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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe oblivionis, MJ Crown
MJ Crown

oblivionis


mörderische Träume

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»Nein, nein, nein«, schrie Jules angsterfüllt, während er sich unruhig auf dem Sofa hin und her wälzte. Beinahe gleichzeitig durchfuhr ihn das Gefühl, zu frieren und zu schwitzen. Er versuchte, nach seiner Decke zu greifen, um sie sich schützend über sein schweißgebadetes Gesicht zuziehen. Verzweifelt griff er suchend um sich, doch er fand sie nicht. Die unruhigen Bewegungen hatten sie zu Boden gleiten lassen.


 


Aus der Ferne hörte er eine Stimme. Ein vertrauter Klang, der seinen Namen rief. Immer wieder und wieder. Einem Erdbeben gleich schüttelte sich sein ganzer Körper gegen seinen Willen, gänzlich durch eine fremde Macht gelenkt. Er hielt seine Arme vor seine Brust und legte angsterfüllt die faustgeballten Hände schützend vor sein Gesicht.


 


»Jules, wach auf. Jules! Wach auf!«


Jetzt war die Stimme ganz nah. Er fühlte einen warmen Atem auf seiner Haut. Der vertraute Geruch und die abstrahlende Wärme seines Gegenübers ließen ihn ruhiger werden. Jules Archers verkrampfte Abwehrhaltung ließ nach. Die empfundene Vertraulichkeit, die ihm Sicherheit versprach, konnte ihm die Angst vor dem Gesehenen nicht ganz vertreiben. Wie in Trance schlug er die Augen auf und sah in das Gesicht eines Fremden.


Jules wusste nicht mehr, wo er war, so gefangen hielt ihn sein Traum fest. Die Person vor sich erkannte er nicht, obwohl er schwören konnte, dass er den Mann von irgendwoher kennen würde.


Da er sich orientierungslos umherschaute, um sich zurechtzufinden, dauerte es noch eine Zeit in der Realität anzukommen. Er erkannte das Zimmer nur langsam und begriff erst nach und nach, dass er in einem Hotelzimmer war. Noch länger dauerte es, zu erkennen, dass er in das Gesicht seines Kollegen David Moreau blickte.


»Nicht nach mir schlagen Kleiner«, lächelte ihn David an. Auch wenn die Aussage als ein Scherz zu verstehen war, hätte Jules durchaus im Delirium nach ihm schlagen können. Er hielt Jules noch immer an den Armen fest, nachdem er ihn wachrüttelte.


»Reine Vorsichtsmaßnahme«, grinste er amüsiert.


Doch Jules starrte David einfach nur entgeistert an.


»Hattest du wieder diesen Traum«, fragte ihn David interessiert, obwohl er sich dessen schon sicher schien.


Jules nickte zustimmend, während er sich aufrichtete. Es war mitten in der Nacht und das Licht der kleinen Tischlampe blendete ihn. Um sich daran zu gewöhnen, kniff er die Augen zusammen.


 


Im Eildurchlauf realisierte er, was gesehen war. Beim Durcharbeiten einer Akte musste er in Moreaus Hotelzimmer eingeschlafen sein. Der Abschlussbericht des letzten Einsatzes war auch noch nicht fertig und in acht Stunden ging es bereits zurück nach Boston.


Die Zeit war eng bemessen, doch bevor es zurückging, hatte er noch etwas zu erledigen, schoss es durch seinen Kopf. Denn, immer wenn er in der Stadt war, besuchte er seine Mutter. Es ist jetzt eineinhalb Jahre her, seit er sie zum letzten Mal gesehen hatte. Die neue Stelle beim Bostoner Police Department hielt ihn permanent auf Trab und ließ ihm wenig Zeit sich um seine privaten Angelegenheiten zu kümmern.


 


Nachdem er seine Situation begriff, driftete er ab.


Sein sonst so klar strukturiert arbeitendes Gehirn ließ ihn in letzter Zeit immer wieder im Stich. Jules glaubte immer an sein realitätsnahes Denken und verstand einfach nicht, warum er mit steigender Tendenz in seinen Träumen in die Vergangenheit katapultiert wurde. Es war nicht einfach nur ein Rückblick oder Gedanken an seine Kindheit. Nein, er fühlte sich förmlich in seinem früheren Leben angekommen. Er hatte dann zwar den Verstand von heute, aber er sah sich jedes Mal als ein kleines Kind. 


Und da war er wieder sechs Jahre alt und in seinem Elternhaus. Da sah sich in der Küche stehen. Es fühlte sich so real an. Mit wachen Augen beobachtete er seine Mutter, wie sie vor der Spüle stand und das Geschirr abwusch. Wie sie Glas für Glas in das schaumige Wasser tauchte und wie er hörte, wenn das Glas beim Reinigen der Oberfläche quietschende Geräusche von sich gab. Banale Details, aber er sah jede einzelne Sequenz kristallklar und verfolgte, wie sie das Glas verkehrt herum auf die Ablage stellte. Intuitiv fühlte Jules, dass irgendetwas an der Situation nicht stimmte. Die Bewegungen seiner Mutter waren zwar ruhig, doch sie war nicht bei der Sache und dann hörte er es. Ein zartes unterdrücktes Schluchzen. Sie schien zu weinen, aber ihr Gesicht konnte er zu keinem Moment sehen. Sie musste weinen, dass schloss er auch daraus, da sie mit dem Ärmel über ihr Gesicht fuhr. In kurzen Abständen hielt sie immerzu inne, hielt ihre Hände im Spülwasser getaucht und blickte durch das Fenster in den hinteren Teil des Gartens. Sie verharrte dann minutenlang und starrte regungslos hinaus. Irgendetwas schien sie zu beobachten. Zwischendurch entfuhren ihr dann diese unterdrückten Schluchzer und ließen ihren Körper leicht erzittern.


 


Nach einiger Zeit öffnete sein Vater die Terrassentür. Durch das Quietschen der Angeln wurde Mrs. Archer aus ihrem lethargischen Zustand gerissen. Wortlos drehte sie ihren Kopf zu ihrem Mann, der sich wortlos neben sie stellte. Sie nahmen sich bei den Händen und blickten gemeinsam durch das Fenster. Ihre Bewegungen glichen wie aus einem Slow-Motion-Film und wirkte aus Jules völlig fremd. Er konnte genau verfolgen, wie das schaumige Wasser von ihren Händen auf den Boden tropfte.




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