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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Hochmut: Psychothriller , Mark Franley
Mark Franley

Hochmut: Psychothriller



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-1-


Das Knarren der alten Holztreppen suggerierte den Eindruck von Normalität, einer Normalität, die es in Martins Leben nicht mehr gab. So müde, wie er selbst war, gab das Holz bei jedem seiner langsamen Schritte nach und entspannte sich anschließend wieder. Fast so, als wäre es froh, seine Last nicht mehr tragen zu müssen.
Es war nicht sein Körper, der zu kraftlos für den Weg hinauf in den Dachboden war, vielmehr war es das Leben selbst, welches er nicht mehr begriff. Alles war ihm entglitten, erst Maria, dann sein Job, anschließend sein letzter Freund und bald, sehr bald, würde ihn auch die kleine Jasmin verlassen.
All diese Veränderungen kamen nicht von heute auf morgen, es begann schleichend, steigerte sich und war noch lange nicht zu Ende. Doch im selben Maße, wie die Realität eine andere wurde, schärfte sich sein Blick für die Wahrheit. All das, was man sein Leben lang irgendwie hinnahm, wurde immer mehr zu einer unerträglichen Erkenntnis.

Martin öffnete die dünne Holztür und trat in den Dachboden. Staub wirbelte auf, schien sich in einem der dünnen Lichtstrahlen zu sammeln, um anschließend einen wilden Tanz zu vollführen. Der dicke Strick hing dagegen unbeteiligt von einem der oberen Balken und wartete geduldig auf seine Aufgabe.
Staub. Martin hielt den Gedanken fest. Maria war Staub und auch Jasmin würde sich bald mit dem Staub ihrer Mutter vereinen.
Martins Blick streifte den dicken Knoten in der Mitte des Seils, was ihm für die Dauer eines Wimpernschlages das Gefühl von Sicherheit gab, dann durchquerte er den kargen Raum, bis zur hintersten, dunkelsten Ecke.
Alles war so, wie er es verlassen hatte. Natürlich, wer sollte auch etwas verändern?
Begleitet von einem stummen Gebet zündete er die beiden Kerzen an, kniete sich auf die Waschbetonplatte und nahm die erste der Klammern, die andere als Sadomaso-Spielzeug verwendeten. Der Schmerz war nichts gegen den Sturm in seinem Inneren, ganz im Gegenteil, er half ihm, den Sturm für einige klare Gedanken lang zu bändigen. Klammer zwei und drei folgten, es waren die Guten, die mit kleinen Stacheln am Ende. Zufrieden blickte er auf sein Blut, das als dünnes Rinnsal an seinem Bauch hinunterlief und sich dort sammelte, wo er sich früher mit Maria vereint hatte, und von wo auch der Samen für Jasmin herstammte.
Martin schloss die Augen und wartete. Der mentale Absturz dauerte nur Sekunden, wobei er in seinem Geist erst einige innere Barrieren durchbrach, in einen See aus Blut eintauchte und schließlich auf der unnatürlich grünen Wiese aufwachte.
Endlich war er zurück, das war seine Welt. Es war die Welt, in die er gehörte und in der das Band der Liebe alles miteinander verband.


Maria tanzte mit Jasmin durch das hohe Gras, wirbelte sie in die Luft und fing sie wieder auf. Das vergnügte Quietschen seiner Tochter wurde von einer Böe bis zu ihm getragen und zauberte ein endloses Lächeln in sein Gesicht. Martin sah, wie sich das leichte Sommerkleid seiner Frau im Wind an ihren Körper schmiegte und ihre Konturen sichtbar wurden.
Jasmin löste sich von ihrer Mutter, rannte ausgelassen im Slalom durch die hohen Mohnblumen auf ihn zu und breitete ihre kurzen Ärmchen aus. Kurz bevor sie ihren Vater erreichte, hatte Maria sie eingeholt. Mit einem Griff unter die Achseln hob sie ihre Tochter in die Höhe, ließ sie kurz durch die Luft fliegen und eine Sekunde später landeten beide in einem Meer aus Frühlingsblumen ... ein Spiel, das ihr Leben besiegeln sollte.
Martins Gedanken lösten sich aus der Szene, tauchten erneut in den See aus Blut und durchbrachen all die Barrieren von der anderen Seite, um schließlich wieder in dieser falschen Realität zu landen. Sein schneller Atem brachte die Kerzenflammen zum Flackern, doch er wusste, dass diese Flammen nie wirklich erlöschen würden. Ohne etwas zu spüren, entfernte er die Klammern, beugte sich über die erste Kerze und nahm deren Flamme in seinem Mund auf. Um die Liebe von Mutter und Tochter zu vereinen, beugte er sich anschließend über die zweite Flamme und wiederholte das Prozedere, verharrte einen Augenblick, um das Geschehene wirken zu lassen, und verließ den Dachboden.

