auf, wenn schon einige da sind. So wie ich meine Mutter kenne, könnte ich auch die ganze Nacht bleiben, also wäre das bei mir kein Problem. Wie sieht es bei dir aus?« »Ich habe meine Mutter zwar auch noch nicht gefragt, aber das sollte, denk ich mal, auch kein Problem sein und sonst sag ich einfach, dass ich dann direkt mit zu dir komme und bei dir penne.« »Jo, hört sich gut an und das mit dem Übernachten ist auch kein Problem.« »Super, wann und wo treffen wir uns?« »Wenn es um 19 Uhr beginnt, können wir uns ja gegen 10 oder so treffen, dann müssen wir auch nicht so lange bleiben.« »Ja, das stimmt. Hört sich gut an und am Besten treffen wir uns an der Kreuzung bei der Kirche, von da aus ist es auch nicht mehr so weit bis zu Florian. « »Okay, das sollte klappen. Ach ja, hast du Bock vorbeizukommen? Mein PC ist letzte Nacht abgestürzt und ich krieg ihn einfach nicht zum Laufen und kann auch das Problem nicht finden. Vielleicht findest du ja etwas.« »Ja, klar ich komm gleich rüber. Hast du denn irgendwas Besonderes gemacht?« »Nein überhaupt nicht, ich war nur im Internet und hab was nachgeschaut und als ich den Browser dann geschlossen habe, hat es plötzlich geknackt und der Bildschirm war schwarz. Seitdem lässt sich die Kiste nicht mehr starten. Die Kabel waren auch alle noch drin und einige habe ich ausgewechselt und trotzdem funktioniert nichts.« »Das hört sich nicht gut an, aber warte ich komm gleich mal rum, vielleicht finden wir ja doch noch was.« »Okay, bis gleich.« »Tschau.« Genervt von seinem Computer legte er das Telefon weg und ging wieder nach oben. Er setzte sich auf einen Stuhl und fing an zu grübeln. Kurz darauf klingelte es. Es war Michel, gut gelaunt kam er rein. »Hi und bist du schon weitergekommen?« »Nee, leider nicht. Das wäre ja auch zu schön gewesen.« »Deine Mutter scheint ja immer noch unterwegs zu sein. Hab ich ein Glück.« »Stimmt, wenigstens haben wir unsere Ruhe, auch wenn ich mich schon wundere, wo sie bleibt.« Die beiden gingen nach oben und versuchten das Problem zu lösen. Jedoch ohne Erfolg. Langsam wurde es dunkel. »Peter, ich glaub ich muss langsam nach Hause, meine Mutter wartet nicht gerne mit dem Essen.« »Ja, klar kein Problem ist ja schon kurz vor 7.« »Tut mir echt leid, dass ich dir nicht weiterhelfen konnte, aber ich hab echt keine Ahnung warum das Ding nicht funktioniert!« »Nicht schlimm, es war einen Versuch wert. Wir sehen uns dann ja Montag in der Schule wieder.« »Ja, klar. Auf jeden Fall.« Die beiden gingen nach unten und an der Tür verabschiedeten sie sich voneinander. Peter sah Michel nach und fragte sich mal wieder wo seine Mutter geblieben war. Es war wirklich seltsam, dass sie den ganzen Tag weg war, ohne ihm irgendetwas zu sagen, noch nicht einmal einen Zettel mit einer Nachricht konnte er finden. Peter beschloss sich etwas zu essen zu machen und dann auf seine Mutter zu warten und ihr von der Party zu erzählen. Kurz nachdem er gegessen hatte und sein Besteck und alles weitere weggeräumt hatte, hörte er wie seine Mutter zur Tür hereinkam. Er sah auf die Uhr, es war 19:30 Uhr. Als seine Mutter in die Küche kam, erschrak er. Sie schien total geschafft zu sein. Als sie ihn sah, lächelte sie und setzte sich zu ihm an den Küchentisch. »Hallo, na Peter wie war dein Tag? Entschuldige bitte, dass ich dir nicht Bescheid gesagt habe, als ich ging. Ich war mit deinem Vater unterwegs.« »Hallo, was ist denn los? Warum bist du so fertig?