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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Reapers Rennen, David VanDyke
David VanDyke

Reapers Rennen



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An Bord der Royal Neptune von Royal Princes Cruise Lines


 


Sergeant Jill „Reaper“ Repeth, U.S. Marine Corps, begann den Tag wie üblich, mit einem Proteindrink und hundert Klimmzügen an einer Stange, die sie mitgebracht und im Rahmen der Balkontür ihrer Kabine befestigt hatte. Sie blickte über das Geländer aufs Meer hinaus, und ihr Kopf und ihre Schultern hoben und senkten sich, während ihre Augen auf den Horizont geheftet blieben. Ihre Lungen weiteten sich und atmeten die frische Seeluft ein und aus.


Es ist schön, am Leben zu sein, war eine ihrer Mantras, mit denen sie sich aufmuntern wollte. Fünfundzwanzig und noch am Leben. Jeder Tag über der Erde ist ein guter Tag. Jeder Tag, an dem niemand auf mich schießt, ist ein guter Tag. Heute glaubte sie das mehr als an manchen anderen Tagen.


Jill Repeth gehörte zu den Ein Prozent. Die meisten Marines wussten nicht, was das war, weil die meisten Marines keine Frauen waren. Nur ein kleiner Teil des Marine Corps bestand aus Frauen, da die Marines im Gegensatz zu den anderen Waffengattung ihre körperlichen Anforderungen nicht reduzierten, um sie zuzulassen. Erfülle die Anforderungen, oder gehe heim.


Aber die Ein Prozent waren eine Art inoffizieller Geheimclub weiblicher Marines, die die Männer mit ihren eigenen Waffen schlugen und besser waren als die meisten. Marathonläuferinnen, Triathletinnen, Turnerinnen, Langstreckenschwimmerinnen, Biathletinnen. Sie hießen Ein Prozent, weil vielleicht eine von hundert weiblichen Marines, die gut in Form waren, das schaffte – dieses olympische Niveau körperlicher Fitness zu erreichen.


Die Kreuzfahrtgesellschaft hatte ihr eine private Kabine auf einem mittleren Deck gegeben, was sie sich selbst kaum hätte leisten können. Aber sie war für das Wounded-Warriors-Programm ausgewählt worden, das kriegsversehrten Mitgliedern der Streitkräfte kostenlose Kreuzfahrten bot. Jill war froh, allein zu sein, als sie die hundert Klimmzüge hinter sich hatte, kaum mehr außer Atem als am Anfang. Sie betrachtete das als ein gutes Zeichen und legte noch fünfzig nach. Das war mehr, als sie je auf einmal hinter sich gebracht hatte. Vielleicht lag das daran, dass sie gegenüber dem durchschnittlichen Marine – männlich oder weiblich – einen Vorteil hatte: sie war mindestens zehn Kilo leichter. Da alles unterhalb der beiden Knie fehlte, wurde das Herz- Kreislauf-System weniger belastet. Fehlende Unterschenkel brauchten weder Blut noch Sauerstoff.


Bleib positiv, konzentriere dich. Seit die Mörsergranate ihr die Füße und Schienbeine geraubt hatte, sagte sie sich das immer wieder.


Sie ließ sich sanft auf den Hintern fallen und manövrierte sich mit ihren muskulösen Armen und den Beinstümpfen zu den Prothesen. Sie schnallte sie an, während sie auf dem Boden saß und verbrachte mehr Zeit mit der Anpassung als üblich. Als sie dann einigermaßen stabil waren, stand sie wacklig auf ihren künstlichen Füßen.


Jill starrte ihre Beine und die Strukturen aus Metall und Kunststoff an. Sie fühlten sich seltsam an. Ihre gute Laune verschwand. An manchen Tagen passten die verdammten Dinger einfach nicht richtig, und anscheinend war heute einer davon. Sie wollte nicht einmal die Mikroprozessorsteuerung und die Servomotoren einschalten, die ihr halfen, einigermaßen normal zu gehen und zu rennen. Sie hoffte, dass sie sich wieder zu einem Marathonlauf hocharbeiten konnte. Vielleicht mit diesen Bladerunner-Dingern.


Jill setzte sich auf das Bett, nahm die Prothesen ab und rieb das Ende der Stümpfe. Sie juckten immer etwas, aber heute bettelten sie praktisch darum, gekratzt zu werden. Sie kratzte sie kräftig, und sah sich die Stümpfe dann näher an. Wenn sie es nicht besser wüsste, könnte sie schwören, dass die Beinstümpfe etwas länger geworden waren.


Vielleicht waren sie angeschwollen.


Sie zuckte mit den Schultern. Statt sich mit den künstlichen Beinen herumzuschlagen bestellte sie telefonisch eine Abholung im Rollstuhl. Nach dem Frühstück konnte sie wieder an den Dingern herumbasteln. Sie hatte solchen Hunger.


Eine Stunde später kam sie verblüfft in ihre Kabine zurück, nachdem sie alles verschlungen hatte, was sie konnte. Das Schiff war wahnsinnig geworden, aber auf gute Art. Leute behaupteten, vom Krebs geheilt zu sein. Ein blinder Mann konnte jetzt sehen. Ein Querschnittsgelähmter konnte aufstehen und gehen. Die Leute sprachen über die Wiederkehr Christi, sahen die Jungfrau Maria an der Wand und in ihren Pizzas und redeten über Wunder.


Da niemand vom Schiff verschwunden war, konnte man zumindest die endzeitliche Entrückung in den Himmel ausschließen. Andere sprachen über ein virales Video, das jemand gesehen hatte, bevor das Internet des Schiffs ausfiel. Darin hatte ein Mann namens Daniel Markis behauptet, eine heilende Seuche verbreitet zu haben, die jeder haben konnte.


Jill starrte auf ihre Beinstümpfe hinab und machte sich Gedanken.


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