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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Kalter Tod, Hermann Markau
Hermann Markau

Kalter Tod



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Als sein Handy klingelte, stand Zacharias unter der Dusche. Er brauchte einige Zeit.
   »Ja?«
   »Breitenbach hier. Wann können wir kommen?«
   »Oh, Herr Breitenbach!« Er hatte nicht damit gerechnet, dass der Aufsichtsrat auf der Insel erscheinen würde. Annika Imhoff hatte die Bestattung so ungewöhnlich früh angesetzt, dass man sich kaum vorstellen konnte, Auswärtige würden ihre Terminplanung darauf einstellen können.
   »Geben Sie mir dreißig Minuten!«
Breitenbach klingelte fünf Minuten vor der Zeit. Zacharias öffnete. Nachdem man sich gesetzt, der Gastgeber den beiden Gästen und sich Tee gekocht und man es sich auf der Terrasse gemütlich gemacht hatte, begann Breitenbach das Gespräch:
   »Tja, Herr Zacharias – oder darf ich Jörg sagen?«
   Zacharias fühlte sich geschmeichelt, eine Befindlichkeit, die jedoch durch eine gehörige Portion Vorsicht getrübt wurde. Denn was die Zusammenarbeit mit der Chefetage aus Frankfurt anging, war er immerhin ein gebranntes Kind. Er nickte mit dem Kopf und sagte: »Ja, natürlich, Herr Breitenbach«, und erwartete insgeheim ein gegenseitiges Angebot, das aber nicht kam.
   »Herbert und ich sind natürlich hier, um dem Bodo das letzte Geleit zu geben. Tragisch, das alles!«, bedauerte er den Tod des Vorsitzenden und fuhr fort: »Das war nicht abzusehen, dass der Bodo solch einen Abgang macht. Er fehlt uns. Oder, Jörg? Was sagen Sie dazu?«
   Der Sylter krauste die Stirn und gab damit zu erkennen, dass er den Ausführungen des Aufsichtsrates nicht zu widersprechen gedachte. »Auf jeden Fall, Herr Breitenbach. Das ist ein schwerer Verlust für uns.«
   »Na ja, Jörg! Machen wir uns nichts vor!« Er hatte bisher die Ellbogen auf den Knien abgestützt und die Hände unter dem Kinn gefaltet. Jetzt lehnte er sich zurück, schlug ein Bein über das andere und ließ seinen Blick über den Horizont schweifen, wo ganz schwach noch die rot blinkenden Warnlichter eines Windparks zu erkennen waren.
   »Ganz so ist es auch wieder nicht. Hab ´ich recht?«, nahm er den Faden wieder auf. »Wir wissen alle, dass die Sylter Unternehmungen, sozusagen das Hobby unseres guten Bodos, doch ein wenig in Notlage gerieten – Ich meine nicht das Tagesgeschäft, das Sie zu verantworten haben, Jörg. Nein, nein!«
   Er holte sich die Tasse vom Tisch und trank. Dann schaute er auf das Gewimmel unten am Strand und schleimte: »Mein Gott! Sie haben´s schön hier. Wissen Sie das eigentlich, Jörg?«
   Der nickte zustimmend und wollte etwas sagen, kam aber nicht dazu, denn Breitenbach sprach einfach weiter, ohne darauf zu warten, ob Zacharias antworten würde.
   »Kurz – Sie können sich vorstellen, dass wir mit dem, was hier auf der Insel an Vermögenswerten generiert wurde, nicht mehr ganz zufrieden waren. Da kann dann solch eine Ende wie das des lieben Bodo auch ein Wink des Schicksals sein, meinen Sie nicht, Jörg?«
   Herbert Christiansen hatte bisher stumm da gesessen und nur ab und zu die ein oder andere Äußerung seines Kollegen mit einem kleinen Lächeln quittiert. Bei der Wendung Wink des Schicksals aber schaute er dem Sprecher direkt ins Gesicht und bestätigte ihm diese Anschauung durch eifriges Kopfnicken.
   »Mit anderen Worten also, lieber Jörg: Vielleicht hat sich unser Bodo das, was er vor ein paar Tagen erleiden musste, selbst zuzuschreiben. Ich will da nicht in die Tiefe gehen. Das bringt uns nicht weiter. Nur soviel: Internationale Banksyndikate haben gewisse Geschäftspraktiken unseres lieben Verblichenen möglicherweise nicht gern gesehen. Möglicherweise!«
   Der Filialdirektor der Sylter Dependance der Deutschen Rentenbank Jörg Zacharias bemerkte während des Vortrags seines Gastes, dass er mit halboffenem Mund den Andeutungen Breitenbachs über mafiöse Verstrickungen Imhoffs gefolgt war. Sollte der Mord an Imhoff etwa ...? Er mochte sich gar nicht ausmalen, was das bedeutete. Und das, was seine Sekretärin über die Bankenmafia erzählt hatte, wäre vielleicht gar nicht abwegig.
   Jetzt machte Breitenbach eine Pause. Zacharias hätte etwas sagen können. Aber er sagte nichts. Es hatte ihm im wahren Sinne des Wortes die Sprache verschlagen. Dann erhob er sich und fragte: »Noch Tee?«, nahm die Kanne, ohne eine Antwort abzuwarten, und schenkte nach.


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