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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Mission Phoenix, Dean Thomas
Dean Thomas

Mission Phoenix



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Der Notarzt stellte fest, dass der Mann vor höchstens fünf Stunden umgekommen war und beim Sturz die Treppe hinunter eine Schädelfraktur erlitten hatte, die zum unmittelbaren Tod führte. Nicolas, der mit Schütz an der Unglücksstelle in der Firma NatCom eingetroffen war, hatte mit der Diagnose des Notarztes kein Problem. Der Schädel des Toten war offensichtlich an mehreren Stellen mit Blutergüssen bedeckt, die vom mehrmaligen Aufschlagen des Kopfes auf der Treppe herrührten. Aber etwas gefiel ihm nicht an der Art und Weise, wie der Körper des Toten lag, als er sich den Verlauf der Treppe betrachtete. Doch zunächst wollte er sich Frau Sälzle widmen, die aufgelöst in der Küche stand und an einer Zigarette zog. Während Nicolas der Sekretärin die formellen Fragen über ihre Identität stellte, orderte Schütz den Leichenbeschauer der Kriminalpolizei über Funk an.
Schließlich ging Nicolas zu den für ihn wichtigen Fragen an die Frau über. „Frau Sälzle, kannten Sie den Toten?“
Sie schüttelte den Kopf. „Ich hatte nichts mit ihm persönlich zu tun, aber ich weiß er war im Controlling, schon ziemlich lange. Ich glaube, er hieß Brink.“ Damit nahm sie einen weiteren Zug Nikotin, aber die erhoffte entspannende Wirkung stellte sich nicht ein.
„Er war also Wirtschaftsprüfer?“, fragte Schütz gewichtig, steckte das Funkgerät weg und tastete seine Jacke nach seinem Notizblock ab.
„So was ähnliches, kanns nicht genau sagen.“
„Haben Sie irgendeine Vorstellung, wie das passieren konnte?“, forschte Nicolas nach und dachte an die Treppe.
Die Sekretärin drückte die Zigarette aus und verschränkte die Arme.
„Ich kann mir nur denken, dass er gestolpert ist. Das passiert jedem, der in unsere Abteilung kommt und sich hier nicht auskennt. Wir haben das schon hundertmal gesagt, aber keiner tut was dagegen.“
Nicolas zog nachdenklich die Augenbrauen zusammen.
„Versteh ich nicht, was meinen Sie?“, wollte Schütz wissen, der ihr ebenfalls nicht ganz folgen konnte.
„Da oben, an der Türschwelle“, entgegnete sie und nickte in Richtung der Treppe.
„Können Sie uns bitte die Stelle zeigen“, fragte Nicolas und Frau Sälzle verließ daraufhin die Kaffeeküche und stieg die Stufen hinauf, die beiden Ermittler folgten ihr. Die Treppe beschrieb einen Rechtsbogen und schloss sich dann einer kleinen Ebene an, die mit einem Geländer gesichert war. Oben angekommen zeigte die Sekretärin mit ihrem Schuh auf die Türschwelle, die den Korridor jenseits der Tür mit der Ebene diesseits verband.
Nicolas ging durch die Tür, drehte sich um und sah auf die betreffende Stelle. Die Türschwelle war etwa zehn Zentimeter höher als der Flur und hob sich farblich nicht von dem Rest des Bodens ab.
„Jemand der das nicht sieht, kann sich hier wirklich was brechen!“, beanstandete die Sekretärin.
Schütz stimmte zwar zu, aber Nicolas gab sich nicht zufrieden mit der Erklärung. Die Position, in welcher der Tote zum Liegen gekommen war, schien nicht das Ergebnis eines einfachen Sturzes zu sein, aber diese Ansicht behielt er vorerst für sich.
Als Nicolas sich umsah, entdeckte er eine Überwachungskamera mit einer Weitwinkellinse, die den ganzen Bereich des Treppenhauses im Auge haben mußte. Er wandte sich an Schütz. „Hauptmeister, würden Sie sich bitte mal in der Zentrale vom Werkschutz umsehen und mir die Videoaufnahmen von gestern bringen, danke.“
Schütz nickte unwillig, räusperte sich und stapfte davon, während der Kommissar die Sekretärin bat nachzusehen, ob ihr Chef schon da sei. Frau Sälzle ging der Bitte nach während Nicolas sich die Szene noch einmal betrachtete. Er ging über die Türschwelle und stellte für sich selbst den Vorgang nach, indem er mit dem Fuss an der Türschwelle hängenblieb und vorgab zu stolpern. Beim ersten Versuch wäre er vor dem Geländer zum Liegen gekommen, welches die Plattform vor der Tür umgab.