« »Ach weißt du Schatz, dein Vater behauptet, es wäre nicht gut für dich hier ganz alleine mit mir zu wohnen und er war auch der Meinung, dass er dich viel zu selten sehen würde und ich versuchen würde, dich von ihm fernzuhalten.« »Und was meintest du heute Morgen mit dem Haus? Du meintest doch Papa wolle das Haus haben oder behaupte zumindest er hätte ein Anrecht darauf?« Genervt und erschöpft raufte sie sich ihr Haar. »Ja, das ist auch noch so eine Sache…. Am besten fang ich vorne an, als dein Vater heute Morgen plötzlich hier aufgetaucht ist.« Sie machte eine Pause, stand auf und machte sich einen Tee. »Möchtest du auch einen?« Peter schüttelte den Kopf, er war viel zu durcheinander von dem plötzlichen Besuch seines Vaters und den Neuigkeiten, die er gerade erfahren hatte. Seine Mutter setzte sich wieder hin und mit dem ersten Schluck ihres Tees, entspannten sie sich ein wenig. Dann fing sie an zu erzählen. »Ich war im Garten, als er kam. Ich habe ihn erst nicht erkannt, weil er in einem neuen Wagen kam und ich solange schon keinen Kontakt mehr zu ihm gehabt habe. Aber als er ausstieg und zu mir kam, erkannte ich ihn sofort. Er hat sich nicht ein bisschen verändert. Immer noch trägt er diese teuer aussehenden Anzüge ohne Falten, mit perfekt sitzender Krawatte. Er redete gar nicht erst um den heißen Brei herum. Er behauptete, er wolle dich mehr sehen und sich ab jetzt auch mehr um dich kümmern, da du ja auch sein Sohn bist und er eingesehen hat, dass es falsch ist, sich der Verantwortung zu entziehen. Ich habe es ihm von Anfang an nicht geglaubt, dass er auf einmal seine Vaterrolle übernehmen will, da er sich noch nie einen Dreck darum geschert hat, ob du nun bei ihm bist oder nicht. Wärest du bei ihm aufgewachsen, hätte er alles getan was nötig gewesen wäre und wenn nicht, dann nicht. Ich fragte ihn, woher auf einmal diese Einsicht käme, da er ja auch die meiste Zeit durch seinen Beruf sehr gefordert wäre und das ja das Wichtigste in seinem Leben sei. Er lachte und behauptete mal wieder, dass er durchaus auch anderes mache, als nur zu arbeiten. Und dann fing er auch schon an, Fragen zu stellen. Wie es denn um das Haus stünde und ob ich denn genug verdienen würde für uns beide und auch das Haus gut instand halten würde. Da er ja wisse, dass ich mit meinem Job wesentlich weniger verdiene als er. Ich antwortete nur, dass es uns gut ginge und wir keine finanziellen Schwierigkeiten hätten. Er schlug daraufhin vor, dass wir ja zu ihm in die Stadt ziehen könnten, da es dort für ihn einfacher wäre dich zu treffen und du auch mehr Möglichkeiten hättest, als hier auf dem Dorf und es wäre auch interessanter für dich als Jugendlicher. Ich war ziemlich überrascht über diese plötzliche Wendung unseres Gesprächs und erwiderte, dass es uns hier gut gefällt und du nie den Wunsch geäußert hättest lieber in einer Stadt zu wohnen, da du ja auch durch ihn, die Möglichkeit hättest jederzeit in der Stadt zu leben, ohne dass ich es dir übel nehmen würde. Das siehst du doch auch so, Peter oder nicht?« »Natürlich Mom, aber ich mag es hier und will auch gar nicht in die Stadt.