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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Nachtkalt: Psychothriller, Mark Franley
Mark Franley

Nachtkalt: Psychothriller



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-1-




Es war kein wirkliches Erwachen, mehr der Wechsel von einem dämmrigen Bewusstseinszustand zurück in die Abgründe der Realität. Dieses Mal hatte kein Geräusch diesen Wechsel ausgelöst, sondern ein Schweißtropfen, der sich in Anjas Auge verirrt hatte. Ohne es bewusst zu tun, verkrallten sich ihre eiskalten Hände in der Zudecke, ihr Atem wurde so flach wie möglich, um keinen Laut zu verursachen, und ihre geröteten Augen starrten auf die Zimmerdecke.
Wie so oft in den letzten Tagen und Nächten suchten ihre Gedanken einen Grund, oder wenigstens einen Auslöser für ihre Situation, doch da war nichts. Alles, was sie noch wusste, war, dass sie in ihrem eigenen Bett lag, welches in ihrer eigenen kleinen Wohnung stand. Ihr Zuhause war noch immer liebevoll und gemütlich eingerichtet, aber sie konnte diesen Wänden nicht mehr vertrauen. Alles, selbst die kleinsten Gegenstände waren zu einer Unsicherheit geworden. Hinter jedem Ding konnte etwas stecken, was ihr zum Verhängnis werden konnte.
Nichts hatte ihr geholfen. Er war übermächtig und sie war sich sicher, er würde wiederkommen ... ES GAB KEINEN AUSWEG!
Ihre Hand wollte den Schweißtropfen aus ihrem Auge wischen, ließ sich aber kaum bewegen. Irgendwann lösten sich die verkrampften Finger von der Zudecke und sie musste all ihren Willen aufbringen, um die Hand an den Kopf zu führen.
Als dies geschafft war und das Brennen in ihren Augen etwas nachgelassen hatte, schloss sie diese für einige Sekunden. Erst war das Bild zu undeutlich, dann wurde es schärfer und ihr Geist zeigte ihr den einzig möglichen Ausweg. Sie brauchte einige Sekunden, um diesen Gedanken, diesen Weg, zuzulassen, doch als dies geschehen war, schien alle Last von ihr abzufallen. Die bleierne Schwere der letzten Tage, all die Angst und Verzweiflung hatten nun keinen Angriffspunkt mehr.
Anja erhob sich wie in Trance, ließ im Vorbeigehen ihre Hände über die Blätter der kleinen Zimmerpalme streifen und bildete sich ein, dass diese ihr Mut zusprachen. Mit gesenktem Blick setzte sie einen Fuß vor den anderen, ohne dabei wie sonst das Gefühl des hochflorigen Teppichs unter ihrer Haut zu genießen.
Die Stadt hinter dem großen Wohnzimmerfenster war so still, wie sie es nachts um 4 Uhr immer war. Der kalte Herbstregen peitschte gegen das Glas, wobei die einzelnen Tropfen immer neue Spuren zeichneten und einen milchigen Schleier über die Stadt legten. Anja drehte sich noch einmal um ihre eigene Achse und als wäre es abgesprochen, begannen die Lämpchen des auf stumm geschalteten Telefons zu blinken, doch es hatte seine erschreckende Wirkung verloren. Ganz im Gegenteil, jetzt gab es ihr nur noch mehr Mut.
Ein hämisch-irres Grinsen legte sich über ihr Gesicht, dann blickte sie noch ein letztes Mal auf das Bild ihrer Mutter, wandte sich anschließend wieder dem Fenster zu und öffnete es.
Eine kalte Windböe, vermischt mit eisigen Regentropfen, umhüllte sie für einen kurzen Augenblick, doch die Kraft, welche ihr die Kälte abzog, gab ihr der deutlich hörbare Signalton des Anrufbeantworters wieder zurück. Ihr Blick fokussierte einen weit entfernten Punkt am Horizont, der sie zu locken schien, dann trat sie bis an das kalte Außengitter des bis zum Boden reichenden Fensters, beugte den Oberkörper darüber und gab sich erleichtert der Schwerkraft hin.


 


-2-



Einige Tage zuvor ...

Es waren diese ironischen Momente des Alltags, die Menzel den Tag versüßten. Er wusste vom ersten Tag an, dass Aufseher Schröder hinter seine Fassade blicken konnte und ihn besser als alle anderen kannte. Am Anfang hatte sich Menzel noch ausgemalt, wie er den Mann und seine Familie nach der Haftentlassung in eine neue Dimension ihres langweiligen Lebens überführen würde, doch inzwischen sah er davon ab. Aufseher Schröder kannte seinen Platz im Universum und hatte, soweit Menzel wusste, noch nie versucht, seine Entlassung zu verhindern.
Jetzt ging ausgerechnet Schröder zwei Schritte hinter ihm und brachte ihn zu dem Abschlussgespräch, das seine vorzeitige Entlassung besiegeln sollte. Nach scheinbar endlos langen Korridoren und zahlreichen Gittertüren erreichten sie die medizinisch-psychologische Abteilung der Haftanstalt und Schröder wies ihn an, auf einem der drei an der Wand montierten Stühle Platz zu nehmen. Menzel setzte sich.
Die vergitterte Wanduhr zeigte zwei Minuten vor 9 Uhr, doch er wusste, dass Frau Dr. Tamara Bernau ein Kontrollfreak war. Mit den Augen dem Sekundenzeiger folgend und den an der Wand lehnenden Wachmann ignorierend, zählte er die Sekunden mit und jede einzelne steigerte seine Erregung.
Diese Frau Doktor war eigentlich nichts Besonderes, aber er hatte ihre Angst schon vor fünf Jahren, bei ihrem ersten Händedruck, gerochen und dem konnte er kaum widerstehen. Wie alle Therapeuten wirkte sie vordergründig kontrolliert. Eigentlich sah sie ganz gut aus, was sie angesichts ihres hiesigen Klientels durch schlecht sitzende Kleidung verstecken wollte, doch gerade dadurch machte sie sich noch interessanter. Ja, sie gehörte eindeutig zu den Menschen, mit denen er seinen Neigungen eine gewisse Befriedigung verschaffen konnte. Er bezweifelte zwar, dass sie lange durchhalten würde, aber vielleicht konnte sie ihn eines Tages überraschen.

