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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe MORD?, Christer Tholin
Christer Tholin

MORD?


Ein Schweden-Krimi

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Liv öffnete die große Eingangstür.


„Herzlich willkommen, Christina. Komm herein!“ Liv trat beiseite.


Hej Liv. Toll habt ihr es hier“, antwortete Christina, die sich bewundernd umsah.


„Ja, du weißt, alles von meinen Eltern geerbt.“ Liv war es schon fast peinlich, so groß und luxuriös war das Anwesen. Es lag mitten im Stockholmer Schärgarten, umfasste mehrere Gebäude, hatte einen eigenen Strand und einen großen Bootssteg, an dem ihr Motorboot vertäut lag.


„Es ist schon fast schade, dass wir es so wenig nutzen, die meiste Zeit steht es nur leer. Aber so haben wir eine Bleibe in der Nähe von Stockholm und können es gleichzeitig für den Urlaub nutzen.“ Es war im übrigen das erste Mal, dass sie sich hier aufhielten, seit Liv im Januar mit ihren Kindern nach Berlin gezogen war.


„Hej Christina. Ich bin Martin. Freut mich dich zu treffen.“ Martin war aus dem Wohnzimmer gekommen und schüttelte ihr die Hand.


„Hallo Martin. Du spricht ja super Schwedisch.“


„Ja, so langsam wird es. Auch wenn ich öfters nachfragen muss.“ Martin war Deutscher, aber hatte fleißig seinen Schwedisch-Unterricht besucht, seit er mit Liv zusammen war. Außerdem sprachen sie zu hause immer mehr Schwedisch.


„Hier kommen die Kinder. Sagt ihr ‚Guten Tag’ zu Christina?“ Liv stellte die beiden Großen vor. „Das ist meine Große, Saga, und ihr Bruder Hampus. Saga ist elf und Hampus wird bald neun.“ Beide Kinder reichten dem Gast artig die Hand. Hinter ihnen stand noch ein kleines Mädchen, das etwas ängstlich guckte.


„Und das ist Lara, Martins Tochter. Sie ist fünf und spricht noch nicht so viel Schwedisch, versteht aber fast alles.“ Lara hob die Hand und lächelte etwas schüchtern.


„Wollt ihr mit uns Kaffee trinken oder wollt ihr lieber ein Eis?“ fragte Liv.


„Ein Eis“, antwortete Saga, Hampus und Lara nickten.


„Gut, dann geht zum Gefrierschrank und sucht euch eins aus. Wir haben gestern aufgefüllt.“ Der Eiswagen von Hemglass fuhr einmal der Woche auf der Nachbarinsel herum, von wo man mit der Fähre übersetzte, und sie hatten ihn am Vortag abgepasst. Die Kinder verschwanden in der Küche.


„Dann gehen wir auf die Veranda, dort können wir uns in Ruhe unterhalten.“ Liv führte Christina durch das große Wohnzimmer hindurch zur Terrassentür. Dort eröffnete sich ein herrlicher Ausblick: das Grundstück senkte sich langsam zum Wasser ab, grüner Rasen mit einigen großen Felsen dazwischen, umrahmt von Kiefern und Eichen und dahinter die unbeschränkte Sicht auf die See. Das Wasser glitzerte in der Sonne, die Inseln leuchteten grün mit ihren Bäumen und Wiesen, dazwischen lugten meist rote Häuser hervor und davor kreuzten einige Boote.


„Was für ein fantastischer Blick. Schöner geht es ja gar nicht.“ Christina war begeistert.


„Ja, wir genießen es jeden Tag”, sagte Martin. „Vor allem für mich ist es fantastisch, ich bin ja das erste Mal hier. Letztes Jahr habe ich zum ersten Mal eine Bootsfahrt durch den Schärgarten gemacht, da konnte ich noch nicht mal davon träumen, dass ich mal in so einem Haus Urlaub machen würde.“


Liv dachte daran zurück, sie wusste, dass Martin allein in Stockholm gewesen war, und zwar auf der Suche nach ihr. Sie hatten sich im Süden Schwedens kennen gelernt, wo Martin ein Ferienhaus gemietet hatte. Sie hatten sich miteinander verabredet, aber dann war Liv entführt worden. Martin hatte herausgefunden, dass Liv mit ihrer Familie in Stockholm lebte und war deshalb hierher gefahren. Mithilfe zweier Privatdetektive hatte er sie schließlich finden können. Auch wenn die Geschichte damit nicht zu Ende gewesen war.


