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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Jeder Einzelne, Peter Märkert
Peter Märkert

Jeder Einzelne


Ein Ruhrgebietskrimi

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„Ich möchte nicht stören“, sagt Christina an der Tür.


„Du störst nicht“, erwidert er freundlich. „Komm erst mal rein.“


Sie folgt ihm in den Flur.


„Ich habe mein Handy in Marcos Auto vergessen, brauche nur kurz anzurufen, dann bin ich wieder weg.“


Er schließt die Tür hinter ihr, nimmt ihr die Lederjacke ab.


„Wo ist Marco? Hattet ihr Stress?“


„Das ist es ja! Er hat sich auf der Feier bei seiner Schwester an eine andere herangemacht. Ich wollte nach Hause, aber meine Eltern sind nicht da. Hätte ich bloß meinen Schlüssel mitgenommen. Hab das Gefühl, heute Nacht hat sich alles gegen mich verschworen.“


„Du kannst hier schlafen, wenn du willst. Ist schließlich ein Notfall.“


Er lächelt ihr zu.


„Furchtbar nett von dir, aber ich möchte keine Umstände machen.“


„Das sind keine Umstände. Außerdem, wo willst du um diese Zeit noch hin?“


„Ist schon in Ordnung“, wehrt sie ab. „Ich rufe einen guten Bekannten an.“


Er geht voraus ins Wohnzimmer. Der Fernseher läuft. Eine Frau gefesselt auf einer Pritsche. Er nimmt die Fernbedienung, schaltet den Fernseher aus.


Sie bleibt stehen: „Bist du allein?“


„Ja“, antwortet er. „Ich habe einen Cocktail erfunden. Willst du probieren?“


„Klar, ich mag Cocktails.“ „Dann setz dich!“ Er deutet auf die Couch. „Du wirst staunen.“


Er verschwindet in der Küche. Sie lässt sich auf der Couch nieder, zupft an ihrem kurzen Kleid, schlägt die Beine übereinander. Er kommt mit zwei Gläsern mit Eis, Zuckerrand und weißen Strohhalmen zurück. Setzt sich auf den Sessel ihr gegenüber, prostet ihr zu. Sie löst ihre gespannte Haltung, beugt sich zum Tisch, nimmt einen tiefen Zug.


„Wirklich gut. Ein bisschen wie Caipirinha.“


„Aber nur ein bisschen, ist eine eigene Kreation.“ Sie empfindet einen salzigen Nachgeschmack.


„Ich müsste erst die Auskunft anrufen, habe alle Telefonnummern im Handy gespeichert.“


„Ja, okay. Ich hole gleich das Telefon.“ Er prostet ihr zu, lächelt immer noch. Sie lächelt zurück, beugt sich zum Strohhalm, trinkt. Verschluckt sich. Hustet. Er steht auf, klopft ihr auf den Rücken.


„Möchtest du etwas anderes? Cola, Wasser? Soll ich dir einen Kaffee kochen?“


„Nein, danke. Ich kann wirklich nicht lange bleiben.“


Sie spürt seine Blicke, die Spannung im Raum. Schafft es nicht aufzustehen, kann sich nicht aufraffen, bleibt sitzen und nippt an ihrem Cocktail. Immer wieder. Er lobt ihre Figur, ihre Kleidung.


„Du kannst andere haben als Marco“, sagt er. „Bist jung. Siehst toll aus. Verstehst dich super zu kleiden.“


„Danke. Ich glaube, ich sollte jetzt wirklich anrufen. Sonst schaffe ich es nicht mehr und du hast mich die ganze Nacht am Hals.“


Sie errötet, trinkt den Cocktail aus. „Ein letztes Glas zum Abschied.“ Er geht in die Küche. Sie kämpft gegen eine aufkommende Übelkeit an.


„Du kannst mir das Rezept aufschreiben“, sagt sie, während er die gefüllten Gläser auf den Tisch stellt. „Das Rezept wird nicht verraten“, lacht er. Sie versteht nicht, warum er lacht. Zieht an dem Strohhalm.


„Musik fehlt zum Cocktail“, stellt er fest.


„Irgendwas Bestimmtes?“ „Madonna.“


Sie merkt, wie ihr das Sprechen schwerfällt, lehnt sich auf der Couch zurück.


