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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Maltas Geheimnis, Hans Lebek
Hans Lebek

Maltas Geheimnis



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Prolog



Tunis, früher Nachmittag, Grand Hotel. Das Klappern von Pferdehufen


und das Rattern eisenbeschlagener Räder auf Steinplatten waren das signifikante


Geräusch, als ein Mann ein abgedunkeltes Zimmer betrat. Bekleidet


war er mit einer landesüblichen Tunika, die Kapuze weit über das Gesicht


gezogen. Das leichte Schnarchen, das ihn empfing, beruhigte ihn. So leise


wie er die Zimmertür geöffnet hatte, genauso leise schloss er sie wieder. Um


keine Geräusche beim Gehen zu verursachen, zog er seine Tunika etwas


hoch. Gepflegte Füße in teuren Ledersandalen kamen zum Vorschein. Er


wusste, dass der Schlafende nicht ohne weiteres aufwachen würde, so erschöpft


musste dieser nach seiner Reise durch einige nordafrikanische und


arabische Staaten sein. Und er war sich auch darüber im Klaren, dass dieser


Tag der letzte war, an dem er sein Vorhaben ausführen konnte. War der vor


ihm Liegende am kommenden Tag erst wieder in Valetta, hätte er keine


Chance mehr, an ihn heran zu kommen.


Bedächtig näherte er sich dem Schlafenden. Er sah von weitem, dass dieser


auf dem Rücken lag und den Mund zum Atmen leicht geöffnet hatte. Im


Vorbeigehen griff er eines der schweren, orientalischen Kissen, welches dekorativ


auf einem kleinen Diwan lag. Noch einmal überlegte er, ob er wirklich


alles richtig machte und ob er wirklich ein Recht hatte, sein Vorhaben


auszuführen. Als er das markante, selbstgefällige Gesicht des Schlafenden


sah, war er sich wieder sicher: Dieser Mann würde seine Entdeckungen seiner


Kirche preisgeben. Das durfte nicht sein.


Jetzt - oder nie. §


Mit einem leichten Schwung hob er das Kissen und drückte es mit Wucht


auf das Gesicht des Schlafenden. Sofort spürte er, dass der Mann erwacht


war und sich zu wehren begann. Mit Genugtuung stellte er fest, dass dieser


aber viel zu schwach war, seinen Druck zu überwinden, egal wie er sich


wand.


„Ha! Vergiss es, alter Mann. Jesuiten, wie du, sollten nicht angebliche Missionsreisen


unternehmen, sondern lieber mehr für den eigenen Körper tun.


Vielleicht hättest du dann eine Chance", zischte er vor sich hin, während die


Gegenwehr immer geringer wurde. Kurze Zeit später gab es keine Bewegungen


mehr.


Trotzdem hielt der Mann dass Kissen noch zwei Minuten lang auf das Gesicht


des Liegenden gepresst. Danach legte er es wieder an seinen ursprünglichen


Platz, schloss mit einer wischenden Bewegung die geöffneten Augen


des Toten und strich das Bett so glatt, dass es aussah, als würde ein Schlafender


ohne fremde Einwirkungen in den Tod hinüber geglitten sein.


Anschließend durchsuchte er sämtliche Gegenstände des Toten. Ausweise,


Geld und Kleidung interessierten ihn nicht. Er wollte nur einen kleinen


Stein sowie bestimmte schriftliche Aufzeichnungen und Dokumente. Als er


den bestens versteckten Stein, auf dem ein neunzackiger Stern mit einem


kleinen Kreuz in der Mitte eingeritzt war, gefunden hatte, wusste er, dass


der Tote wirklich der Lösung eines der größten Rätsel der Geschichte näher


gekommen war.


Er bemühte sich, keine Spuren dieser Suche zu hinterlassen. Als er sicher


war, auch alle wichtigen Aufzeichnungen und Dokumente gefunden zu haben,


verstaute er diese unter seiner weiten Tunika, zog die Kapuze noch tiefer


über sein Gesicht und schlich so unauffällig, wie er gekommen war, wieder


aus dem Zimmer hinaus.


