Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern



Kategorien
> Krimi Thriller > JEDER
Belletristik
Bücher Erotik
Esoterik Bücher
Fantasy Bücher
Kinderbücher
Krimis & Thriller
Kultur Bücher
Lyrikbücher
Magazine
Politik, Gesellschaftskritik
Ratgeberbücher
regionale Bücher
Reiseberichte
Bücher Satire
Science Fiction
Technikbücher
Tierbücher
Wirtschaftbücher
Bücher Zeitzeugen

Login
Login

Newsletter
Name
eMail

Krimis & Thriller
Buch Leseprobe JEDER, Thomas Seidl
Thomas Seidl

JEDER


Krimithriller

Bewertung:
(245)Gefällt mir
Kommentare ansehen und verfassen

Aufrufe:
1306
Dieses Buch jetzt kaufen bei:

oder bei:
erhätlich bei Amazon
Drucken Empfehlen



Mit einer Hand griff John Down hastig in das Handschuhfach und versuchte, eine Zigarettenpackung zu finden. Seit er aus London losgefahren war, hat er keine einzige Zigarette mehr geraucht. „Da muss doch noch eine Packung zu finden sein“, fluchte er vor sich hin. Er war süchtig nach diesen Dingern und wollte auch jetzt nicht damit aufhören. Der Auftrag einer gewissen Julia Sterling führte ihn von London ins beschauliche Steakbeaver. Vor fünfzehn Jahren war er noch ein hochrangiger Scotland Yard-Ermittler gewesen, doch dann war er dem Alkohol verfallen, als er einen bestialischen Serienkiller nicht hatte zur Strecke bringen können. Immer mehr gab er sich den Genüssen dieser legalen Droge hin; am Ende kostete ihn das seinen Job und danach verlor er sein komplettes soziales Umfeld. Er hatte sich einfach nicht mehr im Griff. Als es nur noch eine Frage der Zeit war, wann er sterben würde – sei es durch den Alkohol oder die Art, wie er sein Leben bestritt – raffte er sich noch einmal auf und kehrte dem Alkohol den Rücken. Er eröffnete eine Detektei und schaffte wieder den Sprung ins soziale Leben.


Fünf Jahre war das nun her, und jetzt hatte er einen Auftrag von einer reichen Familie erhalten, der ihm neben ein wenig Kleingeld auch noch in beruflicher Hinsicht Ansehen bringen könnte. Nur das Rauchen hielt ihn davon ab, wieder mit dem Trinken zu beginnen, und darum suchte er gerade verzweifelt nach einer Packung Kippen. „Ah! Da haben wir dich ja!“ Glücklich über den Fund, steckte er sich gleich eine Zigarette an. In seiner alten Klapperkiste, einem silbernen Mercedes Benz E270, Baujahr letztes Jahrtausend, war es nicht mehr wichtig, ob er auf Sauberkeit achtete oder nicht. Die besten Tage dieses Wagens waren ohnehin schon lange vorbei. Selbst den letzten Service hatte er nicht mehr machen lassen, denn es wäre nur mehr reine Zeitverschwendung gewesen. Die Bremsen waren fast im Eimer und die Stoßdämpfer nur mehr Requisiten von einem alten Auto. Die Liste der Schäden war lang, sehr lang, doch John Down war das egal – Hauptsache, der Wagen brachte ihn noch in dieses kleine Kaff mit dem wunderlichen Namen. Steakbeaver lag zwar nur knapp hundert Kilometer von London entfernt, aber da John noch nie zuvor von diesem Örtchen gehört hatte, hatte er auf Google Earth einige Fotos davon betrachtet, und so war ihm nun klar, dass er in ein typisches, kleines englisches Dorf fuhr.


