Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern



Kategorien
> Krimi Thriller > Provinzabgründe
Belletristik
Bücher Erotik
Esoterik Bücher
Fantasy Bücher
Kinderbücher
Krimis & Thriller
Kultur Bücher
Lyrikbücher
Magazine
Politik, Gesellschaftskritik
Ratgeberbücher
regionale Bücher
Reiseberichte
Bücher Satire
Science Fiction
Technikbücher
Tierbücher
Wirtschaftbücher
Bücher Zeitzeugen

Login
Login

Newsletter
Name
eMail

Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Provinzabgründe, Tilman Schulze
Tilman Schulze

Provinzabgründe



Bewertung:
(212)Gefällt mir
Kommentare ansehen und verfassen

Aufrufe:
1251
Dieses Buch jetzt kaufen bei:

oder bei:
AAVAA-Verlag und überall, wo es Bücher gibt
Drucken Empfehlen

Oh, hallo, guten Tag. Schön, dass Sie einmal bei mir vorbei schauen. Das hat man schließ- lich nicht alle Tage, dass sich jemand für einen Toten interessiert. Der Tod ist ja in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabu. Im Grunde will keiner damit etwas zu tun haben. Das ging mir auch so. Bis es mich dann selber getroffen hat. Ganz unvorbereitet. Wie eigentlich immer im Leben. Oder eben im Tod.


 Schauen Sie, heutzutage hat man als Leiche auch kein schönes Leben mehr. Es gibt Menschen, die machen ein Riesengeschäft mit dem Tod. Der Sommer ist so einer, der Bestatter hier. Solche Leute interessieren sich für einen. Erstmal. Kurzzeitig. Später dann nicht mehr, wenn alles gelaufen ist. Genauso wie die angeblich Trauernden, die letztlich nur um sich selbst trauern und nicht um den Verblichenen. Mir ist das bereits auf meiner Beerdigung auf- 5 gefallen: Keiner hat daran gedacht, wie es mir wohl gerade ergehen mag. Jeder fand es lästig, mit der eigenen Sterblichkeit konfrontiert zu werden und dass er jetzt selber vor einer solchen Situation stand – nämlich ohne den alten Gustav dazustehen. Nun ja, was heißt schon „alt“ – 51, das ist doch kein Alter zum Sterben. Ich bitte Sie. Normalerweise. Aber wenn man hinterrücks erschlagen wird, dann ist eigentlich jedes Alter ein Alter zum Sterben. Was ist schon Zeit, was ist schon Alter? Das relativiert sich alles, wenn man… ach, was philosophiere ich hier überhaupt. Sie müssen mich für einen Menschen halten ohne den geringsten Anstand. Ich plaudere hier gewissermaßen aus dem Nähsärgchen und habe mich noch nicht einmal vorgestellt. Entschuldigen Sie bitte. Mein Name ist Gustav Meta. Ich bin, vielmehr: Ich war Musiklehrer. Hier gleich an der Schule gegenüber. Am Karl-Sarg-Gymnasium. Karl Sarg lebte von 1832 bis 1895 und hat nicht etwa den Kasten erfunden, in dem ich 6 mich gerade befinde, sondern war Fabrikant und produzierte 1887 die erste Zahnpasta in Tuben (Kalodont - von der Firma Elida noch bis 1981 vertrieben) und das erste künstliche Speisefett (Ceres). Aber das nur nebenbei. Es ist zugegebenermaßen etwas ungewöhnlich, dass ein 3000-Einwohner-Nest wie Rest an der Piehs ein Gymnasium hat. Aber wir sind alle sehr stolz darauf, denn das Gymnasium ist quasi das Wahrzeichen unseres Ortes. Ansonsten unterscheidet sich die Gemeinde kaum von anderen auf der Welt. Wenn man durch die Straßen geht, könnte man sich ebenso gut in Tötensen, Sterbich-Gladbach, Mordhausen oder Killkenny befinden. Wenn, ja wenn es nicht in der letzten Zeit einige kuriose Todesfälle hier gegeben hätte. Ich bin nur einer von ihnen.


 


Für den Inhalt dieser Seite ist der jeweilige Inserent verantwortlich! Missbrauch melden



© 2008 - 2020 suchbuch.de - Leseproben online kostenlos!


ExecutionTime: 3 secs