Es war ihm klar, dass es die Nachwelt verwundern würde, warum der Tote


über seine Nachforschungen und Entdeckungen keinerlei Unterlagen hinterlassen


würde, aber das war ihm egal. Die Nachwelt würde es zur Kenntnis


nehmen - und wieder vergessen.


Die Nachwelt wunderte sich wirklich ] allerdings nur so lang, bis der Erste


Weltkrieg begann. Zweifel an einem natürlichen Tod wurden von den ermittelnden


Behörden nach kurzer Zeit zu den Akten gelegt.




A


lisha zuckte merklich zusammen, als sie aus dem Schlafzimmer ein



dumpfes Knallen und den lauten Aufschrei ihres Freundes hörte. Ein nachfederndes


Ächzen unterstrich die Geräuschkulisse.


Schnell stürmte sie aus der kleinen Küche ihrer Altbauwohnung und riss


die Schlafzimmertür auf. Sie sah ihren Freund rücklings, wie ein Maikäfer,


auf dem Doppelbett liegen, die Arme in Siegerpose nach oben gestreckt, den


Blick triumphierend gegen die Zimmerdecke gerichtet:


„Ja! Ja! Ja! Ich hab´s geschafft!", brüllte er ihr mit leicht überschlagender


Stimme zu. „Achtzehn Minuten und zweiundzwanzig Sekunden. Wenn


nicht einer der blöden Haltebolzen abgerissen wäre, hätte ich es noch länger


ausgehalten!"


Sie richtete ihre Augen Richtung Zimmerdecke und sah ein faustgroßes


Loch, aus dem immer noch etwas Staub rieselte. Die Wände und die Decke


des ungefähr drei Meter hohen Raumes waren mit bunten, verschieden großen


Greifnoppen übersät. Grimmig lächelnd tippte sie sich gegen ihre Stirn,


verlies kopfschüttelnd den Raum, die Tür hinter sich zuwerfend. Was hasste


sie diese Marotte von Axel - so sehr sie ihn sonst auch liebte. Extrem]


Klettern! Die halbe Wohnung war übersät mit diesen blöden Noppen. Ansonsten


war ihr Axel doch so normal. Sie studierte mit ihm gemeinsam im


siebten Semester Musik und hatte ihn an der Musikhochschule kennen und


lieben gelernt. Seit fast drei Jahren lebten sie nun gemeinsam in einer billigen


Berliner Altbauwohnung mit Ofenheizung - und seit gut zwei Jahren


hatte er dieses bescheuerte Hobby.


Schuld daran war dieser Jens. Sie hatten Jens vor Jahren bei einer musikalischen


Lehrveranstaltung kennen gelernt und Axel und Jens hatten sofort einen


Draht füreinander gehabt - erstaunlicherweise weniger auf künstlerischem


Niveau, sondern auf fast allen anderen Ebenen: Hobbys, politische


und religiöse Ansichten und den Hang, gelegentlich auch mal ausgelassen


zu feiern. Zwar spielte auch Jens mehrere Instrumente, aber wie er immer


versicherte: „Nur notgedrungener weise, weil er das später vielleicht mal


gut gebrauchen könnte." Unbedingt nötig hatte er es ohnehin nicht - sein


Vater versorgte ihn jeden Monat mit einer frischen, gut ausgestatteten Überweisung


aufs Bankkonto und bei seiner Oma hatte er wohl auch einen


unbeschränkten Kredit.


Ihr Axel war da anders - er musste für seinen Lebensunterhalt selbst sorgen,


liebte alles, was mit Musik zusammenhing und wollte unbedingt Dirigent


werden. Die Stunden, wenn er Klavier spielte und sie dazu sang oder


Geige spielte, waren die Momente, in denen sie ihn am innigsten liebte.


Schaute sie dabei auf seine schlanken Hände, wie diese über die Tasten flogen,


erregte es sie häufig so stark, dass sie sich kaum mehr konzentrieren


konnte.