Im Dorfkern standen viele Back-to-Back-Häuser, Reihenhäuser, die sich eine gemeinsame Rückwand teilen. Im 19. Jahrhundert wurden solche Häuser hauptsächlich für die Industriearbeiterschaft errichtet. Die Bauform, viele einzelne Häuser direkt nebeneinander zu bauen, ermöglichte es außerdem, die geraden Parallelstraßen über die Hänge und Kämme des hügeligen Baugrundes des Dorfes zu ziehen. John bedauerte, dass solche Bauten in den englischen Großstädten kaum noch zu finden waren, da sie spätestens Mitte der 70er-Jahre abgerissen worden waren. Langsam fuhr er in das Dorf hinein. Hier im beschaulichen Steakbeaver, wo einst eine große Kohlefabrik stand, gab es solche Häuser noch immer und formten das Bild des Dorfes, an dessen Rand zudem viele allein stehende kleine und größere Häuser, meistens aus Backstein gebaut waren.


Zu diesen gehörte auch die Villa der Familie Sterling, vor deren Einfahrt John Down gerade Halt gemacht hatte. Er stoppte den Motor, um Benzin zu sparen, und sah sich um. Das Anwesen war von einer imposanten Steinmauer umgeben, und die Zufahrt wurde durch ein großes schwarzes Tor mit einem Drachensymbol versperrt. Zwei Säulen, auf deren Spitzen sich jeweils zwei Drachenstatuen befanden, streckten sich links und rechts des Tores empor. Alles wirkte hier sehr alt, bis auf die Überwachungskamera, die an der linken Säule befestigt war.


Kurz darauf öffnete sich quietschend das Tor. John startete den Motor wieder, fuhr hinein und eine lange Allee entlang. Die Blätter fielen bereits von den Bäumen, denn es war schon Ende Oktober. Er erblickte die große alte Villa, die seiner Meinung nach eine Renovierung bitter nötig hatte. Am Vorplatz hielt er mit seinem Wagen an und wurde beim Aussteigen gleich vom Hausmädchen der Sterlings empfangen.


„Guten Tag, werter Herr! Willkommen in Steakbeaver! Mrs. Sterling erwartet Sie bereits.“


John folgte dem Mädchen ins Innere der Villa. Was außen nach einem alten, renovierungsbedürftigen Gemäuer aussah, zeigte innen seinen wahren Glanz. In der Eingangshalle funkelte ein riesiger Kronleuchter von der Decke, und das Eichenholz der Treppe, die einen Stock höher führte, erstrahlte wie neu. An den Wänden hingen wunderschöne Ölporträts, deren Gesichter er aber nicht zuordnen konnte. Es müssen wohl Familienporträts sein, schlussfolgerte John.


Die Haushälterin führte ihn in einen Nebenraum in der unteren Etage. „Warten Sie bitte hier. Mrs. Sterling wird Sie in Kürze empfangen.“


John bedankte sich und sah sich im Raum um. Es war eine mittelgroße Bibliothek, vollgestopft mit Werken, deren Entstehungsjahre sich quer durch das Jahrhundert zogen. Keine spezifische Literatur, und dem Staub nach zu schließen waren sie in letzter Zeit auch nicht gelesen, sondern wohl mehr zu Dekorationszwecken aufgestellt worden. Ein alter Bürotisch, vermutlich aus viktorianischer Zeit, stand fast in der Mitte des Raumes. Es herrschte Unordnung auf ihm, und auch in der Ecke des Zimmers war Staub zu finden. Rasch wurde John klar, dass normalerweise nur der Hausherr oder die Hausherrin Zugang zu diesem Zimmer hatten, denn es schien schon lange nicht mehr gereinigt worden zu sein. Der Eingangsbereich, den er sich zuvor gut eingeprägt hatte, wirkte dagegen lupenrein, sogar der Kronleuchter, der mehrere Meter über den Boden hing, war ohne Staub gewesen.


 


Für den Inhalt dieser Seite ist der jeweilige Inserent verantwortlich! Missbrauch melden



© 2008 - 2020 suchbuch.de - Leseproben online kostenlos!


ExecutionTime: 3 secs