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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Khun Nick - Der Pattaya Detektiv, Klaus Sebastian
Klaus Sebastian

Khun Nick - Der Pattaya Detektiv



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Psycho-Trip nach Kanchanaburi

 


 


Das wuchernde Bambusdickicht, die riesigen Bananenstauden und Palmen am jenseitigen Ufer des River Kwai erinnerten mich an eine Landschaft aus „Apocalypse Now“. In dem Vietnam-Epos war dieser wundervolle Tropentraum wenig später in Flammen aufgegangen. Hier blieb gottlob alles ruhig. Nicht mal die kleine Schlange, die lautlos vom morastigen Ufer ins Wasser glitt, störte die friedliche Atmosphäre.


Es kam selten vor, dass ich Pattaya verließ, um jemanden zu beschatten. Die Standardaufträge führte ich in der Regel vor Ort aus. Die Mädchen, die ich beobachten sollte, suchten sich ihre Freier logischerweise an den Bars des quirligen Badestädtchens. In meinem Job gab es also kaum Veranlassung, größere Reisen zu unternehmen. Doch ich wollte an dieser Stelle ja nicht von den alltäglichen, sondern von den außergewöhnlichen Fällen berichten.


Was hatte mich also ausgerechnet nach Kanchanaburi, ans Ufer des River Kwai verschlagen?


Die Geschichte begann damit, dass ein gewisser Dr. Fröhling am Montag in meinem Büro auftauchte. Er erklärte mir, er sei Psychiater mit Privatpraxis in Düsseldorf. Er machte Urlaub in Pattaya – in einem der besseren Hotels. Ich fragte ihn, was ich für ihn tun könnte.


„Nun“, begann er - während er sich den Schweiß von der Stirn tupfte - „ich habe an einer Bar ein interessantes Mädchen kennengelernt.“


Innerlich stellte ich mich schon wieder auf die Standardstory ein: Ein verliebter Farang wünscht sich, dass seine Zukünftige ihren Job aufgibt und er beauftragt deshalb einen Detektiv, die Lady im Augen zu behalten. Es gab auch Doktoren, die sich wegen einer reizenden thailändischen Bardame ins Unglück stürzten. Allzu häufig kam dies allerdings nicht vor. Doch wie sich zeigte, schätzte ich die Motive des Dr. Fröhling nicht ganz richtig ein.


„Es ist nicht so, wie Sie vielleicht denken“, sagte er nun, als hätte er meine Gedanken gelesen. „Ich habe mich keineswegs in dieses Mädchen namens Dah verliebt. Es steckt vielmehr – na, sagen wir zur Hälfte privates und halb berufliches Interesse dahinter.“


„So ganz kann ich Ihnen noch nicht folgen“, gestand ich und spielte mit meinem Kugelschreiber. Auf meinem Notizblock stand bisher nur ein einziges Wort: „Dah“.


„Also, um es kurz zu machen: Vorgestern, als ich mit Dah an der Bar ins Gespräch gekommen bin, hat sie bereits nach zwanzig Sekunden vorgeschlagen, mit in mein Hotel zu kommen.“


So ungewöhnlich kam mir das nicht vor, und ich überlegte, ob der Doktor womöglich zum ersten Mal in Thailand Urlaub machte.


„Aber verstehen Sie mich bitte nicht falsch“, ergänzte er. „Es war nicht der Vorschlag als solcher, der mich stutzig machte, sondern die Art und Weise, wie sie ihn zur Sprache brachte.“


„Inwiefern?“


„Sie lächelte kein bisschen, sie spulte den Satz wie eine Maschine hervor und sie beachtete mich überhaupt nicht. Da hätte jeder x-Beliebige sitzen können – Frankenstein oder King Kong.“


So ganz wusste ich immer noch nicht, worauf der Doktor hinauswollte, denn ich hatte schon haufenweise King Kongs in Pattaya gesehen - nicht selten mit hübschen, zierlichen Thai-Püppchen im Schlepptau.


