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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe KEN , Toni M. Nutter
Toni M. Nutter

KEN


Aus dem Alltag eines Taugenichts

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INNEN - KÖLNER CAFÉ – TAG


 


T.M.NUTTER und ROBERT sitzen in


einem Café und unterhalten sich.


 


ROBERT


Wie verkauft sich dein Buch?


 


T.M.NUTTER


(nimmt einen kräftigen Schluck


schwarzen Kaffee)


Eher schlecht als recht.


 


ROBERT


Das wird schon. Es braucht halt


seine Zeit, bis der große Durchbruch


kommt. Du musst nur etwas


Geduld haben. In naher Zukunft


wirst du sicher eine Menge Kohle


machen.


 


T.M.NUTTER


(mit fest entschlossener Stimme)


Ich scheiß´ auf das Geld. Was ich


begehre,- ist Ruhm und Ehre. Ich


möchte zu einer Legende werden.


Man soll sich auch in hundert


Jahren an mich erinnern.


 


ROBERT


(lacht)


Hm. Meinst du nicht, dass du etwas


zu viel verlangst? Mit dem Schreiben


viel Geld zu machen ist viel


einfacher, als zu einer Legende zu


werden. Nur ganz wenige haben das


besondere Glück in die Geschichte


einzugehen. Es liegt nicht an dir,


ob du vergessen wirst oder nicht.


 


T.M.NUTTER


Da liegst du falsch! Es liegt an


jedem selbst sein eigenes


Schicksal zu entwerfen. Ich werde


meine Zukunft so gestalten, dass


mehrere Generationen nach mir sich


noch an meinen Namen erinnern


werden.


 


ROBERT


(sarkastisch)


Wie willst du das anstellen?


Möchtest du den ersten schwarzen


Präsidenten der USA erschießen?


Ich muss zugeben, dass würde dich


in die Geschichtsbücher


katapultieren.


 


T.M.NUTTER


(lächelt herablassend)


Nein. Es ist viel einfacher.


 


ROBERT


(seine Neugierde ist geweckt)


Dann kläre mich bitte auf.


 


TONI.M.NUTTER


Ich werde Amoklaufen und dabei


viele, sehr viele Menschen töten.


 


ROBERT


(schaut überrascht)


Amoklaufen? Wie? Wieso?


Und außerdem: Gibt es denn nicht


schon genug Amokläufer?


 


T.M.NUTTER


Ich werde nicht nur einen


medienreifen Amoklauf inszenieren,


sondern ich werde diese Tat Monate


zuvor, nein, sogar Jahre vorher


ankündigen. Und dann werde ich es


durchziehen, genauso wie ich es


vorhergesagt habe.


 


ROBERT


Ein Amoklauf endet meistens mit


dem Selbstmord. Ist der Tod am


Ende die ganze Sache wert?


 


TONI.M.NUTTER


Was ist schon das ´alltägliche´


Leben wert? Wenn du Pech hast,


dann erkrankst du an Krebs oder an


einer anderen Scheißkrankheit und


musst wie ein Hund unter Schmerzen


krepieren. Oder du schaffst es mit


viel Glück ins Greisenalter und


musst miterleben, wie du von der


nicht vorhandenen Güte anderer


abhängig wirst. Ist es unter


diesen Umständen nicht besser


seinen eigenen Todeszeitpunkt


selbst festzulegen? Ist nicht ein


kurzes, aber erfülltes Leben


vorzuziehen, als das monotone


Dahinvegetieren, das die meisten


Menschen als Leben definieren? Ich


möchte nicht einfach so sterben


und in Vergessenheit geraten. Ich


bin kein unbedeutendes Atom im


großen Universum. Ich möchte ein


Zeichen setzen.


 


ROBERT


Vielleicht hast du recht.


TONI.M.NUTTER


(lächelt kalt)


Du weißt, dass ich recht habe.


 


ROBERT


Aber dein Plan, einen Amoklauf


anzukündigen und durchzuführen,


kann doch nie und nimmer


aufgehen.In dem Moment, wo du mit


deiner Tatabsicht an die


Öffentlichkeit gehst, werden die


Bullen dich festnehmen.


 


T.M.NUTTER


Glaubst du etwa, dass ich mir darüber


keine Gedanken gemacht habe?


Mein Freund du unterschätzt mich.


Ich bin kein Idiot.


 


ROBERT


Dann erkläre mir das WIE?


 


TONI.M.NUTTER


Ich werde ein Buch schreiben, in


dem ich meine Tat ankündige.


 


ROBERT


Ein Buch?


 


T.M.NUTTER


Ein ganz besonderes Buch. Es wird


den Titel KEN tragen. Mithilfe


dieses Buches werde ich meine Tat


vorankündigen.


 


Robert


Und weiter?


 


T.M.NUTTER


Ich werde eine Romanfigur


Amoklaufen lassen. Es wird eine


Art semi-biografische Erzählung,


die zukünftige Ereignisse


vorwegnimmt und mit älteren


Ereignissen verbindet. Am Ende der


Geschichte werde ich das genaue


Datum und die Uhrzeit angeben, an


dem ich aus meiner fiktiven


Geschichte eine reale Tat folgen


lasse.


 


ROBERT


Das könnte funktionieren. Die


Leser werden denken, dass du nur


ein Buch geschrieben hast und


werden es nicht ernst nehmen. Aber


nach der Tat wird sich das Buch


millionenfach verkaufen und du


wirst mit dieser genialen Idee


Geschichte neu schreiben. Die


Menschen auf der ganzen Welt


werden über dich und dein Buch


sprechen.