Wenn da nur nicht sein bescheuertes Hobby gewesen wäre. Sie hatte zwar


ihrem Axel zuliebe sich an diesem Sport auch eine längere Zeit versucht,


und sie war gar nicht so schlecht gewesen, aber es hatte ihr einfach keinen


Spaß gemacht.


Und gerade dieses Hobby hatte letztendlich den Ausschlag gegeben, dass


sie in zwei Tagen, gemeinsam mit Jens und dessen neuer Freundin Julia, für


zehn Wochen während der Wintersemesterferien nach Malta fahren würden.


Jens hatte es durch seine Beziehungen geschafft, dass sie in einem größeren


Strandhotel in der Bucht von Sliema ein Engagement für diese Zeit hatten


- sie mussten abends für die Gäste des Hauses musizieren und hatten


dafür Kost und Logis frei. Alisha wäre lieber mit ihrem Axel allein weggefahren


] und schon gar nicht nach Malta. Sie hatte während ihrer Schulzeit


auf dieser Insel 10 Monate verbracht. Ein Schüleraustausch zum Erlernen


fremder Sprachen und kennen lernen anderer Kulturen. Die Kultur hatte sie


dabei allerdings nur am Rande interessiert - die Sprachen, englisch und


maltesisch, ein Mischdialekt aus arabisch und italienisch und phönizische


Rudimente, dafür umso mehr. Nach diesem Jahr sprach sie diese beiden


Sprachen perfekt und obendrauf erlernte sie auch noch reines arabisch: Ihre


Gastfamilie stammte aus Tunesien. Sprachen machten ihr ohnehin enorm


Spaß. In der Schule hatte sie englisch, französisch und spanisch gelernt, und


später so nebenbei auch noch italienisch und etwas portugiesisch. Gerade


um die letztere Sprache noch zu vertiefen, wäre sie viel lieber nach Portugal


gefahren ] aber es war nichts zu machen gewesen: Die beiden Jungs waren


angeblich wild entschlossen, Kultur gleich eimerweise auf Malta zu löffeln


und nebenbei so viele Klettertouren wir nur möglich an den maltesischen


Steilküsten zu unternehmen.


Es würde ätzend werden ] sie hasste diese gefährliche Kletterei ] und in


diesem Zusammenhang diesen eingebildeten, muskelbepackten Jens, gleich


mitsamt dessen aufgetakelter Freundin. Eine echte Berliner Tusse. Auf deren


Beitrag bei den musikalischen Darbietungen war sie schon sehr gespannt.


Sie hatten bisher noch keine Gelegenheit gehabt, gemeinsam irgendwelche


Stücke einzuüben. Julia hatte nie Zeit. Sie musste tagsüber schlafen.


Gott ergeben sortierte Alisha wieder Kleidungsstücke zusammen, die sie


mitnehmen würden.




D


ie Fähre glitt sanft um die letzte rote Boje, welche die Einfahrt in den



lang gezogenen Hafen von Malta markierte. Alisha genoss schon seit der


Abfahrt aus Palermo die Überfahrt und freute sich inzwischen doch, ihre alte


Wahlheimat wieder zu sehen. Vor ihr lag die prächtige, lang gestreckte


Festungskulisse Vallettas. Sie wusste noch, dass es sich um Schutzbauwerke


aus einer abwechslungsreichen Geschichte handelte. Zwar waren alle möglichen


mediterrane Kulturen über die Insel hinweggegangen, aber speziell


der Ritterorden der Johanniter und die katholische Kirche hatten in den


letzten 500 Jahren das Gesicht der Mittelmeerinsel so geprägt, wie es sich ihr


in diesem Augenblick darbot: Die mächtigste Festungsanlage Europas. Das


hatten selbst die Engländer nicht mehr verändern können.


Als sie endlich von Bord gehen konnten, musste Alisha kurz auflachen, als


sie Axel und Jens, bepackt wie zwei Mulis, den Seegang der vergangenen


Stunden immer noch in den Beinen, die Gangway hinunter schwanken sah.