« »Das ist schön. Dein Vater war zumindest anderer Meinung. Er war felsenfest davon überzeugt, dass wir umziehen sollten. Daraufhin erklärte ich ihm, dass ich mir hier etwas aufgebaut habe, sowohl beruflich als auch privat und deshalb keinen Grund habe hier wegzuziehen und wieder irgendwo anders von vorne anzufangen. Unser Gespräch verlief noch einige Zeit so weiter und währenddessen fand ich keine vernünftige Begründung, warum er diese Diskussion auf einmal vom Zaun gebrochen hatte. Dann wurde er energischer und versuchte mir klarzumachen, welche Vorteile es denn hätte in der Stadt zu leben. Und dann platzte die Bombe. Er sagte, wir sollten das Haus verkaufen, da es ja sowieso viel zu groß für uns beide wäre und wir somit einen Großteil des Hauses nicht nutzen würden. Ich hätte ja viel Arbeit alles sauber und ordentlich zu halten und es wäre für uns besser in ein kleineres Haus zu ziehen. Daraufhin meinte er dann auch gleich, ohne mir dir Möglichkeit zu geben etwas zu erwidern, er hätte mit einem Bankangestellten, einem alten Freund wie er behauptete, über die Wirtschaftlichkeit unseres Hauses gesprochen. Und auch dieser wäre der Meinung gewesen, dass die Instandhaltungskosten für mich als Alleinverdienerin mit meinem Gehalt und nur dir als Mitbewohner dieses Hauses zu hoch wären. Auf lange Zeit gesehen, da das Haus ja auch schon älter sei und mit der Zeit auch einige Renovierungsarbeiten anfallen würden, könnte ich in finanzielle Schwierigkeiten kommen. Er habe sich dann auch gleich darüber informiert, ob man dieses Haus denn noch verkaufen könnte und wie lukrativ dies wäre und was dann alles zu tun wäre. Er habe auch schon einen Gutachter beauftragt, der in den nächsten Tagen käme um sich das Grundstück mit dem Haus anzusehen. Ich war so geschockt, als ich das hörte, dass ich im ersten Moment nicht wusste, was ich sagen sollte. Es ging ihm gar nicht um dich, nicht um mich, noch um sonst jemanden. Er erhoffte durch den Hausverkauf eine hübsche Summe Geld zu bekommen. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass man für dieses Anwesen einen guten Preis bekommen würde. Gerade zum jetzigen Zeitpunkt, weil Immobilien sehr gefragt sind, insbesondere auf dem Land. Ich machte ihm deutlich klar, dass ich es auf keinen Fall zulassen werde, dass dieses Haus verkauft wird und dass hier auch kein Gutachter reinkommen wird. Ich wurde so wütend, als er mein Verhalten als lächerlich und unseriös abstempelte und er mir vorwarf, dass ich mich wie ein kleines bockiges Kind verhalten würde, das über die Konsequenzen und Möglichkeiten nicht objektiv nachdenken könnte. Er hätte ja auch schon alles vorbereitet und sich auch schon über Wohnungen für uns informiert, sowie über potenzielle Käufer. Und dann kamst du ja kurze Zeit später zu uns raus.« Sie schwieg einen Moment, als würde sie das Gesprochene vor ihrem inneren Auge Revue passieren lassen. Sie hatte alles ruhig und so sachlich wie möglich dargestellt. Sie trank noch einen Schluck Tee bevor sie weitersprach. Doch vollständig hatte sie sich nicht unter Kontrolle. Ihre Stimme zitterte leicht als sie wütender wurde und immer wieder versteiften sich ihre Finger um die Tasse. »Nachdem du wieder reingegangen bist, versuchte dein Vater die Lage wieder zu seinen Gunsten in den Griff zu bekommen und mich zu beschwichtigen. Dass ich ja durchaus alle Zeit der Welt hätte, mir alles zu überlegen und dass alles auch nur zu unserem Besten wäre. Ich antwortete ihm darauf, dass ich ihm nicht glauben würde, dass er das alles nur für uns täte und dass ich wissen wolle, was er damit bezwecke. Ich war mir sicher, dass er irgendwelche Geldprobleme hätte, was ja schon in der Vergangenheit immer mal wieder vorgekommen ist. Diese Vermutung sagte ich ihm auch, woraufhin er beteuerte, dass er nichts von dem Geld haben wolle und dass er auch keinerlei finanzielle Probleme hätte. Ich glaubte ihm nicht, auch jetzt glaube ich ihm noch nicht. Ich machte ihm klar, dass ich das Grundstück nicht verkaufen werde und dass ich jetzt sofort