 


T.M.NUTTER


Nicht nur meine treuen Fans werden


ihr blaues Wunder erleben, sondern


alle, die mich kennen.


(Er schaut verträumt in die


Ferne.)


Ich kann mir schon das Gesicht


meiner Leser und Leserinnen


bildlich vorstellen, die jetzt in


diesem Moment mein Buch vor sich


liegen haben und über diese Zeilen


ihren Blick schweifen lassen. Sie


fragen sich, ob ich das wirklich


so meine oder nicht. Sie werden


entweder mit einem Lächeln


weiterlesen und das ganze als gute


Erzählung auffassen oder sie


werden jetzt doch kurz innehalten


und auf das komische Gefühl in


ihrer Magengegend horchen.


Wie entscheiden Sie sich?


Wie entscheidest DU dich?


Weiterlesen oder nicht?


 


ROBERT


Und was denkst du? Werden sie


weiterlesen?


 


TONI.M.NUTTER


Ich schätze die voyeuristische


Natur des Menschen wird dafür


sorge tragen, dass sie Zeile für


Zeile weiterlesen werden. Wie


viele von uns können dem inneren


Drang widerstehen, wenn man an


einem Unfallort vorbeifährt, dabei


leicht auf die Bremse zu treten,


um zu sehen, was da passiert ist.


Die fremden Gedanken, die


Schicksalsschläge anderer wecken


unsere Neugierde. Die kranken


Gedanken, die psychopathischen


Handlungen umso mehr. Diese


voyeuristische Veranlagung liegt


tief verankert in unserem Sein.


 


ROBERT


Und das Verlagshaus?


 


TONI.M.NUTTER


Die Verlagshausmitarbeiter werden


sich zuerst versammeln und sich


überlegen, ob sie dieses Buch


überhaupt veröffentlichen sollen


oder lieber nicht. Unser Gespräch


wird sie alle verunsichern.


 


ROBERT


Was? Du möchtest dieses Gespräch


voranstellen?


 


T.M.NUTTER


(eine eiserne Entschlossenheit


blitzt in seinen Augen auf)


Natürlich. Ich werde unser


Gespräch wortwörtlich ins Buch


aufnehmen. Nie hat es so etwas


zuvor gegeben. Nach meinem


Amoklauf werden sich die ganzen


Mitwissenden richtig schlecht


fühlen, da sie nun realisieren,


dass auch etwas Blut an ihren


Händen klebt. Alle, die diese


Zeilen lesen, könnten rein


theoretisch ein zukünftiges


Blutbad verhindern, jedoch traut


sich keiner, gegen mich


vorzugehen.


 


ROBERT


Die Leser könnten zur Polizei


gehen.


 


TONI.M.NUTTER


Diese Bastarde bei der Polizei


sind zu dumm, um gegen mich anzugehen.


 


ROBERT


Sie könnten deine Pläne durchkreuzen.


 


TONI.M.NUTTER


Was kann die Polizei gegen mich


schon unternehmen? Ich würde


einfach alles abschreiten und


behaupten, dass sogar diese


Aufzeichnung unserer Unterhaltung


rein fiktiver Natur sei. Ich kann


es als künstlerische Inspiration


hinstellen und aussagen ich hätte


es geschrieben, um meine Leser und


Leserinnen zu verunsichern und


somit die Verkaufszahlen für mein


Buch anzukurbeln.


 


ROBERT


Was wirst du machen, wenn das


Verlagshaus da nicht mitmacht?


 


T.M.NUTTER


Falls sich das Verlagshaus quer


stellt, dann veröffentliche ich


diese Erzählung halt im Internet.


Aber glaub´ mir, das Verlagshaus


wird mitspielen. Es geht um viel


Geld. Nach meinem Amoklauf kann


das Verlagshaus sich dank der


Verkaufszahlen zur Ruhe setzen.


 


ROBERT


Aber das Buch könnte indiziert


werden, noch bevor es die Leser


erreicht.


 


T.M.NUTTER


Auch darüber habe ich mir meine


Gedanken gemacht. Ich werde keine


offensichtliche Anleitung zum


Amoklauf schreiben, sondern ich


schreibe einen Roman, in der ich


die narrative Erzählstruktur etwas


künstlerisch modifiziere, um so


meine wahre Absicht zu


kaschieren.Der ganze Aufbau des


Buches wird unkonventionell konzipiert


sein, sodass man es nicht


auf Anhieb verbieten kann, sondern


zuerst klären muss, ob es nun


einen künstlerischen Wert besitzt


oder nicht. Diese Untersuchung


kann sich in die Länge ziehen und


durch diese zusätzliche Werbung


kann ich viel, viel mehr


Aufmerksamkeit auf mich und mein


Buch lenken. Du siehst also, dass


sogar ein präventives Vorgehen der


Staatsgewalt - gegen mein Buch


oder gegen meine Person - mich nur


vorwärtskatapultiert.


 


ROBERT


Du bist ein Genie. Ein verdammt


krankes Genie.


 


T.M.NUTTER


(lächelt selbstzufrieden)


Dankeschön.


 


ROBERT


Wo wirst Du Amoklaufen? Und wann


soll die ganze Sache stattfinden?


T.M.NUTTER


(lächelt)


Lies mein Buch ...


 


Ende? 


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