Jeder trug einen überdimensionierten Rucksack auf dem Rücken, in der einen


Hand einen großen Koffer, in der anderen ein Instrument. Axel war mit


einem Saxophon, Jens mit einer Gitarre bewaffnet. Obwohl angeblich Frauen


immer mehr Gepäck auf Reisen mit sich herum schleppten, war es hier


eindeutig anders: Die Rucksäcke von Axel und Jens waren mindestens doppelt


so groß wie Julias und viermal so groß wie ihrer. Aber sie wusste, dass


sie überwiegend mit der verhassten Kletterausrüstung voll gestopft waren.


Sämtliche kleinere Instrumente hatte sie in ihrem Koffer mitnehmen müssen.


Ihr Geigenkasten war zusätzlich mit Noten voll gestopft.


Zwei Stunden später, am frühen Abend, erreichten sie endlich, völlig geschafft,


das Hotel Mediterrania, das für die nächsten zehn Wochen ihr Zuhause


sein würde. Ein rotgelber, uralter Bus hatte sie nach Sliema geschaukelt


und beinahe wäre Julia beim Aussteigen angefahren worden. Sie hatte


übersehen, dass die vorbeifahrenden Fahrzeuge von rechts auf ihrer Straßenseite


angebraust kamen. Es herrschte genau der Linksverkehr auf der Insel,


auf den sie selbst wiederholt während der Anreise hingewiesen hatte.


Julia war blond, strohblond. ....



... Episode nach einer der Klettertouren



... „Also! Ich glaube, wir haben wirklich etwas sehr Ungewöhnliches entdeckt.


Was ich jetzt erzähle, sollte unbedingt unter uns bleiben", begann Axel


ein wenig atemlos, flüsternd, in der Mitte des Raumes stehen bleibend. Alisha


und Julia setzten sich auf das Bett, Jens lümmelte sich auf die Fensterbank.


„Wir hatten uns für heute vorgenommen, an den Dingli]Klippen zu klettern.


Dazu sind wir mit dem Bus bis nach Rabat gefahren. Wir wollten eigentlich


mit ´nem anderen Bus weiter, aber der fuhr bei dem Sauwetter nicht. Also sind


wir weit über eine Stunde bis zu den Klippen marschiert. Eine Wahnsinns


Aussicht von dort oben, kann ich euch sagen. Selbst bei dem Sauwetter. Ich


hab´ die Klippen ja schon bei der Bootstour von unten gesehen und ich muss


sagen, dass sie von oben noch gewaltiger wirken."


Er hielt kurz inne und Alisha hatte das Gefühl, dass ihr Freund den vergangenen


Eindruck noch einmal innig nachempfand.


„Da wir ja an einer ganz bestimmten Stelle klettern wollten, mussten ...."


„Du meinst", fiel ihm Jens ins Wort, „dass du an einer ganz bestimmten Stellen


klettern wolltest!"


„Und? War es eine schlechte Idee?"


Als Jens lachend den Kopf schüttelte fuhr Axel fort:


„Also .... um diese Stelle zu finden, mussten wir erst einmal über die Klippen


hinunterschauen können. Da das aber an dem Klippenabschnitt, den ich wollte,


wegen der abgerundeten Ränder nicht so ohne weiteres ging ...."


„Warum ging das nicht?", hakte Julia sofort nach und betrachtete dabei intensiv


ihre weißlackierten Fingernägel. „Man stellt sich an den Rand der Klippe


und schaut nach unten."


„Bei einer scharfen Kante ist das möglich, aber nicht bei einer teils abgerundeten,


teils zerklüfteten, aber immer steil abfallenden Klippe. Also legte ich ein


Sicherungsseil an und kletterte, von Jens gesichert, über den Rand hinaus. Von


dort aus konnte ich dann die gesamte Steilwand sehen. So wusste ich auch


nach mehreren Versuchen an verschiedenen Orten, wo die Stelle war, wo es


losgehen sollte."


„Soll ich raten, welche Stelle es war?", dachte Alisha, „und könnten dort Felsen


im Meer gewesen sein?"