mit ihm in die Stadt fahren wolle, um bereits gemachte Zusagen und Termine rückgängig zu machen. Es war wichtig, dass ich mitgefahren bin, damit er im Hintergrund keine Sachen laufen lassen kann, die uns nachher Scherereien bereiten. Er war logischerweise nicht sehr erfreut darüber, willigte aber ein. Wir fuhren in die Stadt und trafen alle möglichen Leute. Ich hatte ja nicht geahnt wie viel er schon in Gang gesetzt hat, ohne mein Wissen. Ich weiß zwar nicht, ob das jetzt alles war, aber auf jeden Fall werden wir erst einmal unsere Ruhe haben.« Nachdem sie alles erzählt hatte, schien es ihr auch besser zu gehen. Sie lehnte sich zurück und genoss den Rest ihres Tees, während sie Peter beobachtete. Dieser brauchte erst einmal einige Zeit, um all das was er gehört hatte zu verarbeiten. »Und deshalb bist du jetzt erst nach Hause gekommen?« »Ja, richtig. Dein Vater hat mich noch zum Essen eingeladen, um noch einen Überredungsversuch zu starten. Wobei er jedoch scheiterte.« Peter dachte nach. »Und wie soll es jetzt weitergehen?« »Fürs Erste wird uns dein Vater sicherlich in Ruhe lassen und wenn er wieder kommt, müssen wir schauen, was er dann für eine Idee hat…. Aber mach dir keine Sorgen das wird schon klappen. Und wie war dein Tag so? Hast du dich noch mit Michel getroffen? Ich hoffe doch ihr habt kein Blödsinn gemacht?!« Misstrauisch und fragend sah sie Peter an. Dieser entgegnete entnervt: »Ja, mein Tag war gut, bis zu diesem Gespräch. Und nein Michel und ich haben nichts gemacht. Ich wollte dich eigentlich nur fragen, ob ich am Freitag zu einer Feier von einem Klassenkameraden kann. Ist das in Ordnung? Sie beginnt um 7 Uhr, aber wir wollten ein bisschen später hin, wenn schon ein paar da sind. So gegen halb 10 - 10, ist das Okay?« »Peter! Natürlich ist das in Ordnung. Ich freu mich, dass du nun endlich auch mal so etwas machst! Du kannst solange bleiben wie du willst. Aber wen meinst du denn mit ›Wir‹?« »Michel und ich wurden zusammen eingeladen. Wir wollten zusammen hin- und zurückfahren. Er hatte auch die Idee dorthin zu gehen.«, fügte er noch schnell hinzu, um seine Mutter gnädig gegenüber Michel zustimmen. »Wenn das so ist…« Sie schien überrascht, dass Michel die Idee gehabt hatte. »Aber ich muss mir keine Sorgen machen, dass ich dich nachher aus irgendeinem Graben zugedröhnt mit Drogen rausziehen muss?« »Nein! Das ist eine Feier von einem unserer Klassenkameraden. Die ganze Klasse ist eingeladen!« Peter war genervt. Was seine Mutter alles mit Michel verband, war ihm unverständlich, als wenn er der gefährlichste Umgang auf der Welt wäre. Seine Mutter schien überrascht von seinem plötzlichen Wutausbruch, auch wenn dieser nur kurz war. Da sie anscheinend Angst hatte, er könnte es sich kurzfristig wegen dieser Diskussion doch noch anders überlegen, entschied sie sich, nicht weiter auf das Thema einzugehen und akzeptierte es, so wie es war. Sie war schon glücklich genug, dass er überhaupt mal freiwillig geäußert hatte, dass er auf eine Feier gehen wollte. Da konnte man die Sache mit diesem Michel durchaus mal getrost beiseiteschieben. Peter war froh, als er merkte, dass seine Mutter nicht weiter diskutieren wollte und anscheinend alles so akzeptierte wie es war. Er ging nach oben in sein Zimmer und hoffte für den Rest des Abends seine Ruhe zu haben. Die nächsten Tage verliefen in gewohnten Bahnen und glücklicherweise machte seine Mutter auch keine Anstalten ihn noch einmal auf die Feier anzusprechen.


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