Alle drei nahmen Platz, auf der Veranda befand sich unter einer Pergola ein großer Holztisch, rundherum standen bequeme Gartenstühle mit dicken Polsterauflagen. Martin schenkte Kaffee ein; Liv schnitt den Kuchen auf, den sie heute Vormittag zusammen mit Saga und Lara gebacken hatte. Sie sprachen eine Weile über das Wetter und ihre Urlaubspläne, während sie den Kaffee tranken und den Kuchen genossen.


„Hast du denn schon Urlaub gehabt?“ fragte Liv schließlich.


„Nein“, Christina schüttelte traurig den Kopf. „Mir ist auch gar nicht danach. Mein Mann ist nämlich verschwunden. Deshalb wollte ich auch mit euch sprechen.“


Liv und Martin schauten sich an, damit kannten sie sich wirklich aus.


„Erzähle mal!“ bat Liv.


Christina räusperte sich. „Er ist vor fünf Wochen von einem Tag auf den anderen verschwunden. Es war ein Freitag, er ist wie immer zur Arbeit gefahren, aber nicht zurückgekommen. Ich habe dauernd auf seinem Mobil angerufen, aber da lief nur der Anrufbeantworter. Am Samstag bin ich dann zur Polizei und habe Patrik als vermisst gemeldet. Nur tun die ja leider überhaupt nichts. Ich verstehe das alles nicht und weiß überhaupt nicht mehr weiter.“


„War er denn an dem Tag bei der Arbeit?“ fragte Martin.


„Ja, er ist wohl relativ früh gegangen, aber das war nicht ungewöhnlich, es war ja Freitag.“


„Und warum macht die Polizei nichts?“ fragte Liv.


„Sie sagen, dass kein Hinweis auf ein Verbrechen vorliegt. Sie glauben, dass Patrik sich selbst entschieden hat zu verschwinden. Ich soll einfach abwarten, in den meisten Fällen würden die Menschen nach einiger Zeit von selbst wieder auftauchen.“


„Warum glauben die das? Gibt es irgendwelche Hinweise?“ Martin schaute sie prüfend an.


„Die glauben das, weil Patrik seinen Pass und sämtliche Kreditkarten mitgenommen hat. Außerdem ist auch sein Auto nicht wieder gesehen worden.“


„Verstehe.“ Martin nickte.


„Warum wolltest du ausgerechnet mit uns darüber sprechen, Christina?“ fragte Liv.


„Ja, also… vielleicht liege ich ja falsch, aber in der Firma gehen so Gerüchte um, wegen der Vorkommnisse im letzten Jahr, also ich meine, bevor du die Baufirma verkauft hast. Dein früherer Mann ist ja unter etwas mysteriösen Umständen ums Leben gekommen und man erzählt sich da etwas von einer Entführung. Es stand ja nicht viel darüber in der Zeitung, aber da war wohl ein Privatdetektiv mit im Spiel, der euch geholfen hat?“ Christina schaute Liv unsicher an.


Liv suchte Augenkontakt mit Martin, der zuckte die Schultern und nickte.


„Du hast recht, Christina. Das ist eine lange Geschichte und wir haben versucht, soviel wie möglich davon unter dem Deckel zu halten, was uns auch recht gut gelungen ist.“


Christina nickte. „Das verstehe ich. Ihr müsst mir das auch gar nicht anvertrauen, wenn ihr das nicht wollt. Ich will aber nur sagen, dass ich das natürlich mit Verschwiegenheit behandeln werde, falls ihr mir davon erzählt.“


„Ja, das glaube ich dir. Du hast ja auch in der Firma viel mit vertraulichen Daten zu tun.“ Christina war Personalchefin in der Grundstücksverwaltungsfirma, die Liv gehörte. Liv war zwar nicht mehr in das operationale Geschäft der Firma eingebunden — sie hatte einen Geschäftsführer eingesetzt und saß selbst nur im Aufsichtsrat — aber sie hatte bis zum Ende des letzten Jahres mit Christina zusammengearbeitet und sich immer darauf verlassen können, dass sie vertrauliche Informationen entsprechend behandelte.