„Wir haben dann an einer verdeckten Stelle einen Sicherungshaken mit


Schweineschwanzende in den Boden getrieben. Wegen des schlechten Wetters


war weit und breit keine Menschenseele zu sehen. Anschließend sind wir im


Zweierverbund, so alle sechs Meter wieder einen Sicherungshaken in die


Felswand treibend, ungefähr die halbe Wand abgestiegen. Die Seile haben wir


mit Sicherung und Gegensicherung immer von einem Haken zum nächsten an


uns verklinkt und ...."


„Mensch! Langweil´ uns nicht mit deinen technischen Ausführungen!", blaffte


Julia Axel an. „Ich will noch nach Paceville ins Starlight."


„Hey! Das ist doch wichtig!", widersprach Jens aufgebracht. „Ihr müsst doch


wissen, dass wir nicht lebensmüde sind."


„Pah."


Dieses „Pah" hätte Alisha am liebsten per Ohrfeige ihrer Nachbarin ins Gesicht


zurückgeschlagen. Sie blieb aber ruhig und rückte nur ein wenig von Julia


weg.


„Egal", wischte Axel die Szene weg. „Ungefähr 50 Meter tiefer kam plötzlich


eine kleine Aushöhlung in der Wand. So drei Meter hoch und vier Meter breit.


Ich hab´ sie damals vom Boot aus nicht gesehen. Dort sind wir rein und haben


erst mal ein Päuschen eingelegt. Hunger hatten wir inzwischen wie die Tiere."


„Das habt ihr doch immer", frotzelte nun auch Alisha und grinste ihn schief


an.


„Na klar. Sport macht hungrig", gab Jens noch seinen Senf dazu.


„Als wir fertig waren", fuhr Axel ungerührt fort, „wollten wir in den Boden


der Höhle einen Sicherungshaken einschlagen, um anschließend weiter abzusteigen.


Wir konnten aber hämmern so viel wir wollten: der Haken bekam


keinen festen Halt. Also begannen wir nach einer Weile, mit den Händen das


lose geschlagene Gestein aus der Höhle zu schippen. Es war so windig und


laut, dass wir das Aufklatschen der Brocken im Meer nicht hören konnten.


Nach über einer Stunde hatten wir dann endlich festeren Untergrund erreicht,


aber auch eine ganz schön große Vertiefung geschaffen. Da Jens mehr Power


beim Hämmern hat, trieb er den nächsten Haken rein und plötzlich gab unter


mir der Boden nach. Mit einem kurzen Sprung gelang es mir, wieder auf festen


Grund zu kommen. Neben mir, in der rechten Ecke der Höhle, krachte polternd


ein Teil des Bodens in ein Loch. Es staubte trotz der feuchten Kälte enorm.


Nach kurzer Zeit war der Spuk zu Ende und der Staub begann sich zu


legen."


Axel hörte auf zu reden.


„Weiter", forderte Julia auf. Sie hatte das Betrachten ihrer Fingernägel eingestellt


und ihr Mund stand etwas offen.


„Durch unser Hämmern auf den Boden ist scheinbar ein Loch entstanden,


dachten wir zuerst. Ihr könnt euch vorstellen, wie verblüfft wir waren. Wir


knieten uns hin und versuchten in das Loch zu schauen. Leider rauchen wir


Beide nicht, so dass wir auch kein Feuerzeug hatten. Dadurch war unsere Sicht


nach unten sehr begrenzt. Es war dunkel wie im Arsch. Das Loch war ungefähr


so groß, dass man mühelos durchklettern konnte. Vorsichtig tasteten wir


den Rand ab und erlebten die nächste Überraschung."


Wieder hielt Axel inne.


„Du nervst, Axel", fauchte Julia ihn an. „Immer wenn's spannend wird, hörst


du auf zu erzählen.


„Ich wollte euch den Rest erst Morgen sagen", entgegnete Axel lachend. „Du


wolltest doch heute unbedingt noch ins Starlight. Wir sollten uns dann jetzt


auf den Weg mach..."


