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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Karla: Psychothriller, Mark Franley
Mark Franley

Karla: Psychothriller



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–1–


 


Manchmal erschien Karla die Erinnerung an ihre Kindheit wie eine der verblassten Postkarten, die sie als Kind so oft in der Küche ihrer Oma bewundert hatte. Doch die Farblosigkeit kam nicht etwa, weil inzwischen einige Jahre vergangen waren. Nein! Der wahre Grund war, dass Farbe in diesen Bildern nichts zu suchen hatte! Einzig die ersten Lebensjahre von ihr und ihrem Bruder hatten ein paar bunte Flecken verdient, dann wurde ihr Leben fast über Nacht grau und dunkel. Alles begann mit dem Tod ihrer Oma, der fast wie ein böses Omen über die beiden Kinder hereingebrochen war, und weder Andreas noch sie hatten verstanden, wie ihre Eltern danach so schnell wieder zum Alltag übergehen konnten. Rückblickend betrachtet, steckte ihr Vater zu diesem Zeitpunkt schon knietief in der Scheiße, aber das konnten sie als Kinder natürlich nicht wahrnehmen. Und Mutter? Ihre Mutter war nur so lange sicher, wie sie im Schutz ihres Mannes stand. Als dieser Schutz zu bröckeln begann, nahm auch ihre vermeintliche Stärke ab und ihre Hilflosigkeit zu. Der Umzug in das kleine, aber freistehende Haus ihrer Oma war beschlossene Sache, und hätten die beiden Geschwister damals gewusst, was sie in diesen Mauern erleben würden, sie wären einfach nur gerannt.


 


–2–


 