Nachdem er kurz geduscht hatte, empfing ihn das Erdgeschoss seines Hauses mit dem leisen Zischen des Sauerstoffs, der in Jasmins Nase geleitet wurde. Auch wenn ihm die Ärzte davon abgeraten hatten, stand Jasmins Krankenbett direkt am größten Wohnzimmerfenster und die nötigen Gerätschaften möglichst weit weg davon. In den wenigen Augenblicken des Bewusstseins, die ihr Gott noch schenkte, sollte sie wenigstens hinaus zu seiner Schöpfung sehen können.
Ihr kleiner, ausgemergelter Körper zeichnete sich kaum noch unter der weißen Zudecke ab, die nur ihr friedlich schlafendes Gesicht unbedeckt ließ. Obwohl Martin Angst hatte sie aufzuwecken, musste seine Hand ihre feuchte, kalte Haut berühren, wobei ihm schmerzhaft bewusst wurde, wie wenig Leben noch in ihr war.
»Sie dürfen das nicht, wir müssen Ihre Tochter hier behalten«, hallte die Stimme des Chefarztes durch seinen Geist. Doch er hatte den Mann nur angesehen und ihn gefragt: »Würden Sie hier sterben wollen?« Widerwillig hatte man Jasmin zu ihm nachhause verlegt und immer wieder betont, keinerlei Verantwortung übernehmen zu wollen.
Bei dem Gedanken daran lachte Martin verzweifelt auf. Niemand hatte für irgendetwas Verantwortung übernommen. Nicht der Arzt, nicht diese Firma und auch kein Richter.
Der Druck seiner Hand war bei diesem Gedanken fester geworden und Jasmin gab ein leises Stöhnen von sich. »Alles gut, mein Schatz«, versuchte er sie zu beruhigen und strich ihr dabei sanft über ihr langes rotes Haar, doch sie hielt ihre Augen offen und er sah das Unausweichliche in ihrem Blick.
»Nein«, flehte er leise, »nicht jetzt schon.«
Jasmins Lippen formten ein Wort, doch kein Laut verließ ihren Mund.
»Jasmin, bitte ...« Obwohl er wusste, dass es nichts brachte, fiel sein Blick auf den kleinen Monitor unter ihrem Bett. Die angezeigten Wellen waren noch immer gleichmäßig, doch ihr Abstand wurde merklich länger. Er schaltete das Gerät ab, zog das Hütchen von ihrem Finger und nahm ihre winzige Hand in seine eigene.
Jasmins Augenlider schlossen sich langsam, öffneten sich wieder und für einige lange Sekunden wurde ihr Blick so klar, wie er früher einmal war. Obwohl Martin ihr die Erlösung wünschte, konnte er ein kurzes Gefühl der Hoffnung nicht unterdrücken, doch ihre Lippen formten ein letztes »Papa« und verstummten dann für immer.
Alles in Martin bebte. Er wollte schreien und hatte doch die sinnlose Angst, sie noch einmal zu wecken. Sie, die kleine Jasmin, sollte doch schlafen ... so lange schlafen, bis sie sicher bei ihrer Mutter angekommen war und ihr niemand mehr etwas antun konnte.
Stunde um Stunde verging. Und in jeder Sekunde glaubte er spüren zu können, wie das Leben aus ihr floss. Sie wurde so kalt, so furchtbar kalt ...


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