Mehr konnte er nicht mehr sagen. Gleich zwei Kissen waren auf dem Weg zu


seinem Kopf. Alisha und Julia hatten gleichzeitig diese Idee gehabt und sie


auch ausgeführt. Das erste Mal, dass Alisha mit Julia einer Meinung war.


„O.k. Ich fahr ja schon fort. Also die Kante war wie geschliffen gerade. Es


ging eine Stufe, so zwei Handbreit stark, nach unten. Danach folgten eine weitere


ziemlich ebene Stufe und danach noch eine. Es war uns sofort klar, dass


hier Menschenhände in der Vergangenheit im Spiel gewesen sein mussten.


Vorsichtig räumten wir noch etwas losen Boden weg und...."


„Uff!" stöhnte Julia auf. „Dann muss aber auch jemand in der Vergangenheit


den Zugang zugemauert haben."


„Nee, nicht zugemauert", schüttelte Jens bedächtig den Kopf. „Wir haben uns


das nämlich auch gefragt und glauben auch die Lösung gefunden zu haben.


Der Boden war für zugemauert zu uneben, fast schon hügelig. Als wir uns die


Decke der Höhle genauer anschauten, konnten wir feststellen, dass genau über


dem Loch im Boden irgendwann einmal ein monströser Felsblock heraus gefallen


sein könnte und dieses Loch wie ein Pfropfen verschlossen hat. Nachrieselnde


Stücke verdeckten dann den Rest und die Zeit ließ alles wie einen Brei


verkleistern. Wir haben durch unsere Hämmerei einen Teil des Pfropfens quasi


in das Loch gehauen."


„Stimmt", pflichtete Axel bei, „und was wir als nächstes gemacht haben,


könnt ihr euch bestimmt denken - oder?"


Klar konnte sich Alisha das denken. Blöd und unvorsichtig, wie kleine Kinder,


sind sie in diesen Höhlengang, denn um so etwas musste es sich wohl


handeln, reingeklettert. Dass sich vielleicht giftiges Getier oder gesundheitsschädliche


Sporen darin befinden könnten, hatten die Beiden bestimmt nicht


auf ihrer Rechnung gehabt.


„Nee? Was denn?", wollte Julia wissen und schaute mit großen Augen Jens


an.


„Wir wollten sehen, um was es sich handelt. Ich bin allerdings nicht runter,


sondern Axel, weil der schlanker und kleiner ist. Ich stand mit dem Seil oben


und hab´ ihn abgesichert. Nun erzähl du, Axel, was du erlebt hast."


„Es war stockdunkel. Vorsichtig, rückwärts gehend, fast schon kriechend, ertastete


ich die Stufen. So nach zwanzig Stufen war es zu Ende. Ich konnte nur


noch ganz schemenhaft einen Geröllhaufen vor mir erkennen. Ganz langsam


tastete ich mich an das obere Ende dieses Haufens und stellte fest, dass man


drüber weg klettern könnte. Ein wenig Geröll beiseite geräumt, und auch Jens


würde mühelos durch passen. Da es aber zu duster war, entschloss ich mich,


wieder zurück zu gehen. Dabei kam mir am Fuße des Haufens etwas zwischen


die Finger, was sich wie ein Ring anfühlte. Ich packte dieses Teil, und was ich


dabei noch so alles erwischte, kurz entschlossen in die Tasche und machte


mich wieder auf den Weg nach oben. Draußen angekommen, betrachteten wir


meinen Fund."


Bei diesen Worten kramte er aus seiner ausgebeulten Hosentasche drei kleine


Gegenstände hervor und hielt sie der Gruppe in der geöffneten Hand hin. Alisha


und Julia sprangen fast gleichzeitig auf und näherten sich den Fundstücken.


„Iiiiihh......", zuckte Julia hektisch zurück, „zwei Knochen von irgend so einem


Höhlentier. Wer weiß, was für Ungeziefer da unten so herum fleucht."


Das Zittern, das durch den Körper Julias ging, konnte Alisha sehr gut nachempfinden.