»Ist es immer noch so schlimm?« Natalie war fast unbemerkt neben ihren Partner getreten und legte nun ihre Hand auf Mikes Schulter. Flimmerndes Licht fiel durch die noch jungen Blätter der Baumkrone, die über Peters Grab zu wachen schien, und bildete ein sich ständig veränderndes Muster auf dem schweren Granitstein. Alles hier wirkte auf seltsame Weise unwirklich. Auf der einen Seite war es ein Ort der Trauer, doch jetzt im Licht der Frühlingssonne und zusammen mit der milden Luft fiel es Natalie schwer, sich auf Mikes dunkle Stimmung einzustellen. Es war nicht das erste Mal, dass sie ihn hier abholen musste, weil er sein Handy abgeschaltet hatte und sonst nirgends zu finden war. Die ersten Male hatte sie noch versucht ihn zum Reden zu bringen, inzwischen ließ sie Mike, wo auch immer er gerade in Gedanken war. Heute schien allerdings irgendetwas anders zu sein, er riss seinen Blick von der Inschrift des Grabes los, sah sie an und sagte: »Es ist nicht wegen Peters Tod. Ich habe mich in den letzten Jahren selbst verloren und unser Job macht es nicht einfacher.« Mike unterbrach seine Rede und Natalie glaubte etwas zu viel Feuchtigkeit in seinen Augen zu erkennen. Nach einem flüchtigen Blick in die Ferne sah er sie wieder an und sprach weiter: »Als du zu uns gekommen bist, und wir diesen wirklich kranken Fall hatten, war ich mehr von mir selbst als von dem, was damals passierte, schockiert. Es hat eine Weile gedauert, bis mir klar wurde, was mit mir nicht stimmte, und als ich es erkannte, wurde mir klar, dass ich innerlich tot war. Nach dem, was meiner Familie passiert ist, hätte mich schon die erste Leiche umhauen müssen, aber das geschah nicht! Mord, Folter, Hilflosigkeit ... alles egal! Nichts berührte mich mehr. Die Trennung von Jenni, nachdem sie sich als sensationsgeile Reporterin gezeigt hat ... nichts ... kein Gefühl, keine Trauer, kein Vermissen. Kann man so als bewaffneter Hauptkommissar durch die Welt laufen? Was ist, wenn ich einmal einen Täter einfach abschieße, statt ihn festzunehmen? Was ist, wenn jedes Mitgefühl fehlt, und ich entsprechend handle?« Natalie senkte den Blick zu Boden und dachte darüber nach, dann antwortete sie: »Ich kenne dieses Gefühl nur allzu gut. Auch in meinem Leben gab es Zeiten dieser ... ich nenne es ... inneren Ödnis und ich fühlte mich endlos weit weg von jedem Gefühl. Erst meine Ausbildung zur Polizistin konnte etwas Grün in dieses Tal der Leere bringen. Es ist nicht nur, dass man auf etwas anderes konzentriert ist, es ist vielmehr die Hilfe und der Schutz, den man anderen gibt. Manchmal glaube ich, dass wir viel näher am christlichen Gedanken sind, als viele Würdenträger der Kirche.« Nun sah sie Mike in die Augen und sagte: »Du bist bis zum Schluss bei den beiden Opfern in diesem Verlies geblieben. Und ich glaube nicht, dass du sterben wolltest, du hast es aus dem unbedingten Willen heraus getan, die Frauen zu retten!« Wieder folgte eine kurze Pause, dann fügte sie hinzu: »Ich weiß, es klingt aus dem Mund einer Jüngeren vermessen, aber ich rate dir trotzdem: Nimm dir die Zeit, die du brauchst, auch wenn du es im Moment anders siehst, glaube mir. Dieser Job ist dein Anker! Er hält dich zusammen, und auch wenn wir es mit der grauen Seite unserer Gesellschaft zu tun haben, ist es vielleicht gerade das, was das Lichtlein in uns entzündet.« »Wir werden sehen!« Mehr hatte Mike für den Augenblick nicht dazu zu sagen, dann verschwand der traurig, nachdenkliche Ausdruck in seinem Gesicht und mit dienstlichem Unterton fragte er: »Warum bist du gekommen?« Auch Natalie beließ es dabei, fragte erst: »Gehen wir zum Wagen?«, und erklärte dann, während sie dem Ausgang von Nürnbergs Südfriedhof entgegengingen: »Karl will uns sehen. Warum genau weiß ich nicht, aber er lässt gerade das halbe Präsidium zusammentrommeln. Um 13 Uhr soll es dann eine informelle Ansprache geben. Wenn du mich fragst, klang er so, als wäre der Teufel höchst persönlich in der Gegend.« Am Dienst-BMW angekommen, drückte Natalie ihrem Kollegen den Schlüssel in die Hand und bestimmte: »Du fährst!« Und obwohl Mike in der Hierarchie über der Kommissarin stand, widersprach er nicht und setzte sich hinter das Lenkrad. »Was ist denn hier los?«, fragte Mike mehr sich selbst, da er den Parkplatz des Nürnberger Hauptpräsidiums noch nie so voll gesehen hatte. Selbst sein reservierter Stellplatz war so eng zugeparkt, dass er Mühe hatte, den Wagen ohne Kratzer abzustellen. »Ich sagte ja, dass es wichtig sein muss!«, erwiderte Natalie und stieg dabei aus. »Gehst du schon rauf, oder kommst du noch kurz mit zum Raucherplatz?«, fragte Mike und Natalie folgte ihm, ohne Antwort zu geben. Seltsamerweise war die kleine, abgetrennte Ecke des Innenhofes fast wie ausgestorben. Nur ein Mann in einem ziemlich teuer wirkenden Anzug stand mit dem Rücken zu ihnen, drehte sich aber um, als er jemanden hinter sich bemerkte. Dann dauerte es zwei, drei Sekunden und er streckte Mike die Hand entgegen: »Hauptkommissar Köstner, schön Sie zu sehen!« Obwohl Mike Oberstaatsanwalt Ehmer nicht sonderlich leiden konnte, rang er sich ein Lächeln ab und erwiderte den Gruß, anschließend deutete er auf Natalie und sagte: »Das ist meine neue Kollegin, Kommissarin Natalie Köbler.« Dann machte er eine Geste zu dem Mann: »Natalie, das ist Herr Oberstaatsanwalt Ehmer.« Mike konnte sehen, dass es dem Staatsanwalt genauso ging wie ihm selbst, als er Natalie zum ersten Mal gesehen hatte. Auf ganz eigentümliche Weise war seine Kollegin erst beim zweiten Hinsehen hübsch. Offenbar war seine Partnerin derartige Reaktionen gewohnt, da sie den Staatsanwalt einfach nur mit ihren wachen Augen ansah und ihm Zeit ließ sie einzuschätzen. Endlich schien der Groschen gefallen und Ehmer gab auch ihr die Hand: »Schön, Sie kennenzulernen!« Nachdem diese Förmlichkeiten abgehakt waren, fragte Mike: »Wissen Sie, was hier los ist? Offenbar hat man die Leiter sämtlicher Dienststellen hierher beordert.« Der hochgewachsene Staatsanwalt zog noch einmal an seiner Zigarette, drückte diese dann aus und antwortete: »Sicher weiß ich das! Aber es wurde beschlossen, dass vor dem Treffen nichts weitergegeben werden darf. Das gilt leider auch für Sie!« Und noch bevor weitere Fragen folgen konnten, blickte er auf seine Uhr und verabschiedete sich dann eilig. Mike sah Natalie verwundert an, zuckte mit den Schultern und stellte fest: »Ich glaube, du hast Recht, und der Teufel ist in der Stadt!«


 


Ende der Leseprobe.


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