„Oder versuchen wir´s mal anders herum: Ich habe in meiner Psycho-Praxis schon eine Menge erlebt – Menschen mit Psychosen, Neurosen, Phobien. Sie können sich vorstellen, dass ich schon öfter als mir lieb war in die Abgründe der menschlichen Seele hineingeschaut habe.“


Mein Mund war trocken, ich schluckte und fragte ihn, ob er ein Glas Cola wollte.


Dann ging ich zum Kühlschrank und goss uns zwei Gläser ein. Während ich darauf achtete, dass die Coke nicht überschäumte, fuhr er fort.


„Ich hatte aber gleich die Vermutung, dass dieses Mädchen gefühlsmäßig abgestorben ist. Als sie mir den Vorschlag machte, in mein Hotel zu gehen, klang das nach einem Opfergang. Verstehen Sie? Kein Lächeln, kein gespielter Flirt, nur eiskalte Blicke, deren Leere mir eine Gänsehaut machten – und das kommt selten vor. In meinem Beruf tut man nämlich gut daran, sich ein dickes Fell anzuschaffen.“


In meinem auch, dachte ich, sprach es aber nicht aus.


„Haben Sie das Mädchen ein wenig ausgequetscht?“


„Ja, natürlich“, sagte Fröhling und nippte an seinem Drink. „Ich hab es zuerst mit der üblichen moralischen Tour versucht – es wäre kein guter Job, an der Bar zu arbeiten, mit Farangs zu gehen und so weiter. Darauf erwiderte sie nur: Good for me. Same monk.“


„Good for me, same monk?“


„Ja, ich verstand zuerst auch kein Wort. Was sollte das heißen: ‚Wie ein Mönch.‘ Also hakte ich nach und kam irgendwann dahinter. Sie meinte wohl, sie wolle wie eine Büßerin leben, alles erleiden, erdulden – bis hin zur Selbstvernichtung.“


Die Bar als Bußstelle – so hatte ich das Phänomen auch noch nie betrachtet.


„Alles in allem, wenn ich das korrekt zusammenfasse: Für Sie ist Dah ein interessanter klinischer Fall, ein Mädchen mit abgestorbenen Gefühlen und einem Selbstvernichtungstrieb. Verstehe ich Sie soweit richtig?“


„Genau“, sagte Fröhling.


Dass Leute in ihrem wohlverdienten Urlaub nicht abschalten können und immerfort an ihren Job denken, war ja nichts Neues. Anscheinend gehörte der Psychiater Fröhling auch in diese Kategorie.


„Und wo komme ich ins Spiel?“ fragte ich und blickte ihm mit ehrlicher Neugier ins Gesicht.


„Nun, ich habe das Mädchen inzwischen drei Mal getroffen. Sie war übrigens auch mit in meinem Hotelzimmer – aber ich habe meine Finger von ihr gelassen. Als Psychiater sollte man die Gefühle außen vor lassen. Aber dennoch...“


Er stockte, fixierte die Klimaanlage, als suchte er dort nach der passenden Formulierung.


„Sie hat vielleicht so eine Art Beschützerinstinkt in mir geweckt. Ich kann dieses Gefühl noch nicht genau in Worte fassen.“


„Es geht also doch über berufliche Interessen hinaus?“ wollte ich wissen.


„Ja, das scheint so zu sein. Und gleichzeitig glaube ich, wenn ich ihr Problem knacken könnte, ihr helfen könnte, wieder Lust am Leben zu haben – das wäre so etwas wie mein schönster beruflicher Erfolg.“


„Und wenn es dann noch persönlich funkte, hätten Sie auch keine Einwände, oder?“ fragte ich vorlaut.


Er grinste verlegen, rückte seine Brille gerade.