„Natürlich. Madonna.“


Er sieht sie an, als warte er auf etwas. Sieht sie immerzu an. Sie mag es nicht, von ihm angestarrt zu werden, richtet sich auf, zieht an ihrem Kleid. Nimmt noch einen Schluck. Er geht zum Schrank, sucht nach einer CD, findet sie und legt sie in den Player. ‚Life ist a mystery, everyone must stand alone.‘ Ihr Lieblingssong. Like a prayer. Sie wippt im Takt. Sofort wird ihr schwindelig. Sie kneift die Augen zusammen. Er kommt zurück an den Tisch, beugt sich zu ihr. „Richtig gewählt?“ „Ja, erinnert mich an schöne Momente.“


Sie spürt seine Blicke auf ihrem Busen, ihren Beinen, kommt sich in dem dünnen Kleid nackt vor, wünschte einen hochgeschlossenen Pullover und Jeans zu tragen. „Du gefällst mir“, sagt er, nimmt die Gläser, geht in die Küche. Etwas stimmt nicht. Der Schwindel, die Übelkeit. Ein Rauschen im Kopf, das stärker wird. Zu viel Alkohol. Nichts mehr trinken, nur noch schlafen. Für einen Moment die Augen schließen. Anrufen. Ihn nach dem Telefon fragen. Sie spürt, wie ihr alles zu viel wird. Wo wollte er hin? Sie erinnert sich nicht. Aber da sitzt er ja. Auf dem Sessel ihr gegenüber. Wie viel Uhr es wohl ist?


Er steht auf, gibt ihr ein Glas in die Hand. „Trink!“ Sie zieht an dem Strohhalm.


„Weißt du, wie viel Uhr ist es?“ Er weist auf die Wanduhr.


Sie erkennt die Zeiger nicht. Sieht alles verschwommen. Kann nicht mehr auf der Couch sitzen. Würde alles darum geben, in ihrem Bett zu liegen. Sie möchte aufstehen, ins Bad gehen. Schafft es nicht. Erst ein bisschen hinlegen, ein paar Minuten Kräfte sammeln. Sie versucht die Stiefel abzustreifen, die sie mit den Nylonstrümpfen und dem kurzen Kleid für die Feier bei Marcos Schwester kaufte. Er springt herbei, hilft ihr aus den Stiefeln. Sie streckt sich aus, dreht sich von ihm weg, murmelt eine Entschuldigung.


Versteht er sie nicht? Sie spürt seinen Atem, seinen Körper neben sich. Sie will das nicht, will ihn nicht so nah. Will ihn abwehren. Ihr fehlt die Kraft. Fühlt sich wie gelähmt. Paralysiert. Er zieht den Reißverschluss ihres Kleides auf, streift es von ihrem Körper. Sie möchte sich auf der Couch aufrichten. Es gelingt ihr nicht. Er ist über ihr, öffnet den BH, zieht ihr den Slip aus. Sie möchte weg. Weg von ihm. Ein blaues Kondom. Sie sieht es in seiner Hand. Er streift es über. Sie versucht sich zu befreien, aber er ist überall mit seinen Händen. An ihren Brüsten, zwischen ihren Beinen. Sie spürt ihn hinter sich, wie er ganz hart in sie eindringt. Will schreien. Kein Laut dringt aus ihrem Mund. Er hatte ihr was ins Glas gemixt. Das ist es. Hatte es von Anfang an geplant, als sie vor seiner Tür stand. Er soll aufhören.


„Aufhören! Ich kann nicht!“ Sie hört ihre Stimme nicht. Fühlt sich außerhalb ihres Körpers, als würde sie das Geschehen von außen betrachten. Sein Körper stößt immer heftiger gegen ihren Po. Er zittert. Atmet stoßweise. Stöhnt. Wird endlich ruhig. Zieht sich zurück. Sie muss ihm mitteilen, dass sie nichts sagt.


„Ich sage nichts. Versprochen, ich sage nichts.“


Er reagiert nicht. Sie wiederholt ihre Worte. Er steht auf. Nimmt seine Sachen. Geht zur Tür. Wohin? Das Telefon. Marco? Sie muss ihn anrufen, aber hat kein Telefon....


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