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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Nanotod, Fran Peterz
Fran Peterz

Nanotod


Disintegration

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Die lange Gerade wird immer steiler, schräger, stärker abfallend. Was mich noch mehr schreckt, ist, dass zwar die Entfernung zum Bach unten geringer wird, die Höhe abnimmt, aber es immer mehr sehr steile Stellen gibt, die mittels Stufen überwunden werden müssen. Am Schlimmsten aber ist, dass die Bretter, die mein Vorankommen sichern, immer schlechter, brüchiger und instabiler scheinen. Plötzlich hören sie auf, nur mehr die Verankerungen, das rostige Eisen ist noch angebracht. Ich versuche, mich auf dem schmalen Felssims, den es hier gibt, weiter zu bewegen, aber es ist zwecklos. Als ich es noch schaffe, um einen hohen Felsen zu kriechen, sehe ich, dass danach ein Steilabsturz kommt. Hier an dieser Stelle geht es sehr, sehr tief nach unten und es gibt keine Möglichkeit mehr für mich, weiterzugehen. Der hohe Felsen ist so steil und nahezu unbewachsen, dass ein Erklimmen unmöglich scheint. Das andere Ufer ist viel zu weit entfernt. John Frances taucht an der letzen Biegung, die ich einsehen kann, auf. Ich sehe ihn zuerst lächeln, dann verzieht er sein Gesicht zu einem Grinsen. Er triumphiert, während ich vor Ungewissheit zittere, stehen bleibe. Unfähig bin, mich noch zu bewegen – oder zu wehren. John Frances lässt sich Zeit, kommt nur langsam näher. Er weiß, dass ich wie eine Ratte in der Falle sitze. Ich drehe mich langsam um, lehne mich auf dem winzigen Stück Sims mit dem Rücken zum Felsen. Wassertröpfchen treffen mein Gesicht, als ich überlege, ob ich nicht springen soll. Aber an dieser Stelle ist – wie zum Hohn – der Bach sehr seicht und ein großer Felsbrocken liegt in der Mitte des Bachbetts. Ich könnte hier nicht einmal den Tod finden. Frances ruft mir etwas zu, ich kann nicht verstehen, was er sagt. Ob er mich verhöhnt. Ich muss ihn sehr zornig gemacht haben. Noch immer geht der Mann sehr langsam, aber jetzt sehe ich, dass er die Waffe gezogen hat. Er hält sie nach unten, achtet genau, wo er hingeht. Er sieht mich jetzt nicht an, als ich vorsichtig einen Steinbrocken aufhebe, ihn in meiner rechten Hand hinter meinem Rücken verstecke. Frances kommt noch näher. Ich warte ab, bis er eine Stelle erreicht, die besondere Vorsicht erfordert. Er ist schon sehr nahe, sieht mich immer noch nicht an. Offenbar fühlt er sich sehr sicher. Glaubt zu wissen, dass ich ihm nicht mehr entkomme. Ich hebe meine Faust mit dem Stein, ziele auf seinen gesenkten Kopf, werfe ihn. Aber der Stein verfehlt den Mann haarscharf, trifft mit einem harten Laut die Felswand hinter ihm. Ich bücke mich, um einen weiteren Stein aufzuheben, als ich das laut gebrüllte Kommando über das Tosen des Wassers höre: „Stop!“ Ich halte inne, sehe, wie Frances die Waffe auf mich gerichtet hat. Er steht schon sehr nahe, ich kann das Schwarz der Mündung der Automatik deutlich sehen. Meine eigene Waffe wird mich umbringen! Was für eine Ironie…

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