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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Konstrukt, Peter Schäfer
Peter Schäfer

Konstrukt



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Ich bin Gott.
Wenngleich ich nicht unsterblich bin und meine menschliche Hülle
am Leben erhalten muss. Ich weiß nicht, wie lange ich bereits hier
sitze. Die Zeit spielt für mich längst keine Rolle mehr. Sie schreitet
unerbittlich voran und interessiert sich ebenso wenig für mich, wie
ich mich für sie. Jede Sekunde, die ich damit verschwenden würde,
auf die Zeit zu achten, würde mich lediglich daran erinnern, dass
ich sie nicht beeinflussen kann.
Vielmehr kontrolliert sie mich. Sie ist ein leises Ticken, dass man
nur hört, wenn man genau darauf achtet. Möchte man sie hören,
flüstert sie einem mit ihrer trügerisch sanften Stimme ins Ohr, dass
wieder ein Moment verstrichen ist. Die Menschen erschrecken,
weil sie Angst haben, dass irgendwann einmal der letzte Moment
kommen wird. Sie haben Angst, dass der letzte Moment
verstreicht, ohne, dass ihr Leben einen Sinn gehabt hat. Also hören
sie nicht hin, wenn die Zeit ihnen ins Ohr flüstert, ignorieren ihre
zarten Worte und leben ihr Leben – auf der Suche nach einem
Sinn.
Aber ich habe keine Angst vor der Zeit. Ihre Stimme dringt nicht
zu mir durch, denn ich stehe über ihr. Alles, was ich erreichen
wollte, habe ich erreicht. Mein Leben bekommt mit diesen Worten,
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die ich schreibe, endlich einen Sinn. Es gibt keine Momente mehr,
die ich nutzen könnte, ich bin bereits am Ende meines Weges
angelangt.
Und so stelle ich mich über die Zeit, obwohl ich genau weiß, dass
sie auch mich beherrscht. Mein vergänglicher Körper und die
Tatsache, dass ich sterben werde, erinnern mich immer wieder
daran, dass ich kein Gott bin, wie ich es verdienen würde. Wenn es
tatsächlich einen Gott gibt, eine übermenschliche Kraft, einen
Schöpfer, einen Ursprung, dann kontrolliert er die Zeit. Ich
dagegen kann es nicht.
Dennoch bin ich weit mehr als ein gewöhnlicher Mensch. Mein
ganzes Leben lang war ich mehr, war ich besser als andere
Menschen. Ich war ein guter Mensch und habe erkannt, worum es
geht. Viele Jahre lang habe ich mir gewünscht, die Macht zu
besitzen, um Dinge zu verändern. Nun habe ich das Spiel
verstanden und meinen letzten Zug gemacht.
Obwohl ich noch weit vom Tod entfernt bin, ist mein Leben bereits
beendet. Es gibt für mich nichts mehr zu tun. Der Grundstein ist
gelegt und ich werde die restlichen Jahrzehnte meines Lebens
damit verbringen, der Zeit zuzuhören, wie sie mir einen um den
anderen Moment nimmt.
Während meine Ohren mit völliger Gleichgültigkeit mitanhören,
wie sie ihnen zuflüstert, werden meine Augen beobachten.
Sie werden mein Konstrukt beobachten. Gottes Konstrukt.


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