Liv lehnte sich zurück. „Die Geschichte ist ja jetzt vorbei, aber wir wollen natürlich nach wie vor nicht, dass dies in größerem Rahmen breit getreten wird. Also, ja, wenn du das für dich behältst, kann ich das nur kurz bestätigen. Es hat letztes Jahr zwei Entführungen gegeben, erst betraf es mich selbst und dann wurde Saga gekidnappt. Ich habe es Martin zu verdanken, dass wir beide heil wieder zurückgekommen sind. Er hat auch die Privatdetektive engagiert, die letztlich alles aufgeklärt haben.“


Christina schüttelte ungläubig den Kopf. „Zweimal. Das hört sich ja schrecklich an. Ist euch dabei etwas passiert?“


„Nein, wir sind beide heil wieder aus der Sache herausgekommen. Aber Saga knabbert immer noch daran, sie hat oft Albträume und ist nicht gern allein. Es hat ihr aber gut getan, dass wir nach Berlin gezogen sind — die neue Umgebung hat ihr geholfen, das Geschehene zu vergessen. Wir waren etwas unruhig, wie sie reagieren würde, wenn wir jetzt im Urlaub wieder in Schweden sind, aber das ist zum Glück bislang kein Problem.“ Liv klopfte mit dem Knöchel auf den Holztisch.


„Das hört sich gut an, da hat sich doch alles zum Guten gewendet“, sagte Christina.


„Ja, wirklich, wir fühlen uns in Berlin sehr wohl, die beiden Kleinen können schon prima Deutsch und Martin und ich passen super zusammen.“ Liv nahm Martins Hand und strahlte ihn mit ihren blauen Augen an.


„Ja, der Stress hat sich gelohnt“, schmunzelte er.


Liv wandte sich wieder Christina zu. „Die beiden Privatdetektive können wir dir wärmstens empfehlen. Die sind gut — vertrauenswürdig, angenehm in der Zusammenarbeit und stellen wirklich etwas auf die Beine.“


„Das wäre ja toll, wenn die mir auch helfen könnten. Könnt ihr mir deren Telefonnummer geben?“


„Ich schlage vor, dass ich die beiden anrufe und ihnen deine Nummer gebe,” sagte Martin. „Die arbeiten nämlich für eine Firma mit mehreren Mitarbeitern und du willst ja unsere beiden zugeteilt bekommen. Außerdem wissen die dann schon mal, worum es geht, und ich kann dich entsprechend einführen. Ich hatte sowieso vor, mich bei Lars zu melden, während wir hier sind.“


„Danke, das wäre toll. Ich wollte mich nicht an irgendeine Detektei wenden, das ist ja viel besser, wenn man jemanden empfohlen bekommt, mit dem ein anderer bereits gute Erfahrungen gemacht hat.“


„Ja, das verstehe ich. Und Lars und Elin sind wirklich gut — da kannst du nichts falsch machen“, sagte Liv. „Christina, hast du denn einen Verdacht, was mit deinem Mann passiert ist?“


Sie schüttelte verzweifelt den Kopf. „Nein, ich zermartere mir jeden Tag den Kopf. Ich kann es überhaupt nicht verstehen. Wir hatten es gut zusammen. Wir wollten im Juli nach Norrland in unser Sommerhaus fahren. Als er dann verschwand und ich ihn nirgends erreichen konnte, bin ich dort hochgefahren, um zu sehen, ob er vielleicht dort ist. Aber das war natürlich Unsinn, dort war er auch nicht. Auch wenn ich den Eindruck hatte, dass er vielleicht kurz dort gewesen war.“


„Warum glaubst du das?“ Martin sah sie neugierig an.