Bei der nächsten Variante, die er durchspielte, hielt er sich beim Stolpern mit der rechten Hand am Türrahmen fest, was ihn zwangsläufig auf die ersten drei Stufen der Treppe werfen würde, aber der Schwung konnte kaum ausreichen, um bis zum Treppenfuß zu kommen, zumal der Knick in der Treppe den Fall aufhalten würde. Während er grübelte, kam Frau Sälzle mit ihrem Chef zurück, der sich ihm vorstellte.
„Kolchowski, angenehm.“
„Lechfelt, Morddezernat“, erwiderte Nicolas den Gruß.
„Meine Güte, Morddezernat? Frau Sälzle sagte, es sei ein Unfall gewesen!“, sagte Kolchowski überrascht und blickte fassungslos zu dem Toten hinüber, während er sich die Brille zurechtrückte.
„Das war es wahrscheinlich auch, Herr Kolchowski“, erwiderte Nicolas. „Ich brauche nur n paar Informationen von Ihnen, damit ich weiß, dass es kein Fall für die Kripo ist. Der Mann hat in Ihrer Firma gearbeitet, vielleicht können Sie ihn identifizieren?“
Kolchowski kniete neben der Leiche und betrachtete das Gesicht. „Nein“, resümierte er kopfschüttelnd, ich kenne ihn nicht. Wissen Sie, bei NatCom arbeiten über zwölfhundert Leute. Vielleicht hat er ja auch gerade erst hier angefangen. Ich bin erst seit voriger Woche wieder aus dem Urlaub zurück, verstehen Sie?“
„Ist Ihnen sonst irgendwas ungewöhnliches aufgefallen?“, fragte Nicolas nach, während Schütz mit den Videoaufzeichnungen der Überwachungskamera zurückkam und sich zwischendurch mit dem Leichenbeschauer der Kripo besprach.
„Ich habe nichts besonderes bemerkt“, antwortete der Vorstandsvorsitzende. „Außer dass die Verkaufsabteilung endlich mal Überstunden gemacht hat“, hängte er witzelnd an.
Aber Nicolas hatte noch Fragen. „Können wir vielleicht in ihr Büro gehen? Da haben wir etwas mehr Ruhe.“
Die Zahl der Neugierigen im Korridor wuchs an, da es bereits nach neun Uhr war und die Angestellten auf dem Weg in ihre Büros zwangsläufig an der Szenerie vorbeimussten. Frau Sälzle fungierte als zentrale Nachrichtendienststelle für die Zuschauer und teilte ihre Entdeckung mit der Belegschaft.
Kolchowski führte Nicolas und Schütz in sein Büro, welches nur wenige Schritte entfernt war, und bat sie, in den Ledersesseln Platz zu nehmen. Der Geruch von Rindsleder, Teakholz und Akten durchzog den Raum.
Nicolas schlug die Beine übereinander und stellte seine nächste Frage.
„Was mich interessieren würde ist, wie der Konzern finanziell dasteht.“
Schütz blickte fragend zu Nicolas herüber.
„Sie meinen, ob wir Gewinn machen?“, fragte der Vorsitzende überrascht nach.
Nicolas nickte nur bestätigend und sah sein Gegenüber sinnierend an.
„Im letzten Quartal hatten wir gut elf Millionen Gewinn.“
„Herr Kolchowski, hatten Sie in letzter Zeit vor, sich einen Rolls Royce zu kaufen?“
Schütz hatte schon bei Nicolas letzter Frage aufgehört mitzuschreiben, und kratzte sich verlegen am Hinterkopf. Für ihn hatten diese Fragen nichts mit dem Unfall zu tun.
„Ja, haben Sie ein gutes Angebot für mich?“, entgegnete der Vorstandsvorsitzende und lachte gekünstelt.
