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> Krimi Thriller > Mein Name ist Nick Granit
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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Mein Name ist Nick Granit, Nick Granit
Nick Granit

Mein Name ist Nick Granit



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Kriminal Journal
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Dann kam Freitag. Halleluja! Der Tag, auf den die ganze Welt hinarbeitet. Das Leben der meisten Menschen dreht sich ums Wochenende. Und um den Urlaub. Dafür lohnt es sich, fünf Tage der Woche mit Arbeit zu vergeuden, sich von Vorgesetzten demütigen zu lassen, sich zu langweilen, mit Kollegen zu streiten, auszubrennen, zu mobben und gemobbt zu werden, in Ärsche zu kriechen, vom Gerüst zu fallen, Konzepte zu erstellen, für die man ausgelacht wird, sich an der Kassa von frustrierten Kunden anschreien zu lassen, die Finger an der Kreissäge zu verlieren, Kotze und Hundescheiße vom Gehsteig zu waschen, sich vom Sitzen einen fetten Arsch wachsen zu lassen und einen Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule zu riskieren. Alles nur für das Wochenende. Da kann man sich dann in Ruhe besinnungslos saufen. Ich weiß, wovon ich rede, ich war selbst lange genug in der Tretmühle. Aber das ist Vergangenheit. Ich hab es gewagt, auszubrechen und den Sprung in die Selbständigkeit geschafft. Mir eine Existenz aufgebaut. Seitdem arbeite ich nicht fünf, sondern sieben Tage die Woche und am Freitag ist die Wahrscheinlichkeit auf Kundschaft am größten. Falls ich das vergessen habe zu erwähnen, mein Name ist Nick Granit, so steht es serifenlos auf meiner Türe, und darunter: Privatdetektiv. Dank TV, Tageszeitungen und Lifestylemagazinen fühlt sich der Großteil der Menschen in Industrienationen und Schwellenländern hintergangen und betrogen und – ich sage es gleich – meistens haben sie recht damit. Viele reden sich ein, unter einer von Chemtrails oder Antibiotika bedingten Paranoia zu leiden und versuchen durch Yoga oder Meditation ihre Mitte zu finden. Das ist natürlich ein Blödsinn. Während der Woche ist es noch einigermaßen erträglich für sie, da sind sie von ihrer Arbeit und der Mattscheibe abgelenkt, aber wenn der Freitag Abend naht, und ihr Liebster wieder mal zum Pokern oder ihre Angebetete zum Late-Night-Shoppen geht, werden sie nervös. Da steigt ihnen das Kribbeln in die Magengrube und vernebelt ihr Gehirn. Ihr Therapeut hat ihnen zwar den 80-Euro-Tipp gegeben, tief durchzuatmen, aber nach all dem Hyperventilieren und dem gescheiterten Versuch, das Handy ihres Partners übers Internet zu orten, kommen sie doch zu mir, um sich beruhigen zu lassen. Meistens muss ich sie dann enttäuschen. Und so läutete auch diesen Freitag, pünktlich nach Büroschluss, unmelodiös meine Türklingel und herein kam die aus Fernsehen und Klatschpresse bestens bekannte Gemahlin des Bauunternehmers Ronald „Ronnie“ Zapka. Moment, das ist nur die halbe Wahrheit. Sie kam nicht einfach in mein Büro, sie bewegte sich wie geschmolzenes Metall. Brandheiß und gefährlich! Der Schwung ihrer Hüften schob sich unter ihrem knielangen, engen Rock in Slow Motion direkt zu meinem Schreibtisch. Es schien, als würde sie nach jedem Schritt mit einem kleinen, ruckartigen Schlenker ihr Becken nach vorne schieben. Das Top spannte sich über ihre Brüste ebenso stark wie meine Hose bla, bla, bla … – auch das haben wir schon tausendmal gelesen und jedem ist mittlerweile klar, dass die gute Frau zu der Sorte gehört, die man gerne durchs Büro vögeln würde, was aber nie passiert, weil die Detektive zu schüchtern, zu professionell, zu deprimiert, zu abgebrüht, zu oft verlassen worden sind oder die Frauen zu xxx, zu xxx, zu xxx oder zu xxx sind. Ich bin kein Frauenkenner, also ersetzen Sie bitte die „xxx“ durch Adjektive Ihrer Wahl. „Ich gehe jeden Freitag ins Swingland, um mich von ein paar Jungs ordentlich durchvögeln zu lassen. Mein Mann weiß nichts davon und so soll es auch bleiben. Er ist ein alter, aber stinkreicher Bauunternehmer, den ich nur geheiratet habe, um ein sorgenfreies Leben in Luxus führen zu können. Ich habe den Eindruck, dass er in letzter Zeit etwas misstrauisch geworden ist. Sorgen Sie dafür, dass er dieses Misstrauen wieder verliert. Übrigens möchte ich anonym bleiben. Ich werde meinen Namen nicht nennen. Fragen Sie also nicht nach.“ An dieser Rede hatte sie zweifellos lange gefeilt und sie hübsch auswendig gelernt. Offensichtlich unterschätzte sie ihre Prominenz oder sie vermutete, dass ein Kerl wie ich keinen Überblick über die Seitenblicke-Szene hat. Ich sagte vorerst nichts, ließ sie im Glauben der schützenden Anonymität und starrte sie gelassen an, um sie unsicher zu machen. Sie wollte als taffe Bitch auftreten, aber das nahm ich ihr nicht ab. Es gibt immer wieder Augenblicke im Leben eines Mannes, in denen er entscheiden muss, auf Schiene zu bleiben oder auszubrechen. Etwas zu wagen. Aufs Ganze zu gehen. Als Held gefeiert zu werden oder sich eine Ohrfeige einzufangen. Zu verlieren, wenn man alles gegeben hat, ist keine Schande. Ganz im Gegenteil. Es ist eine wertvolle Erfahrung und eine Motivation fürs nächste Mal. Schon in meiner frühesten Jugend hatte ich den Ruf, ein unbelehrbarer Idiot zu sein, weil meine Neugier größer als meine Vernunft war. Seitdem habe ich unzählige Ohrfeigen kassiert und es gibt kaum einen Knochen in meinem Körper, der nicht mindestens einmal gebrochen worden wäre, aber manchmal, ja, manchmal gab es auch den Triumph. Es gilt also, diesen kleinen Moment des Unbehagens, den man vielleicht auch Angst nennen könnte, zu überwinden und nicht an Ohrfeigen, Klagen, Bußgelder, Enterbung, Familienfehden, soziale Ausgrenzung, bittere Vergeltung oder sonstige Repressalien zu denken. Es gilt, gar nicht zu denken. Es gilt zu handeln. Manchmal ist das lebensverändernd und oft führt es in ausweglose oder peinliche Situationen, aber daran wächst man. Doch ich kann Ihnen sagen, selbst ein Leben auf des Messers Schneide stumpft mit den Jahrzehnten ab. Es wird zwar nie Routine, aber der Nervenkitzel verliert sich mit der Zeit.


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