Über die Tierknochen hatte sie jedoch eine ganz andere Meinung:


Das waren eindeutig Menschenknochen. Das kannte sie noch aus dem Biologieunterricht.


Mit spitzen Fingern nahm sie den etwas kürzeren und musterte ihn sehr genau.


Danach hielt sie ihn neben den Zeigefinger ihrer anderen Hand.


„Ich würde sagen, dass es sich um den vorderen Knochen eines menschlichen


Fingers handelt. Spezialisten könnten auch feststellen, ob Männlein oder


Weiblein."


„Iiiiihh......", jaulte Julia erneut los und deutete auf den dritten Gegenstand,


„und das soll ein Ring sein, Axel?"


Julia kratzte mit einem Fingernagel vorsichtig an dem grauen Gebilde und


wandte sich sichtlich angewidert ab. Jens hatte ein fettes Grinsen auf dem Gesicht,


als Alisha den Ring, als solchen schätzte sie ihn sehr wohl ein, Axel aus


der Hand nahm. Sie wog ihn in ihrer Hand und stellte fest, dass er sehr schwer


war. Er konnte aus Gold sein. Die graue Oberfläche war bestimmt nur die Folge


von Verwitterungen oder einfach nur verschmutzt. Sie würde ihn später


mal gründlich schrubben.


„Wie soll's nun weitergehen?", fragte sie in die Runde, den Ring und die


Knochen in ihre Hosentasche steckend.


„Ich schlage vor, dass wir Morgen Ausrüstungsgegenstände besorgen und


Übermorgen gemeinsam die Höhle untersuchen."


Jens meinte seinen Vorschlag ernst, das sah ihm Alisha an.


„Du spinnst wohl", fauchte Julia, „ich will weder eure ätzende Klamotten


mit einkaufen gehen und schon gar nicht mit in die Höhle."


Das war eine eindeutige Abfuhr. Alisha hatte zwar auch keine Lust mit in


eine dunkle, unbekannte Höhle zu klettern, aber sie fand die Art, wie Julia


hier ihren Freund behandelte, schlicht unmöglich. Das hätte man auch anders


sagen können.


„Also ich begleite Euch auf Eurer Einkaufstour gerne, aber auf die Entdeckungsreise


ins Reich der Dämonen und Toten folge ich Euch nicht. Macht


das getrost alleine. Vermutlich geht's ohnehin nicht allzu weit ins Innere.


Wenn schon am Eingang alles verschüttet war, dann ist es sehr wahrscheinlich,


dass weiter drin auch alles dicht ist."


Sie diskutierten noch eine Weile, dann zogen sich Alisha und Axel zurück.


„Puh! Dicke Luft zwischen den Beiden", fasste Axel in Kurzform auch die


Meinung Alishas zusammen. „Aber du könntest eigentlich wirklich mit in


die Höhle kommen. Das ist doch irre spannend."


„Nein. Lass mal gut sein", schüttelte Alisha den Kopf. Ihre schulterlangen,


braunen Haare wippten heftig hin und her.


„Was mich wundert ist", sinnierte Axel vor sich hin, laut genug, dass Alisha


es hören konnte. „Wieso soll es auf dieser steinigen Insel einen Geheimgang


in einer derartigen idiotischen Lage geben?"


„Ach. Vielleicht handelte es sich um einen Zugang zu einer alten Tempelanlage."


„So, So. Und die Besucher flogen dann ein?"


„Quatsch! Das Meer kann doch damals bis zu der kleinen Höhle gegangen


sein."


„So alt kann kein Bauwerk auf unserer Erde sein und mir ist nichts davon


bekannt, dass die Insel erst seit so kurzer Zeit aus dem Meer heraus gewachsen


ist."


„Na, ich weiß nicht", widersprach Alisha nachdenklich und sinnierte weiter.


„Es gibt da gleich bei Valletta eine uralte Höhlenanlage ....."


„Könnte es sich bei dem Höhlengang um einen geheimen Zugang zu dieser


Tempelanlage handeln?", fragte Axel schnell dazwischen.


„Das halte ich für absolut unwahrscheinlich. Zum einen, zu weit weg.