„Oh, ich bin sicher Sie sind nicht auf mein günstiges Angebot angewiesen“, erwiderte Nicolas charmant um die Schärfe etwas herauszunehmen.
Kolchowski wusste scheinbar für einen Moment keine passende Antwort auf die Frage und sah Nicolas mit zusammengezogenen Augenbrauen an.
„Hat diese Frage noch etwas mit dem Unfall zu tun, Herr Kommissar?“, erwiderte er und gestikulierte unschuldsvoll mit seinen Händen. „Ich bin nicht sicher, ob meine privaten Verhältnisse gerade zur Diskussion stehen. Sie sagten eben, Sie wollten sicher gehen dass der Unfall des Mannes kein Fall für die Kripo ist.“
„Solange es ein paar Ungereimtheiten gibt, ist es auf jeden Fall mein Fall. Wissen Sie, es ist wie mit einem Puzzle. Erst, wenn es fertig ist sieht man, welches Stück nicht reinpasst. Ich bin sicher, es wird sich alles klären“, sagte Nicolas.
Kolchowski richtete sich erleichtert auf, während Schütz ungeduldig in seinem Sessel herumrutschte. „Natürlich. Ich vermute, Sie waren bei diesem Autohändler am Richard-Strauß-Ring?“
„Genau.“
Der Vorstandsvorsitzende winkte amüsiert ab. „Stimmt, ich hatte mir einen Rolls Royce bestellt und hab dann Muffensausen bekommen, weil ich wie gesagt eine Weltreise mit meiner Familie gemacht habe, und die wurde etwas teuerer als wir geplant hatten.“
„Dann hat sich ja alles geklärt. Ich denke, das wars dann“, sagte Nicolas und schaute vergewissernd zu Schütz, bevor er aufstand.
„Eine Bitte hätte ich noch. Ich sehe, Sie haben einen Videorecorder hier“, wandte er sich noch einmal an Kolchowski.
„Ja, manchmal schaue ich mir Firmenvideos oder Portfolios hier an. Wollen Sie sich eins ansehen? Die sind echt langweilig“, erwiderte der Manager ironisch.
„Nein danke, diese hier sind für mich interessanter“, entgegnete Nicolas und hielt die Aufzeichnungen der Überwachungskameras hoch. „Kann ich mir die mal ansehen?“
Kolchowski stimmte zu, schob das Band in das Gerät und stellte den Fernseher ein.
„Ich habe das Band schon analysiert. Es ist nichts verdächtiges darauf zu sehen“, räumte Hauptmeister Schütz gewichtig ein.
„Da möchte ich drauf wetten“, sagte Nicolas und beobachtete scharf das Bild. Auch Kolchowski und Schütz sahen erwartungsvoll auf den Fernseher. Nach einer Weile sah man auf dem Bildschirm Thorsten Brink aus der Controlling - Abteilung durch die Türschwelle gehen und stolpern, bevor er dann rechts hinter dem Türrahmen aus dem Bild verschwand. Mehr war von ihm nicht zu entdecken. Aber Nicolas betrachtete aufmerksam den Rest des von der Kamera eingefangenen Umfeldes und wurde stutzig. Er hatte etwas entdeckt, ließ sich aber nichts anmerken.
„Können wir das Band mitnehmen?“, fragte er Kolchowski.
„Haben Sie etwas entdeckt?“
Nicolas schüttelte zum Schein den Kopf. „Soweit nicht, aber ich würde es gerne genauer auswerten.“
Der Vorstandsvorsitzende brachte keine Einwände hervor, und Nicolas und Schütz verabschiedeten sich. Auf dem Weg zum Wagen dachte Nicolas noch einmal über Kolchowski und NatCom nach, während Schütz schmollend neben ihm herstapfte. Die Aussage Kolchowskis, er sei nach seiner Weltreise in einen finanziellen Engpass gekommen, kaufte ihm Nicolas nicht für zwei Cent ab. Ein Vorstandsvorsitzender, noch dazu von einem Riesen wie NatCom, würde aufgrund solcher Ausgaben nicht am Hungertuch nagen müssen.
Irgendetwas ging in dieser Firma vor, und soweit es Kolchowski betraf, spürte Nicolas, daß dieser etwas zu verbergen hatte.


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