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> Krimi Thriller > Keine Spur von Mirko
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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Keine Spur von Mirko, Yvonne Habenicht
Yvonne Habenicht

Keine Spur von Mirko



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Keinem von ihnen hatte sie je geglaubt. Nicht den Ärzten auf der Entbindungsstation, nicht den Psychiatern in der psychiatrischen Klinik in den Monaten danach und schon gar nicht ihrer Familie. Nach wie vor war sie der festen Überzeugung, dass ihr Sohn am Leben war. Sie hatte gespürt, wie sie ihn geboren hatte, gespürt, dass er lebte und seinen ersten Schrei gehört. Dann hatte man ihr das Kind gestohlen, geraubt, fortgebracht. Alle hatten behauptet, das Kind war tot. Es habe überhaupt nicht gelebt und auch nie geschrien. Aber Julia wusste es besser. Eine Mutter wusste, ob sie ein lebendes oder ein totes Kind gebar, und eine Mutter wusste auch, ob sie tatsächlich oder im Traum – wie man ihr weismachen wollte – ihr Kind nach der Geburt schreien hörte. Sie hatte das tote Kind nicht gesehen. Man sagte ihr, sie habe nur geschrien, man habe ihr starke Medikamente geben müssen. Ja, sie hatte geschrien, aber weil alle gelogen hatten, weil ihr Kind fort war. Bis zur Entbindung war alles normal gewesen. Jede Untersuchung hatte bestätigt, dass es dem Kind gut ging. Sie hatte auf dem Ultraschall die kleinen Ärmchen und Beinchen gesehen, den Herzschlag gehört und hatte seine Bewegungen gespürt. Julia war Heilpraktikerin, davor Krankenschwester gewesen, sie wusste doch Bescheid, es gab keinen vernünftigen Grund für eine plötzliche Totgeburt. Sie war der festen Überzeugung, dass Max dahintersteckte. Er hatte das Kind von Anfang an nicht gewollt, hatte auf sie eingeredet, es abtreiben zu lassen. Er hatte ja schon zwei Kinder und eine Frau. Als Julia darauf bestand, das Kind zu bekommen, hatte er ihr gedroht, sich schließlich von ihr abgewandt. Max hatte genügend Einfluss, ein Kind rauben und verstecken zu lassen. Einfluss und Geld. Geld hatte sie auch, das Erbe der Mutter und die Aktienpakete ihrer Lieblingstante. Wenn sie als Heilpraktikerin tätig war, verdiente sie gut. Aber bei weitem war das nicht mit dem Vermögen eines Mannes wie Max zu vergleichen. Und er hatte ja nicht Geld, sondern viel Einfluss. Es würde schwer sein, ihm auf die Schliche zu kommen. Aber Julia war überzeugt, es zu schaffen, sie würde ihren Sohn wiederfinden, gleich, wo man ihn verborgen hielt. All die Jahre danach lebte sie nur für die Suche nach ihrem Kind. Seit sie die Psychiatrie verlassen hatte, hatte sie immer wieder die Wohnorte gewechselt, immer wenn sie meinte, es gäbe Anzeichen, in diesem oder jenem Ort könne ihr Kind leben. Es war eine planlose Suche, die verrückt und hoffnungslos anmutete. Sie sah kleine Jungen, die ihr ähnlich sahen, bemühte sich, mit den Müttern ins Gespräch zu kommen und Näheres zu erfahren. Doch stets musste sie nach kurzer Zeit schon feststellen, dass diese Kinder nicht in jener Kieler Klinik zur Welt gekommen waren, dass sie von Nahem besehen eben doch anders aussahen und entweder jünger oder älter waren als ihr Sohn. Dann zog sie weiter, von Rastlosigkeit getrieben. Es gab so viele Kinder. Trotzdem war sie hundertprozentig sicher, ihren Sohn zu finden, ihren kleinen Benjamin, den man ihr genommen hatte. Zu ihrer Familie hatte sie keinen Kontakt mehr. Jene, die noch lebten, hielten sie schlichtweg für verrückt. „Die hat das mit der Totgeburt nicht verkraftet“, hieß es, „da ist nichts zu machen, hat den Verstand verloren“. Keiner hatte Lust, sich ihre ewigen Tiraden über Benjamins Entführung und seinen letzten Geburtstag anzuhören. Das tat sie nämlich, all seine Geburtstage feierte sie. Sie buk einen Schokoladenkuchen, steckte die entsprechende Anzahl Kerzen darauf, baute rings herum kleine Geschenke auf, Bilderbücher und Bausteine, Plüschtiere, Holzeisenbahnen, Malstifte… Dann saß sie in der jeweiligen Wohnung oder einem Hotelzimmer am Tisch und sang Kinderlieder für ihr verschwundenes Kind. Und in diesem Frühling war es schon der sechste Geburtstag gewesen, den sie so verbracht hatte. Doch diesmal war sie ganz sicher. Die Geschichte stimmte von Anfang bis Ende.


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