Mindestens zehn bis fünfzehn Kilometer Luftlinie, schätze ich. Zum anderen,


wäre er mit Sicherheit bei den Ausgrabungen entdeckt worden."


„Das könnte sich dann allerdings mit deiner Vermutung decken, dass dieser


Gang nicht mehr sehr weit führt, sondern verschüttet ist."


„Ein Grund mehr, nicht mehr hin zu gehen!", flehte sie ihn förmlich an.


„Da ist dann doch ohnehin nichts mehr zu entdecken."


„Ein Grund mehr hinzugehen und sich Gewissheit zu verschaffen", hielt


Axel lachend dagegen und nahm sie in den Arm.


Wenig beruhigt kletterte sie später in ihr Bett. Den Ring und die Knochen


in ihrer Hosentasche hatte sie vergessen.


Mitten in der Nacht wachte sie auf, als hätte sie jemand geweckt. Sie fühlte


ihren Pulsschlag bis zum Hals. Schnell registrierte sie, dass es ihr Freund


nicht gewesen sein konnte. Der schnarchte leise im oberen Bett vor sich hin.


Nach einem leichten Tritt mit dem Fuß gegen die Unterseite des oberen


Bettes verebbte das Schnarchen und Axel drehte sich in irgendeine andere


Lage.


Intensiv versuchte sie sich zu erinnern, wieso sie so abrupt wach geworden


war. Es wollte ihr nicht mehr einfallen. Leise wälzte sie sich aus dem Bett


und begab sich in das kleine Badezimmer. Als sie vor dem Spiegel stand


und sich betrachtete, musste sie zugeben, dass sie Julia wegen ihres Aussehens


beneidete. Julia hatte einen bedeutend umfangreicher geformten Busen


und fraulicheren Po. Sie war eher ein knabenhafter Typ, der ihrer Meinung


nach allerdings blendend zu ihrem Axel passte. Auch die Augenbrauen und


Wimpern Julias hätte sie gerne gehabt. Nur ihre eigenen Haare gefielen ihr


besser. Julias waren ausgelaugt und an den Enden zersplisst.


Da fiel es ihr wieder ein, was sie aus dem Schlaf gerissen hatte: Sie hatte


von dem Ring geträumt.


Wie auf Samtpfoten schlich sie durch den Raum und durchsuchte ihre


Jeans. Als sie den Ring gefunden hatte, zog sie sich wieder in das Badezimmer


zurück und begann, ihn mit einer kleinen Handbürste zu schrubben.


Bräunliche Soße lief dabei über ihre Hände, aber sie konnte immer öfter einen


goldenen Schimmer erkennen. Jedes Mal, wenn sie den Ring unter das


laufende Wasser hielt, blitzte etwas mehr von dem edlen Metall auf. Nach


einiger Zeit war sie endlich zufrieden. Gründlich musterte sie das Schmuckstück.


Es handelte sich um einen ziemlich klobigen Herrenring. In die Innenfläche


war etwas eingraviert, was sie nicht entziffern konnte. Dazu hätte sie eine


Lupe benötigt. Das verdickte obere Ende war mit einem teils tief eingelassenen,


teil erhaben gestalteten Zeichen versehen und machte dadurch auf


sie den Eindruck eines Siegelrings. Das in einer Vertiefung erhaben liegende


Zeichen stellte scheinbar einen vielzackigen Stern dar, in dessen Mitte ein


kleines Kreuz angebracht war. Die Form des Kreuzes kannte sie nur allzu


gut: In jedem Souvenirladen der Insel war es zu sehen. Es handelte sich offensichtlich


um ein Malteserkreuz, ein achtspitziges Kreuz.


„Sehr filigran, diese Arbeit", murmelte sie halblaut vor sich hin und setzte


sich auf den geschlossenen Toilettendeckel. „Also kann der Gang erst nach


1530 verschüttet worden sein."


„Wieso?"


Alisha wäre beinahe vom Toilettendeckel herunter gefallen, als auf sie diese


Frage einschlug. Vor ihr stand ....


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