„Na ja, mal abwarten. Also, meine Frage: Können Sie die Kleine im Auge behalten? Ich fliege nämlich morgen nach Düsseldorf und kann frühestens in sechs Wochen wieder hier sein.“


„Kein Problem. Sie möchten, dass ich überprüfe, ob sie Ihnen treu ist?“


„Nein, nein. Das ist wirklich nicht der entscheidende Punkt. Passen Sie auf das Mädchen auf. Ich glaube zwar nicht, dass sie suizidgefährdet ist. Was sie da veranstaltet, sieht eher nach einem Selbstmord in Zeitlupe aus. Wie gesagt: Sie sieht sich als Opfer, sie würde alles mitmachen, jede Erniedrigung. Außerdem isst sie kaum etwas - und in der Nacht, also in meinem Hotel, da hat sie wie ein Hund auf dem Boden, am Fußende meines Betts geschlafen.“


„Nimmt sie Drogen?“


„Als sie geduscht hat, hab ich in ihrer Handtasche nachgeschaut. Da war nichts.“


„Das heißt: Wenn sie etwas Gefährliches anstellt, werde ich versuchen, sie davon abzuhalten, okay?“


„Ja, das wäre Punkt eins. Mein zweites Anliegen ist vermutlich schwerer zu lösen.“


„Ich höre.“


„Finden Sie heraus, woher dieser Selbstvernichtungs-Wunsch kommt. Sie hat mir nichts aus ihrer Vergangenheit erzählt. Sie schweigt, sie ist total blockiert.“


„Ich soll mit ihr reden? Aber ich bin kein Psychiater...“


„Nein. Beobachten Sie das Mädchen aus der Distanz, aber bleiben Sie ihr auf den Fersen. Reden Sie mit ihren Freundinnen, was weiß ich. Schauen Sie, was sie so macht – vielleicht finden wir dann einen Schlüssel, einen Weg zurück in ihre Vergangenheit.“


„Und wenn sie Pattaya verlässt?“


„Bleiben Sie dran! Ich übernehme alles: Spesen, Fahrkosten, kein Problem.“


Und so landete ich in Kanchanaburi, auf den Fersen von Dah, der Psychotikerin.


 


* * * * * * *


 


Dass ihre Familie am River Kwai wohnte, hatte ich bereits nach ein paar diskreten Gesprächen mit ihren Arbeitskolleginnen herausgefunden. Dass sie zwei Tage später per Bus nach Bangkok und dann nach Kanchanaburi fuhr, überraschte mich freilich. Ihr unauffällig zu folgen, war dennoch reine Routine. Im Bus saß ich drei Reihen hinter ihr – ein typischer Farang, der während der Fahrt unter dem Schirm seiner Baseballkappe döste.


In Kanchanaburi winkte ich ein Moped-Taxi heran und folgte ihr so bis zum Haus der Familie. Vorerst reichte es mir zu wissen, wo ich sie finden konnte. Danach bezog ich einen Bungalow im Baan Suan Fon Resort, das nicht weit von ihrer Wohnung direkt am Fluss lag. Ich duschte, setzte mich auf die kleine Terrasse und starrte hinüber aufs andere Ufer, das mich an den Vietnam-Film erinnerte.


Als Dah fünf Minuten später aus dem Dickicht dieser Tropenkulisse hervortrat, glaubte ich zunächst an eine Halluzination. Doch es war kein Trugbild – sie spazierte tatsächlich am anderen Ufer des River Kwai Yai herum, direkt vor meiner Nase. Ich flitzte zurück in den Wohnraum, kramte meinen kleinen Feldstecher aus dem Rucksack und zoomte mir die Szene heran. Sie schien dort etwas zu suchen; hin und wieder bückte sie sich, schob das hohe Schilf und die wuchernden Gräser beiseite. Noch einmal wurde mir klar, wieviel Glück ich gehabt hatte, dass sie so unverhofft in meiner Nähe aufgetaucht war. Wenn es schlecht gelaufen wäre, hätte die Observation ihres Elternhauses ja mehrere Tage dauern können.


Plötzlich hielt sie inne – ich meinte einen halb erstickten Schrei gehört zu haben. Durch das Fernglas sah ich in überwältigender Klarheit, wie sie beide Hände vors Gesicht schlug. Sie musste dort drüben etwas Furchtbares entdeckt haben, denn gleich darauf eilte sie wie gehetzt davon. Sekunden später war das Mädchen hinter dem Bambusvorhang verschwunden.



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