„Ja, du weißt, man packt ja im Herbst alles zusammen, wenn man die Hütte für den Winter einmottet. Und es standen einige Möbel so, als wenn sie gerade angewendet wurden. Oder zumindest meine ich, dass wir die Hütte anders zurückgelassen hatten.“


„Das ist wichtig. Solche Dinge musst du den beiden Detektiven unbedingt erzählen.“


„Ja, das werde ich natürlich tun. Ich danke euch beiden. Bitte sagt ihnen, dass sie sich schnell bei mir melden sollen! Jetzt will ich aber wieder los. Ich muss ja noch mit der Fähre zurück.“


Alle drei erhoben sich, Liv und Martin begleiteten Christina zur Tür und verabschiedeten sie. Sie sahen ihr nach, wie sie sich in ihr Auto setzte und von der Auffahrt auf die Straße abbog.


„Arme Christina“, seufzte Liv. „Ich kann es ihr nachfühlen. Ein Glück, dass ich Saga schon nach wenigen Tagen wieder hatte. Fünf Wochen hätte ich nie ausgehalten.“


„Ja, nun ist ihr Mann ja erwachsen. Aber klar, die Ungewissheit ist natürlich das Problem.“


„Glaubst du, der hat sie verlassen?“


„Schwer zu sagen. Die Hübscheste ist sie ja nicht gerade….“


„Du meinst, weil sie ein bisschen mollig ist. Aber sie kleidet sich immer sehr adrett, außerdem ist sie wirklich nett.“


„Du kennst sie aber auch nur als ihre Chefin, ist vielleicht nicht gerade die objektivste Art, jemanden zu beurteilen, oder?“


Liv zuckte mit den Schultern. „Ja, vielleicht nicht. Aber genauso kannst du nicht nur nach Äußerlichkeiten gehen, es gibt ja auch noch innere Werte.“


„Zugegeben, vielleicht ist sie ja eine Granate im Bett….“ Martin lachte.


Liv stieß ihn mit dem Ellbogen in die Seite. „Ihr Männer — zählt denn nur Aussehen und Sex?“


„Du weißt genau, wie wir sind. Zum Glück stimmt bei dir beides.“


Liv warf ihre blonde Mähne nach hinten. „Da bin ich aber froh.“ Sie legte die Arme um ihn und küsste ihn zärtlich. Dann fragte sie: „Wann wirst du Lars anrufen?“


„Jetzt gleich. Ich hoffe nur, er ist nicht im Urlaub. Es ist ja schließlich August und die Kinder hier haben noch Ferien.“


„Ich drücke die Daumen.“


Liv ging auf die Terrasse, um den Tisch abräumen. Das Gespräch hatte sie mehr aufgewühlt, als sie zugeben wollte. So lange lag das alles noch nicht zurück, es war leicht, alles wieder lebendig werden zu lassen, was im letzten Jahr passiert war. Martin und sie hatten mehrfach diskutiert, ob sie wirklich schon in diesem Jahr nach Schweden fahren sollten; sie hatten beide befürchtet, dass alte Wunden damit wieder aufgerissen wurden, insbesondere bei Saga. Aber Hampus wollte unbedingt hierher, er wollte Wasserski fahren und jeden Tag baden. So hatten sie es riskiert und bisher war es gut gegangen. Liv war ja in den vergangenen Monaten bereits ein paar mal allein in Stockholm gewesen, da sie an den Sitzungen des Aufsichtsrates teilnehmen musste. Jedes mal war sie froh gewesen wieder nach Berlin und zu Martin zurückkehren zu können. Doch hier im Schärgarten, zusammen mit ihrer Familie hatte sie fast gar nicht an die Entführungen des letzten Jahres gedacht. Bis heute, bis zu diesem Gespräch — jetzt hatte sie alles wieder plastisch vor den Augen, vor allem ihre Angst um Saga. Und wie glücklich sie gewesen war, als sie sie wieder hatte in die Arme schließen konnte. Ihr kamen die Tränen, sie musste sich zusammenreißen. Am besten sah sie mal nach den Kindern, sie brauchte jetzt die körperliche Nähe zu ihnen.


 



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