Der Sekundenzeiger sprang auf die Zwölf und als sich auch der kleinere, dicke Zeiger auf der Neun eingependelt hatte, öffnete sich die Tür neben seinem Stuhl. Auf ein Zeichen von Aufseher Schröder hin erhob sich Menzel und trat in den einfach eingerichteten Raum.
Frau Doktor, heute bekleidet mit einem viel zu großen Strickpulli und wirklich schlimm geschnittenen Jeans, stand neben dem Besprechungstisch und reichte ihm die Hand, welche er gespielt zögerlich ergriff und viel zu sanft drückte. Dann stammelte er fast unterwürfig: »Hallo, Frau Doktor, schön Sie zu sehen.«
»Kann ich gehen?«, fragte Schröder hinter seinem Rücken und Frau Dr. Bernau deutete ein Nicken an, anschließend schloss sich die Tür.
»Bitte, Herr Menzel, setzen Sie sich doch.« Ihre Geste galt dem Stuhl neben dem ihren, doch Menzel nahm bewusst gegenüber von ihr Platz, um wenigstens den kleinen Tisch zwischen ihr und sich selbst zu haben. Gerade jetzt wollte er nichts mehr riskieren und er wusste, dass er sich keine halbe Stunde lang unter Kontrolle haben würde.
Frau Dr. Bernau nahm ebenfalls Platz, lächelte ihn an, als hätten sie gemeinsam etwas Großes erreicht, und begann: »Ich freue mich sehr, Ihnen zu Ihrer heutigen Entlassung gratulieren zu können. Wir haben in den letzten Monaten viel erreicht und ich konnte dieser Entlassung von ganzem Herzen zustimmen.« Dann folgte ein Monolog, der sich über geschlagene zehn Minuten hinzog, ihm allerdings viel Zeit für seine Phantasien ließ. Er nahm jedes Detail ihrer Mimik und Gestik in sich auf, stellte sich vor, wie sie auf Schmerz und Angst reagieren würde und konnte dabei nicht anderes, als seine Hand unter den Tisch sinken zu lassen.
Irgendwann endeten ihre Mahnungen und Vorschläge, wie er sich in Freiheit zurechtfinden könnte, und es folgte die Frage: »Haben Sie Angst, nach zehn Jahren da rauszugehen?«
Er brauchte einen kurzen Moment, um seinen Geist wieder auf die einstudierte Bahn zu lenken, durch die man ihn für einen unbeholfenen, harmlosen Mann hielt, dann sah er sie verschüchtert an und sagte: »Natürlich habe ich mir gerade in den letzten Tagen viele Gedanken darüber gemacht.« Seine Stimme stockte und er tat so, als müsste er nach den richtigen Worten suchen, bis er fast schon stammelnd sagte: »Es würde mir eine gewisse Sicherheit geben, wenn ich wüsste, dass ich Sie erreichen kann, wenn ich ein Problem habe«, nun sah er sich gespielt in dem Raum um, »ich weiß ja nicht, ob das hier möglich ist, aber könnte ich Sie vielleicht telefonisch kontaktieren, wenn ich einen Rat brauche?«
Nun war es Frau Doktor, die kurz nachdenken musste, nach einer Weile aber die Lippen zusammen-kniff und sich erhob. Nachdem sie einige Schubläden ihres Schreibtisches durchsucht hatte, kehrte sie mit einer Visitenkarte zurück zum Tisch und überreichte ihm diese mit den Worten »Ihr Wunsch ist ungewöhnlich, die meisten hier sind froh, mich nicht mehr sehen zu müssen, aber das bestätigt meinen Eindruck von Ihnen. Sie wollen Ihr Leben wirklich in den Griff bekommen und natürlich können Sie gerne in meine Praxis kommen, wenn es Ihnen nötig erscheint.«.
Alleine das Gefühl der kleinen Visitenkarte zwischen seinen Fingern reichte für einen weiteren Höhenflug und doch schaffte er es, seinen Geschichtsausdruck aufrechtzuerhalten, der aussah, als hätte er gerade ein Weihnachtsgeschenk bekommen. Ehrfürchtig sagte er leise: »Danke, das bedeutet mir sehr viel.« Nun fiel sein Blick auf ihre Armbanduhr, wodurch er erschrocken feststellte, dass er nur noch fünf Minuten hatte, um wieder runterzukommen. Möglichst beiläufig wechselte er zu einem Thema, bei dem er auf andere Gedanken kam, dann war die Zeit um und Punkt 9:30 Uhr war diese letzte Therapiesitzung hinter den Anstaltsmauern beendet. Nach einem weiteren kurzen Blick in ihre Augen stand sein Entschluss fest ... bei ihrem nächsten Treffen würde die Rollenverteilung eine gänzlich andere sein!


 


Ende der Leseprobe


 


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